Herrand                                                    Bischof von Halberstadt (1088-1102)
-----------                                                  Abt von Kloster Ilsenburg
    -24.10.1102
     Kloster Reinhardsbrunn
 

Sohn des N.N. ; Neffe des Bischofs Burchard II. von Halberstadt
 

Fenske Lutz: Seite 99,128,133-146
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Mit der Reform des Klosters Ilsenburg beauftragte Bischof Burchard seinen Neffen Herrand, den er aus dem Burchards-Kloster in Würzburg nach Sachsen kommen ließ und in dem Kloster als Abt einsetzte. Mit Herrand geriet Ilsenburg in den Einflussbereich einer Reformrichtung, die ihren Ausgangspunkt vom lothringischen Gorze genommen und bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich in Mainfranken und einigen Klöstern S-Deutschlands Verbreitung fand.
Herrand, Abt von Kloster Ilsenburg, war ein entschiedener Gegner von Kaiser HEINRICH IV. Die Geltung Bischof Herrands beruhte, obwohl er sich in seinem Bistum nicht behaupten konnte, auf seiner Stellung als entschiedener Anhänger der reformkirchlichen Bewegung. Als Abt des Klosters Ilsenburg und in enger Zusammenarbeit mit Burchard von Halberstadt, seinem Onkel, hatte er schon vor seiner Erhebung zur Bischofswürde die Ausbreitung einer bestimmten Richtung der monastischen Reform maßgeblich in Sachsen gefördert. Ihm galt die besondere Wertschätzung Papst Urbans II.
Nach dem Tode seines Onkels Burchard wurde er vom gregorianisch gesinnten Teil des Halberstädter Domkapitels zum Bischof gewählt, konnte in dieser Stellung keine besondere Geltung mehr erlangen, da sich der persönliche Einfluss HEINRICHS IV. nach dem Ausgleich von 1088 langsam verstärkte, so dass der kaiserliche Gegen-Bischof Friedrich seinen Gegner Herrand mehr und mehr verdrängte.
Die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Bistum wurde jedenfalls zwischen Herrand und Friedrich ausgetragen. Sie führte dazu, dass Herrand von seinem Gegner sehr bald aus der Stadt verdrängt wurde und seine bischöflichen Funktionen nur noch an wenigen Plätzen, wie Ilsenburg, ausüben konnte. Spätestens im Jahre 1100, als Bischof Friedrich die Ilsenburger Mönche, die ihm den Gehorsam versagten, vertrieb, hatte er auch die letzte Wirkungsmöglichkeit im gesamten Bereich seiner Diözese verloren.
Am 29. Januar 1094 empfing er in Rom von Papst Urban II. die Weihe. Diese Reise diente in erster Linie dem Zweck, sich die Bischofsweihe erteilen zu lassen, da Herrand zu dieser Zeit im Reich wohl nicht die zur Weihehandlung befähigten Personen finden konnte, denn sein Metropolit Ruthard von Mainz vertrat damals noch die Interessen des Kaisers. Ganz allgemein darf angenommen werden, dass Urban II. bereits durch seine Legatentätigkeit in Deutschland den sächsischen Reformabt und Kaiser-Gegner Herrand persönlich gekannt haben muss. Soweit es ihm möglich war, versuchte Urban Bischof Herrand zu unterstützen, damit dieser sein Bistum wieder in Besitz nehmen konnte. In drei Briefen gleichen Inhalts wurden die Sachsen aufgefordert, Herrand bei der Inbesitznahme seines Bischofsstuhles zu unterstützen. Auch solle man sich in den Diözesen, in denen es keine rechtgläubigen Bischöfe gebe, des Rates Herrands bedienen. Urban II. übertrug Herrand auch die Aufgaben eines päpstlichen Legaten.
Herrand hat sich zeitweilig, wohl nachdem er von Bischof Friedrich völlig aus seinem Bistum verdrängt worden war, als Flüchtling in Magdeburg aufgehalten. Mit ihm waren damals der Halberstädter Dompropst Adalgoz, sein Verwandter, und vermutlich weitere wegen ihrer antikaiserlichen Haltung vertriebene Kanoniker nach Magdeburg gekommen, wo ihnen Erzbischof Hartwig Aufnahme gewährte. Im Anschluss an sein Exil in Magdeburg zog sich Herrand nach Thüringen ins Kloster Reinhardsbrunn zurück. Die Gründung dieses Klosters hatte er maßgeblich mitgestaltet und auch zu dessen Stifter, dem thüringischen Grafen Ludwig, bestanden enge Beziehungen. Als Mönch starb er dort am 24. Oktober 1102.
 
 
 
 

Literatur:
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Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 304/Band II Seite 339,342-345,351,492,498 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977 Seite 99,128,133-146 -