Sohn des Prinzen Stephan von
Armenien und einer namentlich unbekannten Tochter von Lampron;
Enkel von Fürst Leo I.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1875
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Leo I. (II.), Herr (1187-1198) und König (1198-1219)
von Kilikisch-Anmenien
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* um 1150, + 2. Mai 1219
Folgte seinem Bruder Rupen III.
nach.
Armenische Truppen nahmen am 3. Kreuzzug teil, doch galt
Leos
Hauptinteresse der Festigung und territorialen Erweiterung seiner
Herrschaft. Das brachte ihn in Gegensatz zu den Templern, deren Burg
Gaston er einnahm, und zum Fürstentum Antiochia, das er (über
die Unterstützung der Ansprüche seines Großneffen Raimund
Rupen) zu beherrschen trachtete. Leo erbat
bei Papst Coelestin III. und Kaiser HEINRICH VI.
eine
Königskrone, die ihm unter der Bedingung einer Union der armenischen
Kirche mit Rom gewährt wurde. Der armenische Klerus, wohl in der Meinung,
es handle sich um einen Formalakt, konnte hierfür gewonnen werden;
am 6. Januar 1198 erfolgte zu Tarsus die Krönung. Unter
Leo erreichte das kilikisch-armenische Reich seinen Höhepunkt.
Der König war mit den Häusern LUSIGNAN
und BRIENNE und den byzantinischen
LASKARIDEN
verschwägert. Er machte Schenkungen an Johanniter und Deutschen Orden.
Durch Privilegien für italienische Kaufleute förderte er den
blühenden Handel, dessen wichtigstes Zentrum die Hafenstadt Ayas war.
Der Prozeß der Verwestlichung des Gerichtswesens undd er Grundbesitzverhältnisse
(Feudalisierung) schritt rasch voran.
Unter der Regierung von Thoros
I. (1100-1129), Leo I. (1129-1137),
Thoros II. (1148-1168),
Mlch (1170-1175) und Rupen III. (1175-1187)
war die armenische Herrschaft Schwankungen unterworfen, mit dem Regierungsantritt
von Rupens Bruder
Leo II. (1187-1219) erreichte sie ihre Festigung und ihren Höhepunkt.
Am 6. Januar 1198 wurde Leo mit einer
vom Kaiser des Westens, HEINRICH VI.,
gesandten Krone gekrönt. Kilikien kam unter starken westlichen Druck,
der besonders den Adel und die Kirche erfaßte. Die großen Grundherren,
die Nacharare, nahmen westliche Adelstitel an und standen in feudalen Bindungen
zu den Königen. Schon im 13. Jahrhundert existierten zwei Rechtssysteme
nebeneinander: die unteren Gerichtshöfe praktizierten immer noch das
armenische Recht, die Beziehungen des Königs mit seinen Vasallen aber
wurden zunehmend nach den Rechtsbräuchen des lateinischen Ostens geregelt.
Lateinischer Einfluß auf dieser Ebene wurde von den Armeniern noch
am ehesten akzeptiert, doch waren die Auswirkungen im kirchlichen Bereich
weit weniger glücklich. Leo wurde
die Königskrone unter der Bedingung verliehen, daß die armenische
Kirche sich Rom unterstellte. Diese Forderung konnte nie verwirklicht werden;
sie führte zu ständigen Konflikten; Philipp von Antiochia,
der Gemahl von Leos Tochter Isabella,
wurde nach König Leos Tod das
erste Opfer des armenisch-lateinischen Gegensatzes (1224 ermordet).
Mayer, Hans Eberhard: Seite 137,138,222,223
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Leo II., Fürst
von Kleinarmenien, unter dem das kilikische Armenien seinen Höhepunkt
erreichte, erbat 1194 erfolgreich die Belehnung durch Kaiser
HEINRICH VI. Seine Vorfahren und er selbst hatten Kleinarmenien
in ständiger Auseinandersetzung mit Byzanz und dessen armenischen
Alliierten aus der Familie der HETUMIDEN
zu einem vitalen, chistlichen Staat gemacht, dessen wirtschaftliche Basis
in der kilikischen Ebene und den Städten Tarsus und Seleukia ruhte
und dessen politisches Gewicht durch die starken Festungen der rupenidischen
Herrscherfamilie in den kilikischen Gebirgen gewährleistet wurde.
Nur Leo II. zog noch einen Nutzen aus
dem Kreuzzug der Deutschen, denn im Januar 1198 erhielt er aus der Hand
des Erzbischofs von Mainz die lang ersehnte Königskrone. Die mit der
Krönung verbundene Union der armenischen Kirche mit Rom war aber rein
äußerlich.
Leo mußte die
fortwährenden Interventionen in N-Syrien mit Verlusten in W-Kilikien
an die Rumseldschuken bezahlen. Dennoch war er ein bedeutender Herrscher.
Er manövrierte im Innern die HETUMIDEN
aus, die als byzantinische Vasallen schon seit langem einen erbitterten
Kampf mit den RUPENIDEN geführt
hatten. Auch den Handel förderte Leo
eifrig, und er gestaltete sein Reich so sehr nach fränkischen Sitten
um, dass unter seinem Nachfolger die Assisen von Antiochia als Gesetzbuch
eingeführt wurden (von dem Konstabler Smpad ins Armenische übersetzt).
Als Leo 1219 starb, brach der Kampf
um die armenische Nachfolge aus, denn sein Enkel Raimund Rupen war von
dem König zugunsten von Leos Tochter
Isabella
enterbt worden.
Halfter, Peter: Seite 188,194-198,200-205
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"Die Staufer und Armenien", in: Von Schwaben bis Jerusalem
Doch zuvor ein Blick auf die innere und äußere
Lage Kilikiens nach der Machtübernahme durch den ROUPENIDEN
Leon II. im Jahr 1186. Leon II.
hatte es geschafft, marodierende Turkmenenhorden zu verjagen und als Grenze
gegenüber dem Sultanat von Ikonium den Kamm des Taurus zu behaupten.
Nachdem die Delegation von BARBAROSSAS
Tod von Kreuzzugsteilnehmern benachrichtigt worden war, kehrte sie nach
Tarsus zurück. Wir erfahren hier ganz nebenbei, daß Leon
ein mit einer Goldbulle besiegeltes Schreiben des Kaisers besaß,
in dem dieser versprochen hatte, einen König der Armenier einzusetzen.
Sich darauf berufend forderte der Fürst den Katholikos auf, die Krönung
zu vollziehen.
Leon war sich bewußt, daß
er zu seiner Königserhebung die aktive Unterstützung des STAUFERS
brauchte, denn nach mittelalterlicher Vorstellung konnte nur
ein Kaiser oder Papst die Königswürde verleihen. Über die
Königserhebung dürfte Leon
der Lehnsmann des Kaisers geworden sein.
Die Boten des ROUPENIDEN
erreichten den kaiserlichen Hof am 29. Mai 1194 in Mailand, wo HEINRICH
gerade das Pfingstfest feierte. Sie erklärten dem Kaiser, ihr Herr
werde immer dem Imperium untertan sein, erbaten von ihm die Königserhebung
und ließen sich im Namen Leons
den Besitz einer bestimmten Burg, die einen strategisch wichtigen Zugang
im Osten des fränkischen Machtbereiches bewachte, zusichern. Warum
Leon einem STAUFER das vortrug
wird deutlicher, wenn wir einen Blick auf die Ereignisse im nördlichen
Syrien werfen. Leon und Bohemund III.
von Antiochia befanden sich im Streit um die Festung Baghras. Nach Saladins
Abzug im Jahre 1191 hatte Leon den
Platz besetzen und neu befestigen lassen, obwohl die Anlage von den Herren
Antiochias dem Templerorden anvertraut worden war. Im Oktober 1193 lockte
Leon Bohemund III. unter dem Vorwand,
er wolle mit ihm verhandeln, in die Burg und ließ ihn und sein Gefolge
gefangennehmen. Solch ruchlose Mittel hatten damals durchaus Tradition,
Bohemund hatte auf ähnliche Weise den Bruder Leons
in seine Gewalt gebracht. Der gleich daran anschließende Versuch
Leons, sich des führerlosen Antiochia zu bemächtigen,
scheiterte am Widerstand des lateinischen Patriarchen und der Commune.
Aber Leon behielt noch immer den Fürsten
als Faustpfand. Im Frühjahr 1194 vermittelte Heinrich
von der Champagne folgende Übereinkunft: Leon
mußte Bohemund ohne Lösegeld freilassen, dafür
aber befreite ihn dieser vom Homagium. Der Besitz des Golfes von Alexandrette,
einschließlich der Festung Baghras wurde Leon
ausdrücklich bestätigt. Vor diesem Hintergund erscheint die Mission
Leons zu HEINRICH
VI. verständlicher. Durch die Vermittlung Heinrichs
von der Champagne war zwar auch eine Regelung getroffen worden,
die ihm erlaubte, mit friedlichen Mitteln an sein Ziel zu kommen: Seine
Nichte Alice, die als Erbin Kilikiens
vorgesehen war, sollte mit dem ältesten Sohn Bohemunds verheiratet
werden. Eine Vereinigung der beiden Herrschaften wurde daurch durchaus
möglich.
Bald nach der Krönung Leons
am 6. Januar 1198 ließ der Katholikos Gregor VI. ein Huldigungsschreiben
an den Papst aufsetzen.
Der deutsche Thronfolgestreit nach dem Tode HEINRICHS
VI. sorgte aber bis zum Jahr 1210 dafür, daß sich
Leon ausschließlich der zweiten Macht zuwandte, die bei der Entsehung
seines Königtums Hebammendienste geleistet hatte. Die Nerven Papst
Innocenz' III. wurden von Leon hart
in Anspruch genommen, denn der Herrscher Kilikiens trug dem Papst das Schiedsrichteramt
im Antiochenischen Erbstreit an, erwartete aber in Wirklichkeit eine eindeutige
Parteinahme des römischen Pontifex zu Gunsten seines Großneffen
Raimund-Roupen.
Im Jahr 1210 nahm Leon die
Beziehungen mit dem Reich wieder auf. Da er seinen Großneffen zum
Mitregenten erheben wollte, aber als Lehnsmann des Imperiums so etwas nicht
bewerkstelligen konnte, schickte er eine Gesandtschaft nach Europa, um
sich bei Kaiser und Papst eine Zusage zu holen. Nach einem Jahr und drei
Monaten entließ sie der Kaiser mit reichen Geschenken an ihren Herrn.
Kostbarstes Präsent war die von Leon
erbetene Krone für seinen Großneffen. Vor dem 15. August müssen
die Gesandten wieder in Kilikien eingetroffen sein, denn an diesem Tage
setzte Leon Raimund-Roupen die vom
Kaiser übersandte Krone aufs Haupt.
Leon war vom Papst
seit dem 18. Mai 1211 aus der Kirche ausgeschlossen worden, denn der ROUPENIDE
hatte wegen seines alten Streites mit den Templern um die Festung Baghras
alle Besitzungen des Ordens in Kilikien beschlagnahmen lassen. Wie sein
Lehnsherr OTTO IV. dachte auch Leon
nicht daran, sich durch die Zuchtrute der Kirche zum Einlenken zwingen
zu lassen.
1213 söhnte sich Leon wieder
mit der römischen Kirche aus. Zudem fällt auf, daß für
die Zeit von 1214 bis 1215 Leon in
Urkunden für die Johanniter und Genua den bisherigen Zusatz zu seinem
Titel Romani imperii gratia rex ruhen ließ. Etwa selbstherrlicher
nannte er sich jetzt Dei gratia rex Armeniorum.
Leon mußte
in seinem Alter noch eine herbe Enttäuschung erleben. Zwar schien
sich in dem zuletzt erwähnten Jahr sein alter Traum zu erfüllen:
Den armenischen Aufgeboten war es gelungen, sich ohne Blutvergießen
Antiochias zu bemächtigen und der lateinische Patriarch verlieh dem
Großneffen des Königs die Fürstenwürde. Leon
beeilte sich sofort, den Triumph dem Papst mitzuteilen. Aber die Hoffnungen,
die Leon in den Jüngling gesetzt
hatte, insbesondere die, über seine Person Kilikien und Antiochia
in einer Hand zu vereinen, sollten sich nicht realisieren lassen. Zwischen
den beiden kam es zum Bruch, Raimund-Roupen zwang seinen Onkel, Antiochia
zu räumen. Leon entzog ihm darauf
das Thronfolgerecht in Kilikien und setzte an seiner Stelle die eigene,
jüngere Tochter Zabel/Elisabeth
als Erbin ein. Damit diese Regelung nicht angefochten werden konnte, vereinbarte
Leon mit dem König
von Ungarn, Andreas II.,
der 1218 aus dem Heiligen Land über Kilikien heimreiste, daß
dessen dritter Sohn die minderjährige Zabel
heiraten sollte. Das Königreich sollte also sofort nach dem Ableben
Leons einen neuen Herrscher besitzen.
Leon ließ den Kontrakt von den Baronen beschwören.
Aber damit nicht genug, er und der der König von Ungarn baten Papst
Honorius III., er möge mit seiner Zustimmung die getroffene Vereinbarung
bestätigen. Das Projekt Leons
scheiterte, sein Vertragspartner kam, nachdem der ROUPENIDE
gestorben war, davon ab. Das, was Leon
verhindern wollte, trat darauf prompt ein: Prätendenten, die nicht
bereit warebn den letzten Willen des verstorbenen Herrschers zu akzeptieren,
meldeten ihrerseits Ansprüche auf die armenische Königskrone
an. Beide, sowohl Johann von Brienne,
wie der enterbte Raimund-Poupen, suchten die Unterstützung des Papstes.
Aus den Wirren, die die Thronstreitigkeiten in Kilikien
hervorriefen, ein Streit, der sich in militärischen Aktionen und Morden
austobte, ging schließlich die HETHOUMIDEN-Familie
als Sieger hervor. Der Reichsverweser Konstantin von Lampron verheiratete
schließlich die Erbtochter Leons mit
seinem jüngeren Sohn Hethoum.
Am Pfingstfest des Jahrees 1226 wurde Hethoum
als Gemahl Zabels in der Kathedrale
von von Tarsus zum König Kilikiens gekrönt.
1. oo Isabella von Antiochia
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2. oo Sibylle von Zypern und Jerusalem, Tochter
des Königs Amalrich II.
um 1200- nach 1225
Kinder:
1. Ehe
Stephanie
um 1195/1200- 1219
1214
oo 2. Johann von Brienne Titularkönig von
Jerusalem
um 1144/70-24.3.1237
2. Ehe
Zabel I. (Isabella)
1212/13-23.1.1252
1222
1. oo Philipp Prinz von Antiochia
um 1200-
1224 ermordet
1226
2. oo Hetum I. König von Kleinarmenien
um 1200-
1271
Literatur:
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Halfter, Peter: Die Staufer und Armenien, in:
Von Schwaben bis Jerusalem von Sönke Lorenz/Ulrich Schmidt (Hg), Jan
Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 188,194-198,200-205 - Mayer,
Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH
1995 Seite 137,138,222,223 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge,
Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 731,788,847,862-866,874-877,911-916,940-941
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