Einzige Tochter des Herzogs Gaston
von Orleans aus seiner 1. Ehe mit der Maria
von Bourbon-Montpensier, Erbin von Montpensier, Tochter
von Herzog Heinrich
Anna Marie erbte von ihrer bei der Geburt gestorbenen Mutter das Herzogtum Montpensier, Chatellerault und St-Fargeau sowie die Fürstentümer Dombes, La Roche-sur-Yon und Mezieres. Sie wurde vom königlichen Hof, der ihr in 20 Millionen Franken und riesigen Ländereien bestehendes Vermögen nicht in andere Hände übergehen lassen wollte, an der Ausführung ihrer Heiratspläne, mit denen sie sich den größten Teil ihres Lebens beschäftigte, gehindert. Als Teilnehmerin an der Fronde mußte sie sich auf ihr Landgut St. Fargeau zurückziehen. Erst 1657 durfte sie wieder an den Hof zurückkehren und verliebte sich 1669 in den jungen Grafen von Lauzun. Schon hatte König Ludwig XIV. seine Einwilligung zur Vermählung gegeben, als die Montespan diese hintertrieb. Da sich Lauzun aber heimlich mit der reichen Erbin vermählte, ließ ihn Ludwig XIV. einkerkern und nur durch die Abtretung der Herrschaft Dombes und der Grafschaft Eu erreichte Anna Marie 10 Jahre später seine Freilassung. Ihr Gatte ging 1685 nach England.
Frauen der Weltgeschichte: Seite 345
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ANNA-MARIE-LOUISE MONTPENSIER
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29.V.1627-5.IV.1695
Dieser ebenso geistreichen wie energischen Tochter des
Herzogs
Gaston von Orleans war es an der Wiege nicht gesungen worden,
dass sie einst eine Art von antimonarchistischer Jungfrau von Orleans werden
würde; man hatte ihr vielmehr schon als Kind eingeredet, sie würde
später ihren Neffen, den nachmaligen Sonnenkönig Ludwig
XIV. heiraten. 15 Jahre wartete sie vergeblich auf den Dauphin.
Währenddessen entwickelte sich unter Ludwig
XIII. und Richelieu, darauf unter Ludwig
XIV. und Mazarin das Königtum zum allmächtigen und
raubgierigen "paneuropäischen" Absolutismus. In dieser Gewitterzone
der Macht waren Frauen nur Köder, die ausgeworfen wurden, um wichtige
Heiratskandidaten zu fangen. Der Hof bot Anna
als Braut zunächst dem Grafen von Soissons, dann dem Infanten an;
beide starben vor der Hochzeit. Die von ihr favorisierten Kandidaten, den
König von Spanien, den Prinzen von Wales und andere, aber mußte
sie ablehnen. Als der Hof das politisch-geschäftige Heiratsspiel mit
seiner Tochter zu weit trieb, wurde es dem Vater, Herzog
Gaston, zu bunt; er schlug sich zum aufständischen Adel,
der Fronde, durch. Anna schloß
sich den Frondeuren an, eilte nach Orleans, kletterte über Wälle
und herrschte sechs Wochen lang despotisch als Führerin der Rebellen.
An der Spitze der Fronde marschierte sie nach Paris und beschoß mit
Kanonen der Bastille die Truppen Ludwigs XIV.
Aber
die Heldin wurde besiegt. Ludwig bot
ihr nacheinander seinen eigenen Bruder und zwei weitere Bräutigame
an - aber nun wollte sie nicht. Im Exil von St. Forgeau verliebte sie sich
in den Grafen von Lauzun, aber noch am Hochzeitstag griff der König
ein und setzte den Grafen gefangen. Erst 1683 durfte sie, 60-jährig,
Lauzun heiraten - doch für das Lebensglück war es zu spät;
die Ehe wurde nach zwei Jahren getrennt. Ihre Memoiren in vier Bänden
haben den politischen und militärischen Ruhm der "Grande Mademoiselle"
überlebt und sind noch heute lesenswert.