Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 975
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Das Armenische Königreich in Kilikien
Ansatzpunkt für die armenische Staatsbildung des
11.-14. Jahrhunderts in Kilikien mit der Hauptstadt Sis war die Auswanderung
zahlreicher Armenier in diese Gebiet, die im 11. Jahrhundert unter türkisch-seldschukischen
Druck erfolgte. In Kilikien erlangten bald die konkurrierenden Familien
der HETHUMIDEN und der RUPENIDEN
die Vorherrschaft. Das Bestreben der RUPENIDEN,
sich zu Herren der kilikischen Ebene zu machen, brachte sie in Konflikt
mit den Byzantinern, den HETHUMIDEN
und den Lateinern im Fürstentum Antiochia. Unter der Regierung
von Thoros I. (1100-1129), Leo
I. (1129-1137), Thoros II. (1148-1168),
Mlch (1170-1175) und Rupen III. (1175-1187)
war die armenische Herrschaft Schwankungen unterworfen, mit dem Regierungsantritt
von Rupens Bruder
Leo II. (1187-1219) erreichte sie ihre Festigung und ihren Höhepunkt.
Am 6. Januar 1198 wurde Leo mit einer
vom Kaiser des Westens, HEINRICH VI.,
gesandten Krone gekrönt. Kilikien kam unter starken westlichen Druck,
der besonders den Adel und die Kirche erfaßte. Die großen Grundherren,
die Nacharare, nahmen westliche Adelstitel an und standen in feudalen Bindungen
zu den Königen. Schon im 13. Jahrhundert existierten zwei Rechtssysteme
nebeneinander: die unteren Gerichtshöfe praktizierten immer noch das
armenische Recht, die Beziehungen des Königs mit seinen Vasallen aber
wurden zunehmend nach den Rechtsbräuchen des lateinischen Ostens geregelt.
Lateinischer Einfluß auf dieser Ebene wurde von den Armeniern noch
am ehesten akzeptiert, doch waren die Auswirkungen im kirchlichen Bereich
weit weniger glücklich. Leo wurde
die Königskrone unter der Bedingung verliehen, daß die armenische
Kirche sich Rom unterstellte. Diese Forderung konnte nie verwirklicht werden;
sie führte zu ständigen Konflikten; Philipp von Antiochia,
der Gemahl von Leos Tochter Isabella,
wurde nach König Leos Tod das
erste Opfer des armenisch-lateinischen Gegensatzes (1224 ermordet).
Isabella sah sich danach genötigt, mit dem HETHUMIDEN
Hethum I. (1226-1269) eine Ehe einzugehen. Hethum
wählte die Politik eines engen Zusammengehens mit den Mongolen. Seit
den 1260-er Jahren aber, als sich die Macht der Mongolen im kleinasiatischen
Raum verringerte, sah sich das armenische Kilikien mit den Heeren aus dem
Mamlukischen Ägypten konfrontiert. Die Mamluken bekämpften die
Armenier wegen ihrer Bündnisse mit Lateinern und Mongolen; außerdem
war Ägypten bestrebt, die Kontrolle über die kleinasiatischen
Handelsstraßen, die sich in Kilikien vereinigten, zu erlangen. Die
Regierungen Leos III. (1269-1289), Hethums II.
(1289-1292, 1294-1296, 1299-1305), Leos IV. (1305-1307), Oschins (1308-1320)
und Leos V. (1320-1341) waren
durch Invasionen der Mamluken und innere Unruhen geprägt. Nach der
Ermordung Leos V., der keine direkten
Erben hatte, ging der Thron an Guido von Lusignan
aus dem zyprischen Königshaus über. Der LUSIGNAN,
der den Namen Konstantin angenommen
hatte, verwickelte sich in religiöse Streitigkeiten; 1344 wurde er
ermordet. Der Adel wählte nun wieder Armenier als Könige: Konstantin
IV. (1344-1363) und Konstantin V. (1365-1373).
1374 wurde erneut ein LUSIGNAN zum
König erhoben, Leo VI.; seine
kurze Regierung begann und endete mit der ägyptischen Belagerung der
Hauptstadt Sis. Mit der Kapitulation von Sis (13. April 1375) hörte
das armenische Königreich von Kilikien auf zu bestehen.
| Ruben I. | 1080-1095 |
| Konstantin I. | 1095-1099 |
| Toros I. | 1099-1129 |
| Leo I. | 1129-1137 |
Byzantinische Herrschaft
1137-1145
| Toros II. | 1145-1169 |
| Ruben II. | 1169-1170 |
| Mleh | 1170-1175 |
| Toros III. Ruben | 1175-1187 |
| Leo II. | 1187-1216 |
| Bohemund-Ruben | 216-1219 |
| Zabel (Isabella) | 1219-1252 |
| Hetum I. | 1226-1269 |
| Leo III. | 1269-1289 |
| Hetum II. | 1289-1293 |
| Theodor III. | 1293-1295 |
| Hetum II. | 1295-1296 |
| Simpad | 1296-1297 |
| Konstantin I. | 1297-1300 |
| Hetum II. | 1300-1305 |
| Leo IV. | 1305-1308 |
| Ochin | 1308-1320 |
| Leo V. | 1320-1341 |
| Konstantin II. | 1342-1344 |
| Konstantin III. | 1344-1363 |
| Konstantin IV. | 1363-1373 |
| Leo VI. | 1374-1375 |