Bistum Bamberg
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1390
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Bamberg
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II. BISTUM

1. Gründung und Anfänge
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Mit der Gründung des Bistums Bamberg wurde ein nach der Zerschlagung des Herrschaftsbereiches Markgraf Heinrichs von Schweinfurt am Obermain entstandenes Vakuum politisch und kirchlich neu organisiert. Auf der Mainzer Pfingstsynode 1007 versicherte König HEINRICH II. sich der Zustimmung der geistlichen Reichsfürsten für die Gründung des Bistums Bamberg, zu welcher politische, missionarische und persönliche Motive bewogen. Bischof Heinrich I. von Würzburg trat die geistliche Jurisdiktion über den Osten des Volksfeldgaues mit Bamberg um den Radenzgau gegen 150 Hufen bei Meiningen ab. Ende Juni 1007 bestätigte Johannes XVIII. das neue Bistum und unterstellte es päpstlichem Schutz. Im Vergleich zu den mit ihren Suffraganen weit nach Osten vorspringenden Erzbistümern Magdeburg und Salzburg lag Würzburg, zu welchem der größte Teil des späteren Bistums Bamberg gehörte, weit im Westen. Gewiss bestand im später bambergischen Osten des Bistums Würzburg bereits ein weitmaschiges Netz von ca. 39 Taufkirchen, die bis zu Fichtelgebirge und Frankenwald reichten; doch gab es dort sicher auch noch heidnische und halbheidnische Slaven (Regnitzslaven). Der Reichsepiskopat bestätigte am 1. November 1007 auf der Synode zu Frankfurt am Main die Errichtung des neuen Bistums, obwohl Bischof Heinrich I. von Würzburg die Vollziehung des Tauschvertrages verweigerte und gegen die Gründung des neuen Bistums protestieren ließ, da er um seine Hoffnung, Erzbischof zu werden, was König HEINRICH ihm in einem Geheimvertrag zugesichert hatte, betrogen sah. Noch am 1. November 1007 weihte Erzbischof Willigis den königlichen Kanzler Eberhard zum 1. Bischof von Bamberg. Der König und der Würzburger Bischof versöhnten sich wieder, nachdem der Tauschvertrag 1008 zugunsten des Würzburgs geändert worden war. Trotzdem blieben Würzburg und Bamberg jahrhundertelang Rivalen. Nach dem Tode Bischof Megingauds von Eichstätt konnte Kaiser HEINRICH II. 1016 das Bistum Bamberg um das Gebiet zwischen Pegnitz und Schwabach vergrößern. Schließlich wuchs dem Bistum Bamberg noch die außerhalb des Radenzgaues gelegene umfangreiche Pfarrei Hof zu. Die Dombibliothek war eine der bestausgestatteten im Reich. Unter den Domscholastern Durand, späterem Bischof von Lüttich (1021-1025) und Meinhard, späterem kaiserlichen Gegen-Bischof von Würzburg (1085-1088), wurde die Domschule eine von weither anziehende und weitausstrahlende Bildungsstätte, aus der zahlreiche bedeutende Männer (unter anderem Erzbischof Anno II. von Köln, Bischof Cuno von Brescia) hervorgingen, und in welcher der Kleriker Udalrich, die nach ihm benannte Briefsammlung ("Codex Udalrici") anlegte, die zu den wichtigsten Quellen der deutschen Geschichte in der Zeit des Investiturstreites gehört.

2. Sonderstellung in der Reichskirche
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Weniger die Verleihung des Papstschutzes durch Johannes XVIII. anlässlich der Gründung als die Auszeichnung des Bischofs von Bamberg mit dem Pallium erstmals durch Leo IX. (1053) und die regelmäßige Weihe des Bischöfe seit Otto I. (1106) durch die Päpste lockerten Bambergs Suffraganverhältnis und führten im 13. Jh. zur völligen Exemtion aus dem Mainzer Metropiltanverband. Auch seitens der Reichsgewalt wurde das Bistum Bamberg, noch über Kaiser HEINRICHS II. Tod hinaus, durch Besetzung des Bischofssitzes mit Kanzlern, Verwandten oder Vertrauten der Herrscher ausgezeichnet. Gewiss wurden Hoftage seit den STAUFERN, die Würzburg und Nürnberg bevorzugten, in Bamberg seltener. Doch blieb Bambergs Vorrangstellung betont durch zwei Kaisergräber (HEINRICH II., KONRAD III.) und ein Papstgrab (Clemens II.) im Dom und die Kanonisation der drei Bamberger Heiligen: Kaiser HEINRICH II. (1147), Bischof Otto I. (1189) und Kaiserin Kunigunde (1201).

3. Pfarreiorganisation
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Vorwiegend durch Dotationen edelfreier, dann ministerialer Geschlechter, weniger durch Stiftungen der Bischöfe, Stifte und Klöster, kaum ein Bürger, wurden die ca. 30 bei Gründung des Bistums Bamberg bestehenden Pfarreien im Laufe des Mittelalters in fortschreitender Aufteilung auf 203 vermehrt. Zu den Pfarrkirchen kamen 430 Inkuratbenefizien, von denen sich 262 auf Pfarr-, Stifts- und Klosterkirchen, 168 aber auf Filialkirchen verteilten, schließlich noch 191 unbepfründete Kapellen mit gelegentlichem Gottesdienst. Die innere Einteilung des Bistums in die vier Archidiakonate Bamberg, Kronach, Hollfeld und Nürnberg-Eggoldsheim geht wohl auf Bischof Otto I. (1102-1139) zurück. Seit dem 14. Jh. erscheinen nach Landdekane, die im Gegensatz zu den Archidiakonen keine jurisdiktionellen, sondern nur aufsichtsrechtliche Funktionen ausübten. Ihre Sprengel, die Landesdekanate, fielen ursprünglich, mit Ausnahme von Bamberg, räumlich mit je einem Archidiakonat zusammen, wurden aber noch im Mittelalter mehrfach verkleinert und vermehrt.

4. Das Klosterwesen
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dessen Anfänge nicht vor die Bistumsgründung zurückreichen, entwickelte sich nur zögernd. Sein Aufbau ist im wesentlichen das Werk Bischof Ottos I. (1102-1139), der mit Hilfe des Adels Stifte und Klöster verschiedener Observanzen - auch über die Grenzen des Bistums Bamberg hinaus - gründete oder reformierte. Seine Klosterpolitik stärkte, da auf dem Eigenkirchenrecht beruhend, die Stellung der Bischöfe auch als Territorialherren. Am Ende des Mittelalters sind im Bistum fast alle Orden, mehr noch in Nürnberg konzentriert als in Bamberg vertreten: außer dem Domkapitel vier Säkularkanonikerstifte: St. Stephan, St. Gangolf und St. Jakob in Bamberg, Forchheim; vier Benediktinerabteien: Michelsberg (Bamberg), Weißenohe, Michelfeld, St. Egidien (Nürnberg); eine Zisterzienserabtei: Langheim; eine Deutschordenskommende: Nürnberg; ein Augustinerchorherrenstift: Neunkirchen am Brand; vier Klöster der Franziskaner: Nürnberg, Bamberg, Hof, St. Jobst (Allersdorf); zwei der Dominikaner: Nürnberg, Bamberg;drei der Karmeliter: Bamberg, Nürnberg, Sparneck; zwei der Augustinereremiten: Nürnberg, Kulmbach; ein Kartause: Nürnberg; vier der Zisterzinerinnen: St. Theodor (Bamberg); (seit dem 14. Jh. Benediktinerinnen), Schlüsselau, Himmelkron, Himmelthron (Großgründlach); drei der Klarissen: Nürnberg, Bamberg, Hof, und zwei der Dominakanerinnen: Nürnberg, Bamberg.

5. Entwicklung des Hochstifts
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Staunen und Neid erweckende Schenkungen HEINRICHS II. im Volkfeld- und Radenzgau, in Bayern und Kärnten, später auch im Westen des Reiches, sicherten nicht nur die wirtschaftliche Existenz des neuen Bistums, sondern ließen es ältere Reichsbistümer an Bedeutung einholen und überflügeln. Grundlage der weltlichen Herrschaft der Bischöfe bildeten die Schenkungen des Gründers an der Main-Regnitz-Linie (Hallstadt, Forchheim), während die Schenkungen im Nordgau (Hersbruck, Velden, Auerbach) seit dem 12. Jh. wieder verloren gingen. Begünstigt durch das Aussterben der führenden Geschlechter (Grafen von Schweinfurt, Grafen von Aben[s]berg, Grafen, Herzöge von Andechs-Meranien, Herren von Schlüsselburg) konnten die Bischöfe das Territorium, dessen Entwicklung mit Bischof Lamprecht von Brunn (1374-1399) zum Stillstand gelangt war, vor allem durch Erbschaften und Käufe verdichten und etwa auf die Hälfte des Bistums ausdehnen. Im Westen reichte das Territorium stellenweise in das Bistum Würzburg hinein (Banz, Herzogenaurach). Größte Exklave waren die Besitzungen in Kärnten mit den Hauptorten Villach und Wolfsberg. Der Kern dieser Besitzungen geht auf die Schenkungen Kaiser HEINRICHS II. zurück, der dadurch die Übergänge über die Julischen Alpen sichern wollte. - Das Domkapitel gewann auf die Regierung des Hochstifts ständig wachsenden, seit 1328 in den Wahlkapitulationen institutionalisierten Einfluss.

Quellen und Literatur:
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Ber. des hist. Vereins B., seit 1834.

Bibliographie:
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- Frk. Bibliogr., hg. G. Pfeiffer I, 1965, Nr. 407-5103; IV, 1978, Nr. 52863-53035 -

Quellen:
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Jaffe V, 1869 [mit Ed. des Codex Udalrici] - GP III/3, 1935, 241-300 - W. Reinhardt, Dedicationes Bambergenses, 1936 - E. Frhr. v. Guttenberg, Die Reg. der Bf.e und des Domkapitels von B., 1963 - Ders, Die Urbare und Wirtschaftsordnungen des Domstifts zu B. I, 1969.

Literatur:
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LMK I, 539-548 - J. Looshorn, Die Gesch. des Bm.s Bamberg I-IV, 1886-1900 [Neudr. I-III, 1967-1968] - F. Wachter, General-Personal-Schematismus der Erzdiöz. B. 1007-1907, 1908 - E. Frhr. v. Guttenberg, Die Territorialbildung am Obermain, ber. des Hist. Vereins B. 79, 1927 - Ders., Das Bm. B. I (GS II, 1, I, 1937 [Neudr. 1963]) - Th. Mayer, Fs.en und Staat, 1950 [Neudr. 1969] - J. Kist, Fürst- und Erzbistum B., 1953 1962 - E. Frhr. v. Guttenberg-A. Wendehorst, Das Bm. B. 2 (GS II, I, 2, 1966).


Trillmich Werner: Seite 87
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Im Jahre 1007 hatte HEINRICH II. auf Kosten der Diözese Würzburg im Einvernehmen mit dem Papste das Bistum Bamberg geschaffen. Der neue Sprengel umfasste den zum Volkfeld gehörigen Reichsgutbezirk an der Regnitz und den größten Teil des Radenzgaus bis in die Grenzwälder gegen Böhmen und den bayerischen Nordgau. 1016 kam noch ein schmaler, bisher Eichstätt unterstellter Streifen zwischen Erlanger Schwabach und Pegnitz hinzu. Persönliche Frömmigkeit, Sorge um die Slawenmission und politische Gründe dürften das Vorgehen des Königs in gleicher Weise bestimmt haben. Bamberg sollte als Eigenbistum des Herrschers N- und S-Deutschland fest miteinander verklammern, aber auch die Sicherung gegen den fränkischen Adel und gegen Ausdehnungsbestrebungen künftiger bayerischer Herzöge dienen. Um die Besonderheit seiner Maßnahme und das Gewicht der daraus erwachsenden Schutzpflicht hervorzuheben, gab HEINRICH das neue Hochstift unbeschadet der Mainzer erzbischöflichen Rechte dem heiligen Petrus zu eigen, und 1020 unterstellte es der Papst während eines Besuches erneut Roms Obhut. Die ungewöhnlich großzügige Ausstattung schloss alles Königsgut innerhalb der Sprengelgrenzen ein samt den Königshöfen im Volkfeld, Radenz- und Rangau, ferner konfiszierte Lehen der BABENBERGER im bayerischen Nordgau, so daß fortan Kirchengut an allen strategisch wichtigen Punkten die Allodien des weltlichen Adels umschloss. Zur weiteren Dotation gehörte ein beträchtlicher Teil des Reichs- und Herzogsguts in Bayern an den Donauübergang bei Neuburg und Pförring an den Unterläufen von Isar und Inn sowie die Regensburger Alte Kapelle, deren Propst den Bischof in der Donaustadt zu vertreten hatte. Dazu kamen Anteile an der Saline Reichenhall, Streubesitz in Schwaben, vereinzelt auch am Rheine und anderwärts, ferner Eigenklöster in fremden Diözesen, darunter Kitzingen am Main, Haslach im Elsaß, Schuttern und Gengenbach im Schwarzwald, das schwäbische Stein am Rhein, Bergen und Neuburg an der Donau. In Kärnten gehörte Bamberg eine Grundherrschaft bei Villach an der Paßstraße nach Friaul. Mit dem planmäßigen Aufbau dieser Kette eigener Besitzungen von Franken bis in die südlichen Alpen übernahm Bischof Eberhard auch die  Kontrolle wichtiger Verbindungsstraßen. Solche Erwerbungen verschafften der Bamberger Geistlichkeit überall Quartierorte für Reisen im Dienste des Reiches. Zahlreiche Aufenthalte des Kaisers, Hoftage und Synoden machten den jungen Bischofssitz zu einem bedeutenden Instrument der Reichspolitik.
 
Eberhard I. von Abenberg  1007-1040 
Suidger  1040-1047 
Hartwig  1047-1053 
Adalbero  1053-1057 
Gunther  1057-1065 
Hermann I.  1065-1075 
Rupert  1075-1102 
Otto I.  1102-1139 
Engilbert  1139-1146 
Eberhard II.  1146-1170/72 
Hermann II.  1170/72-1177 
Otto II. von Andechs  1177-1196
Thiemo  1196-1201 
Konrad von Schlesien  1201-1203 
Ekbert von Andechs  1203-1237
Siegfried von Oettingen     1237 
Poppo von Andechs  1237-1242
Heinrich I.  1242-1257 
Berthold von Leiningen  1257-1285
Arnold von Solms  1286-1296 
Leopold von Gründlach  1296-1303 
Wülfing von Stubenberg  1304-1318 
Sedisvakanz  1318-1322 
Johann  1322-1324 
Heinrich II. von Sternberg  1324-1328
Johann von Nassau  1328-1329 
Werntho Erbschenk von Reicheneck  1329-1335 
Leopold II. von Egloffstein  1335-1343 
Sedisvakanz  1343-1344 
Friedrich von Hohenlohe  1344-1352
Leopold III. von Bebenburg  1353-1363 
Friedrich II. von Truhendingen  1363-1366
Ludwig von Meißen  1366-1373 
Lambert von Brunn  1374-1398
Albert von Wertheim  1398-1421
Friedrich III. von Aufseß  1421-1431 
Anton von Rotenhan  1431-1459 
Georg von Schaumberg  1459-1475
Philipp von Henneberg  1475-1487 
Heinrich III. von Trockau  1487-1501
Veit von Pommersfelden  1501-1503 
Georg II. Marschall von Ebnet  1503-1505 
Georg III. Erbschenk von Limburg  1505-1522 
Weigand von Redwitz  1522-1556
Georg IV. von Rügheim  1556-1561
Veit II. von Würzburg  1561-1577 
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt  1577-1580 
Martin von Eyb  1580-1583
Ernst von Mengersdorf  1583-1591
Reithard von Thüngen  1591-1598 
Johann Philipp von Gebsattel  1599-1609 
Johann Gottfried I. von Aschhausen  1609-1622 
Johann Georg II. von Dornheim  1622-1633 
Franz Hatzfeld  1633-1642 
Melchior Otto Voit von Salzburg  1642-1653 
Philipp Valentin Voit von Rieneck  1653-1672 
Peter Philipp von Dernbach  1672-1683
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg  1683-1693 
Lothar Franz von Schönborn  1693-1729 
Friedrich Karl von Schönborn  1729-1746 
Johann Philipp von Franckenstein  1746-1753 
Franz Konrad von Stadion und Tannhausen  1753-1757 
Adam Friedrich von Seinsheim  1757-1779 
Franz Ludwig von Erthal  1779-1795 
Christoph Franz von Buseck  1795-1805 
Georg Karl von Fechenbach  1805-1808 
Sedisvakanz  1808-1818 
Joseph von Stubenberg  1818-1824
Joseph Maria von Fraunberg  1824-1842 
Bonifaz Kaspar Urban  1842-1858
Michael Deinlein  1858-1875 
Friedrich Schreiber  1875-1890 
Joseph Schork  1890-1905 
Friedrich Philipp Abert  1905-1912 
Jacobus Hauck  1912-1943 
Joseph Otto Kolb  1943-1955 
Joseph Schneider                            1955-1976 
Elmar Maria Kredel  1976-