Hartpert                                                    Bischof von Chur (949-ca. 972)
-----------                                                   Abt von Ellwangen 947-961
    -6.1.971/72
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1943
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Hartbert, Bischof von Chur 951-ca. 970
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Zunächst Kanonikus in Zürich und Priester in Ramosch und Sent, um 937 Kaplan des Herzogs von Schwaben, ab 947 (bis 961) als Abt von Ellwangen bezeugt. Aus der Nähe zu Königs- wie Herzogshaus ergab sich offenbar seine Promotion zum Bischof von Chur, in dessen Machtbereich die für die ottonische Italienpolitik wichtigen Alpenpässe lagen. 951 war Hartbert als Gesandter OTTOS I. in Rom, wohl um über die Kaiserkrone zu verhandeln. Gemeinsam mit Bischof Udalrich von Augsburg gelang ihm 954 die Versöhnung OTTOS mit seinem Sohn Liudolf.

Literatur:
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O.P. Clavadetscher (Helvetia Sacra I, 1, 1972), 472 - H. Maurer, Der Hzg. v. Schwaben, 1978, 67f.


Finckenstein Finck von: Seite 73,94,138
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"Bischof und Reich"

Ein weiterer fürstlicher Kapellan begegnet uns in dem Züricher Kanoniker und Abt von Ellwangen Hartpert, den OTTO I. 949 zum Bischof von Chur erhob. Schon 937 hatte des König auf Intervention eines Grafen Konrad presbytero dilecti comitis nostri herimanni nomine Hartpero, dessen Identität mit dem späteren Bischof von Chur angenommen werden darf, eine Schenkung gemacht. Während diese Schenkung ältere Beziehungen zur Dynastie vermuten lässt, bezeugt die Tatsache, dass Hartpert presbyter, also wohl Kapellan, Hermann von Schwaben war, eine enge Beziehung des Bischofs zum Fürsten, aus der vielleicht sogar eine ausdrückliche Intervention Hermanns bei der Promotion in Chur geschlossen werden kann. Da Chur im ursprünglichen Herrschaftsbereich der BURCHARDINGER in Rätien lag, könnte in dieser Promotion eine Kombination der Interessen des Königs und des Fürsten gefunden worden sein, indem die Erhebung des wahrscheinlich aus dem alemannischen Hochadel stammenden Vertrauten Hermanns dessen 926 als "stammesfremder" dux im burchhardingischen Schwaben erworbene Position stärkte, andererseits aber auch der wegen seiner Lage zu den Bündener Pässen wichtige Stützpunkt Chur einen Bischof erhielt, der gleichzeitig das notwendige Vertrauen des Königs besaß.
Hartpert, 927 als Kanoniker in Zürich nachweisbar und vermutlich Alemanne, hatte schon vor der Promotion (951)auf Intervention Arnulfs von Bayern und eines Grafen Konrad Schenkungen von HEINRICH I. und OTTO I. erhalten, die ihrerseits auf frühe Beziehungen des Bischofs zum liudolfingischen Königshaus hinweisen, andererseits aber auch ein enges Verhältnis zu Hermann von Schwaben, dessen Kapellan er war, vermuten lassen, womit insgesamt eine hochadlige Herkunft nahegelegt wird, die dann in genealogische Bezüge des Landesadels führen würden. Bemerkenswert ist dann weiterhin, dass Hartperts Position in Chur durch bedeutende Schenkungen des Königs abgesichert wurde, darunter jene Verleihung von Komitatsrechten im Bergell 960, die die erste urkundlich nachweisbare Maßnahme in Richtung auf das ottonisch-salische Reichskirchensystem in diesem Raum darstellt.
Waren in der Einsetzung Waldos noch Wirkungen seines Verwandten Salomons III. von Konstanz und damit wohl auch indigener Adelssippen erkennbar, dürften in der Erhebung seines Nachfolgers Hartpert 949 Einflüsse Hermanns von Schwaben, dessen Kapellan Hartpert war, zu sehen sein. Hermann könnte die Position seines Kapellans mit der Absicht gefördert haben, seine "stammesfremde" Position als Franke in Schwaben zu festigen, die schon durch seine Ehe mit der Witwe seines Vorgängers Burchard eine wichtige Stütze erhalten hatte.
Hartperts (949-ca. 972) Herkunft ist unbekannt, wahrscheinlich jedoch alemannisch und sicher aus bedeutender Familie. 927 schon als Kanoniker in Zürich nachweisbar, erhielt er bereit vor der Promotion auf Intervention Arnulfs von Bayern und eines Grafen Konrad Schenkungen von HEINRICH I. und OTTO I. 947 bis 961 als Abt von Ellwangen gesichert, begegnet er seit 951 auch als Bischof von Chur. Hatten schon die Schenkungen HEINRICHS I. und OTTOS I. vor 949 auf frühe Beziehungen zum liudolfingischen Königshaus hingedeutet, so wird man in den späteren Schenkungen und Privilegierungen des Königs für ihn und sein Bistum planvolle Maßnahmen einer Reichspolitik sehen können, die durch die Stärkung des Bistums dieses zum Stützpunkt an den Zu- und Abgangsstraßen der Bündener Pässe als Voraussetzung für die italienische und burgundische Politik OTTOS I. ausbaute. Das Vertrauen des Königs, für den er zusammen mit seinem Metropoliten Friedrich von Mainz 951 von Pavia aus in Rom wegen der Kaiserkrönung verhandelte und an dessen Krönung er 962 auch selbst teilnahm einerseits, und die persönliche Beziehung zu Hermann, als dessen ehemaliger Kapellan, und zu Liudolf von Schwaben, dessen Aussöhnung mit seinem königlichen Vater er 954 zusammen mit Ulrich von Augsburg vermittelte andererseits, machen deutlich, welche verbindende Stellung Hartpert zwischen dem König und der schwäbischen Stammesregion und welchen Rang in der ottonischen Reichs- und Kirchenpolitik der Bischof bis zu seinem Tode am 6. Januar 971 oder 972 eingenommen hat.
 
 
 
 

Literatur:
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Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 Seite 73,94, 138 - Maurer, Helmut: Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1978 Seite 67 -