Begraben: Zisterzienserabtei Marquette
Jüngster Sohn des Königs
Sancho I. von Portugal und der Dulcia
von Barcelona-Aragon, Tochter von Graf Raimund Berengar IV.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 384
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Ferrand von Portugal, Graf von Flandern und Hennegau
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* 24. März 1188, + 27. oder 29. Juli 1233
Begraben: Zisterzienserabtei Marquette
Sohn Sanchos I. König von Portugal und der Dulcia, Gräfin von Barcelona
Jan. 1212
oo Johanna Gräfin von Flandern und Hennegau
in Paris
deren verstorbener Vater Balduin IX. (VI.) Graf von Flandern und Hennegau und Kaiser von Konstantinopel gewesen war.
Tochter:
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Marie (früh verstorben)
Ferrands Heirat erfolgte
durch Vermittlung der Mathilde von Portugal,
Gräfin von Flandern und Tante Ferrands,
und mit Zustimmung des Königs von Frankreich,
Philipp
II. August,des Lehnsherrn und Vormunds
der jungen Gräfin, der bei dieser Gelegenheit Gebietsabtretungen erzwang
(25. Februar 1212).
Ferrand delegierte
die Verwaltung des Hennegau seinem Schwager Bouchard d'Avesnes.
Als der König von Frankreich im Frühjahr 1213 zum Angriff auf
England rüstete, verweigerte Ferrand die
Heerfolge. Nach der Aufgabe der Englandinvasion griff Philipp
August daher seinen abtrünnigen Vasallen an (Mai 1213).
Der auf Walcheren verschanzte Ferrand schloss
im Gegenzug ein Bündnis mit dem englischen
König Johann Ohneland, der den Flamen Handelsprivilegien
und Rentenlehen zugestand (Juli 1213). Damit war Flandern ein Teil der
anglo-welfischen Koalition geworden;
das ganze Land unterstützte Ferrand im
Kampf gegen Philipp August. Im Januar
1214 leistete Ferrand dem englischen
König den persönlichen Lehnseid; der
französische
Prinz Ludwig nutzte die Abwesenheit des Grafen zur Verwüstung
des südlichen Flandern. Bei Bouvines erlitt die anglo-welfische
Partei ihre entscheidende Niederlage; der in der Schlacht verwundete Ferrand
wurde
mit zahlreichen flämischen Adligen in Paris gefangengesetzt. Die Versuche
der Gräfin, ihren Gatten loszukaufen, waren erfolgreich erst Ende
1226, nach dem Tod Ludwigs
VIII. (8. November), unter der
Regentschaft von Blanca von Kastilien.
Ferrand
kam
wahrscheinlich am 6. Januar 1227 frei. Ferrand
nahm
fortan die Haltung eines loyalen Vasallen ein und unterstützte
Blanca
im Kampf gegen ihre aufständischen Barone (1228-1230). Das Abhängigkeitsverhältnis
zu Frankreich stand den guten, für den wirtschaftlichen Aufstieg der
flämischen Städte förderlichen Beziehungen zu England nicht
im Wege. Ferrands letzte Regierungsjahre
waren vor allem der Begründung friedlicher Beziehungen zu den benachbarten
Fürstentümern Holland, Brabant und Namur gewidmet. Gemeinsam
mit seiner Gemahlin war er der wichtigste Förderer des Dominikaner-Ordens
in Flandern.
Durch seine 1211 in Paris geschlossene Ehe mit Johanna, Erbin von Flandern, wurde Ferrand (Ferdinand) Graf von Flandern und zugleich Vasall Philipps II. August, was er nur schwer verwinden konnte. Er zögerte nicht, die Angebote des englischen Königs Johann I. Ohneland, dem er am 31.5.1213 den Lehnseid leistete, und des römisch-deutschen Kaisers OTTO IV. anzunehmen, als diese gegen den König koalierten. Er vernichtete 1213 eine französische Flotte. Ferrandwar unter den Besiegten der Schlacht bei Bouvines 1214, geriet in Gefangenschaft und wurde im Louvre eingekerkert. Trotz wiederholter Intervention der Gräfin Johanna hielt ihn der französische König bis 1226 in Haft. Seine Freilassung erfolgte nach Zahlung eines Lösegeldes von 25.000 Livres und der Herausgabe der Städte Douai und Lille. Den flandrischen Städten, die ihm ihre ersten Stadtrechte verdankten, machte er bedeutende Konzessionen. Seit seiner Freilassung war er eine französische Stütze und gründete Marquette bei Lille.
Mohr Walter: Band II Seite 113-156
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"
Auf der andern Seite erhielt Bischof Hugo von Lüttich
effektive militärische Hilfe vom französischen König und
wurde außerdem durch die Grafen von Flandern, Namur und Loon
unterstützt. Vor dieser Koalition musste Herzog Heinrich schließlich
zurückweichen, er rief die Vermittlung des Grafen von Flandern an,
versprach den Lüttichern Schadenersatz und verzichtete auf Moha.
Das Überwechseln des niederlothringischen Herzogs
auf die französische Seite zog entsprechende Umgruppierungen in den
Niederlanden nach sich. Der Graf von Loon bekannte sich wieder eifrig zur
welfischen
Sache und schloss ein Bündnis mit dem englischen König, der Graf
von Flandern brach mit Frankreich, und außerdem ging der englische
König jetzt wieder gegen die Besitzungen Herzog Heinrichs in England
und gegen den Handel mit seinen Ländern vor. Zunächst setzte
eine Aktion des französischen Königs gegen Flandern ein, das
vollständig erobert wurde, dann aber durch das Eingreifen einer englischen
Flotte wieder verloren ging. Ob Herzog Heinrich selbst an dieser Aktion
teilgenommen hat, bleibt fraglich, sein Land stand immerhin unter der Bedrohung
der Grafen von Loon und Holland. Aber nun gab der Rückschlag für
Frankreich dem Grafen von Flandern den Plan ein, sich gegen den Herzog
von Nieder-Lothringen zu wenden. Hierzu verabredete er sich mit dem Bischof
von Lüttich. Allerdings gelangten sie nicht zu einer gemeinsamen Aktion,
denn der Graf schlug im Sommer 1213 zu früh los. Ein Entlastungsunternehmen
des französischen Königs im südlichen Flandern rettete demgegenüber
Herzog Heinrich, worauf es für diesen möglich war, sich gegen
den Bischof von Lüttich zu wenden. Mit Zerstörungen durchzog
er den Raum von Waleffe, Waremme und Tongern. Der Graf von Loon stellte
sich jetzt auf die Seite des Bischofs, auch der Herzog von Limburg wurde
für ihn gewonnen, allerdings war er im Grunde genommen nicht gewillt,
mit dem niederlothringischen Herzog zu brechen. Dieser unternahm dann eine
Aktion auf Lüttich, erkannte aber, dass die Sicherung der Stadt schon
zu weit gediehen war. Zum Zeitpunkt, als er sich anschließend auf
die Brabanter Grenze zurückzog, vereinigte der Graf von Loon seine
Streitkräfte mit denen des Bischofs und beide verfolgten ihn. So kam
es am 13. Oktober bei Steppes zur Schlacht, in der der Herzog unterlag.
Seine Gegner rückten jetzt auf Brabanter Gebiet und zerstörten
die Stadt Zoutleeuw, die als Handelskonkurrent von St. Truiden dem Grafen
von Loon besonders verhasst war.
Der Bischof von Lüttich blieb noch einige Zeit auf
Brabanter Gebiet stehen, vermutlich dachte er an ein Zusammenwirken mit
dem Grafen von Flandern. Da der französische König nicht
mehr zugunsten Herzog Heinrichs eingegriffen hatte, ohne dass wir die Gründe
für dieses Verhalten feststellen können, konnte der Graf sich
jetzt gegen Brabant wenden. Herzog Heinrich erkannte nun die große
Gefahr, die ihm drohte, begab sich ins Lager des Grafen und machte ihm
die günstigsten Angebote, um ihn zum Frieden zu stimmen und zur Vermittlung
mit dem Bischof von Lüttich zu vermögen, was ihm auch gelang.
Der Graf konnte bei Gestellung der beiden Söhne des Herzogs als Geiseln
einen allgemeinen Waffenstillstand bis Anfang Februar 1214 vermitteln.
Nach dessen Ablauf drohte zunächst ein erneuter Ausbruch der Feindseligkeiten,
doch brachte der Graf von Flandern eine weitere Vermittlung zustande.
Zum Abschluss der ganzen Sache kam der Herzog Ende Februar nach Lüttich,
um in der Lambertus-Kirche öffentliche Buße zu leisten. Er wurde
dabei verhältnismäßig glimpflich behandelt, im wesentlichen
hatte er nur eine Geldentschädigung zu zahlen. Bei dieser Gelegenheit
wurden Bann und Interdikt gegen ihn und sein Land wieder aufgehoben.
Vermutlich hat er schon bei seinen Verhandlungen mit
dem Grafen von Flandern politische Zusagen an die
welfische Seite gemacht, und aus diesem Grund wohl begab er
sich jetzt zu OTTO IV., als dieser
Anfang März 1214 in Köln erschien. Er hatte dabei wohl die Hoffnung,
auf diesem Wege doch noch etwas gegen den Bischof von Lüttich ausrichten
zu können. In der Tat wurde durch Heinrichs Reise nach Köln das
Misstrauen des Bischofs und des Grafen von Loon geweckt. Als OTTO
IV. sich jetzt gegen den Grafen von Geldern wandte und dessen
Stadt Roermond zerstörte, sperrten die beiden den Übergang über
die Maas bei Maastricht, indem sie die dortige Brücke abbrachen. Dem
Grafen
von Flandern war nun aber sehr an einer Hilfe Kaiser
OTTOS gegen Frankreich gelegen. Da dazu die Wiederherstellung
der Maasbrücke wesentlich war, wurde der Bischof schließlich
dazu gebracht, wofür er vom Kaiser die Gestellung von Geiseln verlangte.
OTTO
IV. kam darauf nach Maastricht, wo sich zu ihm der Graf von
Flandern, Herzog Heinrich und die Grafen von Boulogne und Loon fügten.
Dem Lütticher Bischof kamen darauf wieder Bedenken, er sammelte Streitkräfte,
um sich wehren zu können. Der Graf von Flandern hatte jedoch mit erneuten
Verhandlungen Erfolg, man kam zum Abschluss eines Waffenstillstandes bis
zum 1. Juli 1214. OTTO IV. wollte jetzt
sein Bündnis mit dem niederlothringischen Herzog enger gestalten.
Da seine 1. Gemahlin gestorben war, kam er auf die bereits im Jahre 1198
mit der Tochter Maria
des Herzogs geplante
Verbindung zurück. Am 19. März 1214 wurde die Hochzeit in Maastricht
gefeiert. Erst im Juli begann der Kaiser den Vormarsch gegen Frankreich.
In seiner Umgebung befanden sich Herzog Heinrich, der Herzog von Limburg
und der Graf von Flandern. Anscheinend brachte Heinrich jetzt die
andern dazu, ihm Unterstützung gegen den Bischof von Lüttich
zuzusagen, sobald der Sieg gegen Frankreich erfochten sein werde.
Möglicherweise gehört in diesen Zusammenhang
auch das Auftreten Herzog Heinrichs in der Affäre des sogenannten
falschen Balduin im Jahre 1225, der sich als Graf
Balduin IX. von Flandern ausgab, der in Wirklichkeit als Kaiser
von Konstantinopel in die Gefangenschaft der Bulgaren geraten und dort
umgekommen war. Heinrich hatte durch seine Unterstützung dieses falschen
Balduin Schwierigkeiten mit der Gräfin Johanna,
der Gemahlin des seit der Schlacht von Bouvines in Frankreich gehaltenen
Grafen Ferdinand von Flandern, was
zu einem Prozess an der päpstlichen Kurie geführt hat. Es gibt
vielfältige Vermutungen über den Hintergrund dieser ganzen Affäre,
die wohl gewiss mit der hohen Politik zu tun gehabt hat. Für die Beweggründe
Herzog Heinrichs wurde vermutet, er habe im Interesse Englands gehandelt,
vielleicht war er aber zu dieser Parteinahme dadurch veranlasst, dass sich
der Bischof von Lüttich gegen diesen Balduin stellte. Ein solches
Verhalten Heinrichs wäre wegen der bestimmt bezeugten Beziehungen
des Betrügers zu Deutschlands sehr gut möglich.
Auf der anderen Seite entstand ihm nun mit Flandern Konflikt.
Graf
Ferdinand erhielt zu Ende des Jahres 1226 seine Freiheit aus
französischer Gefangenschaft wieder. Er hatte nun gegenüber dem
Bischof von Lüttich eine alte Forderung zu begleichen. Bei seiner
Friedensvermittlung im Jahre 1212 zwischen dem niederlothringischen Herzog
und dem Bischof war diesem ein Teil der flämischen Besitzungen im
Hennegau als Sicherheit eingeräumt worden. Der Graf verlangte jetzt
die Rückstellung der Gebiete und die Auszahlung des Überschusses,
den der Bischof aus den Einnahmen über die eigentlich garantierte
Geldsumme hinaus erhalten hatte. Mit ihm war indes vorerst nicht zu einer
Regelung zu kommen, und somit war es für Ferdinand gegeben, sich an
den eigentlichen Verursacher dieser Angelegenheit, den niederlothringischen
Herzog, zu halten. Vermutlich lag hier einer der Gründe, die zu dem
neuen Konflikt führten, der unmittelbare Anlass war durch die Rechte
gegeben, die Graf und Herzog in der Burg und dem Dorf Enghien besaßen.
Der Herzog sah sich aus unbekannten Gründen veranlasst, gegen die
Herren Engelbert und Soger von Enghien vorzugehen, die darauf ihrerseits
die Unterstützung des Grafen von Flandern erhielten. Dieser
konnte dabei im August 1227 bis Assche vordringen. Der Herzog erhielt sonst
wie keinerlei Unterstützung und musste deshalb nachgeben. Zunächst
verzichtete er Ende August 1227 auf alle seine Ansprüche auf Moha
und Waleffe, dem sich auch sein Sohn Heinrich anschloss. Ende September
folgte dann die endgültige Regelung mit dem Grafen von Flandern,
der Herzog musste sich zur Zahlung einer Geldforderung verpflichten, die
aus der Hennegauischen Verpfändung entstanden waren.
Dementsprechend gestaltete sich die niederlothringische
Politik im gesamten Raum der Niederlande: Es ergaben sich wieder gewisse
Verbindungen zum Bischof von Lüttich, und Ende April 1232 schlossen
Herzog Heinrich und sein Sohn einen Vertrag mit dem Grafen von Flandern,
in dem dieser sich auf fünf Jahre zur Verteidigung von des Herzogs
Gebiet bis Maastricht verpflichtete.
Ehlers Joachim: Seite 151
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"Die Kapetinger"
Daß der Invasionsplan überhaupt und noch dazu mit Aussicht auf Realisierung entwickelt werden konnte, hing auch damit zusammen, daß dem französischen König, der bisher praktisch keinen Zugang zur Kanalküste gehabt hatte, mit der Eroberung der Normandie eine beachtliche Flotte zugefallen war. Am 8. April 1213 stimmten die Großen auf einer Versammlung in Soissons dem Unternehmen zu, einzig Graf Ferrand von Flandern w Die französische Nachhut unter deneigerte sich, weil ihm St-Omer und Aire nicht zurückgegeben wurden, die der Thronfolger Ludwig vor längerer Zeit erobert hatte.
Ehlers Joachim: Seite 134,150
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"
Weil das französische Heer schon bereit stand, setzte
Philipp es jetzt gegen den opponierenden Grafen
Ferrand von Flandern ein, der sich über die Besetzung der
Städte St-Omer und Aire durch den Prinzen
Ludwig empört hatte. Militärisch verlief der Feldzug
erfolgreich, politisch aber hatte er kein gutes Ergebnis, denn die Herrschaft
Ferrands in Flandern blieb ungeschmälert erhalten und der
Graf zwang nun im Gegenzug Heinrich von Brabant zum Frontwechsel.
Nach einer längeren Vorbereitungsphase sammelte
sich im Sommer 1214 das Heer der kaiserlich-angevinischen
Allianz. Die englischen Truppen führte Johanns
Bruder Wilhelm von Salisbury; OTTO
IV. hatte nur wenige Grafen und Herren aus Westfalen und dem
Niederrhein zusammenbringen können und auf geistliche Fürsten
ganz verzichten müssen, weil der Papst sie auf die staufische
Partei verpflichtet hatte. Die Herzöge von Brabant, Limburg und Ober-Lothringen,
die Grafen von Flandern und Holland waren gekommen, um Kriegsziele
zu verwirklixchen, die der Kaplan Philipps II.,
Wilhelm der Bretione, in den 20-er Jahren des 13. Jahrhunderts aufschrieb:
Die capetingische Monarchie sollte
vernichtet, Philipp beseitigt werden;
die Krondomäne wollte man aufteilen, wobei Ferrand
von Flandern Paris beanspruchte, und OTTOS
Parteigänger wünschten nach dem Vorbild der staufischen
Herren und Ministerialen in Sizilien mit französischen Herrschaftsbezirken
ausgestattet zu werden. Die Stärke des Heeres ist weder für die
Allianz noch für Philipps Streitmacht
mit einiger Verläßlichkeit zu ermitteln; der König von
Frankreich hatte wohl 1.200 schwere und ebenso viele leichte Reiter, dazu
möglicherweise 4.500 Kämpfer zu Fuß, während die kaiserliche
Seite im ganzen etwas stärker gewesen sein mag.
Am 27. Juli trafen Wilheln von
Salisbury und OTTO IV. nahe
Lille auf Philipp II., der mit seinen
Truppen bei dem Dorf Bouvines eben das Brückchen über die Marcq
benutzte und einen Teil des Heeres jenseits, dem anderen diesseits des
Wasserlaufes stehen hatte. Die französische Nachhut unter dem Befehl
des Herzogs von Burgund konnte aber den ungestümen Angriff der Flanderer
so lange aufhalten, bis alle Kräfte des Königs wieder über
den Fluß zurückgezogen waren und nun mit dem Rücken zum
sumpfigen Ufer die Schlacht eröffneten, noch ehe das Banner des heiligen
Dionysius von der anderen Seite des Wassers herangebracht worden war. Vor
dem im ersten Treffen zu Pferd sitzenden König von Frankreich trug
Galo von Montigny das Lilienbanner, ein armer Ritter, von dem der Historiograph
Richer von Senones berichtet, daß er seinen ganzen Besitz habe verpfänden
müssen, um sich ein Streitroß zu kaufen. Gegenüber hielt
OTTO
IV. in weihin sichtbarer Prunkrüstung neben einem Wagen,
den vier mit Wappendecken geschmückte Pferde zogen und auf dem eine
hohe Stange aufgerichtet war, die ein riesiges anglonormannisches Drachenbanner
trug, darunter den goldenen Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen. Als
die Kommunalmilizen aus Amines, Arras, Beauvais, Compiegne, Noyon, Soissons
und anderen Städten eintrafen, wurden sie durch die Reihen der französischen
Ritter nach vorn geführt, aber von den deutschen Fußtruppen
aufgerieben. Philipp II. geriet in
Lebensgefahr, als er mit Hakenlanzen zu Boden gerissen wurde und nur unter
höchstem Einsatz seiner Umgebhung mühsam gedeckt werden konnte,
aber bei einem Gegenstoß der Ritter des Königs wurde das Pferd
OTTOS IV. ins Auge getroffen, bäumte sich auf und warf
den Reiter ab, der das ihm gestellte zweite Roß zur hastigen Flucht
benutzte. Damit entschied er die Schlacht. Indem der Kaiser seine Sache
für jeden sichtbar verloren gab, war für niemand mehr ein Grunsd
vorhanden, sich weiter zu schlagen.
Philipp II., den
man seither Augustus zubenannte, schickte den Reichsadler
mit gebrochenen Schwingen an FRIEDRICH II.
und führte seine Gefangenen, unter ihnen Wilhelm
von Salisbury und Ferrand von Flandern,
auf Wagen mit Ketten gefesselt im Triumph nach Paris.
Pierre Mauclerc hatte
durch Ludwig VIII. ebenfalls Nachteile erlitten, denn nach dem Tode seiner
Gemahlin Alix, Erbin der Bretagne, im Jahre 1221 hatte er die Gräfin
Johanna von Flandern heiraten wollen, die in eine Scheidung
von ihrem seit Bouvines im französischen Kerker festgehaltenen Gemahl
Ferrand
eingewilligt hatte.
Stürner, Wolfgang: Teil 1 Seite 163-165
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"Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien
und Deutschland 1194-1220"
Zugleich raubte Johanns
Schachzug Philipp von Frankreich den
Vorwand für seine England-Unternehmen. Philipp
wandte sich statt dessen gegen mit der schon versammelten Streitmacht nach
Norden gegen seinen Vasallen Ferrand,
den Grafen von Flandern (1212-1233). Auf seine Unabhängigkeit
bedacht und mit Rücksicht auf die engen flandrisch-englischen Bindungen
und Wirtschaftsbeziehungen hatte Ferrand
nämlich die Beteiligung an dem Angriff auf England verweigert. Zur
Strafe überzog der König nun sein Land mit Krieg. Er erreichte
trotz einiger militärischer Erfolge freilich nur, daß der Graf,
bestärkt von seinen Untertanen, offen auf Johanns
Seite
trat, ihm im Januar 1214 sogar den Lehenseid leistete.
Johann
konnte in jener Region damals außerdem auf die Hilfe der Grafen von
Boulogne und Holland rechnen und sah offenbar die Stunde des Gegenstoßes
gegen das französische Königtum gekommen. Im Februar begab er
sich nach S-Frankreich. Von hier aus gedachte er, in die kapetingische
Krondomäne vorzudringen, während gleichzeitig seine Verbündeten
von Norden her in die Ile de France einfallen sollten. Das Gelingen des
Unternehmens schien gewiss, als Kaiser OTTO
die Leitung der Nordarmee übernahm.
OTTO hatte sich im
Frühjahr 1213, genau zu der Zeit der höchsten Bedrängnis
seines Onkels also, merkwürdigerweise aus N-Deutschland wegbegeben
und es vorgezogen, seine sächsischen Gegner zu bekriegen, anstatt
jenem oder doch dem von England unterstützten Grafen
Ferrand beizustehen. Jetzt, eben im Frühjahr 1214, kehrte
er an den Niederrhein zurück. Die dringende Aufforderung Johanns
und
seiner festländischen Genossen, begleitet wohl von des Königs
Hinweisen auf seine reichlichen bisherigen Zahlungen wie von neuen Geldsendungen
und Versprechungen, mochte den Kaiser ebenso zum Eingreifen in die aich
anbahnende Auseinandersetzung bewegen wie die Zuversicht, angesichts der
großen Zahl der Verbündeten und ihrer wohlabgestimmten, das
französische Machtzentrum gewissermaßen in die Zange nehmende
Taktik werde der KAPETINGER unweigerlich
eine vernichtende Niederlage erleiden. Ein Sieg der welfisch-angevinischen
Sache in W-Europa aber musste ihm, dem WELFEN,
auch in Deutschland wieder die Oberhand verschaffen.
Allzu eilig hatte es OTTO
im übrigen nicht, aktiv die Kriegsvorbereitungen im Westen voranzutreiben.
Erst nach Vorstößen gegen den Bischof von Münster
und den Grafen von Geldern überschritt er, misstrauisch vom Lütticher
Bischof Hugo beobachtet, die Maas. Westlich von Maastricht traf er mit
seinen Bundesgenossen zusammen, um die Einzelheiten des gemeinsamen Feldzuges
zu klären. Dabei fand sich neben den Grafen von Flandern, Holland
und Boulogne auch Herzog Heinrich von Brabant ein. Gerade ein Jahr zuvor
hatte er zur Bekräftigung seines dem König
Philipp von Frankreich damals gegebenen Beistandsversprechens
dessen Tochter geheiratet. Eine schwere Niederlage gegen den Bischof von
Lüttich im darauffolgenden Oktober und der Druck des Grafen
Ferrand veranlassten ihn nun wohl zu seinem neuerlichen Frontwechsel.
Obwohl er selbst demnach geradezu als lebender Beleg dafür gelten
konnte, wie wenig gleichzeitige Eheabsprachen die Dauer von politischen
Bündnissen zu gewährleisten vermochte, sollte auch diesmal eine
Heirat die Ernsthaftigkeit seines Schrittes bekunden: Am Pfingstmontag
feierte Kaiser OTTO in Aachen die Hochzeit
mit Heinrichs Tochter Maria.
Während sich OTTOS Heer,
einschließlich eines englischen Kontingentes unter Graf
Wilhelm von Salisbury, einem Halbbruder König
Johanns, endlich im Juli 1214 bei Valenciennes an der Grenze
zwischen Hennegau und Flandern, zwischen dem Imperium also und dem französischen
Königreich, versammelte, während die beteiligten Fürsten
die fest erwartete Beute im voraus unter sich aufteilten, wobei Ferrand
von Flandern für sich vielleicht an Paris und die Königswürde
dachte, war im Süden schon die Vorentscheidung gegen sie gefallen.
Dort hatte Johann zwar zunächst
die Stadt Angers besetzt und befestigt, dann jedoch Anfang Juli vor dem
mit einem Entsatzheer heraneilenden Thronfolger
Ludwig die Flucht ergriffen, um sich fortan nicht mehr ernsthaft
in das Geschehen einzuschalten. Sein Versagen durchkreuzte den Plan der
Angreifer natürlich an einem wesentlichen Punkt: König
Philipp besaß nun Rückenfreiheit für seine Aktion
im Norden. Er rückte dann auch unverzüglich nach Flandern ein
und brachte die Stadt Tournai in seine Hand. Kurz darauf näherte sich
indessen von Valenciennes her die Streitmacht OTTOS
und drohte seine Verbindung nach dem Süden abzuschneiden. So entschloss
er sich zum Rückzug in eine günstigere Stellung. Am 27. Juli
1214, einem Sonntag, begann das Absetzmanöver seiner Truppen. Doch
eben als sie sich auf ihren Weg westwärts in Richtung Lille an der
Marquebrücke bei Bouvines stauten, überraschte sei der Angriff
der an Zahl wohl stärkeren gegnerischen Armee. Sofort entbrannte ein
heftiger Kampf, in dessen Verlauf Philipp,
vom Pferd gerissen, nur mit knapper Not dem Tod entging. Dennoch behaupteten
sich die Franzosen, und OTTO hielt
seine Sache offenbar schließlich für verloren. Nachdem sein
Pferd tödlich verwundet unter ihm zusammengebrochen war, ließ
er sein Heer samt dem stolz auf einem Wagen mitgeführten vergoldeten
Reichsadler im Stich und wandte sich eilends zur Flucht.
1211
oo 1. Johanna Gräfin von Flandern (1205-1244)
1188 oder 1200-5.12.1244
Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 151 - Ehlers Joachim:
Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 134,150
- Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 169 - Favier,
Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche
Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 163-166,196 - Le Goff Jacques:
Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 64,81,84,87,91,220,799
-
Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer
Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 90-103 - Pernoud
Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin
von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 61,68,75,104,113,137,152,231
- Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft
in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite
163-165,224 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs
unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998,
Seite 124,148 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen
Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch
Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 351-376,456,507-509
- Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 309,398,402,499-501,503 - Winkelmann
Eduard: Kaiser Friedrich II. 2. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1963, Seite 81,225 -
Als dann die verwitwete Gräfin
Mathilde (selbst eine portugiesische Prinzessin) im Einverständnis
mit dem König von Frankreich die junge Gräfin
Johanna an Ferrante, ihren
Neffen, den Sohn König Sanchos von Portugal,
verlobt hatte, und die Hochzeit im Jahre 1211 zu Paris gehalten worden
war, verweigerte der König von Frankreich Ferrante
die Belehnung mit Flandern, bis er die Rückgabe von St. Omer und Aire
zugesagt hatte; nur die Lehensherrschaften von Guisne und Mortagne sollten
von den im letzten Frieden von Peronne wieder an Flandern gekommen Landschaften
bei Flandern gelassen werden. Da Ferrante
in der Gewalt des Königs war, mußte er sich fügen; auch
hielt ihn der Sohn des Königs, Prinz Louis,
welcher mit der Grafschaft Artois belehnt worden war, in Peronne so lange
fest, bis Aire und St. Omer von den Franzosen besetzt waren. Überall
wurde hierauf in Flandern und Hennegau dem Grafen
Ferrante und der Gräfin Johanna
gehuldigt [Nur die Genter verweigerten die Huldigung so lange, bis Johanna,
welche vom Fieber befallen in Douay zurückgeblieben war, selbst kam.
Ferrante
sei ihr Fürst nicht; er sei nur ihrer Fürstin Gemahl. Ferrante
war von Philipp von Namur, Johann dem Castellan von Brügge
und Siger dem Castellan von Gent begleitet, hatte aber eben deshalb Raes
van Gaveren und Arnulph von Oudenaerde gegen sich, die jenen feind waren;
und als er sich von Gent nach Kortryk zurückzog, brachten seine Gegner
einen Kriegshaufen in Gent zusammen, und verfolgten Ferrante
seiner
Begleitung wegen bis in die Nähe von Douay, plünderten und brannten
Kortryk, und zogen beutebeladen heim. Als aber Ferrante
mit größerem Heer und von Johanna
begleitet wieder vor Gent erschien, öffneten die Genter die Tore und
zahlten zur Buße für das frühere Benehmen eine sehr bedeutende
Summe.
Philipp von Namur starb in demselben Jahre mit Hinterlassung
eines noch unmündigen Sohnes, Philipp.]
Ihre Schwester Margaretha
übergab Johanna Herrn Bouchard d'Avesnes
zu Schutz und Aufsicht, welcher ihr in Hennegau einen glänzenden Hofstaat
einrichtete [Bouchard war als Knabe in der Zeit, wo sein Vater Jacques
sich gegen seinen Lehensherrn, den Grafen von Hennegau, an Flandern anschloß,
am flämischen Hofe geblieben, und Graf Philipp hatte ihn in Paris
und Orleans studieren lassen. Bouchard war beider Rechte Doctor
geworden.]. Er gewann das Fräulein so für sich, daß sie
sich mit ihm vermählte. Er hatte aber früher einmal die Weihe
als Subdiakon erhalten, und da Johanna dieser
Heirat zuwider war, mußte er 1215 fliehen und suchte bei Innocenc
III. Dispensation; dieser legte ihm auf als Buße, das Weib zu verlassen
und einen Kreuzzug zu unternehmen. Als er nach dem Kreuuzug Margarethen
und seine beiden Söhne wieder sah, erklärte er, er wolle sich
lieber lebendig schinden lassen, als von ihr gehen [Nach anderen hätte
die Heirat mit Johannas Bewilligung
stattgefunden, Delewarde p. 395. und nichts habe im Wege gestanden. Auf
jeden Fall fand die Heirat statt.].
Im Jahre 1212 änderte die Gräfin
Johanna im Einverständnis mit ihrem Gemahl, wahrscheinlich
auf Bitten der Genter, die Verfassung der Stadt.
Neue Zwistigkeiten zwischen Frankreich und Flandern brachen
im Jahre 1213 aus. Der König forderte von
Ferrante die gesetzmäßige Lehenshilfe, welche dieser
aber verweigerte, wenn ihm nicht zuvor die mit Unrecht entrisenen Städte
Aire und St. Omer restituiert würden. Von Cassel und Ypern bis nach
Brügge war alles von einem französischen Heer überschwemmt,
während die französische Flotte bei Damme anlegte. Indem erschien
eine englische Flotte, geführt vom Grafen William von Salisbury und
dem von durch die Franzosen vertriebenen Grafen Rainaud von Boulogne. Der
König kam mit einem Landheer zu Hilfe; allein da seine Flotte selbst,
nachdem er seine Gegner am heiligen Abend vor Pfingsten zurückgeschlagen
hatte, von der See abgeschnitten war, mußte er die Schiffe verbrennen
lassen. Auch Damme ließ er niederbrennen; Gent, Brügge und Ypern
kauften sich mit großen Summern von der Plünderung frei, nahmen
aber des Königs Befehle an; Lillie war verwüstet und die Festungswerke
wurden egschleift; Prinz Luois, der
Graf von Artois und Gaultier von Chatillon der Graf von St. Pol, dessen
Lehensmann, blieben mit einem gewaltigen Reiterhaufen zurück, auch
als der König abzog, und nach Douay und Doornik ward Besatzung gelegt.
Sobald der König die Grafschaft geräumt hatte,
kam Ferrante, der mit William von Salisbury
nach Walcheren gegangen war, zurück, und nahm den Franzosen mit Hilfe
der Holländer Lille und Doornik wieder, nachdem Graf Louis Kortryk
niedergebrannt hatte. Sofort wandte sich auch der König wieder gegen
ihn, und er verließ abermals die Grafschaft, ging nach England, und
kehrte von da, von den Grafen von Salisbury und Boulogne begleitet, zurück
nach der Grafschaft Artois, wo er einen Versuch auf Aire machte, dann sich
vor den Toren von Arras sehen ließ, alles ringsum verwüstete,
und sich endlich, als er das Artois verließ, nach Gent begab. Heinrich
von Brabant, welcher nach Philipps von Namur Tode dessen Witwe,
Prinzessin
Marie von Frankreich, geheiratet, hatte sich auf dieser Seite
feindlich gezeigt; mit Hilfe der Grafen von Salisbury, Boulogne und Holland
belagerte ihn Ferrante in Brüssel,
zwang ihn von Frankreich zu lassen, mit ihm selbst gemeinsame Sache zu
machen, und seine Söhne Heinrich und Gottfried als Geiseln zu stellen.
Im folgenden Jahre erscheint mit den niederländischen
Fürsten gegen Frankreich auch Kaiser OTTO
IV. im Bunde. Ferrante empfing
ihn prächtig in Valenciennes, und brachte aus Flandern und Hennegau,
Heinrich von Brabant aus seinem Gebiet mächtige Heerhaufen zusammen;
Waleram von Limburg führte dem Kaiser 700 Ritter zu, auch andere deutsche
Reichsfürsten erschienen, und William von Salisbury kam mit einem
englischen Hilfszuge. Trotz der Nähe dieses zahlreichen Heeres empörten
sich die Einwohner von Doornik gegen Ferrante,
und öffneten den Franzosen wieder die Tore. Den Letzteren entgegen
zog das deutsche Heer nach Mortagne: sie wichen zurück in der Richtung
von Lille, aber die Deutschen folgten, und zwangen den Herzog von Burgund,
der die Nachhut führte, in der Nähe von Doornik zum Kampfe; bei
Bouvines mußte das ganze französische Heer standhalten (27.
Juli 1214). Die Fläminger standen in der Schlacht den Leuten von Champagne
und Isle de France unter dem Grafen von St. Pol gegenüber, und unter
ihnen zeichneten sich besonders Balduin von Praet und Arnulph van Oudenaerde
durch Tapferkeit aus, sodann Hellin von Waurin, der Seneschall von Flandern,
Raes van Gaveren und seine Söhne (Arnulph, Philipp und Raes), Philipp
und Peter van Mildeghem und die von Bethune, van Ghistellen und van Haveskerke.
Trotz ihres Mutes unterlagen sie, Graf Ferrante
selbst ward gefangen und der ganze linke Flügel des kaiserlichen Heeres
geschlagen; aber er nicht allein, sondern nach eben so wildem Kampfe auch
das Mitteltreffen, zuletzt der rechte Flügel unter dem Grafen von
Boulogne, der ebenfalls, so wie auch William von Salisbury, den Farnzosen
gefangen in die Hände fiel.
Ferrante ward nach
Paris, Rainaud von Boulogne nach Peronne, William von Salisbury nach St.
Quentin gebracht. Bald nachher kam ein Waffenstillstand zwischen Frankreich
und England, in welchen auf Bitten der Gemahlin Ferrantes
Flandern
eineschlossen ward, auf fünf Jahre zustande. In Hennegau und Flandern
hatte die Gräfin Johanna sofort
die Regentschaft übernommen, und führte sie mit Hilfe ihr von
den Herrentagen der beiden Grafschaften zugeordneten Räte trotz der
Gefangenschaft ihres Gemahles und der Verwüstung ihres Landes, auf
das tüchtigste [Während Rainauds von Boulogne Gefangenschaft
starb seine Gemahlin Ida, und hinterließ nur eine Tochter als Erbin
der Grafschaft, Maria, die einem Bastard des Königs von Frankreich
verlobt ward, welcher
Philipp hieß.].
Das Jahr 1217 verging für Flandern in Ruhe und Frieden;
alles, was die Gräfin Johanna durch
die Bischöfe von Doornick, Cambray und Therouenne unterhandeln ließ,
zu Befreiung ihres Gemahles, war umsonst. Der König erklärte,
bei seinen Lebzeiten habe Ferrante Freiheit
nicht zu hoffen. Dasselbe gelobte seine Nachfolger
Louis, als Johanna bald
nach seiner Thronbesteigung im Jahre 1223 ähnliche Unterhandlungen
erneuerte. Bei der Adminstration des Landes stand der Gräfin nur ein
Ritter zur Seite, welchen Meyer Jodocus ab Materis nennt. Die Zeiten aber
der Verwaltung Johannas waren, selbst
nachdem der König von Frankreich sie im Besitz der Grafschaft unberuhigt
ließ, höchst schwierig, denn im folgenden Jahre forderte der
römische
König FRIEDRICH (erzürnt auf Flandern wegen der früheren
Verbindung des Fürsten mit OTTO)
das Aalster- und Waesland, die vier Ambachten und die Inseln ab, unter
dem Vorwande, es sei die Belehnung nicht gesucht worden. Mit Mühe
gelang es der Gräfin, den jungen
HOHENSTAUFEN
durch
Anführung der unglücklichen Gefangenschaft ihres Gemahles, die
an allen Schuld sei, zu beschwichtigen.
Um diese Zeit starb die Gräfin
Mathilde (am 6. März 1218) zu Veurne
durch einen Fall mit dem Wagen, und jener ganze Teil von Flandern, den
sie als Wittum besessen hatte, kam nun wieder unmittelbar an die Gräfin
Johanna. Die wußte auch andererwärts
den Vorteil der Domäne wahrzunehmen. So tauschte die gegen Besitzungen,
die zum Teil außerhalb ihrer herrschaftlichen Territorien lagen,
gegen reiche Fruchtzinsen und einen Wald die Castellanei von Cassel von
Michael de Harnes ein, und brachte sie unmittelbar zum gräflichen
Hausbesitz. In gleicher Weise tauschte sie etwas später (im Februar
1225) das Freie von Brügge für 23.545 livr. 5 sol. 8 den. Paris
von der Familie der Castellane von Brügge ein.
Inzwischen gaben ihre Schwester
Margaretha
und
Bouchard
d'Avesnes doch den dringenden Vorstellungen nach, die gemacht und durch
die Strenge der Kirche fortwährend noch in ihrer Wirkung vertsärkt
wurden. Sie trennten sich, und Margaretha
heiratete
einige Zeit hernach einen edeln, aber wenig begüterten Mann von burgundischem
Adel, Guillaume de Dampierre [Guillaumes Vater hieß
Gui de Dampierre; seine Mutter Beatrix war die Tochter Archimbalds des
Großen von Bourbon.].
Hennegauische Edelleute, die mit
der Verwaltung der Gräfin Johanna
unzufrieden waren, bewogen 1225 einen Einsiedler, der bei Glanchon in der
Nähe von Mortagne lebte, und an Wuchs und Gesichtsbildung dem bei
den Bulgaren verschollenen Kaiser Balduin
einigermaßen
ähnlich war, mit dem Vorgeben aufzutreten, er sei Balduin;
zuerst Lille, dann fast ganz Flandern und Hennegau erkannten ihn an, und
Johanna
wäre in Le Quesnoi fast in seine Hände geraten. In ihrer Not
wendete sich Johanna
an König Louis von Frankreich,
welcher dem Betrüger einen Tag setzte in Peronne, und ihm freies Geleit
zusagte. Kühn stellte er sich dem Könige, wurde aber von dem
Bischof von Beauvais so durch Fragen über frühere Lebenverhältnisse
in Verlegenheit gebracht, daß sein Betrug deutlich sichtbar wurde.
Er hatte freies Geleit zur Rückkehr, aber alles wandte sich nun von
ihm in Flandern und Hennegau ab; und auf der Flucht, die er versuchte,
ward er in Burgund von Everard de Chastenay gefangen und der Gräfin
ausgeliefert. Es fand sich, daß er Bertrand de Rains hieß,
aus der Champagne gebürtig war, und nachdem er nun als entlarvter
Betrüger dem Volk gezeigt worden, ließ ihn Johanna
in Lille hängen.
Der Tod Louis VIII. von Frankreich
bewog
die Gräfin Johanna abermals, ihre
Versuche zur Befreiung ihres Gemahls zu erneuern [Meyer zufolge hätte
sie diese Versuche noch bei Lebzeiten Ludwigs
VIII. wieder begonnen; wahrscheinlich gab ihr die Not, in der
sie sich befand durch den Betrüger, Veranlassung und Beschluß
ein.], und glücklich gelang es ihr diesmal unter folgenden Bedingungen:
daß, falls Ferrante wieder seine
Verbindlichkeiten gegen Frankreich breche, ihn der Bann, Flandern das Interdikt
treffen solle. Die Zitadelle von Douay solle auf zehn Jahre der Gewalt
des Königs übergeben bleiben, und der flämische Adel schwören,
den Grafen zu verlassen, falls dieser den Frieden mit Frankreich breche.
Welcher vom Adel sich dieses Eides weigere, den solle der Graf aus seinem
Lande treiben, dessen Gut solle er konfiszieren, und ihm nur mit Gunst
und Gnade des Königs die Rückkehr erlauben; auch sollten die
Grafen von Flandern in ihren Städten auf dem linken Schelde-Ufer ohne
des Königs Genehmigung keine neuen Befestigungen errichten dürfen
[Die Grundlagen dieses Vertrages waren sicher vor Ludwigs
VIII. Tode gelegt im April 1226 in Melun. Die wirkliche Ausführung
aber des Traktats und die Befreiung des Grafen fanden erst Anfang 1227
statt. Delewarde 1, c. p. 435. Manche Geldzahlung und anderes Drückende,
was der Vertrag von Melun noch enthielt, ward hernach erlassen.].
Ferrante hatte
bald nach seiner Freilassung Gelegenheit, der Königin
Blanca für die Freundlichkeit, mit
der sie zu Vermittlung seines Friedens gewirkt, durch treuen Beistand zu
danken, den er ihr gegen ihre Widersacher unter den französischen
Großen, namentlich gegen den Grafen
Philipp von Boulogne, den natürlichen
Bruder Louis' VIII.,
leistete. Unmittelbar nach dem Zuge gegen die Grafschaft Boulogne, und
wahrscheinlich durch die Aufreizung des Grafen von Boulogne veranlaßt,
brach eine Fehde aus mit dem Herzog von Brabant, welchen Ferrante
bei Asche gefangen nahm. Vielleicht wurde diese Fehde aber auch veranlaßt
durch die Angelegenheit der Grafschaft Namur; denn nachdem Philipps
Stamm sehr bald nach seinem Tode mit seinem Söhnchen abging, folgte
hier als Erbin Yolanda,
die Gemahlin Peters von Courtenay,
die Schwester Philipps, und durch sie nach ihrem Tode 1220 zuerst
ihr Sohn Philippvon Courtenay,
dann ihre Tochter Margaretha,
welche mit Heinrich von Luxemburg, Grafen von Vianen, vermählt war.
Es scheint, daß auch Ferrante
Ansprüche auf die Markgrafschaft, als eröffnetes Lehen, machte;
erst im November 1232 kam durch Vermittlung des Grafen
Philipp von Boulogne ein Vertrag zustande,
der Heinrich im Besitz der Markgrafschaft beließ; nur Vienne und
Golesmes trat er an Ferrante
und Johanna
ab.
Wie
Ferrante bis dahin auch für innere
Angelegenhiten, besonders für de Anordnung der Verfassung von Gent,
sich tätig erwiesen hatte, ist bereits oben angeführt. Am 27.
Juli des folgenden 1233.ten Jahres starb Ferrante
am Stein zu Noyon.