Tochter des Franken-Königs
Chilperich I. von Neustrien aus seiner 1. Ehe mit der Audovera
Ennen Edith: Seite 53-55
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"Frauen im Mittelalter"
Nach dem Tod der Radegundis
brach in ihrem Kloster Hader und Zwietracht aus. Zwei merowingische
Prinzessinnen, Chrodechildis,
eine Tochter Chariberts,
und Basina, eine Tochter Chilperichs,
waren in das Heiligkreuzkloster eingetreten, Basina
unfreiwillig.
Zur Nonne waren beide ungeeignet; vor allem Chrodechilde
in ihrer ungezügelten barbarischen Wildheit, durchdrungen vom Stolz
auf ihr MEROWINGER-Blut. Sie entfesselte
nach dem Tod der Radegundis einen wahren
Aufruhr gegen die Äbtissin Leubowera, die aus adligem, aber nicht
aus königlichem Geschlecht war. Sie verführte ihre Cousine Basina
und 40 Nonnen mitzumachen; sie mußten ihr schwören,
Leubowera zu vertreiben. Chrodechilde
und ihr Anhang zogen aus dem Kloster Ste. Croix aus nach St. Hilaire, sie
widersetzten sich gewalttätig bischöflicher Vorladung und allen
Zurechtweisungen. Der Streit schwelte lange, bis es zur Eskalation kam.
Gregor hat die Schlußphase wieder farbenreich geschildert (X. Buch,
Kap. 15,16): "Das Ärgernis aber, das in dem Kloster zu Poitiers aus
der Saat des Teufels erwachsen war, erhob sich täglich zu größerem
Übel; denn nachdem Chrdechilde...
Mörder, Giftmischer, Hurer, Landflüchtige und Verbrecher anderer
Art um sich gesammelt hatte und zum Aufruhr bereit saß, gab sie jenen
Leuten Befehl, bei Nacht in das Kloster einzubrechen und die Äbtissin
mit Gewalt fortzuschleppen. Diese hörte aber den herankommenden Aufruhr
und verlangte, man solle sie zu der Lade des heiligen Kreuzes tragen -
denn sie litt an Gichtschmerzen -, damit sie durch dessen Beistand geschützt
würde. Als aber die Männer einbrachen, zündeten sie eine
Kerze an und liefen mit ihren Waffen überall in dem Kloster umher
und suchten die Äbtissin. Da sie aber in die Kapelle kamen, fanden
sie sie vor dem Schrein des heiligen Kreuzes am Boden liegen. Und einer
von ihnen, der noch schlimmer war als die übrigen, machte sich schon
bereit, die Greueltat zu begehen, um die Äbtissin mit einem Schwerte
zu zerhauen, als eina anderer ihn, ich glaube mit Beistand der göttlichen
Vorsehung, mit seiner Klinge durchbohrte. Da das Blut hervorströmte
und er zu Boden stürzte, konnte er den Vorsatz nicht ausführen,
den er in seinem verruchten Sinne gefaßt hatte. Inzwischen bedeckten
die Pröpstin Justina" - sie war eine Nichte Gregors; seine Informationen
stammen also direkt aus dem Kloster, kommen aber von einer Partei - "und
die andern Schwestern die Äbtissin mit der Decke des Altares, der
vor dem jeiligen Kreuz stand, und löschten die Kerze aus. Aber jene
kamen mit gezückten Schwertern und lanzen, zerrissen ihr das Kleid,
zerfleischten den Nonnen beinahe die Hände und ergriffen die Pröpstin,
da es dunkel war, anstelel der Äbtissin ..." Schließlich brachte
diese Räuberhorde die Äbtissin - die Pröpstin ließen
sie los, als sie ihren Irrtum erkannten - in Haft und plünderten das
Kloster aus. Der Aufstand griff weiter um sich, so daß der König
schließlich eine Bischofskonferenz einberief, die diese Untaten durch
kirchenrechtliche Strafen abstellen sollte. Es nahm übrigens auch
der Bischof Eberegisel von Köln daran teil, so weite Kreise zog diese
Geschichte. Die Bischöfe verlangten zunächst, daß der Aufruhr
durch den zuständigen Amtsträger des Königs, den Grafen
Macco von Poitiers, unterdrückt würde. Chrodechilde
trat den Leuten des Grafen mit dem Kreuz des Herrn, "dessen Wunderkraft
sie früher verachtet hatte", entgegen mit den Worten: "Braucht, ich
erfordere euch, keine Gewalt gegen mich, die ich eine Königin bin,
eines Königs Tochter und die Base eines anderen Königs; tut es
nicht, es möchte sonst einst die Zeit kommen, da ich mich an euch
räche." Der Aufstand wurde aber mit roher Gewalt unterdrückt.
Die Äbtissin wurde vor dem bischöflichen Gericht unter anderen
Anklagen, die sie zurückweisen konnte, vorgeworfen, sie habe am Brett
mit Würfeln gespielt, weltliche Personen hätten mit ihr geschmaust,
ja es sei sogar eine Verlobung in dem Kloster gefeiert worden; ferner habe
sie sich unterstanden, ihrer Nichte von einer schwerseidenen Altardecke
Kleider machen zu lassen, die goldenen Blättchen, welche am Saume
der Decke gewesen seien, abzuschneiden, auch habe sie dieser Nichte aus
Prunksucht eine mit Gold verzierte Kopfbinde anfertigen lassen ... Die
Äbtissin antwortete in Bezug auf das Brettspiel, wenn sie bei Lebzeiten
der heiligen Radegunde gespielt habe,
so treffe sie deshalb geringere Schuld, auch verböten weder die Regel
noch die Kirchengesetze ausdrücklich das Spiel. Aber auf den Befehl
der Bischöfe hin versprach sie, willig und reuig die Buße zu
leisten, die ihr auferlegt würde. Was die Schmausereien beträfe,
sagte sie, so habe sie keine neue Sitte im Kloster eingeführt, sondern
es so gehalten, wie es zu Zeiten der heiligen Radegunde
üblich gewesen, sie habe christlich gesinnten gläubigen Personen
geweihtes Brot verabreicht, die sogenannten Eulogien, daß sie selbst
mit ihnen jemals geschmaust habe, könne man ihr nicht nachweisen.
Wegen der angeführten Verlobung gab sie an, sie habe in Gegenwart
des Bischofs, der Geistlichkeit und angesehner Leute den Brautschatz für
ihre Nichte, die eine Waise sei, empfangen - das bedeutet, daß sie
als "Muntwalt" der Nichte tätig geworden ist - erklärte aber,
wenn dies ein Vergehen sei, so wolle sie vor allen um Verzeihung bitten;
aber ein Gelage habe sie auch dabei im Kloster nicht angestellt. "...wegen
der Altardecke ... stellte sie eine Nonne von edler Geburt als Zeugin,
daß diese ihr einen schwerseidenen Überhang, den sie von ihren
Eltern mitgebracht, zum Geschenk gegeben habe, davon habe sie ein Stück
abgeschnitten, um es nach ihrem Belieben zu verwenden; von dem übrigen
habe sie, soviel dazu erforderlich ewesens ei, als Decke zum würdigen
Schmuck des Altares verwendet, den Rest aber ... ihrer Nichte als Purpurbesatz
an das Kleid gemacht; wegen der goldenen Blättchen der mit Gold verzeirten
Stirnbinde stellte sie den Grafen von Poitiers als Zeugen, daß sie
durch ihn von dem Bräutigam der Nichte 20 Goldgulden empfangen habe,
davon habe sie dies bestritten ..." Daraufhin wurde sie mit einer väterlichen
Ermahnung bedacht. Das Gericht der Bischöfe schloß hingegen
Chrodechilde
und Basina
aus der Kirchengemeinschaft
aus. Basina bereute, Chrodechilde
blieb uneinsichtig; auf Bitten des Königs wurden sie aber wieder in
die Kirchenmgemeinschaft aufgenommen, Basina kehrte ins Kloster zurück,
Chrodechilde
wurde
ein ihr seinerzeit vom König geschenkter Hof zum Aufenthalt angewiesen.