Chalon, Haus
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1658
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CHALON, Haus
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Die Grafschaft Chalon-sur-Saone war namengebend für mehrere große Adelsfamilien, die sie nacheinander innehatten.
Lambert (+ 978) war Vater von Hugo, Graf von Chalon und Bischof von Auxerre (999-1039), und von Mahaut (Mathilde), Mutter von Thedbaldus (Thibaut), Graf 1039-1065, dessen Sohn Hugo II. um 1078 starb. Die Grafschaft wurde danach zwischen Geoffroy (Gaufredus) von Donzy, Enkel von Mahaut und Guy (Wido) von Thiers, Sohn einer Schwester von Hugo geteilt. Der erstere verkaufte seinen Anteil: Guy, sein Sohn Guillaume (Wilhelm) I. (1113-1147), Guillaume II., Sohn des letzteren, und Guillaume III. (+ 3. Januar 1203) behielten jedoch den Grafentitel bei. Dieser ging an die Tochter Guillaumes über. Beatrix, die verheiratet war mit Etienne (Stephan) III., Graf von Burgund (jüngere Linie), sodann an Guillaume de Barres. Der Sohn von Beatrix und Etienne III., Jean l’Antique, verzichtete 1237 auf den Grafentitel von Chalon, doch führten seine Nachkommen weiterhin den Titel Chalon. Aus den 3 Ehen von Jean l‘Antique gingen 3 Linien des Hauses CHALON hervor:
Die Ältere beginnt mit Hugo, dem Gemahl der Alix von Andechs-Meranien und Pfalzgraf von Burgund (+ 1266); sein Sohn Otto IV. trat die Freigrafschaft Burgund an Philipp IV., König von Frankreich, ab (1295) und hinterließ keine Söhne.
Die zweite Linie ist diejenige der Sires von Rochefort (Rochefort-sur-Nenon, dep. Jura), die mit Jean I. von Chalon (+ 1309) beginnt; dieser wurde durch seine Heirat mit Alix von Nevers, Graf von Auxerre (1268). Beider Sohn Guillaume (gefallen 1304 bei Mons-en-Pevele) war mit Alienor (Eleonore) von Savoyen vermählt; Kinder aus dieser Ehe: Jean II., Graf von Auxerre (gefallen 1346 bei Crecy), und Jeanne, Gräfin von Tonnerre. Jean II. hinterließ zwei Söhne: Tristan, Sire von Chastelbelin, dessen Sohn Jean (gefallen 1396 bei Nikopolis) kinderlos war; Jean III., Graf von Auxerre. Der ältere Sohn von Jean III., Jean IV. starb 1369; sein Bruder Louis I. erbte die Grafschaft Tonnerre und übertrug sie seinem Sohn Louis II. Die Grafschaft ging nach dem Vertrag von Arras (1435) nacheinander an die beiden überlebenden Schwestern Louis‘ II., Jeanne (Johanna) und Marguerite (Margarete) von Chalon, über; Marguerite hinterließ sie ihren Kindern aus der Ehe mit Olivier de Husson.
Die dritte Linie, diejenige der Herren von Arlay (dep. Jura), begann mit Jean I. Ihm folgten sein Sohn Hugues (Hugo) (+ 1322), dann sein Enkel Jean II. Dessen zwei Söhne, Hugues II. und Louis, nahmen 1366 das Kreuz, und Louis fiel bei Mesembria (Bulgarien). Hugues II., der im Dienst des französischen Königs stand, starb 1388 kinderlos; er hinterließ Arlay dem Sohn von Louis, Jean III., einem loyalen Diener des burgundischen Herzogs Johann Ohneland. Jean III. heiratete Marie de Baux und erbte nach dem Tod seines Schwiegervaters Raymond V. das Fürstentum Orange (1393). Die ältere Linie der Chalon-Arlay führten den Titel des Fürsten von Orange (Prinzen von Oranien) bis zum Tode Philiberts von Chalon (+ 1530). Danach fiel das Fürstentum Orange an die ottonische Linie des Hauses NASSAU.