SCHWERTBRÜDERORDEN
Lexikon des Mittelalters:
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Schwertbrüderorden
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[1] Geschichte:
Der Schwertbrüderorden
('Fratres milicie Christi de Livonia';
seit dem 13. Jh. auch 'swertbrûdere' nach dem Abzeichen:
Rotes Schwert unter Tatzenkreuz auf weißem Mantel), einer der
sechs in Nordost-Europa an der Heidengrenze nach den Vorbildern im Hl.
Land und auf der Iberischen Halbinsel angesetzten Ritterorden, wurde
1202 vom Zisterzienser Theoderich
mit einer kleinen Gruppe norddeutscher Ritter zum Schutz der
neugetauften livländischen Gemeinde an der Dünamündung
mit Billigung des Bischofs Albert I.
von Riga gegründet und dessen Obödienz unterstellt. Er
erhielt 1204 die päpstliche Bestätigung, erster Sitz war
Riga. Bis 1207 unterwarf der Schwertbrüderorden
mit bischöflichen Vasallen und Kreuzfahrern das Livengebiet, von
dem er ein Drittel als 'dominium' erhielt und damit den ersten
Ordensstaat des Hochmittelalters schuf. Das Territorium wurde
vertraglich durch Teile Lettgallens erweitert, 1208-22 durch
Unterwerfung Süd-Estlands im Bündnis mit König Waldemar II. von Dänemark,
der seit 1219 Nord-Estland eroberte. Nach dem Aufstand der Esten 1223
verlor der Schwertbrüderorden
Süd-Estland und mußte es 1224 nach Wiedereroberung mit Bischof Hermann von. Dorpat (12. H.)
teilen. Seit 1226 stärkten ein Bündnis mit der Stadt Riga und
den hansischen Kaufleuten, der Gewinn Nord-Estlands, eines Drittels von
Ösel (1227) sowie 1230-1232 auch von Kurland (Kuren) und Semgallen
die Stellung des Schwertbrüderordens
Pläne des päpstlichen
Legaten Balduin von Alna zur Gründung eines Kirchenstaates
im Baltikum wehrte der Orden ab (1233 Schlacht auf dem Revaler
Domberg); dessen Nachfolger, Wilhelm
von Modena, förderte den Orden. 1235 war der Schwertbrüderorden
in der livländischen Konföderation mit knapp der Hälfte
des Landes stärkste Macht. Verhandlungen zur Vereinigung mit dem
Deutschen Orden wurden seit 1230 geführt. Am 22. September 1236
fiel ein großer Teil des Schwertbrüderordens
in der Schlacht bei Saule gegen die Litauer, zugleich verlangte Papst Gregor IX. in Viterbo vom Schwertbrüderorden
die Herausgabe Nord-Estlands an König
Waldemar und vollzog 1237 die
Einverleibung des Schwertbrüderordens
in den Deutschen Orden.
[2] Verfassung:
Der Schwertbrüderorden,
der die Regel der Templer mit den Grundgeboten von Armut, Keuschheit,
Gehorsam und Heidenkampf angenommen hatte, gliederte sich in drei
Klassen:
Ritter (in der Blütezeit 120-180, aus Nieder-Deutschland zwischen
Soest-Kassel-Lübeck-Magdeburg), Priester und dienende Brüder.
Magister superior war bis 1209 Wenno,
seitdem Volkwin, der mit dem
Generalkapitel in Riga wichtige Entscheidungen traf. Neben ihm wirkten
1235 fünf Provinzialmeister in Reval, Wenden, Segewold, Fellin und
Ascheraden, ferner der Marschall und Vögte. Die Landesverwaltung
knüpfte an Einrichtungen der Esten, Letten und Liven an,
beließ auch deren Gesellschaftsstruktur und privates
Bodeneigentum. Die Bevölkerung war zu Zehnt- oder Zinsleistung,
Heer- und Gerichtsfolge, Wege-, Brücken- und Kirchenbau
verpflichtet. Der Meister bot den gesamten livländischen Heerbann
auf und führte das Heer. In sechs Burgen gab es Konvente, die
Kirchen, Burgen, Wassermühlen, Eigenhöfe und Fischwehre
bauten und zusammen mit den hans. Kaufleuten Städte anlegten
(Reval, Fellin, Wenden).
Bleibende Folgen der Herrschaft des Schwertbrüderordens
waren die Eingliederung der Esten und Letten in die christliche Kirche,
das Zusammenwachsen der Stämme zu Völkern, Verdoppelung der
Bevölkerung bis zum 16. Jh. durch Einbeziehung des Landes in
die internationalen Handelsbeziehungen und Erstarken der
Wirtschaftskraft, Einführung der Schriftlichkeit. Livland.
F. Benninghoven