Sohn des Grafen
Manasse I. von Chalon (+ 918) und der Irmgard
von Nieder-Burgund, Tochter von König
Boso; Großneffe des Herzogs Richard I. (Stammtafel Prinz
Isenburg)
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1466
********************
Giselbert (Gilbert) von Vergy, burgundischer Großer
------------------------------------
+ 8. April 956
Paris
Sohn des Manasses von Vergy
Als Verbündeter und zum Teil Gegenspieler der BOSONIDEN bedeutende Figur im Kampf um das entstehende Herzogtum Burgund. Trat Giselbertvor 925 die Nachfolge seines Vaters in dessen honores, insbesondere in den Grafschaften Beaune und Chalon, an und war fidelis des bosonidischen Herzogs Rudolf. Giselbert erhob sich 931-932 gegen diesen wegen des Besitzes von Avallon. Rudolfs Bruder, Hugo der Schwarze, dessen Tochter Ermengard wohl mit Giselbert vermählt war, trat ihm 941-942 die Grafschaft Autun ab. Nach Hugos Tod führte Giselbert aber nicht - wie ersterer - den Titel des 'marchio', sondern wurde lediglich als 'Burgundiae comes praecipuus' oder 'princeps Burgundionum' intituliert; der König hatte den Herzogstitel in Burgund nämlich dem ROBERTINER Hugo dem Großen, Herzog der Francia, reserviert; Giselbert mußte dessen Lehnshoheit akzeptieren. - Vor seinem Tod empfahl Giselbertseine Tochter Liegardis in die Obhut Hugos des Großen, der sie mit seinem Sohn Otto verheiratete, wodurch dieser die Grafschaften des Hauses VERGYund der BOSONIDEN westlich der Saone seinem Herzogtum eingliedern konnte. Doch hatte Giselberteine weitere Tochter, Adelaidis (oder Werra), die Robert von Meaux (aus dem sogenannten Haus VERMANDOIS) ehelichte, dem sie wahrscheinlich die Grafschaft Troyes, eine der territorialen Ausgangspunkte der Champagne, in die Ehe brachte.
Literatur:
-----------
HEG I., s.v. [K.F. Werner] - M. Chaume, Les origines
du duche de Bourgogne, 1927 - K. F. Werner, WaG 20, 1960, 107-115 - W.
Kienast, Der Hzgs.titel in Frankreich und Dtl., 1968.
Kienast Walter: Seite 92-93
*************
"Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis
12. Jahrhundert)"
Die Grafschaft Autun, die Hauptstütze seiner Macht, verlehnte er an den Grafen Giselbert von Chalon, der eine Tochter oder Enkelin Richards geheiratet hatte. Giselbertfolgte beim Tode Hugos (952) als dessen Erbe. Er starb bereits 956. Aus seiner kurzen Regierungszeit im Herzogtum besitzen wir keine von ihm ausgestellte Urkunde. Daß die wenig spätere Vita S. Viventii ihn als dux nennt, besagt nichts. Söhnelos, hatte er seine Tochter mit Otto, einem jüngeren Bruder Hugo Capets, versprochen oder vermählt. Mit Otto kommt das Land an die ROBERTINER; eine neue Epoche beginnt.
Werner Karl Ferdinand: Seite 512
*******************
"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000"
Giselbertwar im Jahr 952 Hugo dem Schwarzen als princeps von Burgund nachgefolgt und starb im Jahr 956 während eines Aufenthaltes in Paris. Er vermachte seinem Schwiegersohn Otto, dem Sohn Hugos des Großen, alle seine Grafschaften und Rechte. Nur die Grafschaft Troyes fiel an Robert von Meaux, den Gemahl seiner zweiten Tochter und Sohn Graf Heriberts II.
Schwager, Helmut: Seite 106,138,165 Anm. 632,209,399/400
****************
"Graf Heribert II. von Soissons"
Anschließen hielt König
Rudolf am 8. April 924 einen großen Hoftag in Chalon-sur-Saone
ab, zu dem neben
Königin Emma auch
burgundische Aristokraten wie Graf Boso von Perthois und Graf Hugo der
Schwarze, die Brüder des Königs, die Grafen Walo von Dijon (+
924) und Giselbert von Autun (+ 956),
Söhne Graf Manasses I. des Älteren von Chalon (+ 918) anwesend
waren.
Wenig später mußte der BOSONIDE
jedoch dringend ins Herzogtum Burgund zurück, wo in der Zwischenzeit
ein gefährlicher Aufstand gegen Königin
Emma ausgebrochen war, die oftmals mit unnachsichtiger Härte
gegen den burgundischen Adel durchgegriffen hatte. Dabei hatte sie unter
anderem dem wichtigsten burgundischen Aristokraten Graf
Giselbert von Dijon und Chalon (+ 956) die Burg Avallon
genommen, worauf sich dieser, verbündet mit Graf Richard von Troyes
und Sens (+ 932/36), erhob.
[Kalckstein, Capetinger, 198 Anm. 1 nennt Graf Heribert
II. nicht unter den Huldigenden, ebensowenig die burgundischen Großen
Herzog Hugo den Schwarzen von Burgund und Graf
Giselbert von Dijon (+ 956).]
Flodoard jedenfalls erwähnt noch für das Jahr
932 den Nicht-HERIBERTINER Graf Richard
von Tryoes (+ 932/36) als Verbündeten des burgundsichen
Grafen Giselbert von Dijon. Im Jahre 948 jedoch war Graf Richard
sicher tot und Graf Giselbert
war Graf von Troyes. Als im Jahre 952 schließlich der
letzte BOSONIDE Herzog Hugo der Schwarze
von Burgund söhnelos starb, folgte ihm nach einem Kampf mit
Herzog
Hugo dem Großen von Franzien Graf Giselbert
von Dijon, wobei die Burgundia geteilt wurde. Herzog
Giselbert
hatte nur zwei Töchter, wobei die Älteste namens Liutgard
den ROBERTINER Otto,
Sohn Herzog Hugos des Großen,
heiratete, während die Jüngere Adelheid
Werra (+ ca. 970) den HERIBERTINER Graf
Robert ehelichte. Als daher am 8. April 956 Herzog
Giselbert verstarb, vererbte er das Herzogtum Burgund an den
ROBERTINER Otto, die wichtigste Champagne-Grafschaft
Troyes dagegen an Graf Robert.
oo Ermengard von Burgund, Tochter des Herzogs Hugo
I. der Schwarze
-
Erbin von Autun
Kinder:
Adelheid Erbin von Troyes
- nach
979
vor 950
1. oo Robert Graf von Vermandois
-19./29.8.967
2. oo Lambert Graf von Chalon-sur-Saone
-22.2.978
979
3. oo Gottfried I. Grisegonellle Graf von Anjou
-21.7.987 gefallen
Liutgard Erbin von Autun
- nach 956
954
oo Otto von Franzien Herzog von Burgund
ca 945-23.2.965
Literatur:
-----------
Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 24 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 62 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an
der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968
Seite 248 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit.
Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 164 - Kienast
Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert).
R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 Seite 92-93 - Schwager,
Helmut: Graf Heribert II. von Soissons. Verlag Michael Lassleben Kallmünz/Opf.
1994 Seite 106,138,145,165 Anm. 632,209,371,399/400 - Werner Karl
Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher
Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 512 -