Sohn des Herzogs N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1160
********************
Butilin, Alemannenherzog
---------
Kann als frühester merowingischer Amtsträger alemannischer Herkunft gelten. Die Nachrichten über ihn setzen bald nach der Abtretung alemannischer Gebiete durch die Ostgoten an das Frankenreich (536/37) ein; 539 war Butilin an dem Feldzug König Theudeberts I. nach Italien beteiligt, mit dem dieser in die ostgotisch-oströmischen Kämpfe eingriff. 553/54 unternahmen Butilin und sein Bruder Leutharis als ostgotische Bundesgenossen auf eigene Faust einen weiteren Kriegszug durch ganz Italien, während sich König Theudebald I. mit Rücksicht auf Byzanz zurückhielt. Das Unternehmen endete mit der Niederlage und dem Tod Butilins in der Schlacht gegen den byzantinischen Feldherrn Narses bei Capua. - Über die Stellung des dux Francorum Butilin in Alemannien gibt es keine Zeugnisse; insofern ist strittig, ob er als "Stammesherzog" angesprochen werden kann. Vermutlich lag sein Tätigkeitsfeld links des Rheins im alemannisch-burgundischen Grenzraum.
Literatur:
------------
E. Zöllner, Geschichte der Fraken bis zur Mitte
des 6. Jh., 1970 - B. Behr, Das alem. Hzm. bis 750 (Geist und Werk der
Zeiten 41), 1975 - H. Keller, Frk. Herrschaft und alemann. Hzm. im 6. und
7. Jh., ZGOP 124, NF 85,1976, 1-30.
"Diese beiden Männer waren Brüder und der Abstammung
nach Alemannen, hatten aber großen Einfluß bei den Franken",
so charakterisiert Agathias die Herkunft und Stellung der Heerführer
Leuthari(s)
und Butilinus.
Entsprechend gelten
sie als die beden ersten Herzöge der Alemanen, die ihrer Amtsgewalt
vom Franken-König erhalten haben. Sie scheinen als "Amtsträger
der MEROWINGER", "fränkische Amtsherzöge"
im Gebiet der Alamannia gewesen zu sein. Bruno Behr folgerte aus einer
eingehenden Analyse des Berichts über den Italienfeldzug der beiden
Brüder im Jahre 553/54 jedoch, daß sie "eher als fränkische
Heerführer alemannischer (Adels-)Abstammung, denn als alemannische
Herzöge an fränkischer Kandare" zu bezeichnen seien. Denn ihre
alemannische Herkunft ermöglichte es Agathias, die Schuld an dem schließlich
gescheiterten Kriegszug gegen den römischen Feldherrn Narses von den
Franken abzulenken und den Alemannen anzulasten. Die beiden Brüder
hätten sich von den Goten zu diesem Unternehmen gegen die Römer
verleiten lassen, obwohl es "ihrem König
(Theudebald I. 548-555) gar nicht paßte", will uns der
byzantinische Geschichtsschreiber glauben machen.
In der Tat bezeichnen die anderen Quellen, die von diesemn
Feldzug berichten, ihn als fränkisches Unternehmen und ihren Anführer
Buccelenus,
der dort unter dieser Namensform und ohne seinen Bruder Leuthari
genannt wird, als "Frankenherzog" (dux Francorum). Vermutlich handelte
es sich um einen fränkischen Eroberungszug mit alemannischer Beteiligung,
den Agathias in seinen Historiae in ein alemannisches Unternehmen
umdeuten wollte, um die Franken in einem besseren Licht erscheinen zu lassen
und als potentielle Bündnispartner für Byzanz zu empfehlen.
Wir können hier die Frage, ob und inwieweit Leuthari
und Butilin im Auftrag des Franken-Königs
Theudebald Italien von der Poebene bis zur Meerenge von Messina
unsicher gemacht haben oder "auf eigene Rechnung Krieg führten" (Otto
Feger), offenlassen. Jedenfalls war dies der letzte Eroberunsversuch südlich
der Alpen, an dem Alemannen beteiligt waren. Butilin/Buccelenus
begegnet übrigens auch in der Chronik des Marius von Avenches (530-594)
an zweiter Stelle einer Reihe von als dux Francorum betitelten
Amtsträgern, die für das Gebiet der Diözese Avenches zuständig
waren. Versucht man beide Erwähnungen im Zusamemnhang zu sehen, so
könnten die Brüder durchaus beide zur gleichen Zeit Herzöge
in Alemannien gewesen sein: ersterer in einem Bereich, der auch die Diözese
Avenches umschloß, und letzterer möglicherweise in einem weiter
östlich oder nördlich gelegenen Bereich der Alamannia.
Zöllner Erich: Seite 90,91,98-101,150
***********
"Geschichte der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts"
Die Gepiden unternahmen einen erfolgreichen Vorstoß
ins aurelianische Dacien, während der Franken-König mit einem
Heer, das nach der wohl übertreibenden Angabe Prokops 100.000 Mann
stark war, über einen der W-Alpenpässe in Italien einrückte
und durch die Provinz Ligurien auf Pavia marschieret. Die Goten unter Uraja
gaben den Weg über den Po frei; die Menschenopfer, welche die noch
nicht oder nur oberflächlich dem Christentum gewonnenen fränkischen
(oder eher alamannischen?) Krieger beim Flußübergang darbrachten,
riefen bei den Goten freilich Entsetzen und Abscheu hervor. Bald sollte
sich auch in drastischer Weise zeigen, daß die ungestümen Eindringlinge
ihre eigenen Pläne verfolgten; so griffen sie nach dem Poübergang
nacheinander die Goten und die nicht minder überraschten Byzantiner
an, zersprengten beide Heere, plünderten ihre Lager, eroberten Genua
und verwüsteten weiterziehend die Aemilia. Verpflegungsschwieirigkeiten
und der Ausbruch einer schweren Seuche, die etwa ein Drittel der Mannschaften
gekostet haben soll, veranlaßten Theudebert
zum Rückzug. Der byzantinische Befehlshaber Belisar drohte mit der
Rache des Kaisers und nach einem byzantinischen Gewährsmann ist es
dann zu einer Art Waffenstillstand gekommen; die Franken haben aber weiterhin
liturgische und alpine Grenzgebiete besetzt gehalten. Wir besitzen über
diese Ereignisse verschiedene Nachrichten von Prokop, Paulus Diaconus und
Jonas von Susa. Prokop berichtet über Theudeberts
Machtstellung in der Provinz Liguriens, den Alpes Cottiae und dem später
eroberten Venetien; Paulus nennt die Herzöge
Butilin und Aming, Jonas Butilin
und Mummolen als fränkische Befehlshaber Theudeberts
in Italien, man wird auch auf den Herzog Lanthacarius hinweisen dürfen,
der nach Marius von Avneches 548 im Kampf mit den Römern gefallen
ist.
Jetzt endlich gelang es aber endlich, aktive Unterstützung
aus dem Frankenreich zu erlangen; die alamannischen Herzoge Leuthari
und Butilin, angeblich zwei Brüder,
zogen mit starken Kräften, genannt werden 75.000 Mann, über die
Alpen. Es ist wohl kein Zweifel, daß Theudebald
dieser
Expedition zugestimmt hat; in Verfolgung der bisher eingeschlagenen Taktik
vermied es das fränkische Königtum aber, in der antibyzantinischen
Politik eine sichtbare Führerrolle zu übernehmen. Während
Narses in der Toskana von den Goten noch gehaltene Kastelle belagerte,
forcierten die beiden Heerführer den Po und schlugen eine oströmische
Heeresabteilung bei Parma im Herbst 553 aufs Haupt. Diese Erfolg bot den
Anlaß zum Anschluß der Goten in den Provinzen Ligurien, Aemilia
und den Nachbargebieten an die fränkisch-alamannischen Scharen.
Der Erfolg gegen eine plündernde Schar von 2.000
Franken bei Ariminum hatte noch keine große Bedeutung. Im Frühjahr
554 zogen Leuthari
und Butilin nach S-Italien. Als die
Scharen der beiden Heerführer in Samnium angelangt waren, teilten
sie sich; Butilin zog mit der Hauptmacht
die tyrrhenische Küste entlang bis zur Straße von Messina, während
Leuthari
Apulien und Kalabrien verheerte. Es kam zu argen Kirchenfreveln, doch beteuert
Agathias, dies sei nur das Werk der noch heidnischen Alamannen gewesen.
Leuthari
marschierte bei Sommerbeginn nach N zurück und riet auch dem Bruder
zum Abbruch der Heerfahrt. Auf dem Rückmarsch erlitt Leuthari
bei einem Zusammenstoß mit einem von Pisaurum (Pesaro) kommenden
byzantinischen Korps bei Fanum (Fano) empfindliche Verluste, viele Gefangene
gewannen die Freiheit und auch ein großer Teil der Beute ginge verloren.
Der Weitermarsch verlief ohne Zwischenfälle, bis man in das seit längerer
Zeit fränkisch besetzte Venetien gelangte. Hier brach eine heftige
Seuche aus, der Leuthari
und nach dem maßlos übertriebenen Bericht des Agathias auch
alle Krieger zum Opfer fielen; daß das Heer furchtbar dezimiert wurde,
wird man indessen nicht bezweifeln können. Butilinhatte
die Aufforderung des Bruders, gleichfalls den Rückzug anzutreten,
abgelehnt und marschierte im Herbst 554, nachdem auch er recht erhebliche
Teile seiner Mannschaft durch eine ruhrartige Seuche verloren hatte, nach
N, um Narses, der in der Gegend von Rom sein Heer sammelte, zum Kampf zustellen.
Nahe von Capua, am Flusse Casilinus (Volturno), schlug Butilin
seine Wagenburg auf, die er durch den Fluß genügend gedeckt
glaubte. Sein Heer war nach den Angaben unseres Gewährsmannes Agathias
etwa 30.000 Mann stark, während die Oströmer 18.000 Kämpfer
zählten; diese Zahlen sind naturgemäß zweifelhaft Das fränkisch-alamannische
Heer hörte von einer Meuterei der herulischen Söldner im Feindeslager,
wollte die Gelegenheit ausnützen und ging ungestüm in seiner
gewohnten keilförmigen Schlachtordnung zum Angriff über. Das
römische Zentrum wurde rasch durchbrochen, doch dann unternahm Narses
mit Hilfe der auf den Flügeln seines Heeres aufgestellten Reiterei
ein Einschließungsmanöver und der Frontalstoß der Franken
kam vollends zum Stehen, als die Heruler schließlich doch ihre Plätze
im Heere des Narses einnahmen. Von allen Seiten umfaßt, erlitten
die Franken schwerste Verluste; Butilin
fiel im Kampf, viele Flüchtlinge ertranken im Volturno, nur fünf
Mann sollen nach Agathias dem Gemetzel entronnen sein, während er
die byzantinischen Verluste mit 80 Toten angibt; wieder ist die Übertreibung
deutlich; die Niederlage des fränkisch-alamannischen Heeres war aber
jedenfalls furchtbar auch Marius von Avenches spricht von dem Untergang
des ganzen Heeres.
Zum Jahre 539 werden die Herzoge
Butilin, Mummolen, Aming und Lanthacarius als Befehlshaber über
Theudeberts
Heer in Italien genannt; besonders charakteristisch ist die Ausdrucksweise
des allerdings später schreibenden Jonas von Susa, Theudebert
habe Mummolen und Butilin geschickt "quibus summam bellorum commiserat".
Literatur:
------------
Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988 Seite 38,100,101 - Geuenich,
Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin
Köln 1997, Seite 93,113,158 - Zöllner Erich: Geschichte
der Franken bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Verlag C. H. Beck München
1970 Seite 91,98-101,141,150-152,154,162,171 -