Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1943
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Hartbert, Bischof von Chur 951-ca. 970
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Zunächst Kanonikus in Zürich und Priester in Ramosch und Sent, um 937 Kaplan des Herzogs von Schwaben, ab 947 (bis 961) als Abt von Ellwangen bezeugt. Aus der Nähe zu Königs- wie Herzogshaus ergab sich offenbar seine Promotion zum Bischof von Chur, in dessen Machtbereich die für die ottonische Italienpolitik wichtigen Alpenpässe lagen. 951 war Hartbert als Gesandter OTTOS I. in Rom, wohl um über die Kaiserkrone zu verhandeln. Gemeinsam mit Bischof Udalrich von Augsburg gelang ihm 954 die Versöhnung OTTOS mit seinem Sohn Liudolf.
Literatur:
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O.P. Clavadetscher (Helvetia Sacra I, 1, 1972), 472 -
H. Maurer, Der Hzg. v. Schwaben, 1978, 67f.
Ein weiterer fürstlicher Kapellan begegnet
uns in dem Züricher Kanoniker und Abt
von Ellwangen Hartpert, den OTTO
I. 949 zum Bischof von Chur erhob. Schon 937 hatte des
König auf Intervention eines Grafen Konrad presbytero dilecti comitis
nostri herimanni nomine Hartpero, dessen Identität mit
dem späteren Bischof von Chur angenommen werden darf, eine Schenkung
gemacht. Während diese Schenkung ältere Beziehungen zur Dynastie
vermuten lässt, bezeugt die Tatsache, dass Hartpert
presbyter, also wohl Kapellan, Hermann von Schwaben war,
eine enge Beziehung des Bischofs zum Fürsten, aus der vielleicht sogar
eine ausdrückliche Intervention Hermanns bei der Promotion in Chur
geschlossen werden kann. Da Chur im ursprünglichen Herrschaftsbereich
der BURCHARDINGER in Rätien lag, könnte in dieser Promotion eine
Kombination der Interessen des Königs und des Fürsten gefunden
worden sein, indem die Erhebung des wahrscheinlich aus dem alemannischen
Hochadel stammenden Vertrauten Hermanns dessen 926 als "stammesfremder"
dux im burchhardingischen Schwaben erworbene Position stärkte, andererseits
aber auch der wegen seiner Lage zu den Bündener Pässen wichtige
Stützpunkt Chur einen Bischof erhielt, der gleichzeitig das notwendige
Vertrauen des Königs besaß.
Hartpert, 927 als
Kanoniker in Zürich nachweisbar und vermutlich Alemanne, hatte
schon vor der Promotion (951)auf Intervention Arnulfs von Bayern und eines
Grafen Konrad Schenkungen von HEINRICH I.
und OTTO I. erhalten, die ihrerseits
auf frühe Beziehungen des Bischofs zum liudolfingischen
Königshaus hinweisen, andererseits aber auch ein enges Verhältnis
zu Hermann von Schwaben, dessen Kapellan er war, vermuten lassen, womit
insgesamt eine hochadlige Herkunft nahegelegt wird, die dann in genealogische
Bezüge des Landesadels führen würden. Bemerkenswert ist
dann weiterhin, dass Hartperts Position in Chur durch bedeutende
Schenkungen des Königs abgesichert wurde, darunter jene Verleihung
von Komitatsrechten im Bergell 960, die die erste urkundlich nachweisbare
Maßnahme in Richtung auf das ottonisch-salische
Reichskirchensystem in diesem Raum darstellt.
Waren in der Einsetzung Waldos noch Wirkungen
seines Verwandten Salomons III. von Konstanz und damit wohl auch indigener
Adelssippen erkennbar, dürften in der Erhebung seines Nachfolgers
Hartpert 949
Einflüsse Hermanns von Schwaben, dessen Kapellan Hartpert
war, zu sehen sein. Hermann könnte die Position seines Kapellans
mit der Absicht gefördert haben, seine "stammesfremde" Position als
Franke in Schwaben zu festigen, die schon durch seine Ehe mit der Witwe
seines Vorgängers Burchard eine wichtige Stütze erhalten hatte.
Hartperts (949-ca. 972)
Herkunft ist unbekannt, wahrscheinlich jedoch alemannisch und sicher
aus bedeutender Familie. 927 schon als Kanoniker in Zürich nachweisbar,
erhielt er bereit vor der Promotion auf Intervention Arnulfs von Bayern
und eines Grafen Konrad Schenkungen von HEINRICH
I. und OTTO I. 947 bis 961
als Abt von Ellwangen gesichert, begegnet er seit 951 auch als Bischof
von Chur. Hatten schon die Schenkungen HEINRICHS
I. und OTTOS I. vor 949
auf frühe Beziehungen zum liudolfingischen
Königshaus hingedeutet, so wird man in den späteren Schenkungen
und Privilegierungen des Königs für ihn und sein Bistum planvolle
Maßnahmen einer Reichspolitik sehen können, die durch die Stärkung
des Bistums dieses zum Stützpunkt an den Zu- und Abgangsstraßen
der Bündener Pässe als Voraussetzung für die italienische
und burgundische Politik OTTOS I. ausbaute.
Das Vertrauen des Königs, für den er zusammen mit seinem Metropoliten
Friedrich von Mainz 951 von Pavia aus in Rom wegen der Kaiserkrönung
verhandelte und an dessen Krönung er 962 auch selbst teilnahm einerseits,
und die persönliche Beziehung zu Hermann, als dessen ehemaliger Kapellan,
und zu Liudolf von Schwaben, dessen
Aussöhnung mit seinem königlichen Vater er 954 zusammen mit Ulrich
von Augsburg vermittelte andererseits, machen deutlich, welche verbindende
Stellung Hartpert zwischen dem König
und der schwäbischen Stammesregion und welchen Rang in der ottonischen
Reichs- und Kirchenpolitik der Bischof bis zu seinem Tode am 6. Januar
971 oder
972 eingenommen hat.
Literatur:
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Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Bischof
und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen
Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 Seite 73,94,
138 - Maurer, Helmut: Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen
und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit,
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1978 Seite 67 -