Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 550
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Brandenburg
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I. ARCHÄOLOGIE
Die Brandenburg liegt am Übergang der Havel in strategisch besonders günstiger Position. Die Fernhandelswege von Magdeburg zur Odermündung und ins Warthegebiet führten über Brandenburg. Die Fürstenburg der Heveller bzw. Stodoranen lag auf der Dominsel, um sie herum gruppieren sich zahlreiche Fundstellen. Den frühesten Siedlungshorizont auf der Insel repräsentiert eine Keramik, die dem Prager Typ zur Seite gestellt wird. Getrennt durch eine Ackerschicht mit Pflugspuren, folgt eine Siedlungsschicht mit unverzierter, Feldberger, Menkendorfer und eventuell Rüssener Ware. Im 7. Jh. wird die Siedlung durch eine Burg abgelöst, die bis ins 10. Jh. Bestand hat. Sie hat einen äußeren Durchmesser von 120 m und 0,5 ha Innenraum. Die Vorburg im Nordosten war wohl nur durch einen Graben geschützt, in ihr wird die älteste Bischofskirche (948) lokalisiert. Ende 10./Anfang 11. Jh. wird die alte Anlage durch eine ovale jungslavische Burg abgelöst, deren 2-3 ha umfassender Innenraum dicht besiedelt ist. Von den durch Fundmaterialien zahlreich belegten Handwerkern ist besonders die lokale Glasproduktion zu erwähnen. Der Absatz der Keramik lässt sich mittels Töpferzeichen bis in 23 km entfernte Siedlungen verfolgen. Die Häufung von Schatzfunden seit der Mitte des 10. Jh. um Brandenburg ist nur mit dem Gebiet von Wollin u.ä. zu vergleichen.
II. FRÜHMITTELALTER
Wohl im 6. Jh. entstand, als Kern der späteren Stadt Brandenburg, auf der Dominsel inmitten der Havel, eine slavische Siedlung, sie wurde sehr bald befestigt und entwickelte sich wegen der günstigen strategischen und verkehrsmäßigen Lage schnell zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum des Havellandes. Wahrscheinlich ist die Brandenburg mit der 789 erwähnten 'civitas Dragowiti', dem Ziel des Wilzenzuges KARLS DES GROSSEN, zu identifizieren. Sie ist eine der 8 'civitates', die der Geographus Bavarus für den slavischen Stamm der Heveller zählte. Im Winter 928/29 stürmten die Truppen des deutschen Königs HEINRICH I. nach längerer Belagerung die Brandenburg. In den nächsten Jahren muß sie jedoch erneut an die Slaven gefallen sein, denn um 940 wird der in Sachsen gefangengehaltene rechtmäßige Herr der Brandenburg, Tugumir, durch Markgraf Gero veranlaßt, die Brandenburg durch Verrat in die Hände zu spielen. Acht Jahre später gründete OTTO I. im Zuge seines großen Bistumsplanes vermutlich zum gleichen Zeitpunkt die Diözese Brandenburg und Havelberg. Das Bistum Brandenburg unterstand zunächst dem Erzbistum Mainz, seit 968 dem Erzbistum Magdeburg. Der Bischof erhielt 948 die Hälfte der Burg (auf der Dominsel) und die Hälfte der zu ihr gehörenden Dörfer sowie zwei Burgwarden (Pritzerbe und Ziesar). Bis 983 blieb Brandenburg deutsch. Am 22. Juni 983 eroberten die heidnischen Lutizen die Feste und vertrieben mit den Deutschen auch den Bischof. In der folgenden Zeit war die Brandenburg zwischen Deutschen und Slaven heftig umkämpft. Der letzte der christlich hevellischen Fürsten der 1. Hälfte des 12. Jh., Pribislav-Heinrich, lehnte sich politisch eng an den Markgrafen Albrecht von der Nordmark an, den er als seinen Erben einsetzte. Als er 1150 starb, nahm der ASKANIER die Brandenburg in Besitz. Er verlor sie noch einmal an Jaxa von Köpenick. Erst nach der erneuten Eroberung 1157 blieb sie askanisch.
III. HOCH- UND SPÄTMITTELALTER
2. Bistum
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Nachdem das Bistum
Brandenburg 1161 von Leitzkau aus wieder errichtet worden war, folgten
die Diözesangrenzen im wesentlichen der askanischen Herrschaftsentfaltung.
Gegenüber der Gründungsurkunde von 947 ist das Bistum Brandenburg
insbesondere im Osten durch die neu entstandene Diözese Kammin
und Lebus in seiner Ausdehnung erheblich beschränkt worden. Diese
Entwicklung der Diözesangrenzen zeigt deutlich, dass die Christianisierung
nicht einseitig in einer West-Ost-Richtung erfolgte, sondern in einer Zangenbewegung
auch von Osten und Nordosten aus. Die Diözese bestand aus den sogenannten
"Alten Landen" und den "Neuen Landen". Die Grenze zwischen beiden bildete
in nord-südliche Richtung die Havel-Nuthe-Linie. In den östlich
davon liegenden "Neuen Landen" (Teltow und Barnim) haben die ASKANIER
den kirchlichen Herrschaftsanspruch der Bischöfe
von Brandenburg begrenzt, indem sie ihnen statt des Zehnten nur ein Hufengeld
zugestanden. Die Diözese war in 18 Sedes eingeteilt. 1161 wurde die
in zwei Archidiakonatsbezirke gegliedert. In den "Neuen Landen", in denen
sich die Markgrafen das Präsentationsrecht der Pröpste gesichert
hatten, wurden die Propsteien Liebenwalde (später Templin), Berlin,
Stolpe (später Angermünde) und Bernau errichtet. In den "Alten
Landen" wurden seit Anfang des 13. Jh. kleinere Archidiakonatsbezirke mit
Sitz in Jüterbog, Nauen und Mittenwalde gebildet. Die Bischöfe
von Brandenburg konnten kein eigenes Territorium aufbauen und verfügten
im Mittelalter auch nur über geringen Grundbesitz, den sie von den
vier Ämtern Ziesar, Brandenburg, Ketzin und Teltow aus verwalten ließen.
Noch vor 1181 war der bischöfliche Teil der Dominsel in den Besitz
des Kapitels übergegangen. Die Bischöfe residierten nun außerhalb
Brandenburgs, zunächst in Prietzerbe und seit Ludwig von Meiendorf
(1327-1347) ständig in Ziesar.
| Dietrich II. von der Schulenburg um 1330-26.4.1393 | 1365-1393 |