Bistum Eichstätt
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1671
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Eichstätt
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Bistum und Stadt an der Altmühl (Bayern, Regierungsbezirk Ober-Bayern)

II. GESCHICHTTE VON BISTUM UND STADT

1. Anfänge, Entwicklung, Stellung in der Reichskirche
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Die Eichstätter Kirche trat zunächst wohl als Eigenkloster des Bonifatius ins Leben, in welchem der 742 zum Bischof von Erfurt geweihte Willibald nach dem blutigen Erlöschen des thüringischen Bischofssitzes missionarisch wirkte. Im 8. Jh. mag die Mönchskirche dem Episkopalsystem noch nicht überall zugeordnet gewesen sein, schwache Besiedlung Freiräume in der Bistumsorganisation gelassen haben. Erst unter Bischof Erchanbald (882-912) hat der Einflussbereich des Klosters sich als Diözese konsolidiert. Sie wuchs in die Mainzer Kirchenprovinz, doch besuchten die Bischöfe in der Zeit Herzog Arnulfs (907-937) die bayerischen Synoden.1015 musste der von Kaiser HEINRICH II. ernannte Bischof Gundekar I. den Nordgau rechts der Pegnitz an das neue Bistum Bamberg abtreten. Eichstätts enge Verbindung mit dem Reich zeigte sich unter anderem darin, dass im 11. Jh. 14 Bischöfe aus dem Eichstätter Domkapitel, damals "einer wahren Pflanzschule für Bischöfe" (A. Schulte), hervorgingen, von denen neun italienische Sitze einnahmen. Seit 1243 erhoben die Bischöfe Anspruch auf das Kanzleramt des Mainzer Erszstuhls, auf das Recht der Vertretung des Metropoliten sowie den Vorrang vor den anderen Mainzer Suffraganbischöfen. Diese, angeblich schon von Bonifatius dem heiligen Willibald verliehenen Ehrenvorrechte wurden von den Erzbischöfen von Mainz, nicht aber von den Suffraganbischöfen anerkannt.

2. Entwicklung des Hochstifts
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Grundlage der weltlichen Herrschaft der Bischöfe bildete die Schenkung eines Gebietes zwischen Altmühl und Schutter durch einen Adligen Suidger und die des Klosters Herredien durch König ARNULF 888. Die vergleichsweise geringe Dotation konnte durch spätere Erwerbungen und Schenkungen nicht mehr ausgeglichen werden. Streubesitz hatte das Hochstift in Nieder-Österreich (u.a. Melk), der zum Teil mit Herredien an Eichstätt gelangt war, aber schon im 11. Jh. verloren ging, sodann in Tirol, im Spessart, im Schweinfurter Raum und im Grabfeld; Besitz dessen Eichstätt sich noch im Mittelalter entäußerte. Als die Bischöfe Haupterben der 1305 ausgestorbenen Grafen von Hirschberg, Vögten des Hochstiftes wurden, war dies ein wichtiger Schritt für die Bildung des Territoriums. Es bestand aus dem Unterland mit der Stadt Eichstätt als Mittelpunkt und dem damit räumlich nicht zusammenhängenden Oberland mit den Zentren Hettieden und Spalt.

3. Die Bischöfe
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entstammten in ältere Zeit hochfreien Geschlechtern, seit 1015 überwiegend der im Domkapitel vertretenen benachbarten Ministerilität bzw. Ritterschaft. Die meisten waren an den Reichsgeschäften beteiligt. Hervorzuheben sind: Erchanbald (882-912), einflussreicher Ratgeber König ARNULFS und Ludwigs des Kindes; Gebhard I. (1042-1057), der die Politik Kaiser HEINRICHS III. maßgeblich bestimmte und 1055 als Viktor II. Papst wurde; Gundekar II. (1057-1075), Auftraggeber des (bis 1697 weitergeführten) "Liber Pontificalis" (MGH SS VII 239-253); Philipp von Rathsamhausen (1306-1322), Verfasser eines umfangreichen theologisch-asketischen Schrifttums; Berthold von Zollern (1351-1365), Erbauer der Willibaldsburg über der Stadt, in der die Bischöfe bis 1725 residierten; schließlich die drei Bischöfe, die das Mittelalter beschlossen: Johann III. von Eich (1445-1464), ein bedeutender kirchlicher Reformer, Wilhelm von Reichenau (1464-1496) und Gabriel von Eyb (1496-1535). - Seit Gründung der Universität Ingolstadt (1472) waren die Bischöfe von Eichstätt deren Kanzler.


Trillmich Werner: Seite 91
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Sualafeld, südlicher Rangau und der ehemals bayerische Westteil des Nordgaus wurden um 745 auf Kosten Augsburgs durch Bonifatius zum Mainzer Suffraganbistum Eichstätt zusammengefasst. Mit der Unterwerfung des Nachbarlandes verlor aber die fränkische Position links der Donau ihre Bedeutung. Bayerns Regenten gewannen Hoheitsrechte im Nordgau zurück und zwangen die Bischöfe zur Teilnahme an Landtagen und Synoden. Ellwangen, Fulda, später auch die Bistümer Regensburg und Bamberg erwarben Klöster und große Teile des Königsguts. Die bedeutende Grundherrschaft Weißenburg ging unter HEINRICH II. in die Hände der österreichischen BABENBERGER über, die seit 1012 Schwabens Herzogswürde innehatten. Der Krone verblieben vornehmlich unerschlossene Forsten. Das von den LIUDOLFINGERN arg vernachlässigte Bistum Eichstätt besaß zwar Immunität, Markt, Münze und Zollrechte, Teile des Weißenburger Reichsforsts und Klöster in Eichstätt, Herriden, Monheim und Pappenheim, erhielt aber keine neuen Schenkungen. Seine politisch bedeutungslosen Bischöfe meist geringer Herkunft unterhielten nur spärliche Beziehungen zum Hofe. OTTO III. hatte Meingoz (990-1014) alle Verpflichtungen gegenüber Bayern erlassen. Aber noch 1016 musste Gundekar (1014-1019) einen breiten Streifen seines Sprengels an das bevorzugte Bamberg abtreten.
 
 
Willibald  um 741- 787 
Gerhoh  um 787- um 806 
Agan  um 806- um 822 
Adaldung  um 822- um 837 
Altwin  um 837- um 847 
Otgar  um 847- um 880
Gottschalk  um 880- um 882 
Erchanbald   882- 912 
Uodalfrid   912- 933 
Starchand   933- 966 
Reginold   966- 991 
Megingaud   991- um 1015 
Gundekar I.  um 1015-1019 
Walther  1020-1021 
Heribert  1022-1042 
Gezmann     1042 
Gebhard I. = Papst Victor II.  1042-1057 
Gundekar II.  1057-1075 
Udalrich I.  1075-1099 
Eberhard I. von Hildrizhausen  um 1099-1112 
Udalrich II. von Bogen  1112-1125
Gebhard II. von Grögling  1125-1149 
Burchard  1149-1153 
Konrad I. von Morsbach  1153-1171
Egelolf  1171-1182 
Otto  1182-1196 
Hartwig von Grögling  1196-1223 
Friedrich I. von Haunstadt  1223-1225 
Heinrich I. von Zippligen  1225-1228
Heinrich II. von Dischingen  1228-1231
Heinrich III. von Rabensburg  1232-1237 
Friedrich II. von Parsberg  1237-1246
Heinrich IV. von Württemberg  1247-1259 
Engelhard von Dolling  1259-1261 
Hildebrand von Möhren  1261-1279 
Reinboto von Meilenhart  1279-1297 
Konrad II. von Pfeffenhausen  1297-1305 
Johann I.  1305-1306 
Philipp von Rathsamhausen  1306-1322 
Marquard von Hagel  1322-1324 
Gebhard III. von Graisbach  1324-1327
Friedrich III. von Leuchtenberg  1328-1329 
Heinrich V. Schenk von Reicheneck  1329-1344 
Albrecht I. von Hohenfels  1344-1351
Berthold Burggraf von Nürnberg  1351-1365 
Raban Truchseß von Wildburgstetten  1365-1383 
Friedrich IV. von Oettingen  1383-1415 
Johann II. von Heideck  1415-1429
Albrecht II. von Hohenrechberg  1429-1445 
Johann III. von Eych  1445-1464 
Wilhelm von Reichenau  1464-1496 
Gabriel von Eyb  1496-1535 
Christoph Marschall von Pappenheim  1535-1539 
Moritz von Hutten  1539-1552
Eberhard von Hirnheim  1552-1560 
Martin von Schaumburg  1560-1590 
Kaspar von Seckendorff  1590-1595 
Johann Konrad von Gemmingen  1595-1612 
Johann Christoph von Westerstetten  1612-1636 
Marquard II. Schenk von Castell  1636-1685 
Johann Euchar Schenk von Castell  1685-1697 
Johann Martin von Eyb  1697-1704
Johann Anton I. Knebel von Katzenellenbogen  1705-1725 
Franz Ludwig Schenk von Castell  1725-1736 
Johann Anton II. von Freyberg  1736-1757 
Raymund Anton von Strasoldo  1757-1781 
Johann Anton III. von Zehmen  1781-1790 
Joseph von Stubenberg  1790-1818
Administrator Joseph von Stubenberg  1818-1824 
Peter Pustet  1824-1825 
Johann Friedrich Oesterreicher  1825-1835
Johann Martin Manl     1835 
Karl August von Reisach  1836-1846 
Georg Oettl  1846-1866
Franz Leopold von Leonrod  1867-1905 
Johannes Leo Mergel  1905-1932
Konrad von Preysing  1932-1935
Michael Rackl  1935-1948 
Joseph Schröffer  1948-1967 
Alois Brems  1968-1983 
Karl Braun  1984-