VERGY
Lexikon des Mittelalters:
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Vergy
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Burg, Herrschaft (Seigneurie) und große Adelsfamilie im
südlichen Burgund (dép. Côte d'Or, arr. Beaune).
Ein 'castrum' bestand wohl schon seit dem 7. Jh.: Der 'comes' Warinus, Bruder des hl. Leodegar, wurde hier
während der Kämpfe zwischen Ebroin
und der franko-burgundischen Aristokratie 673 hingerichtet. Die
Mönche von St-Vivant, die auf der Flucht vor den Normannen aus
ihrem ersten Zufluchtsort, St-Vivant-en-Amous, vertrieben worden waren,
wurden hier um 890 vom Grafen Manasses
aufgenommen, der für sie ein Kloster im nördlichen Bereich
der Anhöhe, deren südlichen Teil die Burg einnahm, errichten
ließ. Reich dotiert und von Wilhelm
von Volpiano 1015 reformiert, wurde es Cluny unterstellt und zu
einem der großen cluniazensischen Priorate.
Die Burg unterstand dem Grafen
Manasses und seinen Nachkommen, den Grafen von Beaune. Sie ging
über an Humbert (Hezelinus), Archidiakon von Autun und Bischof von Paris (1040-60), einen Sohn oder Bruder des Odo, Vizegrafen von Beaune, illegitimen Sohn von Herzog Heinrich († 1002); er gründete in Vergy
1023 die Kollegiatkirche St-Denis. Ein
Johannes 'de Varziaco',
wohl ein Sohn von Odo, ist
1053 belegt, vielleicht Vater von
Elisabeth, die 1080 Savaricus
von Donzy, Grafen von Chalon
und Herrn ('Sire') von Châtel-Censoir, heiratete;
sie beschenkte auch Cîteaux, das eine Gründung der Vizgrafen
von Beaune war (die VERGY
stifteten ferner die Abtei SOC ist Lieu-Dieu). Ihr ältester
Sohn, Simon, war Vater von Guy († 1204), der die Erbin der Grafen von Beaumont (Atuyer) ehelichte. Sein Sohn Hugo trat in einen
Konflikt mit Herzog Hugo III. von Burgund
ein, der Vergy belagerte (1183-85), was zum Eingreifen König Philipps II.
Augustus von Frankreich
führte, der Vergy aus der Lehnsabhängigkeit vom Herzog
löste, diese Maßnahme aber später wieder
rückgängig machte. Herzog Odo III. nahm den Kampf
wieder auf und erzwang 1193 von Étienne,
Herrn ('Sire') von Mont-St-Jean, einem Nachkommen des Hervé,
2. Sohnes von Elisabeth, die
Abtretung von Herrschaftsrechten, die dieser in Vergy besaß; Herzog Odo veranlaßte Hugo zum ligischen Lehnseid und
verlieh ihm seinerseits das erbliche Seneschallat von Burgund (1197).
1198/99 heiratete
Odo die Tochter Hugos, Alix, die ihm als Dos die 'terre de Vergy' in die Ehe brachte;
der Herzog trat im Gegenzug an Hugo
die Burg Mirebeau und seine
Besitzungen jenseits der Tille ab. Die Herren von Vergy nahmen somit im
Grenzraum des Herzogtums zur Freigrafschaft Burgund eine dominante
Position ein, die infolge der Heirat Guillaumes
I. († 1248) mit der Erbin der Grafschaf. von Fouvent
noch gestärkt wurde. Das weiträumige Territorium der Vergy,
das Fontaine-Française, Autrey, Champlitte umfaßte, wurde
zwar mehrfach durch Erbteilungen zerstückelt, andererseits aber
infolge des Aussterbens von Familienzweigen in mehreren Etappen
rekonstituiert.
Jean III. († 1418) und Jean IV. († 1460), dieser der Sohn eines bei Nikopolis (1396)
gefallenen Guillaume,
fungierten als Gouverneure von Burgund; Jean IV., ein Ritter des Goldenen Vlieses,
führte einen Privatkrieg gegen den Sire de Châteauvilain. Sein Bruder Antoine, gleichfalls Ritter des Goldenen Vlieses, war Maréchal de France und Graf von Dammartin. Das Erbe fiel an
einen Vetter, Charles († 1467), dann an einen entfernten Verwandten, Guillaume, dem König Ludwig XI. 1477 Vergy
zurückerstattete, um ihn aus der Anhängerschaft der Herzogin Maria von Burgund zu
lösen; die Parteinahme für Erzherzog
Maximilian führte jedoch zur
neuerlichen Aberkennung der Burg Vergy
(1490). Auch in der Freigrafschaft Burgund hatte die Familie, die in
Heiratsverbindungen mit hochrangigen Dynastien eingebunden war und
zahlreiche Prälaten, Bischöfe und Äbte stellte, eine
mächtige Position inne. Ihr Ruhm inspirierte eines der Hauptwerke
der Französischen Literatur des MA, »La châtelaine de
Vergi«.
Die herzogliche Kastellanei umfaßte Nuits (den berühmten
Weinort Nuits-St-Georges), das Herzog
Odo III. zur ville
franche und zum Sitz des Marktes der Kastellanei erhob. Der Ort Vergy
hatte Jahrmärkte; die große Straße zu den
Champagnemessen, von Chalon-sur-Saône nach
Châtillon-sur-Seine, verlief unterhalb der Burg.
J. Richard