Tochter des Despoten Michael
II. Angelos von Epirus und der Theodora
Dukaina-Petralypha, Tochter von Johannes
Bedürftig Friedemann: Seite 103
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"Taschenlexikon Staufer"
HELENA VON EPIROS
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* um 1242, + Januar/Anfang März 1271
Um 1257 heiratet König Manfred
von Sizilien in zweiter Ehe eine Prinzessin aus dem byzantinischen
Geschlecht der ANGELOI,
Helena
von Epiros. Noch einmal entfaltete die höfische Kultur
der STAUFER in Italien allen Glanz.
Die junge Königin lud Sänger und Dichter, Tänzer und Tonkünstler
zu sich an den Hof. „Das Paradies ist wieder auf die Welt gekommen“, jubelt
ein Zeitgenosse. Nach dem Untergang ihres Gatten in der Schlacht von Benevent
(1266) geriet Helena mit ihren Kindern
in die Hand Karls von Anjou, der sie
ins Gefängnis warf. Sie starb dort nach fünf Jahren. Ihre Tochter
Beatrix
(* 1261, + vor 1307) verbrachte 18 Jahre im Kerker des Castel
dell’Ovo in Neapel, dann wurde sie im Austausch gegen aragonesische [Richtigstellung:
angiovinische] Kriegsgefangene
freigelassen. Ihre drei Söhne sahen die Freiheit überhaupt nicht
wieder: Zwei von ihnen, Friedrich und
Enzio,
starben wahrscheinlich um 1300, der letzte, Heinrich,
erst 1318.
XI. GENERATION
91 (77) KÖNIG MANFRED
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* 1232, + 26.2.1266 gefallen in der Schlacht bei Benevent
II oo um 1257, vor Februar 1258
HELENA
VON EPIROS aus dem Hause ANGELOS
* um 1241/43, vor 1244, + Januar/Anfang März 1271 (vor 11.3.1271)
Tochter des Königs (Despotes) Michael von Epiros aus dem Hause ANGELOS (spätestens 1213/14-1267) und der Theodora Petraliphe (um 1220-nach 1251), Tochter des Großkanzlers Theodor Petraliphas
Kinder: 111 (Beatrix), 112 (Friedrich),
113
(Heinrich),
114
(Enzio), 115 (Flordelis)
HELENE, Erbin von Korfu, Durazzo, Valona und Berat
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* um 1242, + 1271 (im Gefängnis)
1259
oo Manfred von Hohenstaufen, König von Sizilien
+ 1266 gefallen
Helena wird als bewunderswert
schön beschrieben. Ihre Herkunft und ihr Wesen tragen eine Glanz von
Hellas, aber auch den Schatten antiker Tragik, von der sie am Ende des
staufischen
Geschlechts
verschlungen wurde.
Helena von Epirus
landete, 17 Jahre alt, prunkvoll empfangen, am 2. Juni 1259 in Trani, wo
die Vermählung mit Manfred, dem
um 10 Jahre älteren Sohn
Kaiser FRIEDRICHS
II., stattfand. Es war die zweite Verehelichung Manfreds.
Manfred war wegen
seiner körperlichen Schönheit und seiner großen geistigen
Gaben geschätzt und geliebt; ihm hatte der Vater sein Falkenbuch gewidmet.
Die zeitgenössischen Chronisten haben dem Gemahl der Helena
von Epirus alle hohen Tugenden und alle bösen Laster zugeschrieben,
je nachdem ob sie Freunde oder Feinde der STAUFER
waren. Sein über die Zeit hinausreichendes Wissen und Handeln, verbunden
mit der Vorliebe für ein festliches, durch die Künste, vor allem
durch Dichtung und Musik verschöntes Leben, brachte ihm Verehrer und
Verächter ein.
Manfred war der einzige
Sohn FRIEDRICHS II., der sich stets
in der Nähe seines Vaters aufgehalten hatte und auch bei seinem Tod
zugegen war; er hatte am meisten von des Vaters Lebensart und Lebensführung
angenommen, doch scheint, daß wie oft bei Nachkommen bedeutender
Männer, schon etwas von der Festigkeit und Strenge, auch der Gespanntheit
des Vaters verloren gegangen war.
Drei Jahre vor dem Tod des Vaters 1247 vermählte
sich
Manfred in erster Ehe mit Beatrix,
der Tochter des Grafen Amadeus IV. von Savoyen, des italienischen Reichsvikars
FRIEDRICHS
II. Beatrix
war die Witwe des Markgrafen von Saluzzo. Es war
eine politische Heirat. Im Vertrag erhielt Manfred,
der vom Vater schon zum Fürsten von Tarent erhoben worden war, das
Land zwischen Genua, Pavia und den Alpen zugesprochen, die strategisch
wichtige Verbindung zwischen Italien und Frankreich, und er wurde mit dem
Arelatischen Königreich belehnt.
Beatrixstarb
1257/58.
Als Manfred 1259
in zweiter Ehe Helena von Epirus heiratete,
war er seit 1254 in den Kampf mit Karl I. von
Anjou um die Herrschaft der sizilischen Doppelmonarchie verstrickt.
Karl
von Anjou besiegte
Manfred
1266 in der Schlacht bei Benevent; Manfredfand
den Tod. Danach begann die Leidensgeschichte Helenas,
die erst 1271 mit ihrem Tod in der Gefangenschaft des ANJOU
enden sollte.
Helena wurde mit
Geld und Landgütern reich ausgestattet. Manfred
erhielt neben der Insel Korfu Durazzo, das alte Dyrrhachium, die Hauptstadt
der ehemaligen epirischen provincia nova, einem wichtigen Stützpunkt
für die Überfahrt von Griechenland nach Italien (Brindisi). Von
Durazzo führte die Via Egnatia nach Byzanz.
Auch diese Ehe zwischen König
Manfred und
Helena von Epirus
war für die
STAUFER, die stets
ihr Augenmerk auf Byzanz gerichtet hatten, wichtig.
Im Gegensatz zu FRIEDRICH II.,
der seine Ehefrauen vom geselligen und öffentlichen Leben fernhielt,
stellte Manfred
Helena in den
Mittelpunkt auch des höfischen Lebens. Sogleich nach der Hochzeit
führte er die junge schöne Gemahlin durch sein Königreich,
und sie blieb der Schmuck seines jugendlich-heiteren Lebens.
Manfred ging keineswegs
in einer solchen unbeschwerten Geselligkeit auf. Er, wie sein Vater vieler
Sprachen kundig, widmete sich den Wissenschaften und den Schulen des Landes,
seiner Vorliebe für den Hafenbau (Salerno, Manfredonia), den inneren
und äußeren Staatsgeschäften, schließlich der Auseinandersetzung
mit den Päpsten (Urban IV. und Klemens IV.), die im Verein mit dem
nach Italien gerufene Karl von Anjou
- er war 1263 in Rom erschienen - den Untergang der
STAUFERherbeizuführen
trachteten. Die Entscheidung fiel am 26. Februar 1266 durch
die Schlacht bei Benevent; Manfred
wurde
besiegt und getötet.
Die Schreckensherrschaft erreichte Helena
in der Sarazenenburg Lucera. Die Schauplätze für die nun folgende
Tragödie Helenas werden die mächtigen
Räume der staufischen Kastelle
Lucera, Trani, Lagopesole und Nocera.
Manfred hätte
während der Schlacht sein Leben durch die Flucht retten können,
sie aber verschmäht und sich in den schon verlorenen Kampf gestürzt.
Nach zwei Tagen wurde das über das verschneite Schlachtfeld irrende
Roß Manfredserkannt, schließlich
fand man auch den ausgeplünderten und selbst seiner Kleider beraubten
Toten, zwei tödliche Wunden am Kopf und in der Brust. Über einen
Esel gelegt, wurde der Tote vom Schlachtfeld gebracht, und ein Eseltreiber
rief: "Wer kauft Manfred?" Weil Manfred
gebannt war, ließ ihn Karl von Anjou
nahe der Brücke über den Fluß Calore verscharren. Französische
Ritter legten auf den Erdhügel Steine.
Als Helena aus der
Ohnmacht, die sie bei der Todesnachricht überwältigt hatte, erwachte,
hatten die Hofleute und Diener sie aus Angst vor der Rache Karls
von Anjou verlassen, nur ein Bürger aus Trani, Munaldu,
und dessen Frau Amundilla, und ein Mann namens Amerusio nahmen sich ihrer
an. Sie rieten zur Flucht. Helenas
Heimat lag nicht fern und konnte von hier aus leicht erreicht werden. Noch
war die Küste nicht von den Soldaten Karls
von Anjou besetzt. Ein Mann namens Lupone erklärte sich
zur Überfahrt bereit und setzte seinen Segler instand.
Was konnte sich Helena
von ihrer Flucht nach Epirus erwarten? Korfu und Durazzo, die ihr Vater
seinem Schwiegersohn abgetreten hatte, waren im Besitz der Erben Manfreds;
sie kamen erst 1272 an das Haus ANJOU.
In Epirus selbst aber hatten sich die Herrschaftsverhältnisse geändert.
Schon 1259 hatte Michael VIII. Palaiologos
den Vater Helenasentthront und Epirus
in Besitz genommen. ManfredsAdmiral
Philippo Chinardo, der 1266 nach Epirus kam, um das Heiratsgut
Helenas
zu retten, wurde ermordet, und seine Söldner gingen zu Karl
von Anjou über. Für die STAUFERwaren
sowohl in Epirus wie in Nicäa die Verbindungen im Hinblick auf das
byzantinische Reich abgebrochen. Welche Hilfe konnte Helena
also
noch in ihrer Heimat erhoffen?
Die geplante Flucht war ein Schritt der Verzweiflung,
um zu verhindern, mitsamt ihren vier Kindern in die schonungslosen Hände
des Anjou zu geraten. Nirgends konnte ihr Schlimmeres widerfahren.
Ihre Pläne und Erwägungen wurden zunichte,
die Natur verschwor sich gegen ihre Flucht. Weil Gegenwind das Auslaufen
des Seglers verhinderte, begab sich Helena
in den Schutz des Burgvogtes von Trani. Bettelmönche, die im Dienste
Karls
von Anjou das Land durchstreiften - sie waren schon die päpstlichen
Spione gegen FRIEDRICH II. gewesen
-, spürten Helena in Trani auf
und überredeten den Burgvogt zum Verrat. Am 6. März 1266 wurde
Helena
den Reitern Karls von Anjou ausgeliefert
und in Trani in Gewahrsam gehalten. Noch waren die Kinder bei ihrer Mutter:
die sechsjährige Beatrix, der
vierjährige Heinrich (Enrico)
und die noch jüngeren Friedrich (Federico)
und Anzilino (Enzio). Die Stieftochter,
Konstanze,
war glücklicherweise außer Landes; sie war mit Peter
von Aragonien verheiratet.
Aus dem Kastell Trani, wo vor sieben Jahren ihre Hochzeit
gefeiert worden war, wurde sie in den ersten Apriltagen, wohl schon ohne
Kinder, die sie nie wiedersehen sollte, nach Lagopesole vor Karl
von Anjou gebracht. Hier also,
wo Helena mit Manfred
freudvolle Tage verlebt hatte, stand sie dem herzlosen Feind ihres Gemahls
gegenüber. Karl von Anjou
scheint
- wir können das aus dem Briefwechsel mit dem Papst schließen
- mit Helena für ihn vorteilhafte
Heiratsabsichten erwogen zu haben, wie auch mit deren Tochter Beatrix,
die er deshalb im milderen Gewahrsam auf Castel dell'Ovo bei Neapel hielt
als deren Brüder auf Castel del Monte.
Karl von Anjou plante
eine Heirat
Helenas mit seinem Vetter
Don
Arrigo (Heinrich), dem Bruder des
Königs
Alfons des Weisen von Leon und Kastilien.
Karl
von Anjou hatte gegenüber Don
Arrigo, der den ANJOU auf
seinen Zug nach Italien unterstützt hatte, Schulden und uneingelöste
Versprechungen. In den diesbezüglichen Verhandlungen Karls
von Anjou mit dem Papst ist von einer Tochter des Königs
von Epirus die Rede. Gemeint konnte nur Helena
sein, denn der König von Epirus hatte neben Helena
nur noch eine Tochter, Agnes, die mit
dem Franzosen Geoffroy de Villahardouin, dem Fürsten von Achaja, verheiratet
war.
Der Plan Karls von Anjou
zerschlug sich, Don Arrigo gesellte
sich zu Karls Feinden und kämpfte,
von Tunis kommend, mit seinen gefürchteten spanischen Reitern an der
Seite Konradins bei Tagliacozzo. -
Schließlich mochte der Plan Karls von Anjou
am Widerstand Helenas gescheitert sein.
Für den März 1267 belegt ein Schreiben Karls
von Anjou an den Burgvogt Radulfo de Faiello, daß Helena
auf der Burg Nocera gefangengehalten wurde. Helena
hatte einen Teil ihrer Dienerschaft und Habe behalten dürfen. Für
den Haushalt wurden ihr jährlich 40 Unzen Gold zur Verfügung
gestellt, die einen bescheidenen Haushalt ermöglichten. Während
ihrer Gefangenschaft mochte Helena
von dem Zug ihres Neffen Konradin nach
Italien, von seiner Niederlage bei Tagliacozzo und seiner Enthauptung im
nahen Neapel gehört haben. Der Schmerz über das ungewisse Los
ihrer Kinder mochte sie verzehrt haben. Sie starb nach fünfjähriger
Gefangenschaft zwischen Ende Februar und Anfang März 1271 im
29. Lebensjahr. Ihr Grab kennen wir nicht.
Ihren Tod erfahren wir durch ein Reskript Karls
von Anjou, das die Entlassung der Dienerschaft Helenas
verfügt.
Kiesewetter, Andreas: Seite 29
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II.
von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence
und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"
Kaum hatte der ANGIOVINE seine Herrschaft in S-Italien etabliert, lenkte er seine Blicke auf die jenseitigen Gestade der Adria, war ihm doch durch den Sieg bei Benevent auch die epirotische Mitgift von Manfreds Witwe Helena in die Hände gefallen [Helena von Epiros hatte Durres, Vlorc, Sopoti, Butrinti, Korfu und Kanina anlässlich ihrer desponsatio mit Manfreds 1257 als Mitgift in die Ehe gebracht.]
Norwich John Julius: Seite 260
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Manfreds Frau Helene von Epiros wurde mitsamt ihren drei kleinen Kindern in Nocera eingekerkert. Von allen vieren sind drei nie wieder aufgetaucht.
Herde Peter: Seite 48
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"Karl I. von Anjou"
Die Witwe Manfreds,
Helena, Tochter des Despoten
Michael von Epiros, wurde mit ihren Kindern bei dem Versuch,
das Herrschaftsgebiet ihres Vaters jenseits der Adria zu erreichen, vom
Kastellan von Trani gefangengenommen und an Karl,
der bereits Mitte März in Apulien eintraf, ausgeliefert. Bis auf Manfreds
Tochter Beatrix, die vom aragonesischen
Admiral Roger nach dem Seesieg über die angiovinische
Flotte bei Neapel am 5. Juni 1284 aus dem Castel dell'Ovo befreit wurde,
sollten weder die Mutter, die 1271 im Kastell von Nocera starb,
noch die Söhne Heinrich,
Friedrich und Azzolino ihre
Freiheit wiedersehen.
2.6.1259
oo 2. Manfred König von Sizilien
1231-26.2.1266
Kinder:
Beatrix
1260- 1307
oo Manfred Markgraf von Saluzzo
-
Heinrich (Enzio)
1268- 1318
Friedrich
alle drei Brüder waren 1266/96
1264- um 1312
im Castel del Monte eingekerkert
Anselm
1265- 1300
Literatur:
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Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Staufer.
Piper Verlag GmbH München 2000 Seite 103 - Decker-Hauf Hansmartin:
Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung
Stuttgart 1977 Band III Seite 365 - Herde Peter: Karl I. von Anjou.
Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 48 - Horst,
Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf 1989,
Seite 388 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung
König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel,
die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts,
Matthiesen Verlag 1999 Seite 29 - Mühlbacher, Josef: Lebensweg
und Schicksale der staufischen Frauen, Bechtle Verlag Esslingen 1977 Seite
171-181 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen
Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite
260 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln
zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs-
und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994
Tafel 205 -