Bardonen
 

Schölkopf Ruth
--------------------
"Die sächsischen Grafen 919-1024"

11. Die Bardonen

Vielleicht war Bardos Mutter jene Adred, mater Bardonis, die ihr Erbgut Soltau im Loingau HEINRICH I. wahrscheinlich in der Absicht übereignete, ihrem Sohn die Gnade des inzwischen König gewordenen HEINRICH zu erkaufen. Möglicherweise wurde erst über die Mutter der Name Bardo auf die markgräfliche Familie übertragen. Aus der Lage des Erbgutes kann man schließen, daß sie den sächsischen BARDONENentstammte. Zu diesen gehörte auch wohl jener Bardo, der ehemalige Lehnsträger des Hackelwaldes bei Kochstedt, den 941 Siegfried, Geros Sohn, von Lehnbesitz in Eigengurt umgewandelt erhielt. In der Folgezeit lassen sich Mitglieder dieser Familie nur an Hand der Corveyer Traditionen nachweisen. Kurz vor 980 tradierte ein Ricbert pro se et fratre suo Bardone Besitz in Venreder (wüst im Marstengau). Ob der Name Ricbertetwa auf eine Versippung mit den Harzgrafen verweist, bleibt offen. In dem Zeitraum von 984 -1001 erfolgten 3 weitere Traditionen durch diese Familie. So tradierte ein Bardo pro fratre suo Wybert in Pethe (im Raum von Osnabrück). Dieser Bardo wird wohl mit jenem Bardo identisch sein, der dem Kloster Hörigenfamilien in Tellmer (bei Hanstedt) und Beverbeck (in der Nähe Lüneburgs) pro patruo Walberto schenkte. Auch Waltbert tätigte für seinen Neffen (pro filio fratris) Bardo eine Güterschenkung in Langeleva (wüst bei Wolfshagen). Schließlich übereignete Bardo pro coniuge sua Alfred (Alfrad) Eigengut in Aldanthorpe (entweder Oldendorf, wüst bei Boffzen im Braunschweigischen oder Oldendorf, wüst bei Brakel).
Der mehrfach aufgeführte Bardo kann mit dem Grafen gleichen Namens personengleich sein, der als Zeuge bei einer Grenzbestimmung zwischen den Bistümern Hildesheim und Minden auftrat. In den Folgejahren führte er mehrere Rechtsgeschäfte mit dem Bischof von Hildesheim aus. Im Jahre 1001 schloß er mit Bernward von Hildesheim ein Tauschgeschäft ab, das sich auf nicht näher bestimmbare Güter zwischen Leine und Weser bezog. Die königliche Bestätigungsurkunde bezeichnete ihn als Bardo comes unus ex nostris fidelibus. 1013 erhielt Hildesheim das Gut Ledi (heute in Gronau, RB. Hildesheim aufgegangen), das dem König a Godefrido milite nostro Bardonis comitis filio übertragen worden war.
Vielleicht stammte auch jener Bardo, der zunächst Abt in Hersfeld war und dann von 1031 bis 1051 dem Bistum Mainz vorstand, aus dieser Familie.
Uslar-Gleichen sah in den BARDONEN Mitglieder des immedingischen Geschlechts. Der 856 im Kampf gegen die Sorben gefallene Graf Bardosoll ein Enkel des Sachsenherzogs Widukind sein. Er hielt den Bardo der Corveyer Traditionen zusammen mit Wicbert und Ricbert für Söhne des Gefallenen. Wicbert wurde mit dem von 880-903 amtierenden Bischof von Hildesheim identifiziert. Durch die von E. Schröder an den Corveyer Traditionen durchgeführte Datierungsmethode wurde die These von E. von Uslar-Gleichen hinfällig, da jetzt erst offensichtlich wurde, daß sein zeitlicher Ansatzpunkt fälschlich ungefähr 100 Jahre zu früh lag. Damit war zugleich die unmittelbare Abstammung der BARDONEN aus dem Geschlecht Widukinds in Frage gestellt. Aus Mangel an Quellenmaterial muß man den Versuch einer genauen Herkunftsbestimmung der BARDONENüberhaupt aufgeben. Es kann höchstens eine ungefähre Einfügung der nachweisbaren Mitglieder in ihnen nahestehende Sippenverbände erreicht werden. Wahrscheinlich waren die BARDONENnoch im 9. Jahrhundert eine Familienverbindung mit den LIUDOLFINGERN eingegangen. Gestützt wird diese Vermutung durch die von Sabine Krüger angeführte, aber nicht ausgewertete Traditionsnotitz über den Bardo comes, der zwischen 826 und 856 ipro remedio anime Liudolfi im Bardengau tradierte, was dort ein Liudolf besaß, mit Ausnahme des Besitzes seines Bruders (suus germanus) Cobbo. Der Name Liudolf wie auch die Besitzlage bestätigen die Beziehungen zu den LIUDOLFINGER. Die Besitztitel der BARDONEN im Bardengau selber, im Marstem- und Gudingau, dazu im Gebiet zwischen Leine und Weser knüpfen deutlich an die LIUDOLFINGER an. Allerdings ähnelte ihr Schicksal in vielem dem der liudolfingischen BRUNONEN, die wie sie durch den Ausfall einer Generation im Kampf gegen die Sorben übergangen wurden. Auch die BARDONENkamen nicht zum Aufbau einer überragenden Herrschaftsstellung. Im Bardengau, Loingau und Marstemgau wurden sie frühzeitig von den aufstrebenden BILLUNGERN zurückgedrängt. Möglicherweise waren sie mit der ekbertinischen Sippe - entweder unmittelbar oder über die LIUDOLFINGER - versippt. Man möchte das nicht nur aus dem ekbertinischen Leitnamen Cobbo schließen, sondern auch aus ihren Pertinenzien im westfälischen Raum, wie im Weita- und im Hessengau. Ihre Vogtei über das schon im 9. Jahrhundert unter ekbertinischem Einfluß stehende Kloster Corvey gibt ebenfalls zu denken.
Mit diesen Hinweisen müssen wir uns begnügen. Während sich die BRUNONEN Ende des 10. Jahrhunderts und vor allem im 11. Jahrhundert ihren Platz zurück erkämpften, blieben die BARDONEN in dieser ganzen Zeitspanne ein Geschlecht von untergeordneter Bedeutung.
 
 
 
 
 
 
 
 


Copyright 2002 Karl-Heinz Schreiber - http://www.genealogie-mittelalter.de