Einziger Sohn des Grafen
Arnulf II. von Flandern und der Rozala
von Italien, Tochter von König
Berengar II.
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1370
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Balduin IV. der Bärtige, Graf von Flandern
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+ 1035
Balduin war beim Tode
seines Vaters
Arnulf II. (988) minderjährig. Seine Mutter Susanna
heiratete
Robert II., Sohn und Mitkönig
Hugo
Capets, wurde aber verstoßen und verlor ihre Morgengabe,
den Seehafen Montreuil. Im Zuge der Aufrüstung der Grafschaft gegen
Frankreich 993 - zu einem Krieg kam es nicht - entstanden die flandrischen
Burggrafschaften; als Vorbild dienten möglicherweise kaiserliche Grenzmarken
im benachbarten Nieder-Lothringen. Kurz vor 1000 wandte sich Balduin
gegen
diese Reichsmarken und ihre Burgen (Valenciennes im Südosten,
Ename
im Osten), mit dem Ziel, die Herrschaft über den Grenzfluss Schelde
zu erringen. Diese Territorialpolitik führte schließlich zur
Gründung von Reichsflandern. Außerdem wuchs der Einfluss Flanderns
im Bistum Cambrai. Einen Angriff auf Valenciennes (1006) beantwortete
König
HEINRICH II. mit einem Gegenangriff auf Gent (1007). Innerlothringische
Schwierigkeiten zwangen HEINRICH jedoch
zur Belehnung Balduins mit Territorien an der Scheldemündung (vor
allem Walcheren 1012) und mit Valenciennes (1015). Die Zerstörung
der Burg Ename
1033 kann als Ausgangspunkt für die Hauptrichtung
der weiteren Bildung Reichsflanderns angesehen werden.
VIII. 38 a. BALDUIN IV., Graf von Flandern
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* ca. 980, + 1035 30. V..
Gemahlinnen: a) ca. 1012 Otgiva, Tochter des Grafen Friedrich
von Luxemburg (siehe IX 22)
+ 1030 21. II.
b) ca. 1031 N., Tochter Herzog Richards II. von der Normandie (siehe XI. 23)
Anmerkungen: Seite 127
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VIII. 38. Balduin IV.
siehe Vanderkindere I, 296f.
Die Heirat mit Otgiva muß vor ca. 1012 stattgefunden
haben (siehe IX 51). [VIIIa 51]
Korrektur: (Werner): Hier sind einzufügen die Enkel
von Arnulf I., Graf von Flandern, und Kinder seiner Tochter Hildegard
mit Theoderich II., Graf von Westfriesland, die Brandenburg auf Tafel 33
VIII 68-70 bringt.
G 55
Lü: 29.5. Balduuinus com + 1035 Graf von Flandern
Balduin ist der Enkel
der BILLUNGERIN Mathilde
(G 52), durch die verwandtschaftliche Verbindung des flandrischen
Grafenhauses mit den BILLUNGERN zustande kam.
Zu den weiteren Familienangehörigen im Lüneburger
Necrolog s. Kommentar G 32.
Balduin IV. (Vgl.
Vanderkindere, La formation territoriale, S. 296 f.) gehörte ebenfalls
zu den Adelskreisen, die gegen HEINRICH II.
in Opposition standen; HEINRICH II.
führte mehrere Feldzüge gegen ihn, wobei besonders der von 1020
interessant ist; vgl. oben SS: 120.
Zu den Einzelheiten s. auch Hirsch, Jbb. Heinrich II.
2, S. 9 ff. und 3,S. 171.
Balduin IV. Schönhaar folgte
987 unter französischer Vormundschaft, setzte sich sehr für einen
haltbaren Landfrieden in seinem Gebiet ein, führte andererseits doch
viele Fehden mit den Nachbarn, besonders Normandie und Holland. Nach dem
Tode des Herzogs Otto von Nieder-Lothringen
fiel Balduin im Bunde mit Reginar IV.
und Lambert von Löwen in den Hennegau ein und eroberte Valienciennes,
wurde aber 1007 in Aachen gezwungen, sich
HEINRICH
II. zu unterwerfen.
Balduin wurde mit
der Mark Valenciennes belehnt, womit "Reichsflandern" im Gegensatz
zu "Kronflandern", das französisches Lehen blieb, begründet wurde.
Er verstärkte mit dieser doppelten Vasallität seine Position,
unterstützte die kirchlichen Bestrebungen HEINRICHS
II. und erneuerte 1025 den Lehenseid für Reichsflandern
an Kaiser KONRAD II. Er eroberte "Vier
Ambachte" (= S-Seeland), Gent, Waasland und die Grafschaft Alost (= Aalst)
und stand gegen die dänischen Könige in England. Er griff 1031/32
zugunsten Roberts I. von Burgund in
den französischen Thronstreit ein und hinterließ eine gefestigte
Herrschaft, während der Herrschaft sich das städtische Wesen
und Gewerbe allmählich zu entwickeln begann.
Mohr Walter: Band I Seite 64
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen"
Die damaligen niederlothringischen Verhältnisse,
über die wir in den ersten Regierungsjahren HEINRICHS
II. sehr ungenügend unterrichtet sind, wurden zum guten
teil bestimmt durch das Streben des Grafen Balduin
IV. von Flandern, seinen Einfluß auf die Gebiete östlich
der Schelde auszudehnen. Das richtete sich zunächst gegen das Bistum
Cambrai und das Gebiet um Valenciennes. Im Jahre 1006 erfolgte ein Angriff
des Grafen und des jetzt mit ihm verbündeten Grafen Lambert von Löwen
auf Valenciennes, der zur Vertreibung des dortigen Grafen Arnulf
führte. Das rief die Gegenaktion König
HEINRICHS
hervor, die jedoch keinen Erfolg hatte. Nach stärkeren
militärischen Vorbereitungen schritt der König im Jahre 1007
zu einer neuen Aktion, die diesmal auf flämisches Gebiet führte,
wobei die Eroberung von Gent gelang, die dann den Grafen
Balduin zum Einlenken bestimmte. Er musste Valenciennes wieder
räumen, Graf Lambert von Löwen blieb nichts anders übrig,
als sich ebenfalls zu unterwerfen, er musste dem König seinen Sohn
als Geisel für sein weiteres Wohlverhalten stellen.
In dieser Zeit ist übrigens Valenciennes
dem Grafen von Flandern zugesprochen worden, wahrscheinlich als Belohnung
dafür, dass er in den Kämpfen zwischen Lambert von Löwen
und Herzog Gottfried von Nieder-Lothringen auf der Seite des Kaisers geblieben
war.
Jäschke Kurt-Ulrich: Seite 58,63
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"Die Anglonormannen"
Dem Übergewicht im Westen, das in seinen Beziehungen
zu dem Bretonen-Grafen Alan III. greifbar ist, entsprach im Osten das Anknüpfen
freundschaftlicher Beziehungen noch mit Graf Balduin IV. von Flandern.
Bereits seit 987/88 im Amt, hatte dieser die gräfliche Gewalt in Kortrijk-Courtrai
und Gent erfolgreich durchgesetzt und dabei Voraussetzungen für ein
Ausgreifen nach Nieder-Lothringen geschaffen, bei dem ihm wohl nicht zuletzt
die Wirtschaftskraft seines Landes zugute kam: Münzen auf seinen Namen
sind in N-Deutschland, Jütland und Rußland gefunden worden.
Seit 1009 konnte er sich als Doppelvasall des deutschen und des kapetingischen
Königs
betrachten. Demgegenüber scheint der flandrische Druck über die
Grafschaften Boulogne, Guines und Ponthieu, die eine Pufferzone zur Normandie
hin darstellten, nicht hinausgereicht zu haben, so daß sich Graf
Balduin IV. für kurze Zeit sogar am normannischen Fürstenhof
aufhalten konnte.
Seit 1030 hatte Graf Balduin IV. von Flandern
über Rückgriff auf ihre Strafbestimmungen gegen Friedensbruch
den Ausbau der öffentlichen Strafgewalt und damit der gräflichen
Herrschaft vorangetrieben.
Weinfurter, Stefan: Seite 183,194,222
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten."
Poppo, um 978 geboren, war im niederlothringischen Raum
aufgewachsen und hatte viele Jahre am Hof Graf Balduins IV. von Flandern
(988-1035) verbracht.
Eine weitere Nichte der Königin schließlich,
Otgiva,
heiratete den mächtigen Grafen Balduin IV. von Flandern (988-1035).
Aber auch in anderen Regionen gab es Berührungspunkte,
vor allem, als sich Graf Balduin IV. von Flandern (gest. 1035),
ein Vasall des französischen Königs, frühzeitig als gemeinsamer
gegner entpuppte. Dessen Mutter Susanna
(gest. 1003), die Tochter
König
Berengars II. von Italien, war in zweiter Ehe mit König
Robert II. verheiratet. Doch dieser verstieß sie 993 und
entzog ihr obendrein die Morgengabe, nämlich den für die flandrische
Herrschaft wichtigen Seehafen Montreuil mit seiner Burg. Zusammen mit ihrem
Sohn wehrte sie sich vehement gegen diese in ihren Augen ungerechte Behandlung.
Balduin
IV. begann darüber hinaus mit einer intensiven Konsolidierung
und Ausdehnung seines Machtbereichs mit dem Ziel, südlich der Schelde
in Lothringen Fuß zu fassen und dort zunehmenden Einfluß zentraler
Reichsburgen wie Valenciennes, Eename und Antwerpen zurückzudrängen.
Seit 1002 den Herrscherwechsel nutzend, richtete Balduin
IV. die Angriffe vor allem auf Valenciennes. Bei diesen Aktionen
schloß sich ihm Graf Lambert I. von Löwen an, der aus der Familie
der REGINARE stammte und zum hohen Reichsadel des Westens zählte.
Dessen Ansprüche auf das niederlothringische Herzogtum hatte HEINRICH
II. nach dem Tode Herzog Ottos von
Nieder-Lothringen 1005 nicht erfüllt, sondern die Herzogsgewalt
fürs erste in der eigenen Hand behalten - ein ähnlicher Fall
wie derjenige Heinrichs von Schweinfurt. Lambert, der als besonders gewalttätig
und skrupellos beschrieben wird, war empört und zog 1006 mit Balduin
IV. zur Eroberung von Valenciennes.
Diese Zuspitzung der Konflikte, vielelicht auch die burgundische
Frage, waren die Hauptgründe dafür, daß 1006 die beiden
Könige, HEINRICH II. und Robert
II., in der Gegend von Mezieres an der Maas, der Grenze der
Reiche, aufeinandertrafen. Ziel ward er Abschluß einer amicitia,
eines Freundschaftsbündnisses also auf Gleichrangigkeit. Dann begab
man sich gemeinsam zur Bekämpfung Balduins IV. von Flandern
und dessen Verbündeten, Lambert I. von Löwen. Die beiden Lehnsherrn
schlossen sich zusammen, um ihre Vasallen zu disziplinieren.
Der erste Kriegszug mißlang, denn manche der Bewohner
von Valenciennes hatten sich den Gegnern zugewandt und sich "schwer
versündigt". Enttäuscht und unverrichteter Dinge ging man auseinander.
Erst ein Jahr später, 1007, ließ sich Graf Balduin IV.
in die Knie zwingen. Er mußte sich bedingungslos in die Gewalt HEINRICHS
II. begeben und ihm "Genugtuung jeder Art" leisten, wie es heißt,
das besetzte Valenciennes räumen, Geiseln stellen udn durch
einen Eid versprechen, Treue und Frieden zu bewahren. Das war die Art der
Unterwerfung, die für HEINRICH II.
die Voraussetzung jeder weiteren Regelung bedeutete. Der französsiche
Lehnsmann hatte seine Autorität anerkannt, und darauf konnte die künftige
Zusammenarbeit aufgebaut werden. Durch die Heirat Balduins IV. mit
Otgiva,
einer Nichte der Königin Kunigunde,
sollte die Verbindung zum Königshaus noch verstärkt werden.
Wie sehr es HEINRICH II. auf
dieses Prinzip der gehorsamen Unterordnung und der Anerkennung der "königlichen
Ehre" (honor regius) ankam, zeigt sich gerade an diesem Beispiel
sehr gut: Ein paar Jahre später, nämlich 1012 (oder 1015?), zögerte
er nicht, Balduin IV. just dieses Valenciennes, um
das so erbittert gekämpft worden war, und dazu noch einige seeländische
Inseln, darunter die Halbinsel Walcheren, als Lehen zu überlassen.
1012
1. oo Otgiva von Luxemburg, Tochter des Grafen
Friedrich
-21.2.1030
1031
2. oo Eleonore von der Normandie, Tochter des
Herzogs Richard II.
-
Kinder:
1. Ehe
Balduin V.
um 1012-1.9.1067
2. Ehe
Judith
1031/32-5.3.1094
1051
1. oo Tostig Earl von Northumberland
-25.9.1066
2. oo Welf IV. Herzog von Bayern
1030/40-9.11.1101
Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im
Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der
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G 55 -
Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart
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Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 480/Band III Seite 324 - Douglas
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Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 92A,124,152A - Schnith
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- Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende
der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 183,194,222-