TEMPLER
Lexikon des Mittelalters:
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Templer
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I. Gründung:
Der Orden der Templer, der erste geistliche Ritterorden, wurde 1120 in
Jerusalem durch Hugo von Payns
(29. H.) aus der Champagne gegründet. Seine Aufgabe bestand im
Schutz der nach dem 1. Kreuzzug in großer Zahl nach Jerusalem
strömenden Pilger; sein Name geht zurück auf den 'Tempel',
dem Haupthaus des Ordens in Jerusalem, dort, wo sich nach der
Überlieferung der »Tempel Salomons« befand. Bald
beteiligten sich die Templer ebenso wie die Johanniter aktiv an den
Kämpfen zur Verteidigung der lateinischen Fürstentümer.
Die Regel des neuen Ordens wurde im Jan. 1129 auf dem Konzil von Troyes
in Gegenwart des hl. Bernhard von
Clairvaux neugefaßt. Die Vereinigung der beiden Funktionen
des Gebets und des Kampfes in einer einzigen Institution widersprach
der zu Beginn des 11. Jh. entwickelten Theorie (vgl. zum Beispiel Adalbero von Laon) von den 'drei ordines', die
den Betenden, Kämpfenden und Arbeitenden ihren jeweiligen Platz
zuwies. Der Einfluß des hl.
Bernhard dominierte bei der Durchsetzung des Ideals der
»nouvelle chevalerie« der Templer, deren Mission er in
seinem Werk »De laude novae militiae« feierte. Diese
Entwicklung vollzog sich mit der Übernahme der Idee des gerechten
Krieges (bellum iustum) durch
Gesellschaft und Kirche des lateinischen Westens; sie war auch eine
Folge der Gregorianischen Reform. Der Kreuzzug eröffnete dem
westlichen Rittertum seinen eigenen Heilsweg. Dadurch war der
Templerorden (wie die anderen großen Ritterorden) für die
Ritter das wichtigste Mittel, um zu Askese und Heiligung (und damit zur
Integration ihrer Existenz in die christliche Gesellschaft) zu finden;
ebenso bildete er gleichsam den Stoßtrupp der expandierenden
christlichen Kräfte. Er war, obwohl im Orient entstanden, eine
authentische Schöpfung der westlichen Christenheit. Durch die
Bulle »Omne datum optimum« (1139) empfingen die Templer
ihre Privilegien und wurden unmittelbar der päpstlichen
Autorität unterstellt. 1147 erhielten sie das Recht, auf
weißem Mantel das rote Kreuz zu tragen.
II. Zwischen Orient und Okzident:
Der Temperorden fand im Westen die materiellen und menschlichen
Ressourcen, die ihm sein Wirken im Osten erst ermöglichten. Rasch
flossen ihm Gaben und Almosen zu. Die Templer galten ebenso wie die
Johanniter als Männer des Gebets, deren Fürsprache als
besonders wirksam galt, da sie die durch das Leben und Leiden des
Erlösers geheiligten Stätten bewachten. In den west- und
mitteleuropäischen Ländern entstand ein (besonders in
Frankreich dicht geknüpftes) Netz von Templerhäusern, die in
Kommenden (commanderies),
Balleien (baillies) und
Provinzen (provinces)
verwaltet wurden. Auf der Iberischen Halbinsel erkannte das
Klönigtum rasch den Wert des Ordens für die Reconquista.
Insbesondere der König von Aragón betraute Templer und
Johanniter mit dem Schutz und der Wiederbesiedlung (Repoblación)
der neueroberten Grenzzonen; zu diesem Zweck errichteten die Templer
mächtige Burgen wie Monzón und Miravet. Bei alledem
vernachlässigte der Templerorden nie seine eigtliche Bestimmung,
die Verteidigung von Jerusalem; lediglich die Templer in Portugal
schlugen einen eigenen Weg ein und konzentrierten sich gänzlich
auf ein Wirken im Rahmen des Königreiches (ab 1319 als
Christusorden).
Die Templerhäuser im Westen waren in der Regel bescheidene feste
Häuser mit einer einfachen Kapelle auf rechtwinkligem
Grundriß (die berühmten, als Rotunden/Zentralbauten
errichteten Heiliggrabkapellen bildeten nur eine geringe Minderheit).
Diese Ordensniederlassungen waren Zentren von Grundherrschaften
(Seigneurie), deren Erträge zu einem Teil in den Orient zur
Deckung der militärischen Kosten geschickt wurden (responsiones). Auf eine Steigerung
des Profits bedacht und der Geldwirtschaft zugewandt, verstanden es die
Templer, intensiven und innovativen Landesausbau zu betreiben; wichtige
Beispiele sind die Bewässerung des Rio-Cinca-Tals in
Aragón, die Errichtung eines Systems von Mühlen an der Aude
(Süd-Frankreich), die Übernahme des vierjährigen
Fruchtwechsels (assolement quadriennal)
in der Normandie, die profitable Nutzung der Handelsmessen. Die Templer
gaben dem Geldverkehr wichtige Impulse, da sie zur Erfüllung ihrer
Mission im Osten zu Experten der Anlage und Überweisung von
Geldmitteln wurden, so daß Pilger, Fürsten,
Geschäftsleute und Kleriker ihre Dienste in Anspruch nahmen.
Unabhängig von ihren eigenen Fonds wickelten sie den
Zahlungsverkehr von Privatpersonen ab, und namentlich die Könige
von Frankreich und England vertrauten ihnen ihren Schatz
(Trésor) an.
III. Verteidiger des Heiligen Landes:
Im lateinischen Orient mit seiner ständigen
Verteidigungsbereitschaft stellten die Ritterorden, unter ihnen die Templer,
mehr als die Hälfte der Kämpfer; im 13. Jh. standen fast alle
großen Burgen (Burg, D.I) in ihrer Obhut. Die Templer
richteten regelrechte Marken zur militärischen und
wirtschaftlichen Kontrolle der strategisch wichtigen Grenzzonen ein:
Bagras im Norden des Fürstentums Antiochia; Chastel Blanc und
Tortosa in der Grafschaft Tripoli; Safed, La Fère und Chastel
Pélerin im Königreich Jerusalem. Ihr Mut und ihre Disziplin
wurden allgemein geschätzt, auch wenn ihr Verhalten gelegentlich
durch Tollkühnheit, oft durch Arroganz geprägt war. Manchmal
beeinträchtigten sie durch Ausweitung ihrer Mission in
verhängnisvoller Weise die politischen und militärischen
Entscheidungen der Kreuzfahrerstaaten (zum Beispiel in der Schlacht von
Hattin, 1187); die maßlose Rivalität zwischen Templern
und Johannitern erwies sich im Krieg von St-Sabas (Akkon, 1258)
für beide Orden als rufschädigend. Bei der aussichtslosen
Verteidigung von Akkon (1291) bewiesen die Templer
ihren ungebrochenen Willen zur Selbstaufopferung.
IV. Innere Organisation:
Das Hauptquartier der Templer
war anfänglich Jerusalem (al-Aqsa-Moschee, über dem
vermeintlichen 'Templum Salomonis'). Nach 1187 verlegten sie ihren Sitz
nach Akkon, dann auf die Burg Chastel
Pélerin, die 1291 der letzte von den Lateinern
geräumte Stützpunkt war. Danach zogen sie sich nach Zypern
zurück, wo sie bis zur Aufhebung des Ordens ihr Haupthaus
unterhielten. Der Orden wurde geleitet von einem Meister, dem ein Rat
und hohe Würdenträger (Seneschall, Marschall u. a.) zur
Seite standen. Im 13. Jh. wurde der Meister im Westen durch einen
Generalvisitator vertreten. An der Spitze der Ordensprovinzen war ein
Meister, den Kommenden stand ein Komtur (commandeur - praeceptor) vor. Die Brüder
des Ordens teilten sich in frères
de couvent (Ritter, sergents, Kapläne), welche die drei
Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der Armut abgelegt
hatten, und in frères de
métiers, die für die wirtschaftlichen Aufgaben
zuständig waren. Die confrères
des Templerordens
nahmen nur zeitweilig und gleichsam als Hilfskräfte am Leben des
Ordens teil; manche schlossen sich ihm im Alter an, um während des
Lebensabends an den Wohltaten und Gebeten des Ordens teilzuhaben. Der Templerorden
rief hauptsächlich wegen seiner Privilegien und seines arroganten
Auftretens Kritik hervor, so bei Publizisten und Moralisten wie dem
Chronisten Matthaeus Paris sowie den Dichtern Jacquemart
Giélée (»Renart le Nouvel«; Renart, II) und
Gervais du Bus (»Fauvel«), die aber durchaus auch gegen
andere religiöse Orden polemisierten. Im übrigen konnte der Templerorden
bis zu seinem gewaltsamen Ende neue Mitglieder, für welche der
Orden offenbar attraktiv blieb, rekrutieren.
V. Vernichtung des Ordens:
Sie wurde ausgelöst nicht durch innere Zerfallserscheinungen,
sondern durch die zielbewußte Aktion König Philipps IV. des Schönen von
Frankreich, der am 13. Oktober 1307 alle Templer
des Königreiches unter der - offensichtlich unberechtigten -
Anklage der Häresie und Blasphemie verhaften und die Güter
des Ordens konfiszieren ließ. Papst
Clemens V. ordnete seinerseits kurz darauf die Gefangennahme der
Templer in der ganzen
Christenheit an. Die französische Monarchie führte den
Häresieprozeß gegen die Templer
(1307-10 bzw. bis 1314) offensiv als großen politischen
Prozeß (Templerprozeß), bewußt im Bestreben, die
staatliche Autorität gegen die päpstliiche Gewalt zu
stärken. Die anderen weltlichen Souveräne Europas, auch wenn
sie von der Schuld der Templer
nicht immer überzeugt waren, taten wenig zu deren Schutz, zumal
die Ausschaltung des Ordens auch ihre Machtstellung gegenüber der
Kirche kräftigte. Das Papsttum vermied eine offene kirchliche
Verurteilung, vollzog aber auf dem Konzil von Vienne (1312) die
Aufhebung des Ordens, dessen Güter den Johannitern übertragen
wurden.
A. Demurger