Sohn des Herzogs
Richard I. von Burgund und der Adelheid
von Auxerre, Tochter von Graf Konrad II.
Thiele Andreas: Band II Teilband 1 Tafel 97
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"Erzählende genealogische
Stammtafeln"
Boso
war auch Graf von Provence und Arles. Er baute sich auch
in Lothringen Machtpositionen auf und wurde als Führer der französischen
Partei von Herzog Giselbert verjagt.
Ende 923 zog HEINRICH I.
über den Rhein, Metz wurde belagert und eingenommen, Graf Otto, der
Sohn des soeben durch Rudolfs
Bruder Boso ermordeten Richwin von
Verdun, trat auf seine Seite und gehörte seitdem zu den Anhängern
Giselberts.
Im Sommer 928 erschien der König
nochmals in Lothringen, wo er den widerspenstigen Grafen Boso,
Bruder
Rudolfs von Frankreich, zum
Gehorsam zurückgebracht hat.
Schwager, Helmut: Seite 93/94,101,106,108,126,132,136,138,142,151,156-158
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"Graf Heribert II. von Soissons"
Noch im Jahre 928 kam es nämlich im Herzogtum Lothringen
zu einem bedrohlichen Aufstand Graf Bosos (+ 935),
eines Bruders König Rudolfs, und
anderer Unzufriedener gegen den ostfränkisch-deutsche Herrschaft.
Verhandlungen König HEINRICHS I.
mit Graf Boso bewirkten schließlich
eine Beruhigung der Situation und eine allgemeine Versöhnung, die
aber für Graf Heribert II. negative Folgen haben sollte.
Natürlich wurde Rudolf
sofort im eigenen Herzogtum Burgund als Herrscher akzeptiert, so zum Beispiel
in Sens, Nevers, Macon, Chalon-sur-Saone, Auxerre und Autun. Daneben leisteten
ihm auch viele Lothringer, darunter Rudolfs
Bruder Graf Boso von Perthois (+ 935) sowie
die Bischöfe von Metz und Verdun, die Lehenshuldigung.
Anschließend hielt König
Rudolf am 8. April 924 einen großen Hoftag in Chalon-sur-Saone
ab, zu dem neben Königin
Emma, Erzbischof Seulf von Reims, Bischof Ansegis von Troyes
und Bischof Abbo von Soissons als Erzkanzler auch Graf Heribert II. und
Markgraf Hugo erschienen. Ebenfalls anwesend waren burgundische Aristokraten
wie Graf Boso von Perthois (+ 935)
und
Graf
Hugo der Schwarze (+ 952), die Brüder des Königs, die
Grafen Walo von Dijon (+ 924) und Giselbert von Autun (+ 956); Söhne
Graf Manasses I. des Älteren von Chalon (+ 918).
Anläßlich der Streitbereinigung zwischen dem
westfränkischen
Herrscher Rudolf und dem niederburgundischen Regenten Hugo
von Vienne wegen der Nachfolgeregelung in der Provence kam es
zugleich zu einer Eheverabredung (928 Hochzeit) zwischen Rudolfs
Bruder Graf Boso von Perthois (+ 935) und
der HUGONIDIN Bertha
(+ nach 965), der Nichte Graf Hugos von
Vienne und zukünftigen Gräfin von Arles und Avignon.
In Lothringen unternahmen nämlich Rudolfs
Bruder Graf Boso von Perthois (+ 935)
und andere lothringischen Grafen, unzufrieden mit der Herrschaft Herzog
Giselberts von Lothringen (+ 939) und dessen Schwiegervater König
HEINRICH I., einen gefährlichen Aufstand, was zu einer
militärischen Intervention des LIUDOLFINGERS
und gleichzeitigen Verhandlungen führte. Als Ergebnis dieser Gespräche
leistete
Graf Boso König
HEINRICH I. erneut den Treueid und versöhnte sich mit Herzog
Giselbert
Denn Anfang 929 entbrannte der Streit um den Besitz der
bereits im Jahre 928 verstorbenen KAROLINGERIN
Rothilde, der Tante Karls III. und
ehemaligen Schwiegermutter Markgraf Hugos von Neustrien, die das alte und
reiche Kloster Chelles als Äbtissin besessen hatte. Bevor nun der
ROBERTINER die Erbschaft antreten konnten, besetzte jedoch Graf
Boso im geheimen Übereinkommen mit seinem BruderKönig
Rudolf Chelles und seine Domänen. In den aufflackernden
Streit mischte sich jetzt auch Graf Heribert II. ein, und bald kam es zu
heftigen Kämpfen. Schließlich eroberte Markgraf
Hugo das karolingische Hauskloster
im April 929, während sein Schwager Graf Heribert sich an Bosos
Hauptfestung Vitry-en-Perthois schadlos hielt.
Ein zweiter Schlag traf aber Graf Heribert II. noch im
Jahre 930 mit der Rückeroberung von Vitry-en-Perthois durch
Graf
Boso persönlich, ja der Bruder des westfränkischen
Königs riß durch eine List sogar das Reimser Besitztum Mouzon
bei Sedan an sich. Allerdings nicht für lange! Konkret erwies sich
dies zu Weihnachten 930, als der HERIBERTINER
eine zufällige Abwesenheit
Graf Bosos
ausnutzte, um die Maas zu überschreiten und durch Verrat Mouzon zurückzuerobern,
wobei die lothringische Garnison gefangengesetzt wurde.
Nach ihren gemeinsamen Kämpfen gegen Graf Heribert
II. hatten sich nämlich Graf Boso von Perthois
und Herzog Giselbert von Lothringen zerstritten, weshalb der Reginar-Sohn
Bosos
Burg Doveren eroberte und sich mit dem HERIBERTINER
aussöhnte. Darufhin kündigte der BOSONIDE
erneut dem ostfränkisch-deutschen König
HEINRICH I. für seine lothringischen Lehen die Treue und
huldigte dagegen seinem Bruder König Rudolf.
Anschließend wandte sich Graf
Boso gegen seinen unmittelbaren
Nachbarn Bischof Bovo II. von Chalons-sur-Marne und brannte ihm die Bischofsstadt
Chalons nieder.
Denn bald befanden sich die Heere König
Rudolfs, Markgraf Hugos
und Graf Bosos im Spätherbst 931
bereits bei Cormicy nahe Reims, ja die königlichen Linien erstreckten
sich sogar bereits bis Bouffiguereux bei Laon.
Dort erreichte Rudolf
allerdings problemlos die Anerkennung durch Graf
Karl Konstantin, und da Rudolfs
Bruder Graf Boso von Perthois (+ 935)
mit Bertha (+ ca. 965), einer Nichte König
Hugos von Italien, verheiratet war, was ihm von 931 bis 935
den Besitz der niederburgundischen Grafschaften Arles und Avignon einbrachte,
muß man feststellen, daß der westfränkische König
in der Tat Nieder-Burgund beherrschte..
Schließlich kam es um den 8. Juni 935 an den Grenzen
beider Reiche am lothringischen Flüßchen Chiers, vielleicht
bei Sedan, zu einem großen "Gipfeltreffen". Sicher anwesend waren
König
HEINRICH I., der westfränkische
König Rudolf und König Rudolf
II. von Hoch-Burgund; weiterhin dürften noch der BOSONIDE
Graf Boso, Markgraf
Hugo und natürlich Graf Heribert II. anwesend gewesen sein.
Umgekehrt unterwarf sich der BOSONIDE Graf
Boso von Perthois dem ostfränkisch-deutschen König,
wofür er kurze Zeit später seine lothringischen Domänen
zurückerhielt.
Der BOSONIDE hatte
inzwischen auch seinen Bruder Graf Boso von Perthois,
seine wichtigste Stütze, auf dem ostfränkisch-deutschen Feldzug
gegen Markgraf Hugo verloren, wobei
also ironischerweise der lothringische Graf bei der Unterstützung
seines alten Todfeindes Graf Heribert II. sein Leben eingebüßt
hatte.
928
oo 1. Bertha von Tuszien, Tochter des Markgrafen
Boso
x um 910/15-18.8.965
Literatur:
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Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft
ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 65
- Barth Rüdiger E.: Der Herzog in Lotharingien im 10. Jahrhundert.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990 Seite 39 Anm. 1,60,67, 69
Anm.143a,72,74 Anm.170,79 Anm. 194,80,84,169,173, 188,193 - Diwald
Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches. Gustav
Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach 1987 Seite 336,269,514-
Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 36,40,42
- Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen.
Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10.
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Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch
Verlag München 1971 Seite 77,81,96 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche
Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 120 - Schwager, Helmut: Graf
Heribert II. von Soissons. Verlag Michael Lassleben Kallmünz/Opf.
1994 Seite 6,93/94,101,106,108,126,132,136,138,142,149,151,156-158,247-249,252,280-282,320,
324, 326/27,331/32, 335,389 -