GRAF AUDULF, FREUDENBACH
UND DER WEG NACH BYZANZ

Eine Rekonstruktion der Urpfarrei Freudenbach
mit einem Anhang von Dokumenten, erarbeitet von Gottfried Uber


Die Urkunde

Im Jahr 2007 können Freudenbach, Archshofen und Waldmannshofen ihrer ersten urkundlichen Erwähnung vor 1200 Jahren gedenken. In einer Urkunde vom 7. August 807, ausgestellt von Kaiser Karl dem Großen in Ingelheim bei Mainz am Rhein
(Würzburger Urkunden 1207/I), werden Orte des Gollachgaues (Collogoe), nämlich Fridunbach als Freudenbach, Autgausisoua als Archshofen und Uualtmannisoua als Waldmannshofen genannt. (Dem "Geographischen Lexikon von Franken von 1799" folgend, wird Archshofen als Autgausisoua angenommen. Ein wichtiger Historiker, Gerd Zimmermann, bringt Autgausisoua allerdings mit Auernhofen in Verbindung. Welcher der beiden Ort ursprünglich gemeint war konnte bisher nicht abschließend geklärt werden). Ebenfalls genannt werden Orte aus dem Taubergau (Dubragoe), Schüpf als Sciffa und der Üttinghof als Odinga bei Althausen bei Mergentheim. (Die Urkunde findet sich in lateinischer Sprache abgedruckt in Monumenta Boica Band 28 Seite 5. Im Anhang wird eine Übersetzung von Werner Loesti beigefügt).

Es handelt sich um eine Tauschurkunde. Das Bistum Würzburg, genau genommen das Andreaskloster unterhalb der Burg, welches erster Bischofssitz war, gibt ab Freudenbach und seine dazugehörigen Orte Archshofen und Waldmannshofen im Gollachgau, an einen Grafen Audulf, Seneschall und Königsbote auch missi domininici (missi dominici = kaiserlicher Aufseher über Bischöfe und Grafen). Ausgenommen von der Übergabe sind die Leibeigenen des Klosters, die zum Dienst des heiligen Kilian bestimmt sind. Gemeint sind vielleicht die Mönche, die an der Kirche zu Freudenbach und ihren Filialen dienten.

Das Bistum Würzburg bzw. das Andreaskloster erhält dafür die Kirchen von Schüpf und Üttinghof bei Althausen bei Mergentheim im Taubergau, aus dem Lehen des Grafen Audulf.


Der Taubergau und der Gollachgau

Der Taubergau zog sich
(nach einer Karte von G. Wagner), von Bad Mergentheim Tauber abwärts in nordwestlicher Richtung bis Tauberbischofsheim und grenzte bei Wertheim an den Waldsassengau.

Der Gollachgau reichte von Bad Mergentheim in östlicher Richtung Tauber aufwärts über Weikersheim – Bieberehren und dann die Gollach aufwärts bis an den Frankenwald, und ebenso auch Tauber aufwärts bis vielleicht Schillingsfürst und grenzte im Osten an den Rangau.

In Richtung Süden grenzte der Gollachgau an den Wohnbereich der Alemannen. In Richtung Süd-Osten grenzte der Gollachgau an das Gebiet des Klosters St. Gumbert in Ansbach (Onoldisbach), Gründung 786. Ansbach gehörte weder zum Bistum Würzburg noch zum Bistum Eichstätt. Das Bistum Bamberg bestand noch nicht. Daraus befand sich das Kloster St. Gumbert auf Königsgebiet, in dem Audulf das Sagen hatte.

Vor 807, als Freudenbach mit Sicherheit zum Bistum Würzburg gehörte, reichte das Bistum Würzburg, mit seiner Pfarrei Freudenbach und dem Filialort Archshofen, bis zum Taubergrund. Graf Audulf besaß offensichtlich bereits einige Adelskirchen südlich der Gollach, und arrondierte seinen Besitz mit der Übernahme von Freudenbach. Die Kirchen nördlich der Gollach verblieben dem Bistum Würzburg. Jedenfalls werden in der Urkunde von 822
(Würzburger Urkunden 1207 /I) dem Bistum keine Kirchen südlich der Gollach bestätigt. (Karte: "Die königlichen Kirchen, die zum Ausstattungsgut des Bistums Würzburg 741/42 gehörten", nach Erik Soder von Güldenstubbe in Unterfränkische Geschichte Band 1 Abb. 16; ebenso die Karte von Werner Loesti: "Das Bistum Würzburg im Jahre 823, siehe Anhang.)


Was mag der Grund dieses Tauschhandels gewesen sein?

Ein Grund des Tauschhandels dürfte mit dem Fernziel Karls des Großen in Verbindung stehen, eine Einheit zwischen dem Kaiserreich Byzanz und dem Königreich Franken herzustellen. Dazu mussten vor allem zuerst einmal die Straßen durch Bayern ausgebaut werden. Die Herstellung eines Wasserweges war ja 793 gescheitert.

Graf Audulf war seit 799 Mitpräfekt von Bayern. Von 811 bis zu seinem Tode 818 war er wohl alleiniger Statthalter in Bayern. Sein etwas älterer, früherer Mitpräfekt, Geroldus II., hatte Böhmen übernommen. Bayern war seit 788, dem Jahr des Sturzes des letzten Bayernherzogs Tassilo III., eine fränkische Provinz.

Graf Audulf war einer der Heerführer Karls des Großen. 805 und 806 war er bereits zweimal mit einer bayerischen Heeresabteilung gegen Böhmen gezogen und hat gemeinsam mit anderen Heeresabteilungen Böhmen teilweise an die Franken gebracht. Das neueroberte Gebiet wurde nun Gerold unterstellt, während Audulf Bayern übernahm.

Von seinem Vater, nennen wir ihn Audulf I., der auch in kaiserlichen Diensten gestanden hatte, hatte sein Sohn Audulf II., wie wir oben gesehen haben, Güter im Taubergau bei Boxberg geerbt, (wo heute noch der sog. Frankendom steht). Diese Güter wollte er jetzt eingetauscht haben gegen Freudenbach und sein Zubehör im Gollachgau.
(Graf Audulf war noch im Amt als Karl der Große starb (König ab 768, Kaiser ab 800, Tod 814) und sein Reich in drei Teile ging. Sein Sohn Ludwig übernahm die östliche Reichshälfte, Austrien. Ludwig erhob 814 Bayern wieder zum Herzogtum, wodurch Audulf (+818) sich noch vier Jahre Herzog von Bayern nennen konnte. Wir hören aus dem Jahr 819 von der Witwe Audulfs, Geilana, und einem Sohn.)

Der Grund des Tauschhandels, so in der Urkunde, sei von beiderseitigem Vorteil, in dem die Gebiete beider bereinigt wurden. Der südliche Gollachgau sollte gräfliches Lehen sein, um Audulfs Einkünfte zu sichern. Aber auch einen reichspolitischen Grund mag der Tausch gehabt haben. Durch die Übernahme Freudenbachs wurde ein langsames Zusammenwachsen der Bistümer Würzburg und Eichstätt verhindert, was die königliche Gestaltungsfreiheit, im Blick auf den großen Plan einer Verbindung zwischen Franken und Byzanz, behindert hätte.


Der frühere Königshof in Freudenbach und die erste Welle der Landnahme

Wir müssen jetzt um rd. 270 Jahre in der Geschichte zurückgehen. Es geht hier um die Zeit um 531, der Zeit der sog. ersten Landnahme. Im Zuge der ersten Landnahme mussten hier die ersten Könighöfe als Militärlagerbasen eingerichtet worden sein.

Ein merowingischer Königshof, auch Domäne genannt, war immer nach demselben Schema angelegt (Siehe Anlage): Ein erhabener rechteckiger Platz mit Dornen, Büschen, Mauern umzäunt, meist etwas erhöht gegenüber dem umliegenden Gelände, in den Massen von etwa 80 X 120 Metern, ein Steinhaus in der Mitte, umgeben von Holzhäusern zur Versorgung: Bäckerei, Schmiede, Sattlerei, Wohnungen, Ställe usw.; vorgelagert war eine Baumwiese für die Zelte der durchziehenden Soldaten. Eine Kirche, Fiskalkirche genannt, gehörte dazu, denn der Pfarrer war zugleich Schreiber und Steuereinnehmer. Es gab vielleicht damals schon eine Mühle in Archshofen, das noch keine eigene Kirche besaß. Es gab Wiesen und Weiden für Kühe und Pferde in Equarhofen, das freilich namentlich noch nicht genannt ist. An Auernhofen ging die Heerstraße vorbei von Würzburg kommend in Richtung Süden. Auernhofen hatte (nach Zimmermann) zur Merowingerzeit, als Filiale von Freudenbach, eine Johanneskirche gehabt. Mit Sicherheit wurde der gute Ackerboden damals schon bewirtschaftet. Waldmannshofen wird wiederum namentlich genannt, so dass es reichliche Zehnteinkünfte gegeben haben muss. Ansonsten gab es noch viel Wald. Was nicht Rennwege waren, wie man die Hauptstraßen nannte, waren eher Pfade für ein Reit- oder Tragtiere. Das Einzugsgebiet einer solchen Fiskalkirche, kombiniert mit einem Königshof, umfasste etwa acht bis zehn Kilometer im Umkreis, also zwei Stunden Fußmarsch oft auch mehr.

Freudenbach ginge damit in sehr frühe Zeit zurück, in die Zeit der sog. ersten Landnahme, als die Franken im Jahr 531 das Königreich Thüringen, das bis an die Donau reichte, vernichtend schlugen und zur fränkischen Provinz machten. In der Folgezeit wurde das eroberte Gebiet um Würzburg in fränkische Gaue eingeteilt. Mit der Eroberung kamen die ersten fränkischen Bauern und nahmen das Land in Besitz. Es wurden die ersten katholischen Holzkirchen errichtet, an die Naturalsteuern, der Zehnt, abgegeben werden musste. Es wurden Klöster errichtet um Pfarrer und Verwaltungsleute auszubilden. Eine solche Kombination von Königshof und Urpfarrei war Militärbasis, Missions- und Kolonisationszentrum. Die Kirche hatte noch keine eigene Organisation. Es gab zwar Bischöfe und Pfarrer, die, wie das gesamte kirchliche Eigentum, der weltlichen Macht unterstanden.

Begünstigt wurde das Vordringen der katholischen Franken durch den Tod des arianischen Gotenkönigs Theoderich d. Gr. 526 in Ravenna. Mit seinem Tod hatte das arianische Thüringen und hatten alle arianischen Gebiete ihren Glaubenszusammenhalt verloren. Der ersten Welle der Landnahme folgend, siedelten fränkische Bauern bis an den Steigerwald und die Frankenhöhe. Zweihundert Jahre später erfolgte eine zweite Welle der Landnahme.


Die zweite Welle der Landnahme und die Gründung des Bistums Würzburg.

Die zweite Welle der Landnahme fällt in die Zeit zwischen 725 und 788. Sie wurde durch Karl Martell eingeleitet, der 725 die Bayern schlug und den Teilherzog Hugbert und seine Familie auslöschte und dessen Verwandte, Svanahilt, aus dem, zweihundert Jahre lang Bayern regierenden Stamm, der Agilulfinger, heiratete, ansonsten Bayern aber die Selbstverwaltung beließ. Karl Martell starb 741. Sein Sohn Karlmann gründete dann, im verein mit Bonifatius, 442 das Bistum Würzburg und übergab demselben fünfundzwanzig Königskirchen, darunter auch Freudenbach.

Diese zweite Welle der Landnahme setzte sich fort mit dem zweiten Feldzug gegen die Bayern 743 unter den Söhnen Karl Martells, Karlmann und Pippin. d.J. Ein dritter Feldzug, unter Karl dem Großen 788, entthronte dann den letzten Bayernherzog Tassilo III. und damit die gesamte Dynastie der Agilolfinger, die zweihundert Jahre Bayern regierten.

Karl d.Gr. löste das Herzogtum auf und machte Bayern zu einer fränkischen Provinz. Karl setzte zuerst Gerold II. als Präfekten ein und anschließend, Audulf II., den Grafen des Gollachgaues. Beide entstammten alten, fränkischen Adelsfamilien die wohl den Aufstieg der Karolinger gegenüber den Merowingern unterstützt haben.

Das Ziel Karls des Großen war, wie oben erwähnt, nördlich des Mittelmeeres ein christliches Reich, in der Verbindung der beiden Reiche Franken und Byzanz, gegen das muslimische Reich, südlich des Mittelmeeres und in Spanien, zu schaffen. Diesem großen Plan sollte auch die Verbindung der Wasserstraßen von Rhein und Donau dienen.


Der Karlsgraben, gedachtes Bindeglied zwischen West und Ost

Nach dem Fall Bayerns 788 ging Karl der Große daran eine Wasserstraße, über die europäische Wasserscheide hinweg, zu bauen, um Rhein, Main und Donau, bis zum Schwarzen Meer, miteinander zu verbinden. Es wurde der Karlsgraben (fossa carolina), zwischen Weißenburg an der Rezat, die in den Main fließt und Treuchtlingen an der Altmühl, die in die Donau fließt, in Angriff genommen. Dieses Unternehmen, begonnen 793 und auch bald wieder beendet, fällt in die Regierungszeit des bayerischen Präfekten Geroldus II. Karl der Große war mehrfach vor Ort, um den Fortgang der Arbeiten zu beobachten. Der Graben solle drei Kilometer lang werden. 6000 Arbeiter wurden beschäftigt. Es wurden zuerst große Fortschritte gemacht, aber dann rutschten die Dämme wieder ein, so dass der große, strategische Plan, Main und Donau zu verbinden, wieder aufgegeben werden musste. Als Graf Audulf auf den Plan trat, musste nach einer anderen Lösung gesucht werden. Mit Sicherheit ging es um den Straßenbau bis zur Donau und darüber hinaus bis Augsburg.


Die Kirche von Freudenbach

Die Kirche von Freudenbach wird von Gerd Zimmermann Fiskalkirche genannt. Eine Fiskalkirche ist eine Kirche, die durch ihre Zehnteinkünfte einen Königshof unterhalten kann. Damit wurde in Freudenbach wahrscheinlich bereits während der ersten Landnahme schon ein Königshof eingerichtet, als 531 der Merowingerkönig Chlotar Thüringen an sich brachte. Die Franken teilten das Gebiet in Gaue ein, die sie nach den keltischen Flussnamen nannten. So gibt es neben dem Taubergau und dem Gollachgau den Badanachgau bei Gaukönigshofen den Ochsenfurtergau, den Ehegau bei Neustadt an der Aisch, den Rangau bei Langenzenn auf der Frankenhöhe und den Sualagau bei Feuchtwangen. Königshöfe oder Domänen gab es im Abstand von je einem Tagesmarsch.

Lange bevor Freudenbach 807 an Audulf kam, befand sich dort eine Kirche. 742, bei der Gründung des Bistums Würzburg, war sie noch Martin von Tours geweiht, so Gerd Zimmermann. Das Bistum Würzburg erhob 752 die Reliquien des Märtyrers Kilian und weihte in der Folgezeit viele Kirchen des Bistums dem Heiligen der Ostfranken, so vermutlich auch die Freudenbacher Kirche. Auch die Johannes dem Täufer geweihte Filialkirche von Freudenbach in Auernhofen, habe das Kilianspatrozinium erhalten. Auch als die Kirchen wieder Adelskirchen wurden blieb noch einige Jahrhunderte das Kilianspatrozinium. So kam auf das, zu Freudenbach gehörende Enkersberg, ebenfalls das Kilianspatrozinium, als dort. durch die Hohenloher 1232, das Kloster Frauental gegründet wurde. Es erhielt neben Maria Kilian als Patron. Das heißt, dass erst die Hohenloher, wohl unter dem Einfluß der Kreuzzüge, einen Wechsel der Weihe von Kilian auf St. Blasius, sowohl in Freudenbach als auch in Auernhofen vorgenommen haben. Noch heute heißt die Freudenbacher Kirche St. Blasius-Kirche.

Im Jahr 742 wurde durch Bonifatius das Bistum Würzburg gegründet. Damals schenkte der älteste Sohn und Nachfolger von Karl Martell, Karlmann, dem neuen Bistum fünfundzwanzig Kirchen und ein Kloster. Es handelte sich meist um alte Königshöfe mit Kirchen, aus der ersten Periode der Landnahme, sog. Fiskalkirchen, Kirchen die dem König gehörten und über die er seine Steuern, den Zehnten, einzog. (
Karlmann war ein sehr frommer Mann. Er unterstützte das kirchliche Reformwerk des Bonifatius nach Kräften und erlaubte 441 die Bistumsgründungen Büraburg für Hessen, Würzburg für Franken und Erfurt für Thüringen. Als sich Erfurt nicht realisieren ließ, trat Eichstätt für Bayern an seine Stelle. Karlmann zog sich aber bald danach, nach einem blutigen Kampf gegen aufständische Alemannen bei Cannstatt (746), von der Herrschaft zurück und überlies die Politik seinem jüngeren Bruder, Pippin d.J. Karlmann ging 750 ins Kloster nach Monte Casino).


Kilian in Würzburg

Um den Zusammenhang zu beleuchten soll hier auf die Christianisierung Frankens eingegangen werden. Seit dem Sieg der Franken über das Königreich der Thüringer, im Jahr 531, war die heutige Marienburg in Würzburg Sitz eines fränkischen Herzogsgeschlechts, das über das neue Ostfranken und Thüringen regierte und die östlichen Slawen fernzuhalten suchte. Durch Generationen waren das die Hedenen oder Hetanen.

Als eines Tages der Herzog gestorben war, setzte sich sein Bruder Gozbert auf den Thron und nahm die Witwe des Verstorbenen, Geilana, als Frau. Als nun der iro-schottische Missionsbischof Kilian mit seinen Gehilfen, dem Priester Kolonat und dem Diakon Todnan kam, um das katholische Kirchenwesen einzurichten und die Sitten festzulegen, verlangte Kilian von Herzog Gozbert, er solle die Frau entlassen. Dies hätte aber Folgen für die Legitimation des Herzogs haben können, weil wohl die Söhne des Verstorbenen übergangen wurden. So beschlossen Gozbert und Gailana im Jahre 689, Kilian und seine Gehilfen zu ermorden. Daraus ist der Würzburger Märtyrer und Heilige St. Kilian geworden.

Der Sohn Gozbert’s, Hedan II. ließ in Franken um 700 die ersten Kirchen bauen, so wird im Fränkischen Museum in Würzburg berichtet. Das kann aber nur heißen, dass Hedan die ersten Steinkirchen errichten ließ, denn es ist unwahrscheinlich, dass die Franken hier zweihundert Jahre lang keine Kirchen gehabt haben sollen.

Mit dem Tode Karl Martells 441, konnte Bonifatius das Werk Kilians fortsetzen. Ein Jahr später, 742, wurde das Bistum Würzburg, durch Karlmann, den Sohn Karl Martells, errichtet. Daraus ergibt sich, für die Freudenbacher (und die Filialkirche in Auernhofen) vermutlich folgender, mittelalterlicher Geschichtsablauf:

1. Kurz nach 531 Errichtung einer Holzkirche als königliche Fiskalkirche in Freudenbach. Sie sei vermutlich dem Merowingerheiligen Martin von Tours geweiht gewesen.

2. Zwischen 700 und 741 Bau der ersten Steinkirche von Freudenbach als königliche Eigenkirche. Vermutet wird in Auernhofen eine Johanneskirche.

3. 742 Übergabe der Kirchen an das neugegründete Bistum Würzburg.

4. 752 Die Freudenbacher Martinskirche wird eine Kilianskirche durch Überbringung einer Kiliansreliquie. Die Johanneskirche in Auernhofen wird als Filialkirche ebenfalls Kilian geweiht.

5. 807 Übergabe der Mutterkirche Freudenbach mit ihren Filialen, aus dem Besitz des Bistums Würzburg, an Graf Audulf vom Gollachgau als Adelskirche.

6. 13. Jh. Umwidmung der Kirchen auf St. Blasius, dessen Verehrung die hohenlohischen Kreuzfahrer mitgebracht haben.

Hören wir dazu den Gerd Zimmermann (in Würzburger Diözesangeschichtsblätter 20. Jahrgang Band I Seite 84, 86,90 und Band II Seite 65.)

"Bei den Urpfarreien aus fränkischer Zeit kann Kilian nicht der ursprüngliche Patron sein. Doch ist nirgends der Vorgänger überliefert und lässt sich kaum vermuten. Eine Möglichkeit zeigt z.T. die Methode der Rekonstruktion von Fiskalpfarreien mit schematischem Patrozinienbild.

In der, nur 807 dem Bistum gehörenden Eigenpfarrei Freudenbach, war die Pfarrkirche Kilian geweiht, ebenso die benachbarten Kirchen zu Auernhofen, Equarhofen und im Kloster Frauenthal, dem früheren Enkersberg.

Es wird vermutet, dass die Pfarrkirche als königliche Fiskalkirche mit Martinspatrozinium errichtet worden war, und in Auernhofen, dem verkehrsgünstigen Ort, eine Johanneskirche bestand. Kilian musste vor 807 an ihre Stelle getreten sein, ein bemerkenswert frühes Pertinenzpatrozinium, (172 Weigel, Tauber 14,180 f.); 807 ging die Kirche in Freudenbach in adligen Besitz über (MG.D. Kar.I. Nr. 206), so dass später Kilian in Freudenbach und Auernhofen durch Blasius ersetzt werden konnte (s.u. Kap. 6; zu Frauenthal s.o. 84 Pfarrkirche des Fiskalbezirks S. 103).

(Was ist ein Pertinenzpatrozinium? das bedeutet im Falle von Freudenbach, dass sich dort, seit der Errichtung der Kirche, eine Martinsreliquie befunden hat. Als dann die Kirche dem Bistum Würzburg übereignet wurde kam eine Kilinansreliquie hinzu, aufgrund der die Kirche das Recht hatte, die zu Freudenbach gehörenden anderen Kirchen, darunter auch das Kloster Frauental, demselben Patron, ebenfalls Kilian, zu weihen. Da das Kloster, neben Maria, auch Kilian geweiht war, muss Freudenbach Kilian geweiht gewesen sein, so Zimmermann).

Auffällig ist bis heute, dass aus allen vier Himmelsrichtungen Straßen auf die Kirche von Freudenbach zulaufen. Dies kann ein weiterer Hinweis auf eine Urpfarrei sein. Die alte Bezeichnung Fridunbach für Freudenbach wird wohl kauf auf die germanische Göttin Freia hinweisen, eher ist anzunehmen, dass sei frei im Gelände stand und von allen Seiten her besucht wurde. Vermutlich ist die Kirche im Zuge der Errichtung eines Königshofes entstanden. Sie hatte eine wichtige kulturelle Aufgabe zunächst als Ort an dem für die Soldaten das Messopfer dargebracht wurde. Dann befand sich um die Kirche der christliche Bestattungsplatz, und für die umliegenden Bauern war die Kirche außerdem der Tauf- und Zehntort.

Weiter ist auffällig, dass sich vor der Kirche ein ausgedehnter Platz befindet, der darauf schließen lässt, dass die Kirche bestand, bevor es das Dorf Freudenbach gab. Zum Dritten fällt auf, dass vor der Kirche in südlicher Richtung, ein von Straßen umsäumtes Geviert liegt, das heute teilweise bebaut ist. Es hat die für Königshöfe übliche Fläche von rd. 120 Meter Länge und ca. 80 Meter Breite. Dies legt nahe, dass sich eben dort der Königshof aus dem 6. Jh. befunden hat.


Zum Schluss

Im Blick auf die 1200-Jahrfeier von Freudenbach, Archshofen bzw. Auernhofen und Waldmannshofen im Jahre 2007, wurde hier versucht in vorurkundliche Zeit zurückzugreifen und damit Licht auf die Urpfarrei und ihre frühmittelalterliche Zeitgeschichte fallen zu lassen. Möge dieser Artikel dazu anregen die Geschichte Freudenbachs und ihrer Filialorte weiter zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Dank gilt es zu sagen

dem Staatsarchiv Würzburg für die persönliche Unterstützung durch Frau Dr. Heeg, ebenso dem Hauptstaatsarchiv in München für die schriftliche Auskunft. Dank gilt der Universitätsbibliothek Würzburg für den Zugang zum Lesesaal für Fränkischen Landeskunde. Dank gilt dem Übersetzer lateinischer Urkunden und Ersteller der Landkarte über die Diözese Würzburg, Werner Loesti. Dank gilt Hiltrud und Gerhard Bernsdorf, Waiblingen, für Informationen über Waldmannshofen.



Quellen (Auswahl):

Monumenta boica, München 1928 Band 28 Seite 5f.

Gerd Zimmermann in Würzburger Diözesangeschichtsblätter 20. Jahrgang:
Patrozinienwahl und Frömmigkeitswandel im Mittelalter.

Beschreibung des Oberamtes Mergentheim 1880

Michael Mitterauer: Karolingische Markgrafen im Südosten:
www.genealogie-mittelalter.de

Kurt Reindel: Bayern im Karolingerreich. In Braunfels Wolfgang:
Karl der Große, Lebenswerk und Nachleben.

Max Spindler: Handbuch der bayerischen Geschichte. Erster Band.

M. Gösswein: Fränkische Königshöfe und ihre Bedeutung, mit Lageplan.
www.Mgoesswein.de/koenigshof.html.

Wilhelm Funk: Feuchtwangen – Werden und Wachsen einer fränkischen Stadt.
www.geschichteFeuchtwangen.de.

Jochen Seidel: Die Geschichte der bayerischen und fränkischen Territorien im Mittelalter.
www.jochen-seidel.de/kulm/territI.htm.

Le VIII ème siècle, le contexte. U titled Document 786.

Geographisches Lexikon von Franken von 1799

Werner Loesti: Übersetzung der Urkunden von 807 und 823

Werner Loesti: Landkarte "Das Bistum Würzburg im Jahre 823".

Editions du Signe: Das Bistum Eichstätt in Geschichte u. Gegenwart 1991



Anhang

1. Zeittafel

2. Das Bistum Würzburg im Jahre 823 und ums Jahr 1800, Landkarte von Werner Loesti.
    (ist nicht online verfügbar)

3. Deutscher Text der Tauschurkunde von 807, übersetzt aus dem Lateinischen von Werner Loesti.
    (ist nicht online verfügbar)

4. Lageplan von Freudenbach
    (ist nicht online verfügbar)

5. Abbildung eines Königshofes (nach M.Goesswein)
    (ist nicht online verfügbar)


1. Zeittafel

330 : Bischof Wulfila bringt den Goten den arianischen Glauben.
496 : Sieg Chlodwigs über die Alemannen.
498 : Chlodwig wird in Reims katholisch getauft.
526 : Tod des arianischen Ostgotenkönigs Theoderich d.Gr. in Ravenna; dadurch Zerfall der arianischen Territorien.
531 : Sieg des Frankenkönigs Chlotar über Thüringen. Erste fränkische Landnahme.
616 : Die Langobarden (Lombardei/Oberitalien) werden katholisch durch den von den Franken eingesetzten Agiluf, Stammvater der bayerischen Agilulfinger.
634 : Der Merowingerkönig Sigebert setzt Radulf als 1. Herzog über Thüringen ein. Sitz Würzburg.
689 : Ermordung Kilians und seiner Getreuen durch Gozbert und Gailana.
700 : Hedan, Herzog von Würzburg lässt die ersten Steinkirchen bauen.
711-715 : Der Merowinger Dagobert II. greift noch einmal zur Macht, wird aber von seinem Hausmajer Pippin d. Mittleren ermordet.
725 : Der Hausmajer Karl Martell marschiert in Bayern ein. Beginn der zweiten Welle der Landnahme.
742 : Karlmann und Bonifatius gründen die Bistümer Büraburg, Würzburg und 745 Eichstätt. Das Bistum Würzburg erhält fünfundzwanzig Königskirchen, darunter auch Freudenbach.
743 : Zweiter Einmarsch in Bayern unter Karlmann und Pippin d.J.
746 : Aufstand der Alemannen in Cannstatt
750 : Karlmann geht ins Kloster Monte Casino. Pippin d.J. Alleinregent.
752 : Kilian wird heiliggesprochen. Weihe der ersten Kilianskirchen im Bistum Würzburg.
773/74 : Karl der Große, Sieg über die Langobarden in Italien (Lombardei).
788 : Karl der Große entmachtet den Bayernherzog Tassilo III. Bayern wird fränkische Provinz unter dem Präfekten Geroldus.
793 : Baubeginn des Karlsgrabens bei Treuchtlingen.
805 : Audulfus, Gaugraf des Gollachgaues, wird Präfekt von Bayern.
807 : kommt Freudenbach an Audulfus vom Bistum Würzburg.
819 : Wird die Witwe und ein Sohn des Audulfus erwähnt.
Um 820 : Bayern wird wieder Herzogtum.
Um 1000 : Überleitung der Gaue in Provinzen.
Um 1200 : Freudenbach gehört zur Grafschaft Hohenlohe. Die Kilianskirche wird von rückkehrenden Kreuzfahrern St. Blasius geweiht.
Zwischen
1300 und 1500

:

ist Würzburg so sehr verschuldet, dass Überlegungen angestellt werden das ganze Bistum dem Deutschen Ordnen in Mergentheim zu übergeben.
1341 : Das Burgdorf Archshofen kommt an den Deutschen Orden. Damit wird Archshofen eine eigene Pfarrei. Der Deutsche Orden baut eine Kirche und weiht sie dem hl. Ägidius.


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