Isabella die Selige                                   Prinzessin von Frankreich
---------------------                                   Äbtissin von Longchamp
1224-22.2.1269
 

Einzige Tochter des Königs Ludwig VIII. der Löwe von Frankreich und der Blanka von Kastilien, Tochter von König Alfons VIII.
 

Pernoud Regine: Seite 116,142,190,198,236,279
**************
"Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich."

Die Königin war wieder guter Hoffnung. Sie hatte im Jahr 1225 einem Mädchen, Isabella, das Leben geschenkt, der ersten Tochter des Königspaars.
Wie immer in jener Zeit werden Friedensschlüsse durch Heiraten besiegelt. In Vendome (16. März 1227) werden gleich drei vereinbart. Mauclercs Tochter Yolanthe wird nicht den König von England heiraten, sondern einen Sohn des Hauses FRANKREICH, Johann, für den Maine und das Anjou vorgesehen sind. Sein jüngerer Bruder Alfons wird Isabella heiraten, die Tochter der Isabella von Angouleme und des Grafen Hugo von Lusignan, und eine zweite Isabella, Blancas einzige Tochter, einen anderen Hugo, den Sohn des Vorgenannten. Drei königliche Kinder werden sich also mit Kindern der rebellischen Barone vermählen.
Die Kinder, das heißt die jüngsten Familienmitglieder, sind in Paris geblieben. Die Königin hat sie ausdrücklich der Obhut der Pariser Bürger anvertraut. Diese Kinder sind die damals neunjährige Isabella und er erst sieben Jahre alte Karl; vermutlich zum Trost hat man ihnen hübsche Kleider aus rosa und schwarzem "brunette" anfertigen lassen, in denen sie ihren ältesten Bruder und ihre junge Schwägerin empfangen werden.
Auf diesen Festen (Schwertleite Roberts 1237) beginnt man, die "Kinder", Isabella und Karl, als junge Erwachsene zu behandeln: die beiden Edelfräulein des Hofes, Isabella und ihre künftige Schwägerin Johanna, Tochter des Grafen von Toulouse, tragen rote Estanfort-Kleider und "Monsigneur Karl", der erst zehn ist, ein schönes Gewand aus gestreriftem Scharlach.
Von ihren Kindern  sind nur noch Isabella und der junge Karl zu versorgen. Aber erstere scheint sich schon entschieden zu haben.
Bei ihren diversen Aufgaben wird sie unterstützt von ihrer schönen, anmutigen Tochter Isabella, "der edelsten Dame auf dem Erdenrund". Die Dreiundzwanzigjährige hat viel Ähnlichkeit mit Ludwig; sie ist blond, so blond, daß die Zofen ihre Haare, die beim Frisieren im Kamm zurückbleiben, mit Goldfäden vergleichen und wie Reliquien aufbewahren, denn Isabella wird von ihrer Umgebung sehr geschätzt.

Le Goff Jacques: Seite 129,238,642-643
**************
"Ludwig der Heilige"

Zur Entschädigung sollte die Schwester des Königs, Isabella - darauf einigte man sich 1230 bei der Erneuerung des Abkommens zwischen Ludwig IX. und dem Grafen der Marche -, Hugo, den ältesten Sohn und Erben Hugos X., heiraten. Aber der jungen Hugo von Lusignan nahm 1238 eine andere zur Frau, Yolande, die Tochter des Grafen Peter Mauclerc.
Dagegen war er sicher glücklich über das Verhalten seiner 1225 geborenen Schwester Isabella, die abgesehen von den Unterschieden, was Geschlecht und die Stellung betrifft, ein dem Bruder vergleichbares Leben führte. Sie gelobte Keuschheit und weigerte sich vor allem - nachdem sie zunächstdem ältesten Sohn des Grafen der Marche versprochen war -, den Sohn Kaiser FRIEDRICHS II., KONRAD VON HOHENSTAUFEN, zu heiraten Bescheiden gekleidet, führte sie am Hof ein Leben bemerkenswerter Frömmigkeit. Später gründete sie das Klarissenkloster von Longchamp, in das sie sich 1263 zurückzog und wo sie im Februar 1270 starb, kurz vor Ludwigs Aufbruch zu seinem zweiten Kreuzzzug. Der König nahm sehr andächtig am Begräbnis seiner Schwester teil, die von der Kirche seliggesprochen wurde, allerdings erst im Jahr 1521. Möglicherweise hat es im Kloster Longchamp auch Ansätze zu einer inoffiziellen Heiligenverehrung um die Gestalt Isabellas gegeben.
Wieviel angenehmer ist ihm dagegen das Verhalten seiner einzigen überlebenden Schwester, Isabella (geboren 1223)! Gemäß der Apanagenregelung bekamen die Königs-Töchter keinen Grundbeitz, sondern Geld. So auch Isabella: Sie ist hinreichend versorgt, am Hofe des Königs in Demut und Bescheidenheit zu leben. Sie liebt ihren Bruder, teilt seine Lebensführung - abgesehen von dem königlichen Gepräge - und versteht sich gut mit ihrer Schwägerin, der Königin. Man  hat versucht, sie als Königs-Tochter auf dem Markt der diplomatischen und politischen Heiratsverbindungen ins Spiel zu bringen. Schon als Kind ist sie Hugo dem Braunen von Lusignan, Graf der Marche und Hauptverschwörer gegen den minderjährigen Ludwig, für dessen Sohn versprochen worden - ein Verlöbnis, das lange Zeit hingehalten wurde. Mit zwanzig Jahren hat sich ihr eine noch bessere Partie geboten: Kaiser FRIEDRICH II. suchte sie für seinen  Sohn KONRAD zu gewinnen. Als sie volljährig ist, lehnt sie ab. Sie ist entschlossen, nicht zu heiraten, und Ludwig zwingt sie nicht. Sie möchte Jungfrau bleiben und doch unter den Ihren leben, aber in aller Frömmigkeit, wenn nicht gar Askese.
Ihr königlicher Bruder liebt und bewundert sie. Im Jahr 1245 begleitet sie ihn gemeinsam mit ihrer Mutter Blanka von Kastilien und ihrem Bruder Robert nach Cluny, um Papst Innozenz IV. zu treffen. Sie verweigert sich also nicht diesen Familienunternehmungen, die Ludwig so schätzt - zumindest dann nicht, wenn die Reise an einen so heiligen Ort und zu einer so hohen geistlichen Persönlichkeit führt: einen Ort und eine Persönlichkeit, denen es wahrhaftig an Glanz nicht fehlt, aber Isabella respektiert die Prachtentfaltung der heiligen Kirche, auch wenn sie meint, sie sei nicht für sie bestimmt.
Ludwigs Biographen erwähnen seine Schwester im gleichen Atemzug mit den Brüdern als eines jener Kinder, denen Blanka von Kastilien mit größter Sorgfalt eine gute religiöse Erziehung angedeihen ließ. Sie gehörte jener Geschwistergruppe erwachsener Königskinder an, von denen der letzte Überlebende, Karl von Anjou, König von Sizilien, im Jahr 1282 äußerte, daß sie alle Heilige waren, einschließlich seiner Schwester. Sie spielte eine Rolle bei den Bauvorhaben ihres königlichen Bruders, der ein ganzes Programm neuer Kirchen und Konvente ins Leben rief, und gründete in Longchamp ein Kloster, das den Klarissen - damals Damianistinnen genannt - zugeeignet war und 1259 fertiggestellt wurde. Dorthin zog sei sich 1263 zurück, aber ohne das Ordenskleid anzulegen. Sie war eine jener frommen Frauen, die - wie es für die Frömmigkeit der Frauen im 13. Jahrhundert  und im Umkreis der Bettlerorden typisch war - dem Stand der Laien verpflichtet blieben, jedoch ein nahezu klösterliches Leben führten: innerhalb und zugleich außerhalb der Welt. Isabella starb 1269 in Longchamp, kurz vor Ludwigs Aufbruch zu seinem zweiten Kreuzzug. Ihr Tod war für den König eines der großen schmerzlichen Ereignisse in seinem Leben. Die Kirche wird sie seligsprechen, aber erst im 16. Jahrhundert. So blieb sie ihr Leben lang bescheiden an der Seite ihres Bruders.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 82,129,238,410,627,642-643 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 116,142,190,198,236,264,279 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de