Das Haus der Aledramiden
§ 4. Die Linien von Aldissola, Bosco und Ponzona
1. [Albissola]
Ein Bruder Otberts
I., des Stifters der Linie von Sezze war, wie wir uns erinnern
(siehe oben Seite 393), Anselm
II., den wir 1014 in Pavia anwesend fanden, und der 1017 nebst
seiner Gemahlin Adelgida Güter an Bonifaz von Canossa verkaufte.
Es hat alle Wahrscheinlichkeit für sich, daß er noch 1047 am
Leben war: in einem Placitum, das damals der Königsbote Rainald zu
Broni abhielt, erscheint ein Anselmus
marchio neben Azzo II. von Este als Beisitzer, bei dem man am füglichsten
an den unsrigen denkt. Sicher ist es weiter seine Familie, über die
wir durch eine Urkunde von 1055 für Savigliano näher unterrichtet
werden. Ausstellerin derselben ist Adila filia quond. Azonis marchio
et relicta quond. Anselmiitemque
marchio; ihr zur Seite stehen ihre beiden Söhne Anselm
und
Hugo, die nach salischem Recht leben, während die Mutter
zu langobardischem Recht geboren ist. Es ist also nicht zu bezweifeln,
daß wir in ihr die oben zu 1017 erwähnte Adelgida, die
Gemahlin
Anselms
II. wiederfinden, und wir dürfen also Anselm III.
und
Hugo
I. als Söhne Anselms
II. unserer Stammtafel einreihen. Verfolgen wir zunächst die
Nachkommen des letzteren weiter. Durch eine Urkunde von 1122 überträgt
Welfo
marchio filius quond. Ugonis marchio, der lege Salica lebt,
sein castrum Albuzola (Albissola, zwischen Savona und Voltri)
mit allem Zubehör dem Bischof von Savona. An einen ESTENSER zu denken,
worauf der Name Welfs zunächst führen würde, verbietet
das salische Recht des Markgrafen; und im Hause der ALEDRAMIDEN
erklärt sich derselbe am leichtesten gerade bei einem Nachkommen Anselms
II., dessen Gemahlin eine Tochter Azzos von Este war. Die Identität
von Hugo, dem Vater Welfs, mit Hugo, dem Sohn Anselms
III., beweist dann überdies noch ein anderes Dokument von 1136,
durch welches Tederata
filia quondam Costa et Ferraria quondam
Welfi
marchionis, welche letztere im weiteren Tenor als die Tochter des ersteren
bezeichnet wird, der Kommune von Savona (an die also das Schloß vom
Bischof gekommen sein muß) für Albissola huldigt; sie
verspricht darin zugleich: "observare villanis, sicut faciebant Ugoni
marchioni filio
Anselmi ante quindecim dies quam moreretur."
Der genealogische Zusammenhang ist dadurch sicher gestellt. Außerdem
kenne ich nur noch zwei Urkunden, in welchem dieser Frauen gedacht wird;
die eine ist ein Vertrag von 1135, durch welchen die Genuesen dem Markgrafen
Aledram von Ponzone) versprechen, daß sie "neque Tederadam
neque filiam ejus in ihrer Compagna aufnehmen wollen; durch die zweite
von 1139 unterwirft Ferraria ihr
castrum Albissola der Kommune
von Genua. Damit hört unsere Kunde von diesem Geschlecht auf.
Anselm II.
1014-1047
+ vor 1055
oo Adelgida, Tochter Azzos
von Este
-------+-----------------------------------
Anselm III. 1055
Hugo I. 1055
---
Welf oo Tederada, Tochter des Costa
---
Ferraria
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2. [Bosco]
Sicherer Ahnherr der Linie von Bosco (de Bosco
oder Busco, nicht zu verwechseln mit Busca) ist ein Anselm, den
wir als IV. bezeichnen müssen. Seine früheste Erwähnung
fällt in das Jahr 1116, wo er als Anselmus de Busco einem Placitum
HEINRICHS
V. vom 3. April beiwohnt und als Anselmus marchio eine
Urkunde desselben vom 22. Juni (23. Mai?) bezeugt). Zweifellos finden wir
dann ihn zu 1127 oder 1128 bei Landulf von Mailand genannt; es heißt
daselbst: Anselmus marchio dal Busco
sei von König
KONRAD, gegen den er erst Rebell war, begnadigt worden. 1132
privilegiert Papst Innocenz II. "venerabilis fratris nostri Azonis Aquensis
episcopi et fratris ejus illustris viri Ansermi marchionis precibus
inclinati" das Kloster zu Tiglieto "quod nimirum ab eodem marchione et
matre sua nec non fratribus, filiis et uxoribus suis in eodem Aquensi episcopatu
constat esse fundatum und bestätigt demselben insbesondere seine Besitzungen
in loco qui Boschus dicitur sowie apud cstrum Varagii. 1135 endlich bei
einem Vertrag zwischen Genua, Pavia und Novi verpflichtet sich die letztere
Stadt zu Hilfsleistungen gegen jedermann "excepto si Januenses vel Papienses
irent ad offendendam terram - marchionis Anselmi de Bosco." Wenn
nun 1152
Manfredus filius quondam Anselmi et Guillielmus
ejusdem
Anselmi
filius, ambo marchionis de Bosco, in ganz ähnlichen grundherrlichen
Verhältnissen zu dem populus amundiensis stehen, wie 1106 die Tochter
Widos II. von Sezze, so steht damit die Zugehörigkeit der Linie
von Bosco zu unserem Geschlecht hinlänglich fest.
Nicht mit Sicherheit ermitteln läßt sich aber
die Stelle, welche Anselm IV. in dem Stammbaum desselben anzuweisen
ist. In dieser Beziehung würde die angeblich von 1131 stammende Fundationsurkunde
von Kloster Tiglieto von Wichtigkeit sein. In derselben bezeichnet sich
Anselmus
marchio als Sohn b. m. Hugonis marchionis, nennt seine Gattin
Adalasia filia Ubaldi und seine Söhne Wilhelm und Manfred
und
gibt an, daß sie alle zu salischem Recht leben; auch ein
marchio
Aledramus, den wir gleich wiederfinden werden, kommt darin vor. Man
unterscheidet sich zwar dies Stück, das Moriondi von Sclavo empfangen
hat, in einiger Hinsicht vorteilhaft von dessen sonstigen Machwerken; es
gibt sich auch nicht für ein Original, sondern für eine Kopie
von 1619 aus; auch San Quintino II, 42 scheint es für echt zu halten.
Indessen bei dem Mißtrauen, dessen ich mich bei allen nur auf Sclavos
Autorität fußenden Dokumenten nun einmal nicht erwehren kann,
ziehe ich es vor, von der Benutzung desselben Abstand zu nehmen und lasse
die Frage, ob Anselm IV. ein Sohn Hugos I. (oder was zu den
Zeitverhältnissen vielleicht noch besser passen würde, eines
gleichnamigen Sohnes desselben) war, offen.
Anselms IV. Bruder war der Bischof Azzo von
Acqui, wie sich aus der oben angeführten Bulle Innocenz' II. ergibt.
Auch seine Söhne Manfred und Wilhelm IV. haben wir schon
kennengelernt. Von ihnen erscheint Manfred (Mainfredus de Bosco
noch 1150 als Zeuge bei Wilhelm von Montferrat), während von
Wilhelm
IV. nichts weiter verlautet. Durch zwei Urkunden von 1180 erfahren
wir, daß er damals schon verstorben war, mit Hinterlassung dreier
Söhne, welche mit der auf ihrem Grund und Boden erbauten Stadt Alessandria,
der Rechtsnachfolgerin von Gamondo einen Vertrag über ihre gegenseitigen
Rechte und Pflichten abschließen. Diese drei Söhne sind Anselm
V., Delfinus und Ardicinus. Von ihnen scheint der letztere
zuerst gestorben zu sein; schon 1191 schließen die Herren von Nivalta
mit Alessandria (Cäsarea) einen Vertrag, in welchem die Stadt sie
gegen jedermann exceptis marchionibus de Bosco, scilicet
Anselmo et
Delfino,
zu schützen verspricht, Ardicinus also nicht mehr genannt wird.
Delfinus
erscheint zuletzt 1210, in welchem Jahr auf seinem und seiner Gattin Johanna
Befehl die Leute von Monteclaro der Stadt Alessandria huldigen; in einer
Urkunde von 1223 wird ausdrücklich erwähnt, daß er tot
und seine Burg dem Lehnsherren heimgefallen war: est infra dicto confines
castrum Delphinum, quod est de jurisdictione et territorio Curiae
Pareti, quia post decessum D. Delphini marchionis quondam debehat
reverti et reddi dictum castrum
Delphinum curiae et dominis Pareti.
Erben hat er also nicht hinterlassen.
N. (Hugo
----+---------------------------------------
Azzo
Bischof von Acqui
Anselm IV. von Bosco
+ vor 1152
----------------------+---------------------------
Wilhelm IV.
Manfred 1150-1152
+ vor 1186
--------------+-----------------------
Anselm V. Delfinus
Ardicinus
+ vor 1223 + vor
1191
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
3. [Ponzone]
In nächster Verbindung mit dem Zweig von Bosco steht der der Markgrafen von Ponzone. Das ergibt sich deutlich aus den 1212 auf Veranlassung Ottos von Bosco aufgenommenen Zeugenaussagen über gemeinschaftliche Besitzungen der beiden Linien, ferner aus den oben erwähnten Urkunden von 1152, 1180, in denen die Markgrafen von Bosco auch über Ponzone, sogar über das castrum Ponzonum Verfügungen treffen. Danach hat die Vermutung Moriondis, daß Aledram von Ponzone, den wir als den Stifter dieser Linie anzusehen haben, ein Bruder Anselms IV. von Bosco gewesen sei, um so mehr für sich, als wir aus der Bulle Innocenz II. für Tiglieto die Existenz mehrerer Brüder Anselms kennen. Im Jahr 11354 tritt Aledram in die Compagna von Genua ein - seine Mutter, deren Name leider nicht genannt wird, lebt damals noch; sonst wird seiner nur noch einmal in einer Urkunde seiner Enkel von 1192 gedacht. In ihr, die für die weitere Genealogie des Hauses wichtig ist, heißt es: dominus Henricus et Pontius, marchiones de Ponzone, confessi sunt, quod avus eorum D. Aledramus, et avia eorum D. Alaxa, item D. Ugo pater eorum, item D. Henricus et Petrus patrui eorum, omnes marchiones Ponzoni, investiverant consules Aquenses et commune cum vexillo de Ponzonu und so fort. Danach erhalten wir drei Söhne Aledrams: Hugo II., Heinrich II. und Peter, ferner zwei Söhne Hugos II.: Heinrich III. und Pontius. Hugo II. - deassen Name der Hypothese, wonach Anselm IV. von Bosco und Aledram von Ponzone Söhne eines Hugo wären, entsprechen würde - war nach 1178 Zeuge bei dem Bischof von Asti. In der Urkunde von 1192 erwähnen dann Heinrich und Pontius noch ihren consanguineus D. Petrinus quod. Jacobi, cujus paterni sunt testamentarii excutores. Jacob, den Vater dieses Petrinus, hält Moriondi für einen vierten Bruder Hugos II., also für einen Oheim von Heinrich und Pontius, sodaß also Petrinus ihr Vetter wäre. Indessen mit Rücksicht auf eine Urkunde von 1186, in welcher Henricus, Jacobus et Ponzo marchiones de Ponzono der Kommune Savona Freundschaft schwören, kann man Jakob, der zwischen Heinrich und Pontius genannt wird, nicht für einen Oheim, sondern nur für ihren Bruder halten; Petrinus war also ihr Neffe. Ich bemerke, daß damals schon Albissola in den Besitz der Markgrafen von Ponzone übergegangen sein muß, welche in dieser Urkunde homines nostri di Albuzola erwähnen; für unser genealogisches System ist das eine erwünschte Bestätigung; namentlich gewinnt die Vermutung, daß der Ursprung der Linien Albissola, Bosco, Ponzone gemeinsam auf Hugo I. zurückzuführen sei, abermals eine Stütze.
Aledram 1135 oo Alaxa
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Hugo II.
Heinrich II.
Peter
+ vor 1192
+ vor 1192
+ vor 1192
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Heinrich III. seit 1186
Jakob
Poncius seit 1186
+ vor 1192
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Petrinus