Bosoniden
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 479
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BOSONIDEN
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Karolingische Hochadelsfamilie

Entstammte der Heiratsverbindung des Grafen Biwin (842-862), Laienabt von Gorze (Bruder des ostiarus Richard, eines fidelis König LOTHARS I.), mit der Tochter eines Boso (deren Geschwister: Hukbert, Laienabt von St-Maurice d’Agaune; ein anderer Boso; Theutberga, Gemahlin Lothars II.). Aus dieser Ehe gingen hervor: Boso von Vienne, Richard der Justitiar, Richilde (oo KARL DER KAHLE) und höchstwahrscheinlich auch Biwin, der Ahnherr der sogenannten „LIZUIDIS-Verwandtschaft“. KARL DER KAHLE, der sich auf den Anhang der Theutberga stützte, um Lotharingen für sich zu sichern, übertrug dem Boso zahlreiche Herrschaften und hohe Ämter in Aquitanien, Burgund und Italien. Er erhielt Ermengard, die Tochter LUDWIGS II. zur Frau. Papst Johannes VIII. nominierte möglicherweise ihn (nach der Auffassung von J. Fried, DA 32, 1986, 193-208 aber Ludwig II.) zum Kaiserkandidaten, der die Verteidigung Italiens gewähren sollte.
Nach dem Tode Ludwigs II. ließ sich Boso zum König in Burgund und in der Provence wählen (879) und behauptete sich bis zu seinem Tod (11. Januar 887) gegen die KAROLINGER. Der kinderlose König KARL III. (+ 888) bestimmte durch Adoption Bosos Sohn LUDWIG zum Nachfolger (Mai 887). LUDWIG vermochte sich jedoch nur in seinem väterlichen Erbe zu behaupten: 890 in Valence zum König gekrönt, erlangte er zwar auch die Krone von Italien (900) und die Kaiserkrone (901), wurde jedoch von BERENGAR gefangengenommen und 905 geblendet. Er beschloß sein Leben in der Provence (+ 5. Juni 928) und überließ die faktische Herrschaft einem Enkel seines Großonkels Hukbert, Hugo von Arles, dem späteren König von Italien. Sein Sohn Karl-Konstantinmußte sich auf die Grafschaft Vienne beschränken und die Oberhoheit des WELFEN Rudolf II. anerkennen.
Bosos Bruder Richard der Justitiar (+ 921) folgte diesem um 880 als Graf von Autun und begründete das Herzogtum Burgund. Aus der Ehe mit der WELFIN Adelaide gingen drei Söhne hervor: Rudolf (oo Emma, Tochter Roberts I.), der ihm als Herzog von Burgund nachfolgte und König von W-Franken wurde; Hugo der Schwarze, Graf und Markgraf, der einen Teil des Herzogtums und der burgundischen Gebiete jenseits der Saone besaß (936-952); ein Graf Boso, der 923 den Grafen von Verdun, Richwin, tötete. Ermengard, durch welche die Grafschaft Autun an Gilbert (Giselbert) von Vergy kam, war die Tochter Richards oder aber Rudolfs.
Aufgrund ihrer Heiratsverbindungen mit den KAROLINGERN traten die BOSONIDEN 879 als Erben der Nachkommen LOTHARS auf; dabei vermochten sie auf der anderen Seite, dauerhafte Herrschaftsbilduungen zu begründen.


Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken 1969, Seite 41

Stammtafel der BOSONIDEN und Verwandten der LIZUIDIS
 
 
 
 
 


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