Sohn des N.N.; Bruder des Alamannen-Königs
Gundomadus
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1365
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Vadomar (Vadomarius)
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Alemannischer Stammeskönig zusammen mit seinem Bruder Gundomad (Amm. 14,10,1) östlich des Oberrheins (18,2,16). Nach Friedensschluß mit Constantius II. 354 und Gundomads Tod Alleinherrscher, hielt sich Vadomar in den Kämpfen mit Julian 357 zurück, übernahm aber in den folgenden Jahren mehrfach Vermittlertätigkeit zwischen diesem und den Alamannen. Vor allem dem Kaiser verbunden, unternahm er nach Julianus' Usurpation 360 kriegerische Aktionen gegen diesen, wurde jedoch verhaftet und nach Spanien verbannt. Unter Valens erscheint Vadomar als militärischer Befehlshaber im Kampf gegen den Usurpator Prokopius (Amm. 26,8,2) und trug 371 wesentlich zum Sieg bei Vagabanta über die SASANIDEN bei. Der Zeitpunkt seiner Erhebung zum dux Phoenices ist unbekannt. Vadomars Sohn und offensichtlicher Nachfolger in der Heimat, Vithicab, wurde 368 durch Valentinian I. ermordet.
Literatur:
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RE VII A, 2065 - L. Schmidt, Gesch. der Westgermanen,
II, 1940, 30ff. - J. Szidat, Hist. Komm. zu Ammianus Marcellinus XX-XXI,
1981, 91.
Es fehlten aber auch die königlichen Brüder
Macrian
und Hariobaud, die über die Bucinobanten
herrschten sowie die Brüder Gundomad
und Vadomar, die den alemannischen
Völkern im nördlichen beziehungsweise im südlichen Breisgau
vorstanden. Diese hatten drei Jahre zuvor (354) vom Kaiser einen Friedensvertrag
erbeten und auch erhalten. Offensichtlich waren die Breisgauer aber mit
der Friedfertigkeit ihrer Könige nicht einverstanden; denn Gundomad,
der "mächtiger und treuer" war als sein Bruder, wurde von den Seinen
ermordet, und die Leute des Vadomar
schlossen sich "dem Haufen der nach Krieg schreienden Barbaren - gegen
seinen Willen, wie er versicherte - an".
Vithicablöste
seinen Vater Vadomar
in der Herrschaft
im Breisgau nicht erst nach dessen Tod ab, sondern bereits zu dessen Lebzeiten.
Um die drohende Gefahr einer Usurpation durch den Caesar
Julianus zu bannen, ermunterte der Kaiser den Alemannen-König
Vadomar, der nach dem Tode seines Bruders Gundomad
allein über den Breisgau herrschte, zu Einfällen in die linksrheinischen
Gebiete, die Julian in Gallien binden sollten. Zugleich forderte er von
seinem Caesar Hilfstruppen an, um einen Feldzug gegen Persien durchführen
zu können. Die Soldaten weigerten sich jedoch, ihre Angehörigen
zu verlassen und erhoben Julian im
Winterquartier in Paris zum Kaiser. Den Plan, die Entscheidung im Kampf
mit dem amtierenden Kaiser zu suchen, mußte
Julian vorerst zurückstellen, da ihn neue Alemanneneinfälle
daran hinderten. Die Vermutung, der Kaiser habe den Alemannen-König
schriftlich zum Einfall ermuntert, bezeichnet selbst Ammian als "das Gerücht
eines einzelnen". Tatsache aber ist, daß "die Alemannen vom Gau des
Vadomarius",
die wegen ihres mit Constantius geschlossenen
Vertrages 357 nicht an der Schlacht bei Straßburg teilgenommen hatten
und "von denen man nach dem Vertragsabschluß nichts Böses erwartete",
im Frühjahr 360 die an Raetien angrenzenden Gebiete überfielen
und plündernd umherzogen. Der Feldzug eines gewissen Libino, den Julian
zur raschen Bereinigung der Sache mit zwei Auxiliartruppen losschickte,
endete bei Sanctio (Besancon?), mit einem Mißerfolg. Allerdings gelang
es den römischen Wachposten, einen Boten des Vadomar
an Constantius abzufangen. Dieser führte
ein Schreiben des Breisgaukönigs bei sich, in dem er dem Kaiser
mitteilte: "Dein Caesar hält keine Disziplin". Damit war Vadomar,
der sonst Julian schmeichelnd "beständig
in seinen Briefen 'Herr' und 'Augustus' und 'Gott' nannte", des Doppelspiels
überführt. Als er sich nichtsahnend auf linksrheinischem Gebiet
zu einem Freundschaftsmahl im königlichen Lager einfand, ließ
Julian
ihn festnehmen. Konfrontiert mit dem verräterischen Schreiben "gab
er bald jede Hoffnung auf Verzeihung auf". Erstaunlich ist die abschließende
Bemerkung Ammians: "Man machte ihm nicht einmal Vorwürfe und schickte
ihn nach Spanien".
Vadomar machte
später im Osten unter Kaiser Jovian (363-364)
eine
ehrenvolle Militärkarriere im römischen Heer und wurde zum Herrn
(dux) der Grenzprovinz Phoenice ernannt. Sein unaufrichtiger Charakter
wird als Grund dafür angegeben, daß er aus dieser Stellung wieder
verdrängt wurde. Stattdessen bekleidete er unter Kaiser
Valens (364-378) das Amt eines "Generals zur besonderen Verwendung".
Als solcher bekämpfte er im Jahre 365 in Bithynien den Usurpator
Procopius. In einer ähnlichen Sondermission ist er dann
nochmals 373 auf einem Feldzug gegen die Perser in Mesopotamien nachweisbar.
354
Kaiser Constantius II.
schließt nach erfolgreichem Kampf gegen Alamannen bei Augst mit den
Königen des Breisgau, den Brüdern Gundomadus
und Vadomarius, einen Friedensvertrag
und nimmt daraufhin den Siegerbeinamen Alamannicus Maximus an.
Literatur:
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Geuenich Dieter: Geschichte der Alemannen. W.
Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1997 Seite 44-46,50-55-113-154
- Marcellinus Ammianus: Römische Geschichte Akademie-Verlag
GmbH Berlin 1971 Band I Buch 14 Kapitel 10 Absatz 1; Buch 18
Kapitel 12 Absatz 18; Buch 21 Kapitel 3 Absatz 4,5 Kapitel 4 Absatz
3,5 ; Buch 29 Kapitel 1 Absatz 2 -