Einziger Sohn des Königs
Philipp II. August von Frankreich aus seiner 3. Ehe mit der
Agnes
von Meran, Tochter von Herzog Berthold III.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2065
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Philip (Philippe Hurepel), französischer Fürst
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* 1201, + Januar 1234
Sohn von Philipp II. Augustus und Agnes von Meranien
Beiname wohl nach seinem ‚borstigen‘ Haaren, wurde durch
Bulle vom 2. November 1201 legitimiert. Im August 1201 verlobt mit Mahaut
(Mathilde), Tochter von Renaud (Rainald), Grafen von Dammartin, Boulogne
und Mortain. 1222 zum Ritter geschlagen, erhielt Philipp
Hurepel bald darauf die Grafschaft Boulogne, die seinem
Schwiegervater durch Konfiskation entzogen worden war; außerdem hatte
er die Grafschaften Domfront, Mortain, Aumale und Clermont (-en-Beavaisis)
sowie
ein Viertel der Grafschaft Dammartin in Besitz. 1228-1230 nahm Philipp
an den Adelskoalitionen gegen Blanca von Kastilien
teil, schloß im September 1230 aber Frieden mit der Königin.
Er hatte eine Tochter, Jeanne, vermählt
mit Gaucher von Chatillon.
Pernoud Regine: Seite 124,138,140,142,145-146,152,155,174
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"Herrscherin in bewegter Zeit"
Am 3. November versammelte der König seine treuesten
Gefährten um sich: seinen Halbbruder Philipp
Hurepel, Enguerrand von Coucy und die Marschälle von Frankreich,
die Grafen von Blois und Montfort sowie mehrere Prälaten und ließ
sie feierlich schwören, seinen ältesten Sohn Ludwig
als Erben des Königreiches anzuerkennen.
Würde er sich gegenüber Renaud de Dammartin,
Graf von Boulogne, ebenso mild zeigen? Im Gegensatz zu Ferrand
von Flandern hatte er echten Verrat begangen; dazu kam, dass
Blanka
ihn nicht freilassen konnte, ohne es sich mit ihrem Schwager Philipp
Hurepel zu verscherzen, auf den die Grafschaft Boulogne
übertragen worden war.
Schon Ende Januar beruft Blanka
die Vasallen ein, macht sich sogar selbst auf die Reise. Begleitet wird
sie von ihrem Sohn, dem König, aber auch von einigen der treuen Barone,
allen voran ihr Schwager Philipp Hurepel
und Robert Gateble, Mauclercs
älterer Bruder. Blanka, der klar
ist, dass sie nun nicht geizig sein darf, beeilt sich, Robert
von Dreux Ländereien zu schenken und Philipp
Hurepel Geld, nachdem sie die Verschwörung gegen die Krone
unterdrückt hat.
Eine verstärkte Bautätigkeit in den Gebieten
des Grafen von Boulogne erweckte Blankas
Argwohn: Philipp Hurepel ließ
Boulogne befestigen, errichtete in Calais eine Umwallung und eine Burg
und verstärkte die Befestigungen von Hardelot und mehreren anderen
Plätzen. Seit dem Tod des Renaud de Dammartin brauchte Hurepel
nicht zu fürchten, dass er seine Grafschaft zurückgeben mußte;
war er nicht eher geneigt, dem Grafen von Bretagne Gehör zu schenken,
der trotz der Vereinbarungen von Vendome nicht wirklich die Waffe aus der
Hand gelegt hatte? Kurzum, weshalb sollte sich ein Baron eigentlich nicht
des Königreichs und des jungen Königs annehmen, ein Baron wie
Philipp,
der trotz seiner illegitimen Geburt aufgrund seiner Abstammung in jedem
Fall dazu geeigneter war als eine Frau?
Außerdem hat Blanka
ihren einstigen Gegner Ferrand von Flandern
gebeten, mit dem sie jetzt gut Freund ist, gebeten, gegen Philipp
Hurepel zu ziehen, der sich offen mit den Feinden des Grafen
von Champagne verbündet hat. Philipp
gab nach Ferrands Demonstration auf.
Vermutlich war der Abfall des Philipp
Hurepel - er geschah im Herbst nach einem neuerlichen Angriff
auf die Besitzungen des Grafen Thibaud von Champagne und einem abermaligen
Vorstoß der königlichen Truppen in Richtung Troyes - mit ein
Grund für den Rückzug des Königs von England. In der Folgezeit
stand Philipp Hurepel unverbrüchlich
auf der Seite seines königlichen Neffen.
Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Seite 179
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"Die französischen Könige des Mittelalters.
Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."
Es scheint vor allem die Furcht vor Philipp Hurepel, dem Grafen von Boulogne und legitimierten Halbbruder Ludwigs VIII., genauer vor seinen Ansprüchen als nächster männlicher Verwandter des Thronerben gewesen zu sein, die die Entscheidung der traditionellen Machtträger zugunsten der Königin-Mutter beeinflußt hatte. Dem unberechnbaren Halbbruder Ludwigs VIII. traute man die Duldung adliger Umtriebe zu und meinte damit den befürchteten Machtgewinn jener Kräfte, die, gestützt auf ein regionales Sonderbewußtsein und die daraus resultierende partikulare Rechtstellung, eine Loslösung vom beherrschenden Einfluß des Königshofes anstreben konnten. Deshalb bemühte man sich, durch die vor Salbung und Krönung vollzogene Schwertleite Ludwigs den Einfluß Philipps als Schwertmage einzuschränken. In dieser Konstellation - der Durchsetzung der Vormundschaft und Regentschaft der Königin-Mutter als Werk der alten, die Reichseinheit verteidigenden Führungsschicht, um den Zugriff wegstrebender Potentaten auf die Macht zu verhindern - lagen die jahrelangen Wirren begründet, die die Jugend und Erziehung Ludwigs begleiten sollten.
Ehlers Joachim: Seite 144,164
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"Die Kapetinger"
Agnes von Meran war
schon 1201 gestorben, nachdem sie einen Sohn zur Welt gebracht hatte, der
auf den Namen Philipp getauft und m
November desselben Jahres vom Papst als legitimes Kind des französischen
Königs anerkannt wurde.
Das sollte sich über die Grenzen der Champagne hinaus
als gefährlich für die Monarchie erweisen, denn nacheinander
griffen die Herzöge von der Bretagne, von Lothringen und von Burgund,
die Grafen von Flandern, von St-Pol, von Dreux und von Coucy in den Konflikt
ein, und schließlich gesellte sich noch Ludwigs
IX. Onkel Philippe Hurepel ("Borstenhaut"),
Graf von Boulogne, zu den Streitenden. Als Sohn Philipps
II. aus dessen kirchlich nicht anerkannter Verbindung mit Agnes
von Meran war er 1201 legitimiert und dadurch mit Ansprüchen
als nächster männlicher Verwandter Ludwigs
VIII. versehen worden, so daß er leicht zum Führer
und Kandidaten fürstlicher Opposition werden konnte.
Le Goff Jacques: Seite 64-65,68,80-81,83-84,91,892
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"Ludwig der Heilige"
Doch nun traten gewisse Risiken zutage. Der Erbe war ein
Kind, und der sterbende König hatte einen Halbbruder, Sohn des Philipp
August und der Agnes von Meran:
Philipp,
genannt Hurepel, der Borstige, Graf von Boulogne
- ein Rivale, der mit 25 Jahren im besten Mannesalter stand.
Am 3. November ließ Ludwig
VIII. die Barone, Prälaten und höheren Persönlichkeiten,
die im Heer zugegen waren, in sein Sterbezimmer rufen, 26 Personen insgesamt,
unter ihnen die Erzbischöfe von Sens und Bourges, die Bischöfe
von Beauvais, Noyon und Chartres, sein Halbbruder Philipp
Hurepel, Graf von Boulogne, die Grafen von Blois, Montfort,
Soissons und Sancerre, die Sires von Bourbon und Coucy sowie einige Großwürdenträger
des Hofes. Er nahm ihnen das Versprechen ab, seinen Sohn Ludwig
(oder, bei dessen Tod, dem nachgeborenen Robert),
sobald er hingeschieden sei, persönlich zu huldigen und ihn auf dem
schnellsten Weg zum König krönen zu lassen. Dies sind die einzigen
Verfügungen Ludwigs VIII., die
sich auf eine unwiderlegbare Quelle stützen.
Zweifellos wollen sie zwei Möglichkeiten ausschalten.
Die erste und offensichtlichste - die Ludwig VIII.
auch zum Schweigen veranlaßt haben könnte - ist die, daß
die "Regentschaft" dem nächsten männlichen Blutsverwandten des
minderjährigen Königs, nämlich seinem Onkel, dem Halbbruder
des Verstorbenen und Sohn Philip Augusts,
übertragen wird: Philipp Hurepel, Graf von
Boulogne, der, ein mächtiger Baron im besten Mannesalter,
dank der Freigebigkeit seines Vaters und dank seiner Ehe über fünf
Grafschaften verfügt. Sollte dieser Fall eintreten, wäre das
der Ruin der geduldig aufgebauten Erbfolgetradition zugunsten des ältesten
Königssohns.
Der junge König hatte zwei Onkel, die 1226, zum
Zeitpunkt seiner Thronbesteigung, 25 und 17 Jahre alt waren. Größere
Gefahr drohte von seiten des ersteren, Philipp,
genannt Hurepel. Der Kirche galt auch
er als Bastard, da der Papst die Gültigkeit der dritten Ehe Philipp
Augusts mit Philipps Mutter
Agnes
von Meran nicht anerkannt hatte; nach kanonischem Recht war
der König damals immer noch mit Ingeborg
von Dänemark verheiratet, die er infolge einer mißlichen
Hochzeitsnacht alsbald verstoßen hatte. Unterdessen war Philipp
Hurepel aber von Papst Innozenz III. legitimiert worden, und
da die französische Aristokratie, ja stillschweigend auch die französischen
Prälaten seine Mutter als rechtmäßige Königin von
Frankreich akzeptiert hatten, war seine Stellung sehr viel ehrenwerter
als die seines Halbbruders. Nach außen hin, von Rechts wegen, besaß
Philipp Hurepel sogar einen ganz normalen Status. Dennoch frage
ich mich, ob nicht die ihm anhaftende vage Erinnerung an seine Unehelichkeit
dazu beigetragen haben wird, daß er keinen wirklich ernsthaften Versuch
unternahm, seinem Neffen den Thron von Frankreich streitig zu machen.
Philipp Hurepel war
von seinem Vater Philipp August und
von seinem Bruder Ludwig VIII. recht
großzügig mit Land und Lehen ausgestattet worden, doch da dieses
Lehen vormals Rainald von Boulogne gehört hatte, einem der beiden
im Turm des Louvre einsitzenden Verräters von Bouvines, hatten die
beiden Könige es für verwirkt erklärt, von der Krone konfisziert,
an die es folglich heimfallen mußte, wenn Philipp
Hurepel ohne männlichen Nachkommen starb (wie es 1236 tatsächlich
geschah). Um den Onkel nun versöhnlich zu stimmen, gab ihm der junge
Ludwig
- besser gesagt, die Königin-Mutter und ihre Ratgeber gaben ihm in
Ludwigs
Namen mit sofortiger Wirkung zwei der drei Burgen, die Ludwig
VIII. für sich behalten hatte, Mortain und Lillebonne,
sowie die Lehnshoheit über die Grafschaft Saint-Pol, allerdings auch
dies mit der Klausel des Heimfalls an die Krone. Ferner erhilt Philipp
Hurepel zu Beginn des folgenden Jahres noch eine Leibrente von
6.000 Tournerse Pfund, gegen die er sich und seine möglichen Nachkommen
verpflichtete, keine weiteren Erbansprüche auf irgendwelchen Grundbesitz
mehr zu erheben.
Die unruhigen Barone versammeln sich in beträchtlicher
Anzahl zu Corbeil und beschließen, Ludwig
in ihre Gewalt zu bringen - nicht, um ihn gefangenzuhalten oder zu mißhandeln,
und noch weniger, um ihn vom Thron zu stürzen: Vielmehr wollen sie
ihn, getrennt von seiner Mutter und von ihren Ratgebern, als Geisel nehmen,
in seinem Namen regieren und ihre Habgier an Macht, Land und Reichtümern
befriedigen. Um ihren Unternehmen den Anstrich einer dynastischen Legitimität
zu geben, stellen sie ihm zwei einflußreiche Männer an die Spitze,
die sich der Sache nicht verweigern: Philipp Hurepel,
Graf von Boulogne, "borstig", aber weder bösartig noch
sehr begabt, der sich willenlos von den anderen gängeln läßt,
und zur Kriegsführung Peter Mauclerc, Herzog
der Bretragne.
Doch 1228, im zweiten Jahr der Herrschaft Ludwigs
IX., schlossen sich die Barone abermals und noch entschiedener
zusammen. Unterstützt von Philipp Hurepel,
griff diese Koalition, deren Drahtzieher Enguerren von Coucy gewesen zu
sein scheint, nicht direkt den König oder seine Mutter an, sondern
deren mittlerweile mächtigste Stütze, den Grafen Theobald von
Champagne.
Andere personelle Veränderungen haben an der Spitze
der großen Lehen stattgefunden. Dabei sind zwei Todesfälle von
eher "politischer" Bedeutung: 1233 starb Ferrand, Graf von Flandern, wenige
Monate später, im Januar 1234, gefolgt von Ludwigs
Onkel Philipp Hurepel, jenem "Borstigen",
dem weder Glanz noch Treue nachzusagen waren. Dennoch befreite das Ableebn
des letzteren das Königshaus von seiner einzigen familiären Belastung.
Im Jahr 1252 starb Johanna,
die Tochter von Ludwigs Onkel Philipp
Hurepel, ohne Erben. Das Schicksal seiner Besitzungen, von denen
Alfons
von Poitiers und Karl von Anjou
in ihrer Eigenschaft als Neffen je ein Drittel verlangten, blieb lange
in der Schwebe, bis 1258 ein Gericht den Rat mehrerer Prud'hommes einholte
und das Ganze dem König zusprach.
1216
oo 1. Mathilde von Dammartin-Boulogne, Tochter
und Erbin des Grafen Rainald
um 1200-14.1. nach 1261
1235/38
2. oo Alfons III. König
von Portugal
- 1253 1210-16.2.1279
Kinder:
Alberic
- nach 1284
Alberic folgte den Eltern, verzichtete zugunsten der Schwester und ging nach England.
Johanna
um 1220-14.1.1252
Literatur:
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Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 144,164 - Ehlers Joachim:
Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 150,152
- Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 155,168,175,179
- Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000
Seite 64-65,68,80-81,83-84,87,91,622,634,892 - Pernoud Regine: Herrscherin
in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs
Verlag München 1991 Seite 124,128,131,138,140, 142,145,152,155,174
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