Bresslau, Harry: Band 1 Seite 396-399
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."

Das Haus der Aledramiden

§ 4. Die Linien von Aldissola, Bosco und Ponzona

1. [Albissola]

Ein Bruder Otberts I., des Stifters der Linie von Sezze war, wie wir uns erinnern (siehe oben Seite 393), Anselm II., den wir 1014 in Pavia anwesend fanden, und der 1017 nebst seiner Gemahlin Adelgida Güter an Bonifaz von Canossa verkaufte. Es hat alle Wahrscheinlichkeit für sich, daß er noch 1047 am Leben war: in einem Placitum, das damals der Königsbote Rainald zu Broni abhielt, erscheint ein Anselmus marchio neben Azzo II. von Este als Beisitzer, bei dem man am füglichsten an den unsrigen denkt. Sicher ist es weiter seine Familie, über die wir durch eine Urkunde von 1055 für Savigliano näher unterrichtet werden. Ausstellerin derselben ist Adila filia quond. Azonis marchio et relicta quond. Anselmiitemque marchio; ihr zur Seite stehen ihre beiden Söhne Anselm und Hugo, die nach salischem Recht leben, während die Mutter zu langobardischem Recht geboren ist. Es ist also nicht zu bezweifeln, daß wir in ihr die oben zu 1017 erwähnte Adelgida, die Gemahlin Anselms II. wiederfinden, und wir dürfen also Anselm III. und Hugo I. als Söhne Anselms II. unserer Stammtafel einreihen. Verfolgen wir zunächst die Nachkommen des letzteren weiter. Durch eine Urkunde von 1122 überträgt Welfo marchio filius quond. Ugonis marchio, der lege Salica lebt, sein castrum Albuzola (Albissola, zwischen Savona und Voltri) mit allem Zubehör dem Bischof von Savona. An einen ESTENSER zu denken, worauf der Name Welfs zunächst führen würde, verbietet das salische Recht des Markgrafen; und im Hause der ALEDRAMIDEN erklärt sich derselbe am leichtesten gerade bei einem Nachkommen Anselms II., dessen Gemahlin eine Tochter Azzos von Este war. Die Identität von Hugo, dem Vater Welfs, mit Hugo, dem Sohn Anselms III., beweist dann überdies noch ein anderes Dokument von 1136, durch welches Tederata filia quondam Costa et Ferraria quondam Welfi marchionis, welche letztere im weiteren Tenor als die Tochter des ersteren bezeichnet wird, der Kommune von Savona (an die also das Schloß vom Bischof gekommen sein muß) für Albissola huldigt; sie verspricht darin zugleich: "observare villanis, sicut faciebant Ugoni marchioni filio Anselmi ante quindecim dies quam moreretur." Der genealogische Zusammenhang ist dadurch sicher gestellt. Außerdem kenne ich nur noch zwei Urkunden, in welchem dieser Frauen gedacht wird; die eine ist ein Vertrag von 1135, durch welchen die Genuesen dem Markgrafen Aledram von  Ponzone) versprechen, daß sie "neque Tederadam neque filiam ejus in ihrer Compagna aufnehmen wollen; durch die zweite von 1139 unterwirft Ferraria ihr castrum Albissola der Kommune von Genua. Damit hört unsere Kunde von diesem Geschlecht auf.
 

        Anselm II. 1014-1047
               + vor 1055

      oo Adelgida, Tochter Azzos von Este
 

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 Anselm III. 1055                       Hugo I. 1055
 

                                                    ---
                                                  Welf  oo Tederada, Tochter des Costa
 

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                                                        Ferraria

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2. [Bosco]

Sicherer Ahnherr der Linie von Bosco (de Bosco oder Busco, nicht zu verwechseln mit Busca) ist ein Anselm, den wir als IV. bezeichnen müssen. Seine früheste Erwähnung fällt in das Jahr 1116, wo er als Anselmus de Busco einem Placitum HEINRICHS V. vom 3. April beiwohnt und als Anselmus marchio eine Urkunde desselben vom 22. Juni (23. Mai?) bezeugt). Zweifellos finden wir dann ihn zu 1127 oder 1128 bei Landulf von Mailand genannt; es heißt daselbst: Anselmus marchio dal Busco sei von König KONRAD, gegen den er erst Rebell war, begnadigt worden. 1132 privilegiert Papst Innocenz II. "venerabilis fratris nostri Azonis Aquensis episcopi et fratris ejus illustris viri Ansermi marchionis precibus inclinati" das Kloster zu Tiglieto "quod nimirum ab eodem marchione et matre sua nec non fratribus, filiis et uxoribus suis in eodem Aquensi episcopatu constat esse fundatum und bestätigt demselben insbesondere seine Besitzungen in loco qui Boschus dicitur sowie apud cstrum Varagii. 1135 endlich bei einem Vertrag zwischen Genua, Pavia und Novi verpflichtet sich die letztere Stadt zu Hilfsleistungen gegen jedermann "excepto si Januenses vel Papienses irent ad offendendam terram - marchionis Anselmi de Bosco." Wenn nun 1152 Manfredus filius quondam Anselmi et Guillielmus ejusdem Anselmi filius, ambo marchionis de Bosco, in ganz ähnlichen grundherrlichen Verhältnissen zu dem populus amundiensis stehen, wie 1106 die Tochter Widos II. von Sezze, so steht damit die Zugehörigkeit der Linie von Bosco zu unserem Geschlecht hinlänglich fest.
Nicht mit Sicherheit ermitteln läßt sich aber die Stelle, welche Anselm IV. in dem Stammbaum desselben anzuweisen ist. In dieser Beziehung würde die angeblich von 1131 stammende Fundationsurkunde von Kloster Tiglieto von Wichtigkeit sein. In derselben bezeichnet sich Anselmus marchio als Sohn b. m. Hugonis marchionis, nennt seine Gattin Adalasia filia Ubaldi und seine Söhne Wilhelm und Manfred und gibt an, daß sie alle zu salischem Recht leben; auch ein marchio Aledramus, den wir gleich wiederfinden werden, kommt darin vor. Man unterscheidet sich zwar dies Stück, das Moriondi von Sclavo empfangen hat, in einiger Hinsicht vorteilhaft von dessen sonstigen Machwerken; es gibt sich auch nicht für ein Original, sondern für eine Kopie von 1619 aus; auch San Quintino II, 42 scheint es für echt zu halten. Indessen bei dem Mißtrauen, dessen ich mich bei allen nur auf Sclavos Autorität fußenden Dokumenten nun einmal nicht erwehren kann, ziehe ich es vor, von der Benutzung desselben Abstand zu nehmen und lasse die Frage, ob Anselm IV. ein Sohn Hugos I. (oder was zu den Zeitverhältnissen vielleicht noch besser passen würde, eines gleichnamigen Sohnes desselben) war, offen.
Anselms IV. Bruder war der Bischof Azzo von Acqui, wie sich aus der oben angeführten Bulle Innocenz' II. ergibt. Auch seine Söhne Manfred und Wilhelm IV. haben wir schon kennengelernt. Von ihnen erscheint Manfred (Mainfredus de Bosco noch 1150 als Zeuge bei Wilhelm von Montferrat), während von Wilhelm IV. nichts weiter verlautet. Durch zwei Urkunden von 1180 erfahren wir, daß er damals schon verstorben war, mit Hinterlassung dreier Söhne, welche mit der auf ihrem Grund und Boden erbauten Stadt Alessandria, der Rechtsnachfolgerin von Gamondo einen Vertrag über ihre gegenseitigen Rechte und Pflichten abschließen. Diese drei Söhne sind Anselm V., Delfinus und Ardicinus. Von ihnen scheint der letztere zuerst gestorben zu sein; schon 1191 schließen die Herren von Nivalta mit Alessandria (Cäsarea) einen Vertrag, in welchem die Stadt sie gegen jedermann exceptis marchionibus de Bosco, scilicet Anselmo et Delfino, zu schützen verspricht, Ardicinus also nicht mehr genannt wird. Delfinus erscheint zuletzt 1210, in welchem Jahr auf seinem und seiner Gattin Johanna Befehl die Leute von Monteclaro der Stadt Alessandria huldigen; in einer Urkunde von 1223 wird ausdrücklich erwähnt, daß er tot und seine Burg dem Lehnsherren heimgefallen war: est infra dicto confines castrum Delphinum, quod est de jurisdictione et territorio Curiae Pareti, quia post decessum D. Delphini marchionis quondam debehat reverti et reddi dictum castrum Delphinum curiae et dominis Pareti. Erben hat er also nicht hinterlassen.

                   N. (Hugo

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         Azzo Bischof von Acqui                Anselm IV. von Bosco
                                                                   + vor 1152
 

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                                 Wilhelm IV.                                         Manfred 1150-1152
                                       + vor 1186
 

                       --------------+-----------------------
                Anselm V.      Delfinus             Ardicinus
                                           + vor 1223          + vor 1191

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3. [Ponzone]

In nächster Verbindung mit dem Zweig von Bosco steht der der Markgrafen von Ponzone. Das ergibt sich deutlich aus den 1212 auf Veranlassung Ottos von Bosco aufgenommenen Zeugenaussagen über gemeinschaftliche Besitzungen der beiden Linien, ferner aus den oben erwähnten Urkunden von 1152, 1180, in denen die Markgrafen von Bosco auch über Ponzone, sogar über das castrum Ponzonum Verfügungen treffen. Danach hat die Vermutung Moriondis, daß Aledram von Ponzone, den wir als den Stifter dieser Linie anzusehen haben, ein Bruder Anselms IV. von Bosco gewesen sei, um so mehr für sich, als wir aus der Bulle Innocenz II. für Tiglieto die Existenz mehrerer Brüder Anselms kennen. Im Jahr 11354 tritt Aledram in die Compagna von Genua ein - seine Mutter, deren Name leider nicht genannt wird, lebt damals noch; sonst wird seiner nur noch einmal in einer Urkunde seiner Enkel von 1192 gedacht. In ihr, die für die weitere Genealogie des Hauses wichtig ist, heißt es: dominus Henricus et Pontius, marchiones de Ponzone, confessi sunt, quod avus eorum D. Aledramus, et avia eorum D. Alaxa, item D. Ugo pater eorum, item D. Henricus et Petrus patrui eorum, omnes marchiones Ponzoni, investiverant consules Aquenses et commune cum vexillo de Ponzonu und so fort. Danach erhalten wir drei Söhne Aledrams: Hugo II., Heinrich II. und Peter, ferner zwei Söhne Hugos II.: Heinrich III. und Pontius. Hugo II. - deassen Name der Hypothese, wonach Anselm IV. von Bosco und Aledram von Ponzone Söhne eines Hugo wären, entsprechen würde - war nach 1178 Zeuge bei dem Bischof von Asti. In der Urkunde von 1192 erwähnen dann Heinrich und Pontius noch ihren consanguineus D. Petrinus quod. Jacobi, cujus paterni sunt testamentarii excutores. Jacob, den Vater dieses Petrinus, hält Moriondi für einen vierten Bruder Hugos II., also für einen Oheim von Heinrich und Pontius, sodaß also Petrinus ihr Vetter wäre. Indessen mit Rücksicht auf eine Urkunde von 1186, in welcher Henricus, Jacobus et Ponzo marchiones de Ponzono der Kommune Savona Freundschaft schwören, kann man Jakob, der zwischen Heinrich und Pontius genannt wird, nicht für einen Oheim, sondern nur für ihren Bruder halten; Petrinus war also ihr Neffe. Ich bemerke, daß damals schon Albissola in den Besitz der Markgrafen von Ponzone übergegangen sein muß, welche in dieser Urkunde homines nostri di Albuzola erwähnen; für unser genealogisches System ist das eine erwünschte Bestätigung; namentlich gewinnt die Vermutung, daß der Ursprung der Linien Albissola, Bosco, Ponzone gemeinsam auf Hugo I. zurückzuführen sei, abermals eine Stütze.

      Aledram 1135 oo Alaxa
 

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            Hugo II.                     Heinrich II.                Peter
                   + vor 1192                 + vor 1192                + vor 1192
 

    -----------+--------------------------------------------
 Heinrich III. seit 1186        Jakob             Poncius seit 1186
                                               + vor 1192
 
 

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                                       Petrinus



 
 


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