Sohn des N.N. ; Neffe des Bischofs Burchard
II. von Halberstadt
Fenske Lutz: Seite 99,128,133-146
**********
"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen"
Mit der Reform des Klosters Ilsenburg beauftragte
Bischof Burchard seinen Neffen Herrand,
den er aus dem Burchards-Kloster in Würzburg nach Sachsen kommen ließ
und in dem Kloster als Abt einsetzte. Mit Herrand
geriet
Ilsenburg in den Einflussbereich einer Reformrichtung, die ihren Ausgangspunkt
vom lothringischen Gorze genommen und bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich
in Mainfranken und einigen Klöstern S-Deutschlands Verbreitung fand.
Herrand, Abt von
Kloster Ilsenburg, war ein entschiedener Gegner von Kaiser
HEINRICH IV. Die Geltung Bischof Herrands
beruhte, obwohl er sich in seinem Bistum nicht behaupten konnte,
auf seiner Stellung als entschiedener Anhänger der reformkirchlichen
Bewegung. Als Abt des Klosters Ilsenburg und in enger Zusammenarbeit mit
Burchard von Halberstadt, seinem Onkel, hatte er schon vor seiner
Erhebung zur Bischofswürde die Ausbreitung einer bestimmten Richtung
der monastischen Reform maßgeblich in Sachsen gefördert. Ihm
galt die besondere Wertschätzung Papst Urbans II.
Nach dem Tode seines Onkels Burchard
wurde er
vom gregorianisch gesinnten Teil des Halberstädter Domkapitels zum
Bischof gewählt, konnte in dieser Stellung keine besondere
Geltung mehr erlangen, da sich der persönliche Einfluss HEINRICHS
IV. nach dem Ausgleich von 1088 langsam verstärkte, so
dass der kaiserliche Gegen-Bischof Friedrich seinen Gegner Herrand
mehr
und mehr verdrängte.
Die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Bistum
wurde jedenfalls zwischen Herrand und
Friedrich ausgetragen. Sie führte dazu, dass Herrand
von seinem Gegner sehr bald aus der Stadt verdrängt wurde
und seine bischöflichen Funktionen nur noch an wenigen Plätzen,
wie Ilsenburg, ausüben konnte. Spätestens im Jahre 1100, als
Bischof Friedrich die Ilsenburger Mönche, die ihm den Gehorsam
versagten, vertrieb, hatte er auch die letzte Wirkungsmöglichkeit
im gesamten Bereich seiner Diözese verloren.
Am 29. Januar 1094 empfing er in Rom von Papst Urban
II. die Weihe. Diese Reise diente in erster Linie dem Zweck, sich die Bischofsweihe
erteilen zu lassen, da Herrand zu dieser
Zeit im Reich wohl nicht die zur Weihehandlung befähigten Personen
finden konnte, denn sein Metropolit Ruthard von Mainz vertrat damals noch
die Interessen des Kaisers. Ganz allgemein darf angenommen werden, dass
Urban II. bereits durch seine Legatentätigkeit in Deutschland den
sächsischen Reformabt und Kaiser-Gegner Herrand
persönlich gekannt haben muss. Soweit es ihm möglich war, versuchte
Urban Bischof Herrand zu unterstützen,
damit dieser sein Bistum wieder in Besitz nehmen konnte. In drei Briefen
gleichen Inhalts wurden die Sachsen aufgefordert, Herrand
bei der Inbesitznahme seines Bischofsstuhles zu unterstützen. Auch
solle man sich in den Diözesen, in denen es keine rechtgläubigen
Bischöfe gebe, des Rates Herrands
bedienen. Urban II. übertrug Herrand
auch die Aufgaben eines päpstlichen Legaten.
Herrand
hat sich zeitweilig, wohl nachdem er von Bischof Friedrich
völlig aus seinem Bistum verdrängt worden war, als Flüchtling
in Magdeburg aufgehalten. Mit ihm waren damals der Halberstädter Dompropst
Adalgoz, sein Verwandter, und vermutlich weitere wegen ihrer antikaiserlichen
Haltung vertriebene Kanoniker nach Magdeburg gekommen, wo ihnen Erzbischof
Hartwig Aufnahme gewährte. Im Anschluss an sein Exil in Magdeburg
zog sich Herrand nach Thüringen
ins Kloster Reinhardsbrunn zurück. Die Gründung dieses Klosters
hatte er maßgeblich mitgestaltet und auch zu dessen Stifter, dem
thüringischen Grafen Ludwig, bestanden enge Beziehungen. Als Mönch
starb er dort am 24. Oktober 1102.
Literatur:
-----------
Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter,
Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 304/Band II Seite 339,342-345,351,492,498
- Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im
östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977
Seite 99,128,133-146 -