Einzige Tochter des Königs
Ludwig VIII. der Löwe von Frankreich und der Blanka
von Kastilien, Tochter von König
Alfons VIII.
Pernoud Regine: Seite 116,142,190,198,236,279
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"Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien,
Königin von Frankreich."
Die Königin war wieder guter Hoffnung. Sie hatte
im Jahr 1225 einem Mädchen, Isabella,
das Leben geschenkt, der ersten Tochter des Königspaars.
Wie immer in jener Zeit werden Friedensschlüsse
durch Heiraten besiegelt. In Vendome (16. März 1227) werden gleich
drei vereinbart. Mauclercs Tochter
Yolanthe
wird nicht den König von England heiraten, sondern einen
Sohn des Hauses FRANKREICH, Johann,
für den Maine und das Anjou vorgesehen sind. Sein jüngerer Bruder
Alfons
wird Isabella heiraten, die Tochter der Isabella
von Angouleme und des Grafen Hugo von Lusignan, und eine zweite
Isabella, Blancas einzige
Tochter, einen anderen Hugo, den Sohn des Vorgenannten. Drei königliche
Kinder werden sich also mit Kindern der rebellischen Barone vermählen.
Die Kinder, das heißt die jüngsten Familienmitglieder,
sind in Paris geblieben. Die Königin hat sie ausdrücklich der
Obhut der Pariser Bürger anvertraut. Diese Kinder sind die damals
neunjährige Isabella und er erst
sieben Jahre alte Karl;
vermutlich zum Trost hat man ihnen hübsche Kleider aus rosa und schwarzem
"brunette" anfertigen lassen, in denen sie ihren ältesten Bruder und
ihre junge Schwägerin empfangen werden.
Auf diesen Festen (Schwertleite Roberts
1237) beginnt man, die "Kinder", Isabella
und Karl, als junge Erwachsene zu behandeln:
die beiden Edelfräulein des Hofes, Isabella
und ihre künftige Schwägerin Johanna,
Tochter des Grafen von Toulouse, tragen rote Estanfort-Kleider und "Monsigneur
Karl",
der erst zehn ist, ein schönes Gewand aus gestreriftem Scharlach.
Von ihren Kindern sind nur noch Isabella
und der junge Karl zu versorgen. Aber
erstere scheint sich schon entschieden zu haben.
Bei ihren diversen Aufgaben wird sie unterstützt
von ihrer schönen, anmutigen Tochter Isabella,
"der edelsten Dame auf dem Erdenrund". Die Dreiundzwanzigjährige hat
viel Ähnlichkeit mit Ludwig; sie
ist blond, so blond, daß die Zofen ihre Haare, die beim Frisieren
im Kamm zurückbleiben, mit Goldfäden vergleichen und wie Reliquien
aufbewahren, denn Isabella wird von
ihrer Umgebung sehr geschätzt.
Le Goff Jacques: Seite 129,238,642-643
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"Ludwig der Heilige"
Zur Entschädigung sollte die Schwester des Königs,
Isabella
- darauf einigte man sich 1230 bei der Erneuerung des Abkommens zwischen
Ludwig IX. und dem Grafen der Marche
-, Hugo, den ältesten Sohn und Erben Hugos X., heiraten. Aber
der jungen Hugo von Lusignan nahm 1238 eine andere zur Frau, Yolande,
die Tochter des Grafen Peter Mauclerc.
Dagegen war er sicher glücklich über das Verhalten
seiner 1225 geborenen Schwester Isabella,
die abgesehen von den Unterschieden, was Geschlecht und die Stellung betrifft,
ein dem Bruder vergleichbares Leben führte. Sie gelobte Keuschheit
und weigerte sich vor allem - nachdem sie zunächstdem ältesten
Sohn des Grafen der Marche versprochen war -, den Sohn Kaiser
FRIEDRICHS II., KONRAD VON HOHENSTAUFEN,
zu heiraten Bescheiden gekleidet, führte sie am Hof ein Leben bemerkenswerter
Frömmigkeit. Später gründete sie das Klarissenkloster von
Longchamp, in das sie sich 1263 zurückzog und wo sie im Februar
1270 starb, kurz vor Ludwigs Aufbruch
zu seinem zweiten Kreuzzzug. Der König nahm sehr andächtig am
Begräbnis seiner Schwester teil, die von der Kirche seliggesprochen
wurde, allerdings erst im Jahr 1521. Möglicherweise hat es im Kloster
Longchamp auch Ansätze zu einer inoffiziellen Heiligenverehrung um
die Gestalt Isabellas gegeben.
Wieviel angenehmer ist ihm dagegen das Verhalten seiner
einzigen überlebenden Schwester, Isabella
(geboren 1223)! Gemäß der Apanagenregelung bekamen die Königs-Töchter
keinen Grundbeitz, sondern Geld. So auch Isabella:
Sie ist hinreichend versorgt, am Hofe des Königs in Demut und Bescheidenheit
zu leben. Sie liebt ihren Bruder, teilt seine Lebensführung - abgesehen
von dem königlichen Gepräge - und versteht sich gut mit ihrer
Schwägerin, der Königin. Man hat versucht, sie als Königs-Tochter
auf dem Markt der diplomatischen und politischen Heiratsverbindungen ins
Spiel zu bringen. Schon als Kind ist sie Hugo dem Braunen von Lusignan,
Graf der Marche und Hauptverschwörer gegen den minderjährigen
Ludwig,
für dessen Sohn versprochen worden - ein Verlöbnis, das lange
Zeit hingehalten wurde. Mit zwanzig Jahren hat sich ihr eine noch bessere
Partie geboten: Kaiser FRIEDRICH II.
suchte sie für seinen Sohn KONRAD
zu
gewinnen. Als sie volljährig ist, lehnt sie ab. Sie ist entschlossen,
nicht zu heiraten, und Ludwig zwingt
sie nicht. Sie möchte Jungfrau bleiben und doch unter den Ihren leben,
aber in aller Frömmigkeit, wenn nicht gar Askese.
Ihr königlicher Bruder liebt und bewundert sie.
Im Jahr 1245 begleitet sie ihn gemeinsam mit ihrer Mutter Blanka
von Kastilien und ihrem Bruder Robert
nach
Cluny, um Papst Innozenz IV. zu treffen. Sie verweigert sich also nicht
diesen Familienunternehmungen, die Ludwig
so
schätzt - zumindest dann nicht, wenn die Reise an einen so heiligen
Ort und zu einer so hohen geistlichen Persönlichkeit führt: einen
Ort und eine Persönlichkeit, denen es wahrhaftig an Glanz nicht fehlt,
aber Isabella respektiert die Prachtentfaltung
der heiligen Kirche, auch wenn sie meint, sie sei nicht für sie bestimmt.
Ludwigs Biographen
erwähnen seine Schwester im gleichen Atemzug mit den Brüdern
als eines jener Kinder, denen Blanka von Kastilien
mit
größter Sorgfalt eine gute religiöse Erziehung angedeihen
ließ. Sie gehörte jener Geschwistergruppe erwachsener Königskinder
an, von denen der letzte Überlebende, Karl
von Anjou, König von Sizilien, im Jahr 1282 äußerte,
daß sie alle Heilige waren, einschließlich seiner Schwester.
Sie spielte eine Rolle bei den Bauvorhaben ihres königlichen Bruders,
der ein ganzes Programm neuer Kirchen und Konvente ins Leben rief, und
gründete in Longchamp ein Kloster, das den Klarissen - damals Damianistinnen
genannt - zugeeignet war und 1259 fertiggestellt wurde. Dorthin zog sei
sich 1263 zurück, aber ohne das Ordenskleid anzulegen. Sie war eine
jener frommen Frauen, die - wie es für die Frömmigkeit der Frauen
im 13. Jahrhundert und im Umkreis der Bettlerorden typisch war -
dem Stand der Laien verpflichtet blieben, jedoch ein nahezu klösterliches
Leben führten: innerhalb und zugleich außerhalb der Welt. Isabella
starb 1269 in Longchamp, kurz vor Ludwigs Aufbruch zu seinem zweiten
Kreuzzug. Ihr Tod war für den König eines der großen schmerzlichen
Ereignisse in seinem Leben. Die Kirche wird sie seligsprechen, aber erst
im 16. Jahrhundert. So blieb sie ihr Leben lang bescheiden an der Seite
ihres Bruders.
Literatur:
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Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta
Stuttgart 2000 Seite 82,129,238,410,627,642-643 - Pernoud Regine:
Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich.
Diederichs Verlag München 1991 Seite 116,142,190,198,236,264,279 -