Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 846
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Mortain
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Ort und Grfaschaft in der Normandie (Basse-Normandie, dep. Manche, arr. Avranches)
Mortain ist zwischen 115 und 1026 erwähnt als Sitz
einer Burg und vielleicht bereits als Vorort einer Grafschaft, die von
Robert,
"Graf von Avranches", einem Bastard Herzog Richards I. von Normandie,
gehalten wurde. Roberts Sohn Richard, als "Graf von Mortain"
genannt, folgte dem Vater nach, wurde aber von seinem Onkel Herzog Richard
II., vor 1026 exiliert. Erst um die Mitte des 11. Jh. wird erneut ein
Graf erwähnt: Wilhelm (Guillaume Werlenc), verschwägert
mit der Herzogs-Familie, der aber abgesetzt wurde und ins Exil nach Apulien
ging (1056). Herzog Wilhelm verlieh
die Grafschaft seinem Halbbruder Robert (+ nach 1095), der sie bis
zu seinem Tode besaß. Der Ausbau des Burgorts Mortain fällt
in diese Zeit, mit der Gründung der Kollegiatkirche St-Evroult und
des Priorats N.-D. du Rocher durch Graf Robert (1082) sowie der
Entsehung von 'burgi' (Burgus). Die Grafschaft Mortain kam in Sohnesfolge
an Wilhelm, der von Heinrich I.
1106 enterbt wurde, dann an Stephan von Blois,
der sie, nachdem er König von England geworden war (1135), seinem
natürlichen Sohn Wilhelm (+ 1159)
verlieh. 1189-1204 hatte König Johann,
infolge einer Übertragung von seiten seiens älteren Bruders König
Richard, die Grafschaft inne. Das Territorium der Grafschaft
des 11. und 12. Jh. gliederte sich in drei Bereiche:
1. der Besitzkomplex um Mortain, der sich bis
Tinchebray erstreckte
2. ein weiterer um Coutances (und in Coutances
selbst)
3. ein driter im Coutentin (zwischen Coutances
und Valognes
Nach der Eroberung der Normandie durch König
Philipp II. August von Frankreich war die Grafschaft Mortain
nur mehr eine Apanage, die an Mitgleider der königlichen Familie oder
an Herren, deren Treue sich der König zu sichern wünschte, ausgetan
wurde. 1204-1261/62 besaß das Haus BOULOGNE
die Grafschaft. Nach Rückkehr in den Kronbesitz und einer Übertragung
(um 1310) an Wilhelm von Artois, den
Neffen Ludwigs des Heiligen, fiel Mortain
dem Hause EVREUX (NAVARRA) zu (13171412).
König
Karl VI. verlieh sie 1413 seinem älteren Bruder, Herzog
Ludwig von Guyenne, [Richtigstellung:
Herzog
Ludwig von Guyenne war der älteste Sohn König
Karls VI. Hätte Karl VI.
einen älteren Bruder, dann wäre er nicht König von Frankreich
geworden.] der sie wiederum seinem Onkel, dem WITTELSBACHER
Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt, üergab. Die englische
Besetzung in der 1. Hälfte des 15. Jh. hatte eine Verdoppelung der
Grafenreihe zur Folge. Karl von Anjou,
der Schwager
König Karls VII.,
führte den Grafentitel 1425 bis 1472; er ging an seinen Sohn Karl
(+ 1481) über. Danach kam die Grafschaft durch Heimfall
an König Ludwig XI. und seine
Nachfolger, Karl VIII. und Ludwig
XII.