Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 2025
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Soissons
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Die Grafschaft Soissons kam vor 898 an Heribert I.
von Vermandois, der zugleich als Laienabt von St-Crepin und St-Medard
fungierte. Sein Sohn Heribert II. (+ 943) spielte eine entscheidende
Rolle im Kampf um das westfränkische Königtum, in dessen Verlauf
König Robert I. in der Schlacht
von Soissons (15. Juni 923) fiel, doch konnte
Karl III. den Tod des Gegners nicht nutzen, da dessen Anhänger
bereits am 13. Juli 923 Roberts Schwager
Rudolf
von Burgund in Soissons zum westfränkischen König
erhoben und Karl bald darauf von Heribert
II. gefangengenommen wurde.
Die Stadt Soissons, im Herzen einer ertragreichen Getreideregion
gelegen, wurde im frühen 12. Jh., besonders 1115, durch das Auftreten
einer häretischen Bewegung erschüttert. 1126 erhielt Soissons
ein Kommunalprivileg, das in N-Frankreich Verbreitung fand. Die ab 1175
errichtete Kathedrale (Weihe 1475) zählt zu den Spitzenleistungen
der französischen Gotik und war (in Konkurrenz zu Chartres) Vorbild
für eine Reihe nordfranzössicher Kathedralbauten.
Im 14. Jh. kam die Grafschaft Soissons durch Heirat zunächst
an Johann von Hennegau, dann an Ludwig von Chatillon, Graf von Blois. 1367
wurde sie von Enguerran VII. von Coucy erworben. Dessen Tochter Marie von
Coucy veräußerte einen Teil der Grafschaft an Ludwig
von Orleans.