Sohn des N.N.
Reinhard Schneider: Seite 10,247,252
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„Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter“
Erster König sei Agelmund
gewesen, der Sohn Agios [25 Die Frage, ob schon aus
chronologischen Gründen Agelmund
überhaupt ein Sohn Agios gewesen sein konnte (siehe etwa Wenskus,
Stammesbildung 489), kann hier außer acht bleiben, da für die
vorliegende Fragestellung besonders das historische Selbstverständnis
der Langobarden relevant ist. Sie Annahme, zwischen Agio und Agelmund
läge
"rund ein halbes Jahrtausend" (Wenskus 489 - H. Wolfram, Methodische Fragen
zur Kritik am "sakralen" Königtum germanischer Stämme, in: Festschrift
O. Höfler II (1968) 473, macht daraus schon "ein halbes oder gar ein
ganzes Jahrtausend" -), liegt noch die inzwischen von Hachmann bestrittene
These von der skandinavischen Herkunft des Langobarden-Stammes zugrunde.
- Der Titel von Paulus I, 14 Seite 46, 18f lautet: Quia,
mortuis
Ibor et Aione ducibus, Langobardi primum regem Agelmundum
habuerunt.], aus dem berühmten Geschlecht der GUGINGER
[26 Paulus I, 14 Seite 54.]. Weitere Nachrichten über diese
Königserhebung fehlen fast ganz [27 Vgl. aber Prosperi Tironis
epitoma Chronicon a. 589 (AA 9 Seite 498), wo der Schritt zum Stammeskönigtum
durch den Verlust der Herzöge motiviert erscheint.], aber wie bei
der Wendung ordinare super de duces darf bei dem regem sibi statuere
mindestens von einer Mitwirkung der "Langobardi" beim jeweiligen
Erhebungsakt ausgegangen werden.
Während eines Feldzuges gegen die Bulgaren (Hunnen)
[28 J. Werner, Langobarden 9.] wird das langobardische Lager nachts
plötzlich vom Feinde überfallen und mit vielen anderen König
Agelmund
erschlagen,
seine einzige Tochter in die Gefangenschaft entführt [29 Paulus
I, 16 Seite 55f. Die These von Grierson Seite 17, Agelmunds
Tochter hätte ihm als Erbin folgen sollen, weil er keine Söhne
besaß, ist in dieser Form nicht haltbar.]. Noch im Felde erheben
kurz darauf die am Leben gebliebenen Langobarden [30 Paulus I, 17
Seite 56. Besonders deutlich Andreas von Bergamo, Hist. 1, SS rer. Langob.
Seite 221. ] Agelmunds Ziehsohn
Laiamicho
(Lamissio), den der König einst
als uneheliches Findelkind [31
Der in der Origo (Seite 3, 5) stehende
Hinweis: Laiamicho ex genere Gugingus
weist allerdings auf vornehme Abkunft väterlicherseits, während
Paulus I, 14 Seite
54 von der Mutter als einer quaedam meretrix
spricht. Zusammen mit einem späteren Königskatalog (ex cod. S.
Faustini, SS rer. Langob. Seite 503), der Lamusi nothus verzeichnet,
läßt die Nachricht der Origo auf ein uneheliches Kind aus dem
Geschlecht der GUGINGER - aber nicht
Agelmunds - schließen.] hatte
aufziehen lassen, zu seinem Nachfolger (sibi regem constituerunt)
[32 Paulus I, 17 Seite 56; Heeres- und Wahlversammlung dürfen
bei dieser Erhebung identisch gewesen sein; vgl. Andread von Bergamo (wie
Anm. 30).]. Nach der vorliegenden Überlieferung fungierte die langobardische
Heeresversammlung als Wahlversammlung, was sowohl Agelmunds
als auch seines Nachfolgers Stellung treffend als die von Heerkönigen
charakterisiert [33 Über diese grundsätzlich: W. Schlesinger,
Über germanisches Heerkönigtum, in: Ders., Beiträge zur
deutschen Verfassungsgeschichte des Mittelalters I (1963) 53-87.]. Laiamicho
hatte sich schon früh durch außergewöhnliche Kriegstüchtigkeit
und Mut hervorgetan [34 Paulus I, 15 Seite 55; 17 Seite 56.], und
man wird davon ausgehen dürfen, daß auch Agelmund
eine Regelung seiner Nachfolge zugunsten Laiamichos
beabsichtigt
hatte, da er selbst keinen Sohn besaß [35
Wenn Paulus Diaconus
I, 16 Seite 56 von der gefangenen unica filia spricht, dürfte
damit auch das einzige Kind Agelmunds
gemeint sein.]. Die Annahme wird gestürzt durch den Bericht des Diakons
Paul, daß der neue König, der den Tod seines Ziehvaters rächen
wollte [36 Paulus I, 17 Seite 56; vgl. Andreas von Bergamo (wie
Anm. 30).], bei einem militäriwschen Rückschlag seine Landsleute
mit lauter Stimme auf dem Schlachtfeld zurückzuhalten versuchte, indem
er ihnen unter anderem als Schmach vor Augen führte, wie die Feinde
den König ermordet hätten. Da die Königs-Tochter vor Laiamichos
Erhebung
schon in die Hand des Feindes geraten war, ein entsprechender Wunsche der
Langobarden aber nur zur Zeit ihrer Freiheit, das heißt aber auch
zu Lebzeiten des Vaters realen Hintergrund besaß, ließe sich
ein Plan Agelmunds erschließen,
dem vielerprobtenn und vielgerühmten Ziehsohn durch die Heirat mit
eigenen Tochter, seinem einzigen Kind, die Herrschaftsnachfolge mit dem
ausdrücklichen Einverständnis der Langobardi zu sichern.
Literatur:
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Paulus Diakonus und die Geschichtsschreiber der
Langobarden: Geschichte der Langobarden. Phaidon Verlag Kettwig 1992 Buch
I Kapitel 15-18 - Schneider, Reinhard: Königswahl und Königserhebung
im Frümittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den
Langobarden und Merowingern, Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 10,247,252
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