Otto I. von Babenberg                               Bischof von Freising (1138-1158)
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1112-28.9.1158
Neuburg bei Wien Morimund

Begraben: Morimund
 

Jüngerer Sohn des Markgrafen Leopold III. der Heilige von Österreich und der Agnes von Waiblingen, Tochter von Kaiser HEINRICH IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1581
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Otto von Freising, Bischof von Freising und Geschichtsschreiber
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* etwa 1122, + 22. September 1158
Neuburg bei Wien Morimund

Begraben: Morimund

Sohn des Markgrafen Leopold und der SALIERIN Agnes

Otto wurde um 1126 Propst des Stifts Klosterneuburg. Wenig später ging er zum Studium nach Paris, vielleicht auch nach Chartres. Aus der Wertschätzung für Hugo von St-Victor und Gilbert von Poitiers wird geschlossen, dass diese zu seinen Lehrern gehörten. Otto wurde in das symbolistische Denken und in die scholastische Methode eingeführt und gewann eine gründliche Kenntnis der philosophisch-theolgischen Literatur, auch des "neuen Aristoteles". 1132 trat er mit 15 seiner Studienkollegien in das Zisterzienserkloster Morimund ein, wo er 1138 zum Abt gewählt wurde. Noch im gleichen Jahr bestieg er den Freisinger Bischofsstuhl. Er verteidigte die Rechte seiner Kirche gegen Übergriffe der wittelsbachischen Vögte, brachte entfremdeten Besitz wieder ein und reformierte Domkapitel und Domschule. Seine Sorge um das religiöse Leben zeigt sich in der Erneuerung geistlicher Gemeinschaften. Er rief unter anderem Augustinerchorherren nach Schlehdorf, Prämonstratenser nach Schäftlarn. In Freising gründete er das OPraem-Kloster Neustift. Otto nahm an Reichstagen und Salzburger Synoden teil und verhandelte 1145 im Auftrage König KONRADS III., seines Halbbruders, an der Kurie. Der 2. Kreuzzug führte ihn 1146/47 nach Kleinasien und Jerusalem. Bis 1156 wirkte er vermittelnd im welfisch-babenbergischen Streit um Bayern. Otto, der auch als Reichsbischof an seiner monastischen Lebensweise festhielt, starb auf dem Weg zum Generalkapitel der Zisterzienser.


Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 568
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Otto I., Bischof von Freising und Historiker
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* ca. 1114/15, + 1158
                         Morimund

Vater: Leopold III., Markgraf der Ostmark

Mutter: Agnes, Tochter Kaiser HEINRICHS IV.

Aus vornehmsten Dynastenadel (BABENBERGER).
Als Kind zum Probst von Stift Klosterneuburg bei Wien designiert.
Höhere Schulausbildung bis 1133 in Paris (vor allem Beschäftigung mit der aristotelischen Scholastik).
Auf dem Heimweg in Kloster Morimund Eintritt in den Zisterzienserorden (zusammen mit allen Begleitern), dessen Ordenskleid Otto in der Folgezeit immer trug, auch als Bischof von Freising, zu dem er bald darauf gewählt wurde.
Ca. 1137/38 Abt von Morimund.
Auf den Freisinger Bischofsstuhl (1138-1158) kam er als Angehöriger des staufisch-kaisertreuen BABENBERGER Geschlechts in einer Zeit schwieriger politischer Situationen gegenüber den welfischen Herzögen von Bayern.
In Belangen der Bischofskirche stand er in erbitterten Auseinandersetzungen mit den WITTELSBACHERN als den Hochstiftsvögten, denen gegenüber er sich mühsam behaupten konnte.
An der Aussöhnung zwischen WELFEN, STAUFERN und BABENBERGERN war er maßgeblich beteiligt.
Von monastischen Reformgeist seiner Zeit durchdrungen, war er um die Hebung des religiös-sittlichen Lebens seiner Diözese bemüht und bestimmter in einer Reihe von reformierten Klöstern die Augustinerregel als Lebensform. Stifter von Kloster Neustift bei Freising.
Als Schriftsteller vor allem Historiker, wobei es ihm um die Ergründung des Sinnes im Wandel der Zeiten und Dinge zutun war. Den Wandel der Weltreiche begriff er als Verwirklichungsansätze der „civitas Dei“ (in der „Chronica“).
Der verheißungsvolle Anfang der Regierung BARBAROSSAS veranlaßte ihn zu den „Gesta Friderici“ als ein auf die Zeit seit HEINRICH IV. eingeschränktes Geschichtswerk, dem hoher Quellenwert zukommt.

Literatur:
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ADB 24; LThK 7; W. Lammers, Einleitung zu O. v. F., Chronik, 1961.


Bedeutendster Geschichtsschreiber der frühen STAUFER-Zeit. Otto stammte aus dem Hochadel, sein Vater war Leopold III. von Österreich, sein Halbbruder KONRAD III., sein Neffe FRIEDRICH I. Schon als Kind Chorherr von Klosterneuenburg, studierte Otto bis etwa 1133 in Paris, wo ihn besonders Hugo von St. Victor beeinflusste, wurde dann Mönch und 1137/38 Abt des Zisterzienserklosters Morimund in der Diozöse Langres und kurz darauf Bischof von Freising. Hier verfasste er 1143 bis 1146 eine Weltchronik und nahm aktiven Anteil an der Reichspolitik seines Stiefbruders KONRAD III., den er auf dem gescheiterten 2. Kreuzzug (1147-49) begleitete. Die historische Sicht des Niedergangs der Zentralgewalt unter KONRAD III. beeinflusste die Konzeption seiner Weltchronik der "Geschichte der zwei Staaten" (Historia de duabus civitatibus), in der er auf der Grundlage von Augustin und Orosius die gesamte Weltgeschichte als die Geschichte zweier Reiche, der aufsteigenden civitas Dei und der verfallenden civitas terrana, darstellte, wobei er das römische Reich seiner Zeit als den Untergang nahe ansah. Das änderte sich in seiner seit 1157 verfassten zweiten historiographischen Arbeit den "Gesta Friderici", in denen er die erneute Stärkung der Zentralgewalt unter FRIEDRICH I. und dessen expansionistische Politik in den Jahren 1152-56 verherrlichte. Die "Gesta" sind für die frühe BARBAROSSA-Zeit eine Quelle ersten Ranges und wurden von Ottos Notar, Rahewin, bis 1160 fortgesetzt.
 
 
 
 

Literatur:
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Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1983 Seite 568 - Engels, Odilo: Die Staufer, Verlag W. Kohlhammer Stuttgart, 1993 - Engels, Odilo: Stauferstudien, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996 - Goez, Werner: Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag Darmstadt 1998, Seite 282-297 - Lechner, Karl: Die Babenberger Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Köln 1985 - Pohl, Walter/Vacha, Brigitte: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, Verlag STYRIA -