Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1870
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Halberstadt
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Bistum und Stadt in nördlichen Harzvorland
1. Bistum
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Für das Gebiet des späteren Bistums
Halberstadt sind Missionsbemühungen erst aus der Zeit KARLS
DES GROSSEN bekannt. Das Kloster Hersfeld war im Hassegau, Friesenfeld
und Nordthüringgau tätig. Hildegrim, seit 802 Bischof
von Chalons-sur-Marne, wandte sich, zeitweise unterstützt von seinem
Bruder Liudger, dem nördlichen Harzvorland zu, dem späteren Kerngebiet
des Bistums. Als Missionsleiter verlegte er zu Beginn des 9. Jh. das von
KARL DEM GROSSEN errichtete kirchliche Zentrum aus Salingenstede
(= Osterwieck) nach Halberstadt. Die formelle
Bildung des Bistums Halberstadt in der Kirchenprovinz
Mainz erfolgte 814 durch LUDWIG DEN FROMMEN.
Unter den OTTONEN, deren Stiftung Quedlinburg
im Bistum lag, begann der Aufstieg Halberstadts.
Bischof Bernhard (923-968) verhinderte die Gründung eines Bistum/Erzbistums
Magdeburg, die aber sein Nachfolger Hildeward (968-996) 968 hinnehmen
musste. Dieser konnte jedoch nach dem Slawenaufstand von 983 die günstige
Entwicklung fortsetzen: 989 Markt-, Münz- und Zollrecht für Halberstadt,
991 Zurückgewinnung einiger alter Gebietsteile bei der Auflösung
es Bistums Merseburg. Die Halberstadter Domschule
erreichte jetzt ebenfalls einen gewissen Rang; auch eine erste Halberstadter
Geschichtsschreibung
lässt sich nachweisen. Im 11. und 12. Jh. wurden geistliche und weltliche
Herrschaft unter den Bischöfen Branthog (1023-1036), Burchard
I. (1036-1059) und Burchard II. (1059-1088). Dieser konnte von
HEINRICH IV. neben Gütern die Zollfreiheit für die
Halberstadter
Kaufleute auf allen königlichen Märkten erlangen. Als er sich
jedoch führend an der sächsischen Opposition gegen die SALIER
beteiligte, wurde die Diözese
Halberstadt 1075 von kaiserlichen Truppen verwüstet. Trotzdem
vermochte er in dieser Zeit das Kloster- und Stiftsleben zu prägen:
Gründung des Chorherrenstifts St. Paul in der Stadt, Umwandlung der
Klause Huysburg und des laikalen Eigenstifts Wimmelburg in Klöster,
Gestaltung des Klosters Ilsenburg zu einem Reformzentrum der "Junggorzer"
Richtung.
Nach dem Niedergang des Bistums, seiner Klöster
und Stifte konnte
Bischof Reinhard (1107-1123) mit der Einführung
der Augustinerchorherren in bischöflichen Stiften die bischöfliche
Herrschaft und Verwaltung intensivieren. Unter Bischof Otto (1123-1128,
1131-1135) stellte das Bistum sich ganz in den Dienst der Interessen
LOTHARS III.; unter FRIEDRICH
I. litt es erheblich unter den
reichs- und territorialpolitischen Spannungen.
Bischof Ulrich (1149/50-1160,1177-1180),
gegen den sich die Halberstadter vergeblich
erhoben hatten, wurden 1154 die Regalien aberkannt. Er stellte sich auf
die Seite Papst Alexanders III. Durch die Absetzung 1160 gab FRIEDRICH
I. das Bistum unter Bischof Gero (1160-1177) dem welfischen
Einfluss preis. Als nach dem Vertrag von Anagni Ulrich 1177 sein
Bistum wiedererlangt hatte, kam es zu Kämpfen mit Heinrich dem Löwen
1179 zur Zerstörung der Stadt Halberstadt.
Nach dem Sturz Heinrichs bauten die Bischöfe ihre weltliche Herrschaft
im Zentrum ihres Sprengels aus. 1226 kaufte Bischof Friedrich (1208-1236)
die erbliche Vogtei und das Gericht über die Stadt
Halberstadt zurück, bis zur Mitte des 13. Jh. erwarben die
Bischöfe vornehmlich in ihrem weltlichen Machtbereich weitere Vogteien
über geistliche Einrichtungen. Unter Bischof Albrecht I. (1304-1324)
begann gegen die konkurrierenden Adelsgeschlechter am Harzrand eine bewusste
Territorialpolitik zur Erweiterung und Abrundung des Hochstifts (1322 Erwerb
von Aschersleben). Bischof Albrecht II. (1325-1358) erwarb 1332
die Schlösser Falkenstein und Ermsleben, erlangte 1338 die Vogtei
über die Stadt Quedlinburg (bis 1477) und zerschlug 1351 endgültig
die Herrschaft der Regensteiner Grafen. Auch die durch Geldnot erzwungenen
häufigen Verpfändungen des 14. und 15. Jh. gefährdeten den
damals erreichten Umfang des Stiftterritoriums nicht mehr wesentlich, führten
aber zur Minderung der stadtherrlichen Rechte in
Halberstadt. Ab 1479 (bis 1566) war das Bistum
Halberstadt in Personalunion mit dem Erzstift Magdeburg verbunden.
Das östlich an Hildesheim anschließende Bistum
Halberstadt [Missionierung durch Liudgers Bruder, Bischof Hildegrim
von Chalons (+ 827)] umfaßte fruchtbare Gebiete nördlich
und östlich vom Harz, aber auch den dünn besiedelten Belsemgau
gegenüber der Havelmündung, liudolfingische
Güter sowie Burgen fehedelustiger Adelsgeschlechter in Grenznähe.
Das machte dauernd eine beträchtliche Rücksichtnahme auf übermächtige
weltliche Gönner notwendig. 968 musste der Dompropst Hildeward
vor
seiner Investitur mit dem Bischofsamt (968-996) in die Abtretung der für
Magdeburg und Merseburg vorgesehene Sprengel einwilligen. Wildbann, Mark-,
Münz- und Zollrechte waren für diesen schweren Verlust kein ausreichender
Ersatz, zumal der lastende Einfluss des Königs fortdauerte, der im
Domkapitel über eine Hofkapellanspfründe verfügte. Für
die Pflege von Schule und Wissenschaft geschah wenig, denn Bischof Arnulf
(996-1023) wurde in erheblichem Umfange durch Grenzsicherung und Polenabwehr
in Anspruch genommen. Seine Gründung ist das Liebfrauenstift neben
dem 992 erneuerten Dome. Eine gemeinsame Ringmauer gewährleistete
den Schutz beider Kirchen. Branthog (1023-1036), den HEINRICH
II. wegen mangelnder Reformbereitschaft seines Amtes als Abt
von Fulda entsetzt und 10 Jahre später mit Halberstadt
entschädigt hatte, hielt sich politisch zurück.
| Hildigrim I. | 804- 827 |
| Thiadgrim | 827- 840 |
| Haimo (Hagino) | 840- 853 |
| Hildigrim II. | 853- 886 |
| Agilolf | 886- 894 |
| Sigismund I. | 894- 923 |
| Bernhard von Hadmersleben | 923- 968 |
| Hildiward von Werl | 968- 996 |
| Arnulf | 996-1023 |
| Branthog | 1023-1036 |
| Burchard I. | 1036-1059 |
| Burchard II. von Veltheim | 1059-1088 |
| Dietmar von Supplinburg | 1089 |
| Herrand (Stephan) | 1089-1102 |
| Friedrich I. | 1090-1105 |
| Reinhard von Blankenburg | 1106-1123 |
| Otto von Kuditz | 1123-1135 |
| Rudolf I. | 1136-1149 |
| Ulrich von Regenstein | 1149-1180 |
| Gero von Schermke Gegenbischof | 1160-1177 |
| Dietrich von Krosigk | 1180-1193 |
| Berthold (Gardolf) von Harbke | 1193-1201 |
| Konrad von Krosigk + 1225 | 1201-1208 |
| Friedrich II. Burggraf von Kirchberg | 1209-1236 |
| Ludolf I. von Schladen | 1236-1241 |
| Meinhard von Kranichfeld + 1254 | 1241-1253 |
| Ludolf II. von Schladen + 1287 | 1253-1255 |
| Volrad von Kranichfeld + 1297 | 1255-1296 |
| Hermann von Blankenburg | 1296-1303 |
| Albrecht I. von Anhalt | 1303-1324 |
| Albrecht II. von Braunschweig-Lüneburg | 1324-1357 |
| Albrecht von Mansfeld Gegenbischof | 1346-1356 |
| Ludwig II. von Meißen | 1357-1366 |
| Albrecht III. von Berg | 1366-1390 |
| Ernst I. von Hohnstein + 1399 | 1390-1398 |
| Rudolf II. von Anhalt | 1399-1406 |
| Heinrich von Warburg | 1406-1411 |
| Albrecht IV. von Wernigerode | 1411-1419 |
| Johann von Hoym | 1419-1436 |
| Burkhard III. von Warburg | 1436-1458 |
| Gebhard von Hoym | 1458-1480 |
| Ernst II. von Sachsen | 1480-1513 |
| Albrecht V. von Brandenburg | 1513-1545 |
| Johann Albrecht von Brandenburg | 1545-1550 |
| Friedrich III. von Brandenburg | 1550-1552 |
| Sigismund II. von Brandenburg | 1552-1566 |
| Heinrich Julius von Br.-Lüneburg | 1566-1613 |
| Heinrich Karl von Br.-Lüneburg | 1613-1615 |
| Rudolf III. von Braunschweig-Lüneburg | 1615-1616 |
| Christian von Braunschweig-Lüneburg | 1616-1623 |
| Sedisvakanz | 1623-1625 |
| Christian Wilhelm von Brandenburg | 1625-1627 |
| Leopold Wilhelm von Österreich | 1627-1648 |