EVREUX Haus
 
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 147
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Das Haus EVREUX
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Das Haus EVREUX ist eine jüngere Linie des französischen Königshauses der KAPETINGER.

Ludwig, Sohn Philipps III. des Kühnen, Königs von Frankreich, erhielt 1307 von seinem Bruder, König Philipp IV. dem Schönen, als Apanage mehrere Territorien, von denen die Grafschaft Evreux und die Herrschaft Etampes die bedeutendsten waren. An Karl, dem jüngeren der beiden Söhne, fiel die Herrschaft Etampes, während der ältere, Philipp (+ 1343), die 1317 zur Pairschaft erhobene Grafschaft Evreux erhielt. Diese stellte allerdings ein recht bescheidenes Besitztum dar, wie die in der Verleihungsurkunde angegebenen Einkünfte von nur 6.200 livres tournois pro Jahr zeigen. Doch machte Philipp von Evreux sein Glück durch eine reiche Heirat: Er vermählte sich mit Johanna (Jeanne, + 1349), der Tochter König Ludwigs X. (Louis de Hutin), die ihm nicht nur das KönigreichNavarra, sondern auch die Grafschaften Angouleme, Mortain und Longueville in die Ehe brachte.
Der älteste Sohn aus dieser Ehe, Karl (‚der Böse‘, + 1387), heiratete die Tochter Johanns des Guten, Königs von Frankreich. Karls Ehrgeiz richtete sich zwar nicht offen auf die Erlangung der französischen Krone, jedoch auf eine Erweiterung seiner Besitztümer und auf eine entscheidende Einflußnahme auf den Gang der französischen Politik; zur Erreichung dieses Zieles baute er eine mächtige Klientel auf. Unmittelbar strebte er nach dem Besitz dreier großer Fürstentümer: des Herzogtums Normandie, der Grafschaft Champagne und Brie sowie des Herzogtums Burgund. In den Jahren 1354 bis 1364 gelang es ihm, einen großen Teil der Normandie (einschließlich fast des gesamten Bailliage Contentin) seiner Herrschaft zu unterwerfen. Seit der Niederlage von Cocherel und dem nachfolgenden Verlust von Mantes, Meulan und Longueville (jedoch im Austausch gegen Montepellier) zerfiel Karls Machtstellung jedoch zunehmend. 1378 wurde sein gesamter Territorialbesitz im Königreich Frankreich konfisziert, mit Ausnahme des englisch besetzten Cherbourgh. Während seiner letzten Lebensjahre mußte er sich mit dem Königreich Navarra zufriedengeben. Obwohl Karls Söhne zu einem Ausgleich mit dem König von Frankreich gelangten, konnten sie nur einen kleinen Teil des väterlichen Erbes wiedererlangen: der jüngere, Peter (+ 1412), war seit 1401 Graf von Mortain, er verstarb ohne männliche Nachkommen; der ältere, Karl (‚der Edle‘, + 1425), war seit 1387 König von Navarra; er mußte 1404 alle seine Besitzungen in der Normandie (einschließlich des wenige Jahre zuvor gewonnenen Cherbourgh) an die französische Krone abtreten, wofür er als Abfindung eine Reihe von Herrschaften, deren Ertrag 12.000 livres tournois betrug und die zur duche-pairie von Nemours erhoben wurden, erhielt. Da auch Karl der Edle ohne männliche Nachkommen blieb, erlosch das Haus EVREUX im Mannesstamm. Karls Erb-Tochter Blanka war mit Johann II. von Aragon vermählt; beider Sohn Karl von Viana erhielt nach Blankas Tod 1441 die Krone Navarra. – Frappant bleibt, wie sehr die EVREUX trotz ihrer geringen Besitzgrundlage die französische Politik in der angespannten Situation des Hundertjährigen Krieges durch Umtriebe und Intrigen zu beeinflussen vermochten.



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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