Tochter des Königs Chilperich
II. von Burgund und der Caretana
Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1948
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Chrodechilde
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+ 544
Gemahlin des merowingischen Königs Chlodwig I.
Entstammte dem burgundischen Königsgeschlecht.
Sie ist die jüngere von zwei Töchtern Chilperichs
(Nichte des burgundischen Königs Gundobad)
und wurde um 492 durch offizielle Brautwerbung Gattin Chlodwigs
I. (Greg. Tur. Hist. Franc. II, 28). Der erste Sohn aus dieser
Ehe, Ingomer, starb anläßlich
der Taufe um 494; der zweite Sohn Chlodomer,
wurde um 496/97 geboren (Greg. Tur. Hist. Franc. II, 29),
Chlothar
I., der jüngste Sohn, dann 504/07 Als katholische Prinzessin
setzte sich
Chrodechilde bei der Taufe
ihrer Söhne bei Chlodwig
durch.
Chrodechildes
eigentliche Rolle begann erst nach dem Tod des Gatten (511). Die Königinwitwe
trug 532 zum Ausbruch des Feldzuges gegen die Burgunder bei (Hist. Fr.
III,6) und übernahm 524 die weitere Erziehung der unmündigen
Söhne des gefallenen
Chlodomer
(Hist. Fr. III, 8). Erst nach der erbrechtlichen Ausschaltung der Enkel
nahm der Einfluß Chrodechildes
auf die Tagespolitik ab. Sie verließ ihre Residenz Paris und siedelte
nach Tours über, wo sie ein dem Apostel Petrus geweihtes Frauenkloster
gründete (Vita Ch. II). Der Apostel war der bevorzugte Patron. Chrodechilde
griff
wiederholt in die Angelegenheiten der Kirche ein. Sie starb in hohem Alter
und geehrt in Tours (Hist. Fr. IV, I). In der von ihr und Chlodwig
zu Paris gegründeten Apostel-Basilika wurde
Chrodechilde, die zur merowingischen
Stammutter geworden war, von ihren Söhnen beigesetzt.
Literatur:
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E. Zöllner, Gesch. der Franken bis zur Mitte des
sechsten Jh., 1970 - E. Ewig, Stud. zur merow. Dynastie, FMASt 8, 1974,
15-59 - Ders., Spätantikes und frk. Gallien I (Francia Beih. 3.I),
1976 - H. Grahn-Hoek, Die frk. Oberschicht im 6. Jh. (Sonderbd. 21), 1976
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Diese burgundische Prinzessin aus Genf hatte die tragische
Ehre, Gattin
des ersten fränkisch-merowingischen
Königs Chlodwig zu sein, des wilden, grausamen Siegers
über Burgunder, Alemannen und Westgoten, der als Vernichter der letzten
Reste des Weströmischen Reiches in die Geschichte einging. In Chlotilde
vollzog sich sinnbildlich der Übergang vom Heidentum zum Christentum.
Sie war Christin, ihr Mann war Heide. Als ihr erstes Söhnchen starb,
erfuhr sie den Hohn Chlodwigs. Auch
das zweite Söhnchen kränkelte nach der Taufe, aber es gesundete
wieder, und Chlodwig wurde schwankend.
Doch erst als er in der Entscheidungsschlacht gegen die Alemannen siegte,
gab er, von seinen Göttern enttäuscht, den Heidenglauben auf
und ließ sich in Reims durch Bischof Remigius taufen (496). Wie Chlodwig
blieb auch Chlotilde nach der Taufe
noch lange heidnischen Sitten treu. Da ihre Eltern und Geschwister vom
Burgunder-König
Gundobad ermordet worden waren, ließ sie zur Sühne
burgundische Dörfer niederbrennen und dankte Gott für die gelungene
Vergeltung; als die Kinder ihres gefallenen Sohnes Chlodomer
in die Hände seiner Feinde fielen und diese die Großmutter
Chlotilde
vor die Wahl stellten, entweder ihre Enkel aller politischen Macht zu entkleiden
und sie zu Mönchen zu machen oder ihre Ermordung zuzulassen, schrie
sie auf: "Wenn sie nicht Könige werden sollen, dann lieber tot!" Nach
der Ermordung ihrer Enkel führte sie in Tours, der Stadt des heiligen
Martin, ein zurückgezogenes Leben in Gebet und Buße für
ihr unseliges Haus; denn die Feinde, die ihre Enkelkinder getötet
hatten, waren - es ist schaurig zu sagen - Chlothildes
andere Söhne Chlothar und Childebert;
sie hatten das Frankenreich bereits unter sich geteilt und gönnten
ihren Neffen nicht die Thronfolge. Die Kirche hat die späte Büßerin
heilig gesprochen.
So kam es zu einer Annäherung zwischen Franken und
Burgundern.
Chlodwig erhielt vom Burgunder-König
Gundobad die Hand seiner Nichte Chrodechild,
die sich zum katholischen Glauben bekannte.
Nach Gregor von Tours, dem "Geschichtsschreiber der Franken",
hat Chlodwig auf dem Höhepunkt
der Schlacht Christus, den Gott der Königin
Chrodichild, angerufen und gelobt, sich taufen zu lassen, wenn
er den Sieg erringe. Gregors Darstellung ist oft, aber zu Unrecht angezweifelt
worden. Sie beruht anscheinend auf Berichten der Königin, die nach
dem Tod Chlodwigs in Tours lebte und
dort 548 verstarb.
Der katholische Einfluß am fränkischen Hof
wuchs durch die Heirat Chlodwigs mit
Chrodechild, die beim König die
Taufe ihrer ersten Söhne Ingomer und
Chlodomer
durchsetzte
Nach der Rückkehr aus dem Westgotenkrieg nahm Childebert
Verbindung mit seinem Bruder Chlothar
auf, um mit ihm das Erbe Chlodomers von Orleans
zu teilen. Chlodomer hatte drei
unmündige Söhne hinterlassen, deren sich die Großmutter
Chrodechild
angenommen
hatte. Chrodechild
vertrat das Erbrecht
ihrer Enkel, das bei konsequenter Anwendung zu einer "Aufsplitterung der
königlichen Gewalt" geführt hätte (W. Bleiber). Childebert
und
Chlothar werden dies bedacht haben
(wenn sie auch von Machtgier geleitet waren). Sie bemächtigten sich
der Neffen, unter dem Vorwand, sie zu Königen zu erheben. Childebert
wollte die Söhnes des Bruders vielleicht zu Klerikern "scheren"
lassen, um sie auf diese Weise von der Erbfolge auszuschalten; Chlothar
erschlug die beiden älteren jedoch mit eigener Hand. Chlodoald,
der Jüngste, wurde von den Seinen gerettet.
493
oo Chlodwig I. König der Franken
466-27.11.511
Kinder:
Chrodechilde
- 531
um 526
oo Amalarich König der Westgoten
502-
531
Ingomer
494- 497?
Chlodomer
495- 524
Childebert I
497- 558
Chlothar I.
500- 561
Literatur:
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Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899
- Dahn, Felix: Die Völkerwanderung. Kaiser Verlag Klagenfurth
1997, Seite 364,369, 374 - Ewig Eugen: Die fränkischen Teilungen
und Teilreiche (511-613). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der
Literatur in Mainz 1952 - Ewig, Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich.
Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1993, Seite 21-23,35, 81,92,95,201,204
- Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 79-81 - Herm, Gerhard: Karl
der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987,
Seite 17-21 - Jarnut, Jörg: Agilolfingerstudien, Seite 95 -
Schneider,
Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter,
Seite 74,222 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs
bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995, Seite
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Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München
1970, Seite 55,59,62,74, 81,107,127, 185,187,240 -