Vergy
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1533
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Vergy
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Burg, Herrschaft und große Adelsfamilie im südlichen Burgund

Ein castrum bestand wohl schon seit dem 7. Jh.: Der ‚comes‘ Warinus, Bruder des heiligen Leodegar, wurde hier während der Kämpfe zwischen Ebroin und der franko-burgundischen Aristokratie 673 hingerichtet. Die Mönche von von St-Vivant, die auf der Flucht vor den Normannen aus ihrem ersten Zufluchtsort, St-Vivant-en-Amous, vertrieben worden waren, wurden hier um 890 vom Grafen Manasses aufgenommen, der sie für ein Kloster im nördlichen Bereich der Anhöhe, deren südlichen Teil die Burg einnahm, errichten ließ. Reich dotiert und von Wilhelm von Volpiano 1015 reformiert, wurde es Cluny unterstellt und zu einem der großen cluniazensichen Priorate.
Die Burg unerstand dem Grafen Mansasses und seinen Nachkommen, den Grafen von Beaune. Sie ging über an Humbert (Hezelinus), Archidiakon von Autun und Bischof von Paris (1040-1060), einen Sohn oder Bruder des Odo, Vizegrafen von Beaune, illegitimen Sohn von Herzog Heinrich (+ 1002); er gründete in Vergy 1023 die Kollegiatskirche St-Denis. Ein Johannes 'de Varziaco', wohl ein Sohn von Odo, ist 1053 belegt, vielleicht Vater von Elisabeth, die 1080 Savaricus von Donzy, Grafen von Chalon und Herrn  ('Sire') von Chatel-Censoir, heiratete; sie beschenkte auch Citeaux, das eine Gründung der Vizegrafen von Beaune war (die VERGY stifteten ferner die Abtei SOCist Lieu-Dieu). Ihr ältester Sohn, Simon, war Vater von Guy (+ 1204), der die Erbin der Grafen von Beaumont (Atuyer) ehelichte. Sein Sohn Hugo trat in den Konflikt mit Herzog Hugo III. von Burgund ein, der Vergy belagerte (1183-1185), was zum Eingreifen König Philipps II. Augustus von Frankreich führte, der Vergy aus der Lehnsabhängigkeit vom Herzog löste, diese Maßnahme aber später wieder rückgängig machte. Herzog Odo III. nahm den Kampf wieder auf und erzwang 1193 von Etienne, Herrn ('Sire') von Mont-St-Jean, einem Nachkommen des Herve, 2. Sohnes von Elisabeth, die Abtretung von Herrschafstrechten, die dieser in Vergy besaß; Herzog Odo vernalaßte Hugo zum ligischen Lehnseid und verlieh ihm seinerseits das erbliche Seneschallat von Burgund (1197). 1198/99 heiratet Odo die Tochter Hugos, Alix, die ihm als Dos die 'terre de Vergy' in die Ehe brachte; der Herzog trat im Ggeenzug an Hugo die Burg Mirebeau und seine Besitzungen  jenseits der Tille ab. Die Herren von Vergy nahmen somit im Grenzraum des Herzogtums zur Freigrafschaft Burgund eine dominante Position ein, die infolge der Heirat Guillaumes I. (+1248) mit der Erbin der Grafschaft von Fouvent noch gestärkt wurde. Das weiträumige Territorium der VERGY, das Fontaine-Francaise, Autrey, Champlitte umfaßte, wurde zwar mehrfach durch Erbteilungen zerstückelt, andererseits aber infolge des Aussterbens von Familienzweigen in mehreren Etappen rekonstituiert.
Jean III. (+1418) und Jean IV. (+ 1460), dieser der Sohn eines bei Nikopolis (1396) gefallenen Guillaume, fungierten als Gouverneure von Burgund; Jean IV., ein Ritter des Goldenen Vlieses, führte einen Privatkrieg gegen den Sire de Chateauvilain. Sein Bruder Antoine, gleichfalls Ritter des Goldenen Vlieses, war Marechal de France und Graf von Dammartin. Das Erbe fiel an einen Vetter, Charles (+ 1467), dann an einen entfernten Verwandten, Guillaume, dem König Ludwig XI. 1477 Vergy zurückerstattete, um ihn aus der Anhängerschaft der Herzogin Maria von Burgund zu lösen; die Parteinahme für Erzherzog MAXIMILIAN führte jedoch zur neuerlichen Aberkennung der Burg Vergy (1490). Auch in der Freigrafschaft Burgund hatte die Familie, die in Heiratsverbindungen mit hochrangigen Dynastien eingebunden war und zahlreiche Prälaten, Bischöfe und Äbte stellte, eine mächtige position inne. Ihr Ruhm inspirierte eiens der Hauptwerke der französischen Literatur des Mittelalters, "La chatelaine de Vergi"