WENDENKREUZZUG


Lexikon des Mittelalters:
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Wendenkreuzzug
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verfehlte, doch eingebürgerte Bezeichnung eines Nebenunternehmens zum 2. Kreuzzug 1147 gegen die »Heiden des Nordens« ohne klare Vorstellung ihrer Ausbreitung. Urheber war offenbar Bernhard von Clairvaux aufgrund nicht allgemein geteilter eschatologischer Naherwartung (verheißene Endzeitbekehrung aller Welt), Auslöser war der Versuch der Sachsen, sich dem Jerusalemzug zu entziehen durch Hinweis auf eine eigene Heidengrenze. Bernhards Parole »Vernichtung oder Bekehrung« ist ursprünglich sibyllinisch; auch das von der Norm abweichende Zeichen (Kreuz auf dem Erdkreis) weist auf den genannten Zusammenhang. Papst Eugen III. billigte den Plan nachträglich abgemildert - dies vielleicht unter Einfluß Anselms von Havelberg, den er zum Legaten für den Wendenkreuzzug bestellte - als Kreuzzug mit Bekehrungsziel (Missionskreuzzug) ohne gleiche Unbedingtheit. Deutsche und Dänen zogen gegen die ostelbischen Slaven (Wenden) und erreichten eine formale Christianisierungszusage (Massentaufen); Polen wandten sich gegen die baltischen Prußen (Näheres unbekannt). Der Wendenkreuzzug schwächte die Widerstandskraft gegen die deutsche Ostexpansion, sein Missionserfolg war gering. Neue Herrschaftsbildungen (Grafschaften Dannenberg und Lüchow; Herrschaften Friesack und Ruppin) sind aus dem Wendenkreuzzügen nur vermutungsweise abzuleiten, ebenso die ideelle Anknüpfung jüngerer Missionskriege im Ostseeraum. Abwegig ist die Konstruktion eines Zusammenhangs zwischen dem Wendenkreuzzug und dem Beginn der deutschen Siedlung in Siebenbürgen.

H.-D. Kahl