Ingeborg von Dänemark                             Königin von Frankreich
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1176-29.7.1236
         Corbeil

Begraben: Corbeil
 

Tochter des Königs Waldemar I. von Dänemark und der Sophie von Nowgorod, Tochter von Fürst Wladimir III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 414
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Ingeborg von Dänemark, Königin von Frankreich
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* um 1175, + um 1237 oder 1238
                    Corbeil

Begraben: Corbeil

Tochter von König Waldemar I. (+ 1182) und Sophia, wohl von Minsk (+ 1198)

  oo 14. August 1193 König Philipp II. August von Frankreich

Die wohl auf französische Initiative geschlossene Ehe wurde von dänischer Seite als Stütze gegen HEINRICH VI. betrachtet. Doch betrieb Philipp II. aus rasch zutage getretener Abneigung (vielleicht im Zusammenhang mit einer nervösen Erkrankung des Königs) die Scheidung, für die sich eine Versammlung der Großen (5. November 1193) unter Hinweis auf eine Verwandtschaft Ingeborgs mit der verstorbenen Gattin des Königs erklärte. Ingeborg von Dänemark verweigerte aber ihre Zustimmung und appellierte an den Papst; die dänische Monarchie, die die Anerkennung Ingeborgs als französische Königin in den folgenden Jahren zu einem ihrer außenpolitischen Hauptziele machen sollte, richtete ihrerseits eine Gesandtschaft an den Heiligen Stuhl, der daraufhin dem französischen König die Aufrechterhaltung der Ehe gebot. Philipp II., der sich mit für die Zeit ungewöhnlicher Entschlossenheit über die kanonischen Rechtsvorschriften hinwegsetzte, ging gleichwohl eine neue Ehe ein (Agnes von Meran, 1196). Bald nach der Amtseinführung (1198) wandte sich Papst Innozenz III. entschieden gegen den König und entsandte einen Legaten, der schließlich das Interdikt über Frankreich verhängte (Dezember 1199), das aber wieder aufgehoben wurde, nachdem der König die Absicht bekundet hatte, die mittlerweile auf Etampes internierte Ingeborg von Dänemark künftig korrekt zu behandeln. Nach dem Mißlingen eines durch den König iniierten Scheidungsprozessses (Soissons, 1201) versuchte Philipp, Ingeborgs Widerstand durch strenge Haft und unwürdige Behandlung zu brechen. 1208 ersuchte er den Papst um die Scheidung. Der Papst, der stets auf Einhaltung der kanonischen Rechtsvorschriften bestand, teilte erst im Juni 1212 dem König abschließend mit, daß er die Ehe nicht scheiden könne, da Ingeborg von Dänemark unter Eid den Vollzug der Ehe erklärt hatte. Im April 1213 wurde Ingeborg von Dänemark endlich freigelassen und wieder als Königin anerkannt, lebte aber vom König getrennt. Ihr tragisches Schicksal, das die Königin in tiefer Religiosität und im Bewußtsein ihres königlichen Ranges und der Unauflöslichkeit des Ehesakraments mit Würde ertrug, war eng mit dem Wechselspiel der großen Politik verflochten; ihre Freilassung muß im Licht der französisch-päpstlichen Entente gegenüber der welfisch-flandrisch-englischen Koalition am Vorabend von Bouvines gesehen werden. - Der berühmte Ingeborg-Psalter ist ein Hauptwerk der französischen Kunst an der Schwelle der Gotik.


Treffer Gerd: Seite 113-118
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                     INGEBURG VON DÄNEMARK - die Tragische
                                              * um 1175, + 27. Juli 1236
                                                                  Corbeil

Zweite Gemahlin Philipps II. (Philippe Auguste) (* 1165; König: 1180-1223) Heirat: 14. August 1193 Amiens

Daß die Königinnen von Frankreich an der Seite ihrer Könige kein einfaches Schicksal hatten, haben wir nun schon mehrmals erfahren. Sie wurden entwürdigend und lieblos behandelt, verstoßen, wenn sie die erwarteten Thronfolger nicht zur Welt brachten oder der König eine neue Favoritin im Visier hatte. Auch der Lebenslauf von Ingeburg von Dänemark, der zweiten Gemahlin Philipps II., entwickelt sich tragisch. Schon amTag nach der Hochzeitsnacht, dem Tag, da sie feierlich zur Königin gesalbt wird, wird sie verstoßen, widersetzt sich jedoch zwanzig Jahre lang den durchaus erfindungsreichen Versuchen ihres Gemahls, sich ihrer zu entledigen, mit Erfolg. Sie überlebt eine - aus ihrer Sicht unrechtmäßige - weitere Ehefrau ihres Mannes und erlebt, daß sie zu einem normalen Eheleben mit dem Mann zurückkehrt, der sie eingekerkert und verflucht hat, mit ihm letztlich seinen Ruhm und seine Herrlichkeit teilt und schließlich gar die Wertschätzung seines Nachfolgers findet.
Ingeburg ist eine hübsche junge Frau von ansehnlicher Statur mit Zöpfen, die ein weißes Gesicht, wie es Rothaarige oft haben, rahmen, als Philipp II. sie am 14. August 1193 in der Kathedrale von Amiens heiratet. Der Erzbischof von Reims steht am Altar. Das Volk ist begeistert. Ingeburg ist achtzehn. Sie spricht die Sprache ihres künftigen Mannes nicht, aber sie stammt aus einer Familie, die für eisenharte Energie bekannt ist. Ihr Vater Waldemar I., der Große, König von Dänemark ist ein gefürchteter Kriegsherr. Ihre Mutter, Sophia von Rußland, schreckt vor den schlimmsten Repressalien nicht zurück, wenn ihre Ehre auf dem Spiel steht. In seinem Konflikt mit England kann der französische König die Unterstützung des Dänen gut gebrauchen, zumal die dänische Dynastie traditionell gute Beziehungen zum Königreich Frankreich unterhält. Die Idee einer dänischen Heirat des französischen Witwers, der seine (erste) Königin kurz vor dem Auszug ins Heilige Land begraben hat, stammt wohl von Kreuzzugsgefährten und wurde während der Belagerung von Akko von ihnen vorgebracht.
Seit 1182 sitzt Knut VI., Bruder Ingeburgs, auf Dänemarks starkem und respektierten Thron. Er empfängt freudig Philipps Gesandte, die um seiner Schwester Hand anhalten. Die französischen Diplomaten stellen aber fest, daß der Ehevertrag nicht die erhofften politischen Zusagen enthält. In Dänemark scheint der Ruf des französischen Königs nicht der beste zu sein. Von seinen Versuchen, seine erste Frau zu verstoßen, hat man gewiß erfahren. Der Heiratsvertrag jedenfalls bestimmt ausdrücklich, daß die dänische Prinzessin von ihrer Ankunft in Frankreich an mit allen einer Königin zustehenden Ehren zu behandeln sei. Die Skandinavierin erobert auf der Stelle den König, der mit dem Heiratsvertrag Schenkungsurkunden unterschreibt. Er übereignet ihr die Herrschaft von Orleans, Crecy, Chateauneuf-sur-Loire und Neuville-aux-Bois.
Am Tag nach der Heirat führt Philipp seine Gemahlin zur Krönung nach Reims.Das Volk strömt in Scharen zusammen. Überall herrscht Freude, Ausgelassenheit. Man salbt nicht jeden Tag eine Königin von Frankreich. Eine eindrucksvolle Zeremonie. Sie wird zu einer fatalen Schlüsselszene im Leben Ingeburgs. Noch während der Salbung wird der König beim Anblick seiner jungen Frau von heftigen Zittern befallen. Kaum ist die Zeremonie beendet, ruft Philipp seinen Rat zusammen und läßt den dänischen Gesandten mitteilen, daß ihnen Ingeburg zurückgegeben wird. Die dänische Delegation ist wie vor den Kopf geschlagen und lehnt das Ansinnen ab. Auch die neue Königin ist sehr bestimmt: Sie hat Philipp vor Gott geheiratet, sie ist zur Königin gesalbt worden - nichts wird sie dazu bewegen, auf ihren neuen Stand zu verzichten. Was ficht den französischen König an? Nichts läßt sich mit Bestimmtheit sagen. Natürlich brodelt die Gerüchteküche, man spricht von Zauberei. Man redet von einem Makel der Prinzessin, der sorgfältig verborgen gewesen sei und weist ihr vorschnell die Schuld zu. Aber auch hier bleibt die Frage: Warum hat der König dann nicht nach der Heirat und noch vor der Salbung reagiert? Die päpstliche Untersuchung läßt vermuten, daß Philipp sich im Orient eine Krankheit zugezogen hatte, die ihn behinderte, seine ehelichen Pflichten zu erfüllen.
Wie auch immer: die unglückliche Ingeburg wird auf Befehl des Königs ins Kloster Saint-Maur-des-Fosses gesteckt. Philipp besucht Ingeburg dort zu einem letzten Versuch, der ebenso ergebnislos bleibt. Binnen zweier Wochen tritt in Compiegne ein Konzil zusammen, das dem König natürlich ergeben ist und am 5. September 1193 die Ehe trennt. Der Vorwand ist ebenso klassisch wie unsinnig: Blutsverwandtschaft. Ingeburg wird - weit von Paris - in das Kloster Cysoing bei Tournai im Henengau, der Herkunft von Philipps erster Gemahlin, gebracht. Sie lebt dort völlig abgeschieden und unter erbärmlichen Umständen. Aber sie gibt nicht nach. Sie wendet sich an Rom. Papst Coelestin III. unternimmt ebenso zahlreiche wie vergebliche Demarchen beim französischen König. Dann entscheidet der Papast: er annulliert am 13. März 1195 die Annullierung der Ehe und befiehlt den französischen Prälaten, keine Wiederverheiratung ihres Königs zuzulassen.
Ungeachtet dessen sendet Philipp auf der Suche nach einer neuen Frau seine Boten aus: man schließt ihnen vor der Nase die Tore. Philipp entscheidet sich 1196 schließlich für eine deutsche Prinzessin: Agnes von Meran. Mit Agnes ist Philipp ein fragiles, ebenso aufrichtiges wie umstrittenes Glück beschieden. Ein neuer Papst, Innozenz III., ein energischerer Mann als sein Vorgänger, fordert Philipp auf, sich von Agnes zu trennen und zu seiner rechtmäßigen Frau zurückzukehren. Der Papst bezeichnet Agnes als "Eindringling" und "die Frau von Außen". Philipp weigert sich. Und Innozenz verkündet das schlimmste aller Urteile. Er verhängt den Kirchenbann. Überall schließen die Kirchen. Die Glocken schweigen. Keine Hochzeiten mehr. Keine Sakramente. Keine Bestattungen in geweihter Erde. Nicht nur das religiöse, auch das soziale Leben des Königreiches wird unterbunden. Philipp rächt sich an Ingeburg: er läßt sie an "einen so verborgenen Ort, wie man ihn je gesehen hat" verbringen, weiß aber, daß er nun mit dem Papst zu einer Einigung kommen muß.
1200 gibt Philipp nach. Er sendet Agnes nach Poissy, wo sie ein Jahr später sterben wird, und ruft Ingeburg zurück. Seine Gefühle ihr gegenüber haben sich keineswegs geändert. Ein feierlicher Einzug in Paris kommt nicht in Frage. Die "Versöhnungsbegegnung" findet am 7. September 1200 im Forst von Rambouillet statt. Eine Versöhnung zwischen den Souveränen, die sich seit sieben Jahren nicht mehr gesehen haben? Sobald der Kirchenbann aufgehoben ist, läßt Philipp Ingeburg im Turm des Schloßes von Etampes gefangensetzen. Dann versucht er erneut, sich durch einen kirchlichen Schiedsspruch von ihr zu befreien und beruft ein Konzil nach Soissons ein. Einmal mehr betont er zu nahe Verwandtschaftsbeziehungen.
Die französischen Prälaten haben aber zwischenzeitlich ihre Lektion gelernt, und Philipp begreift, daß er so nicht weiterkommt. Zur großen Überraschung der Kardinäle erkennt er Ingeburg als einzige und legitime Ehefrau an. Kaum sind die Würdenträger aber ihres Weges gezogen, schickt er Ingeburg erneut in den Turm zu Etampes zurück, wo sie streng überwacht wird. Verzweifelt wendet sich Ingeburg erneut an den Mann, der allein in der Lage ist, ihr zu helfen, den Papst. Sie schreibt: "Niemand hat das Recht mich zu besuchen. Niemand wagt es. Kein Botschafter meines Herkunftslandes, mit oder ohne Brief, kann kommen, um mit mir zu sprechen. Kein Arzt kann sich um meine Gesundheit kümmern." Und sie fügt an: "Ich kann mich nicht baden." Innozenz III. protestiert. Es wird einige Erleichterungen in ihrem traurigem Los geben - auf lange Jahre hinaus aber wird Ingeburg zwar eine anerkannte, aber gefangene Königin bleiben. Philipps Ehedrama wird indes seine königliche Laufbahn kaum behindern.
Während diese Jahre setzt Philipp seinen Wettlauf um Eroberungen erfolgreich fort. 1199 ist Richard Löwenherz gestorben. Dem neuen König von England, Johann Ohneland, nimmt er die Normandie ab. Er besetzt Anjou und Poitou. Er vernachlässigt auch nicht sein altes Reich, Paris wird mit einer neuen Mauer umzogen, die Straßen der Hauptstadt werden saniert, 1204 beginnt er mit dem Bau des Louvres. Auch Johann Ohneland von England liegt im Streit mit dem Papst, der ihn schließlich 1212 exkommuniziert und über England den Kirchenbann verhängt. Welch ein Glücksfall für den König von Frankreich. Wird sich Philipps alter Traum erfüllen? Wird er endlich den Kanal queren und sich zum König von England krönen lassen können? Im Januar 1213 scheint er seinem Ziel zum Greifen nahe: durch päpstliche Instruktion von Soissons wird Johann Ohneland für abgesetzt erklärt. Der König von Frankreich und seine Barone werden aufgefordert, die Waffen gegen Johann zu erheben. Philipp beruft den Heerbann ein und läßt in Boulogne eine gewaltige Flotte mit dem Ziel rüsten, alsbald an den englischen Küsten zu landen. Ein gewagtes Unternehmen. Aber bedarf es dazu nicht der Unterstützung Dänemarks, das seinerseits gewisse Rechte auf England hat? Braucht er nicht die moralische Unterstützung des Papstes (und seines eigenen Volkes), wenn er nun wie der wahre Verteidiger des Christentums auftreten möchte? Es ist also kein Zufall, daß er zu Soissons, in formeller Sitzung und in aller Öffentlichkeit seine Absicht verkündet, Ingeburg in alle ihre Rechte wiedereinzusetzen ud fortan mit ihr zu leben. In Frankreich herrscht, sagen die Historiker, große; in Rom sind Stoßseufzer der Erelichterung zu hören.
Der König, in seinen Fünfzigern, versöhnt sich mit einer, in ihrem Inneren erniedrigten und durch lange Jahre der Ablehnung geschwächten, fast vierzigjährigen Frau, die es dennoch verstanden hat, sich eine unbestreitbare Schönheit zu erhalten, obgleich sie ein wenig an Leibesfülle zugenommen hat. Die Königin, die dem König dank ihres Glaubens, vor alem aner im Vertrauen auf ihre Rechte die Stirn geboten hat, wird umgehend aus ihrer Gefangenschaft befreit und mit großem Pomp nach Paris eingeholt. Das Volk bezeugt ihr in Feststtimmung seine Zuneigung. Aber Ingeburg, die wohl weiß, daß sie diese Rückkehr von jenseits der Kerkermauern nur der politischen Lage verdankt, muß zittern: Die Lage hat sich wieder einmal brutal verkehrt. Johann Ohneland hat zugunsten Roms auf seine Macht verzichtet und sich zum Vasall des Papstes erklärt. Eine Strafexpedition gegen ihn ist nunmehr undenkbar. Wird Philipp Ingeburg nun wieder in ein finsteres Turmverlies einsperren? Keineswegs. Aus Berechnung vielleicht, möglicherweise aber auch, weil er nun ein abgeklärter alter König, fährt Philipp fort, in guter Übereinkunft mit dieser Königin zu leben, die er zwanzig Jahre lang von jedem Kontakt mit der Außenwelt ausgeschlossen hat. Vielleicht aber auch, weil Philipp jetzt keine neue Auseinandersetzung um sein Privatleben brauchen kann.
Eine wirkliche Bedrohung, eine neue Front hat sich aufgetan. Johann Ohneland hat sie auf französischem Boden geschmiedet und ihn in die Zange genommen. Philipp muß alle Kräfte seines Königreiches mobilisieren - bis hin zu den städtischen Milizen. Ingeburg teilt mit ihrem Gemahl diese einzigartige Begeisterung, die das Reich beseelt. So lange von der Macht entfernt, zeigt sie ihrem Volk, daß sie eine Seele hat, die in bösen Tagen allen Widrigkeiten wiederstand, daß sie aber nun in guten Tagen an der Seite ihres Mannes steht. Die Truppen folgen Philipp in die berühmte Schlacht von Bouvines am 27. Juni 1214. Das englisch-welfische Heer wird vernichtend geschlagen.
Die Zeit der Auseinandersetzungen mit der päpstlichen Macht ist zu Ende. Jetzt gilt es, ein unter seiner Herrschaft übermäßig gewachsenes Reich zu verwalten. Ingeburg profitiert von dieser Stabilisierung. Endlich kann sie ein friedvolles Leben als respektierte Königin leben, einige Jahre, die sie für viele andere der Entbehrungen, Ängste, Verzweiflung entschädigen. Das königliche Paar verläßt oft Paris, wo man neue Stadtmauern und den neuen Königspalast des Louvre baut, in einer Stimmung herbstlichen Ehefriedens und eilt zu den Schlössern der Loire.
Am 14. Juli 1223 stirbt Philipp in Mantes mit 58 Jahren, im dreiundvierzigsten Jahre seiner Herrschaft. In seinem Testament übereignet   er seine Länder und Güter seiner "sehr lieben Frau." Sie wird ihn um dreizehn Jahre überleben. Als Königin hat sie viel Leid erlebt. Welches Witwenschicksal wird sie nun erfahren? Sie hat ja keinen eigenen Kinder und Ludwig VIII., Isabella von Henengaus Sohn, wird Philipp folgen.
Doch Ingeburg, Königin-Witwe, kann sich der liebevollen Schätzung des neuen Königspaares erfreuen: Ludwig VIII. und Blanche von Kastilien. Hat Alienorihrer Enkelin bei ihren langen Gesprächen vielleicht auch diesen Weisheitssatz vermittelt: "Ein Frauenleben ist schwer. Ein Witwenleben schwerer: Achte darauf, wenn Du Königin sein wirst. Respektiere die Witwe." Ingeburg macht es ihr nicht schwer. Sie lebt zurückgezogen, fromm in Orleans, dann in Corbeil, wo sie ein Kloster gegründet hat. Dort wird sie Ludwig VIII. überleben und zur Zeit Ludwigs IX. am 27. Juli 1236 sterben. In Corbeil, fern der pompösen Feierlichkeiten von Saint-Denis, wird sie auch bestattet werden.


Ingeborg wurde aus unbekannten Gründen nach der Hochzeitsnacht von Philipp II. August verstoßen. Willige Prälaten schieden das Paar wegen zu naher Verwandtschaft und der König heiratete 1196 Agnes von Meran. Daraufhin verhängte der Papst, an den sich Ingeborg gewandt hatte, das Interdikt über Frankreich. 1213 nahm der König Ingeborg wieder als Gemahlin zu sich, die seit 1196 als Gefangene in Etampes gesessen hatte. Dafür legitimierte der Papst die Kinder von Agnes.

Ehlers Joachim: Seite 143,161
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"Die französischen Könige"

Der Hof begann jedenfalls die Scheidung zu betreiben, und am 5. November schworen vor einer Reichsversammlung in Compiegne geistliche und weltliche Große, daß die Urgroßmütter Ingeborgs und Elisabeths von Hennegau Schwestern gewesen wären, beide Frauen mithin im vierten Grad miteinander verwandt seien. Das entsprach nicht den Tatsachen, doch wurde die Ehe augfgehoben, zumal da der König im Widerspruch zur Aussage seiner emahlin behauptete, er habe sie nicht vollziehen können. Ingeborg aber weigerte sich, die Scheidung anzuerkennen und bestand auf ihren Rechten als Königin, so daß im Mai 1196 zwei päpstliche Legaten nach Frankreich kamen, um den Fall zu untersuchen.
Von Anfang an war diese Ehe durch eine unverhohlen zur Schau gestellte Abneigung des Königs gegen seine Frau belastet, die ihrerseits jeden Gedanken an Scheidung von sich wies und auf den Rechten einer Königin von Frankreich bestand. Als Philipp sie dennoch vom Hof entfernen ließ, appellierte Ingeborg an den Papst. Der König heiratete trotz erdrückender Rechtsbedenken Coelestins III. und der Öffentlichkeit wegen seiner nach wie vor bestehenden Ehe im Juni 1196 Agnes von Meran. Dies brachte Frankreich im Januar 1198 das Interdikt ein. Als im Mai 1201 endlich die Versammlung zur Klärung der königlichen Eheprobleme zusammentrat, stellte sich bald heraus, dass es kaum positive Stimmen für Philipp geben würde; der König holte deshalb, um einer förmlichen Verurteilung zuvorzukommen, Ingeborg an den Hof zurück, und als Agnes von Meran wenige Wochen später starb, waren die Rechtsgründe für eine künftige päpstliche Pression entfallen.

Pernoud Regine: Seite 20-21,101-102
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"Herrscherin in bewegter Zeit"

Am 13. Januar hatte der päpstliche Legat den Bann über das Königreich Frankreich verhängt, Grund dafür war eine Frau.
Am französischen Königshof hatte sich eine Tragödie abgespielt. Philipp August, dessen erste Gemahlin gestorben war, hatte erfolgreich um die Hand Ingeborgs, der Schwester des dänischen Königs Knut VI., angehalten und sich am 15. August 1193 in Paris feierlich mit ihr vermählt. Was in der Hochzeitsnacht geschah, ist ein Geheimnis geblieben. Jedenfalls brach König Philipp am nächsten Tag, als er seine junge Frau erblickte, die übrigens jedermann sehr liebreizend fand, der kalte Schweiß aus, und er wurde von einem nervösen Zittern befallen. Unverzüglich äußerte er seine Absicht, sie zu verstoßen. Es ist eines der Rätsel unserer Geschichte geblieben. Wie auch immer die dänische Prinzessin ausgesehen haben mag, das Verhalten des Königs war in jedem Fall unentschuldbar. Nicht genug damit, dass er sich weigerte, Ingeborg als seine Gemahlin anzuerkennen, er ging sogar so weit, sie gefangenzusetzen. Um sich wiederverheiraten zu können, mußte er sich offiziell von ihr scheiden lassen. Dafür benötigte er jedoch einen plausiblen Grund. Er behauptete einfach, Ingeborg sei mit seiner ersten Frau, Elisabeth von Hennegau, verwandt, und heiratete kurze Zeit später Agnes von Meran, die Tochter eines deutschen Reichsfürsten - die übrigens in einem nicht gestatteten Grad mit ihm verwandt war. Gefällige Prälaten hatten seine zweite Heirat annuliert und die dritte gutgeheißen.
Doch Ingeborg wandte sich an den Papst, der nicht anders konnte, als für sie Partei zu ergreifen. Coelestin III. ließ es aber bei einer Ermahnung und einem verbalen Verbot bewenden. Als Innocenz III. ihm auf den Heiligen Stuhl folgte, zog sich die Angelegenheit bereits zwei Jahre hin - Philipps Hochzeit mit Agnes war am 7. Mai 1196 gefeiert worden. Der neue Papst beschwor den König, sein Unrecht wiedergutzumachen. Da Philipp sich unbeugsam zeigte, wurde über sein Reich der Kirchenbann verhängt. Bis zum folgenden September sollte der Bann auf dem Reich lasten. Erst dann war Philipp bereit, sich von Agnes zu trennen, so dass der Papst den Bann aufheben konnte.
10 Jahre vor seinem Tod, 1213, hatte Philipp seiner Gemahlin, Königin Ingeborg, die ihr zustehende Stellung am französischen Hof zurückgegeben. Um sie zu verstoßen, hatte er seinerzeit sämtliche Hintertreppen des weltlichen und des kanonischen Rechts benutzt, sie eingeschüchtert, bedroht, schließlich zuerst in der Abtei Cisoing zu Tournai, dann in einem Turm in Etampes gefangengehalten. Gefällige Prälaten hatten die Ehe annulliert, und Legaten des Papstes hatten sie wieder für gültig erklärt. 20 Jahre lang hatte Ingeborg mit eisernem Willen durchgehalten und mit solcher Hartnäckigkeit ihr Recht gefordert, dass Philipp schließlich nachgeben mußte.
Königin war sie und Königin wollte sie auch bleiben. Und tatsächlich blieb sie bis zu ihrem Tod, der sie 1236, also sehr viel später als ihren Gemahl, ereilte. Während ihrer letzten Lebensjahre nannte man sie "die Königin von Orleans", denn nachdem sie Witwe geworden war, hielt sie sich am liebsten in Orleans und Corbeil auf. Eine starke Persönlichkeit, diese Königin von Orleans, wie übrigens viele fürstliche Frauen jener Zeit. König Philipp scheint ihr während seiner letzten Lebensjahre treu gewesen zu sein. Er bedachte sie in seinem Testament und nennt sie darin seine "carissima uxor", seine sehr treue Frau. Was Ludwig anging, so behandelte er sie, wie Zeitzeugen einstimmig erklärten, "nicht wie eine Stiefmutter, sondern wie seine Mutter."
 
 
 
 

15.8.1193
  oo 2. Philipp II. August König von Frankreich
  x      21.8.1165-14.7.1223
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 142-144,150 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 130 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 155,161 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 161 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 75,80,304,414,514-515,622,791,797 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 354,355,357 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 20,85,101,112,205 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 257 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 113-118 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 151,212,214,215,529 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 154,251-253,357,369,387 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 482 -
 
 
 
 


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