Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 704
********************
Brixen
--------
Bistum und Stadt in Süd-Tirol (it. Bressanone)
Das Bistum umfaßte das Eisacktal nördlich von
Klausen und das Pustertal in S-Tirol sowie das Wipptal und das Inntal vom
Reschen bis zur Ziller in Nord-Tirol mit den dazugehörenden Nebentälern.
Vorgänger von Brixen als Bischofssitz war Säben bei Klausen.
Als dessen wohl frühester nachweisbarer Bischof begegnet in einem
Brief Pelagius' I. vom März 559 ein Marcellus (F. Huter). 579
(?) und ca. 590 sind Materninus und Ingeniun von Säben
auf Synoden in Grado und Marano bezeugt. Ingeniun, der spätere
Bistumspatron, wird auch als episcopus secundae Raetiae bezeichnet,
doch ist der bisweilen vermutete Zusammenhang zwischen dem spätantiken
Bischofssitz von Augsburg und Säben (O. Menghin) umstritten. Aus dem
7. und dem beginnenden 8. Jh. liegen kaum schriftliche Quellen für
das Bistum Säben vor. Die schon seit einigen Jahren im Gang befindlichen
Grabungen auf dem Säbener Burgberg könnten neue Erkenntnisse
bringen.
Spätestens im ausgehenden 8. Jh. wurde Säben
aus dem Metropolitanverband von Aquileia gelöst und der neu errichteten
bayerischen Kirchenprovinz Salzburg unterstellt. Bischof Alim (erwähnt
769-ca. 800) stand in enger Verbindung mit Herzog
Tassilo III. von Bayern und KARL DEM
GROSSEN. 769 wurde er von Tassilo
im Sprengel von Säben das Benediktinerkloster (seit ca. 1143 Kollegiatstift)
Innichen im Pustertal gegründet. Von den
KAROLINGERN erhielt Säben die Immunität. Schenkungen
durch Kaiser ARNULF "VON KÄRNTEN"
und Ludwig das Kind an Zachrias
(893-907) erweiterten den Besitzstand um Forstrechte und den Meierhof
Prichsna (Brixen), wohin seit ca. 960 der
Sitz des Bistums verlegt wurde.
Die Erneuerung des Imperium Romanorum durch die OTTONEN
hatte auf Grund der geographischen Lage des Bistums an der Nahtstelle zwischen
Deutschland und Italien eine bedeutende Aufwertung des bescheidenen Bischofssitzes
im Gebirge zur Folge, dessen Oberhirten sich im 10. und 11. Jh. aus verlässlichen
Parteigängern der Herrscher rekrutierten. Bischof Albuin (ca. 975-1006)
erhielt von den OTTONEN den Hof Villach
(später wieder verloren) und die umfangreiche Herrschaft Veldes (Bled)
in Krain. Kaiser KONRAD II. übertrug
1027 der Kirche von Brixen
die Grafschafstrechte im Eisack- und Inntal, Kaiser
HEINRICH IV. 1091 die Grafschaft Pustertal. so dass die Bischöfe
von Brixen, parallel zu den Oberhirten von Trient im Etschtal, zu
den Bischöfen von Regensburg im Gebiet zwischen Ziller und Kufstein
und den Freisinger Bischöfen im Cadore, über die öffentlich-rechtliche
Gewalt im Großteil ihrer Diözese geboten. Bischof Poppo (1039-1048)
bestieg als Damasus II. für 23
Tage den päpstlichen Stuhl; sein Nachfolger in Brixen, Altwin (1049-1097),
erwies sich während der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst
als besonders getreue Stütze Kaiser HEINRICHS
IV. 1080 fand in Brixen die bekannte Synode statt. Unter den
Bischöfen Reginbert (1125-1139) und Hartmann (1140-1164)
machte sich auch hier der neue Geist der Gregorianischen Reform bemerkbar;
Klöster wurden errichtet oder reformiert (St. Georgenberg bei Schwaz,
Wilten bei Innsbruck, Neustift bei Brixen). Obwohl das Bistum von Kaiser
FRIEDRICH I. und seinen Nachfolgern eine Reihe von Regalien
bestätigt erhielt, konnten die Bischöfe nur in einem bescheidenen
Rahmen eine landesherrliche Gewalt entwickeln: im Gebiet in und um Brixen
selbst, im Pustertal sowie um Veldes. In den übrigen Teilen der Diözese
übten schon bald die Hochstiftsvögte, an welche die Grafschaftsrechte
weiterverliehen worden waren, die Herrschaft aus. Die Vogtei über
Brixen lag ursprünglich in den Händen der Grafen von Morit (bei
Bozen), dann der Grafen von Andechs und schließlich der Grafen von
Tirol (um 1210). Besonders Graf Meinhard II. von Tirol (1259-1295) schuf
zu einem nicht unwesentlichen Teil das Land Tirol auf Kosten des Bistums
Brixen.
Unter den zumeist von der Kurie providierten Bischöfen
des 14. Jh. war der Niedergang des äußeren Glanzes des Hochstifts
unverkennbar. Die Übergabe Tirols an die HABSBURGER
(1363) brachte eine verstärkte Abhängigkeit des Bistums und seiner
Oberhirten von den Tiroler Landesfürsten mit sich, da jene mehrmals
engsten politischen Mitarbeitern die Bischofswürde von Brixen
verschafften und endlich die HABSBURGER seit
1446 von Papst Eugen IV. die Ernennung der Bischöfe
von Brixen
offiziell zugestanden erhielten. Von den spätmittelalterlichen
Bischöfen ragen hervor: Johann IV. von Lenzburg (1364-1374),
der Kanzler Rudolfs IV. von Österreich;
Ulrich II. Putsch (1427-1437) und besonders Kardinal Nikolaus
von Kues (1450-1464), der sich mit großem Eifer um die Reform
der Klöster und des Klerus bemühte, aber in der heftigen Auseinandersetzung
mit den Landesherren Siegmund von Tirol um die Wiedererlangung schon lange
verlorener weltlicher Rechte der Kirche von Brixen den kürzeren zog.
Bischof Georg Golser (1469-1488) arbeitete ebenfalls auf die Besserung
der religiösen Verhältnisse in seinem Sprengel hin.
Quellen:
----------
O. Redlich, Die Traditionsbücher des Hochstifts
B., 1888 - GP I, 140-153 - L. Santifaller, Die Urkk. der Brixner Hochstifts-Archive
845-1295, 1929 - Ders. -H. Appelt, Die Urkk. der Brixner Hochstifts-Archive
1295-1336, 1941-1943.
Literatur:
-----------
Hist. Stätten Österr. II, 550-553, 607 [Lit.]
- F.A. Sinnacher, Beyträge zur Gesch. der bfl. Kirche Säben und
B., 9 Bde, 1821-1834 - A. Sparber, Das Bm. Sabiona in seiner gesch. Entwicklung,
1942 - Ders., Die Brixner Fürstbischöfe im MA, 1968 - O. Menghin,
Von Pfaffenhofen nach Säben, Tiroler Wirtschaftsstud. 26, 1969, 263-278
- F.-H. Hye, Die Städte Tirols am Ausgang des MA (Die Stadt am Ausgang
des MA, Beitr. zur Gesch. der Städte Mitteleuropas, hg. W. Rausch,
III, 1974), 155-172 - O. Trapp, Tiroler Burgenbuch IV, 1977 - F. Huter,
Säben. Ursprung der bfl. Kirche B., Der Schlern 51, 1977, 6-13.
Das mit den Bischöfen Marcellus, Materninus
und Ingenuin im 6. Jahrhundert zuerst sicher bezeugte bayerische
Bistum Säben unterstand zunächst Aquileja und wurde erst im ausgehenden
8. Jahrhundert Suffragan Salzburgs. Die Schenkung des königlichen
Meierhofes Prichsna (Brixen) an das Bistum durch Ludwig
das Kind 901 wurde um 960 Voraussetzung für die Verlegung
des Bischofssitzes von Säben nach Brixen in der Amtszeit Bischof
Richperts. Die Besetzung des Brixener Bischofsstuhles hat in der Zeit
HEINRICHS I. Herzog Arnulf zugestanden
und kam erst nach der Verbannung seines Sohnes Eberhard 938 unter den Einfluss
OTTOS
I. Die hier betrachtete Bischofsreihe beginnt daher erst mit
Bischof Richpert (ca. 955-ca.975), da die Amtszeit seines Vorgängers
Wisunt
(ca.935-ca. 955) vermutlich noch in die Regierung Herzog Arnulfs fiel.