Einziger Sohn des Fürsten Raimund I. von Poitou
und der Konstanze I. von Antiochia, Tochter von Fürst Bohemund
II.
Thiele, Andreas: Tafel 173
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
BOEMUND III. "DER STAMMLER de Poitou
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* um 1146, + 1201
Sohn des Fürsten Raimund I. von Antiochien, Mutter ist Fürstin Konstanze d'Hauteville von Antiochien
Bohemund III. der Stammler folgte 1163 seiner Mutter und seinem Stiefvater als Fürst von Antiochia und war durch seine Schwester Xenia-Maria Schwager von Kaiser Manuel I. von Byzanz, durch seine Halbschwester Agnes von Bela III. König von Ungarn-Kroatien. Er geriet 1164 in der Schlacht bei Harem in Gefangenschaft und kam erst 1165 wieder frei. Er setzte danach die typischen Plünderungsfeldzüge und Fehden fort und gewann nach Erlöschen der Dynastie TOULOUSE 1187 die Grafschaft Tripolis dazu und erbte von seiner Mutter auch Latakia und Jabala. Bohemund III. stritt mit dem Patriarchen von Antiochia wegen Lehensfragen und Kompetenzen und auch wegen seiner unkirchlicher Ehen. Er ließ dabei sogar Kirchen und Klöster plündern und wurde zeitweise exkommuniziert. Er schüttelte nach dem Zusammenbruch der byzantinischen Großmacht 1176 die byzantinische Hoheit des Schwagers ab, geriet später in armenische Gefangenschaft und mußte Vasall von Armenien-Kilikien werden. Bohemund III. verlor 1188 bedeutende Gebiete an Saladin, unter anderem Latakia und viel Hinterland mit Harenc, Apamea und Alexandrette, geriet zuletzt gegen seinen Sohn und wurde ganz zurückgedrängt.
um 1175-1180
oo Theodora von Byzanz, Tochter des Sebastos Johannes
Komnenos (geschieden)
+ nach 1180
1181- um 1199
oo Sibylle N. (geschieden)
um 1199
oo Isabella N.
+ um 1216
Insgesamt 7 Kinder.
Mayer, Hans Eberhard: Seite 107,110,111,119,122
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Nach der Gefangennahme Rainalds von Chatillon (1161) wandten
sich die Barone wegen der Regelung der Nachfolge nicht an ihren neuen Oberherrn,
Kaiser
Manuel, sondern traten den Weg nach Jerusalem an, und Balduin
III. setzte gegen die Ansprüche der Fürstin Konstanze
den wieder zurückgekehrten Patriarchen Amalrich ein. Nach dem Tod
seiner Gattin wählte Manuel
für
eine neue Ehe Maria von Antiochia,
die Tochter Konstanzes, die sich bei Manuel
über
die Regelung der antiochenischen Frage beschwert hatte. Es kam allerdings
erst 1163 zu einer Lösung der Regierungskrise, nachdem die Barone
Konstanze
aus der Stadt vertrieben und ihren Sohn BohemundIII.
eingesetzt
hatten.
Bei Artah schlug Nur ad-Din
im August 1164 die verbündeten tripolitanisch-antiochenischen Truppen
entscheidend und nahm Bohemund III. von Antiochia und Raimund III.
von Tripolis gefangen, von denen der erste bald freikam. Bohemund III.
hatte sich schon 1165 mit einer Nichte Kaiser
Manuels vermählt und auch einen griech-schen Patriarchen
in Antiochia eingesetzt.
Nach dem Aussterben der Dynastie TOULOUSE mit Raimund
III. von Tripolis nach der Schlacht bei Hattin (1187), sollte dessen Patensohn
Raimund
von Antiochia, der älteste Sohn Bohemunds III., die Nachfolge
antreten. Bohemund III. setzte aber seinen jüngsten Sohn Bohemund
IV. in Tripolis ein. Zwischen Bohemund III. und seinem kleinarmenischen
Vasallen Leo II. aus dem Hause der
RUPENIDEN
spitzte sich die Situation seit dem Fall Jerusalems, dessen Könige
früher die Protektoren Antiochias gewesen waren, immer mehr zu, da
sich Bohemund durch
Leo bedroht
fühlte. In der Tat ließ ihn dieser 1194 hinterlistig gefangennehmen,
aber Leos Versuch, sich Antiochias
zu bemächtigen, scheiterte am Widerstand der damals in der Stadt organisierten
Kommune. Auf Bitten der Antiochener griff König
Heinrich von Champagne ein, reiste 1194 nach Kleinarmenien und
bewog Leo zur Freigabe Bohemunds.
Dafür wurde Leo aus der antiochenischen
Lehnshoheit entlassen. Bohemunds
Sohn
Raimund heiratete als
Zeichen der Aussöhnung Leos
Nichte
Alice,
starb aber bald, nachdem ihm ein Sohn Raimund Rupen geboren war.
Durch den vorzeitigen Tod Raimunds war die Erbfolge in Antiochia
völlig offen, und als dann noch Bohemund III. starb, brach
ein erbitterter Krieg zwischen Kleinarmenien und Tripolis um die Thronfolge
aus, der 15 Jahre dauen sollte.
Pernoud Regine: Seite 128-130
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"
Das Fürstentum Antiochia wurde damals - zum Zeitpunkt
der Niederlage von Hattin bereits seit mehreren Jahren - wegen einer Frau
von heftigen Stürmen heimgesucht. Fürst Bohemund III.
mit dem Beinamen der Stotterer hatte sich von zwei Ehefrauen getrennt.
Eine davon hieß Orguillosa und war die Tochter des Herrn von
Harenc; die zweite soll eine byzantinische Prinzessin namens Theodora
Komnena gewesen sein. Um 1183 hatte er eine gewisse Sibylle
geheiratet, die Schwägerin des Herrn der Festung Burzey, die im Süden
des Fürstentums, unweit des Orontes lag. Diese Sibylle hatte
einen üblen Ruf. Einige Chronisten bezeichnen sie als pervers, andere
unumwunden als Hure. Immerhin liebte Bohemund sie abgöttisch.
Kein Wunder, dass er dadurch einen Skandal heraufbeschwor und von allen
Seiten mit Vorwürfen überschüttet wurde. Empört darüber,
dass man ihn der Bigamie beziehungsweise der Trigamie bezichtigt und der
Patriarch Amalrich von Limoges ihn exkommuniziert hatte, geriet er in einen
regelrechten Verfolgungsrausch gegenüber den Klerus. "Er begann, die
Bischöfe und alle Geistlichen zu bekämpfen, ließ sie schlagen,
verletzen und töten; er ließ die Klöster und Abteien zerstören;
er ließ alles rauben, was er finden konnte, Reliquien und andere
Dinge."
Einer seiner Vasallen, Rainald Mazoir, Herr der Festung
Margat, war außer sich über dieses Vorgehen. Er nahm den Patriarchen
bei sich auf, erklärte sich zum Beschützer der verfolgten Geistlichen
und bot ihnen in seiner mächtigen Festung Schutz vor dem Wüten
Bohemunds.
Das Fürstentum Antiochia wurde mit dem Bann belegt, die Barone und
auch König Balduin IV. versuchten,
Bohemunds
Raserei Einhalt zu gebieten. Vorübergehend, nach Intervention des
aussätzigen Königs, schien es, als habe er sich beruhigt; doch
kurz darauf kam seine Wut erneut zum Ausdruck. Da einige der verfolgten
Ritter sich nach Armenien geflüchtet hatten, geriet er in Konflikt
mit den Armeniern Kilikiens. Das alles spielte sich zu einem Zeitpunkt
ab, als sich die Ereignisse anbahnten, die auf dem Schlachtfeld von Hattin
in einer Katastrophe endeten. Auch das Fürstentum Antiochia fühlte
sich bedroht, nachdem Saladin die Hafenstadt
Latakia eingenommen hatte. Nach und nach fielen ihm die Burgen, die zur
Verteidigung des Landes gebaut worden waren, in die Hände, einschließlich
der bedeutednen Festung Sahyun, von der heute noch Reste zu sehen sind,
vor allem der eindrucksvolle, 228 Meter hohe Brückenpfeiler, den die
Baumeister beim Anlegen des Festungsgrabens aus dem gewachsenen Felsen
herausgehauen hatten, um die Zugbrücke abzustützen.
Den Vorstößen des Feindes gegenüber schien
Bohemund
III. machtlos zu sein, da alle seine Bemühungen, ihn aufzuhalten,
vereitelt wurden. Bis man eine überraschende Entdeckung machte: Besagte
Sibylle - aus Liebe zu ihr hatte er sich mit den Baronen überworfen
- betätigte sich als Spionin Saladins.
"Die Frau des Fürsten von Antiochia hatte sich auf die Seite des Sultans
geschlagen", schreibt der Chronist Imad ed-Din. "Sie kundschaftete für
ihn seine Feinde aus, beriet ihn, gab ihm Anweisungen und verriet ihm ihre
Geheimnisse; der Sultan schickte ihr kostbare Geschenke. "Das bestätigte
auch Ibn al-Athir: "Sie schickte Botschaften an den Sultan und lieferte
ihm nützliche Hinweise." Deshalb behandelte Saladin
den Burgherrn von Burzey, seine Frau und die ganze Familie nach der Einnahme
ihrer Burg sehr rücksichtsvoll und gewährte ihnen freien Abzug
nach Antiochia.
Die gerissene Sibylle machte sich die Schwäche
oder besser gesagt, die Erbärmlichkeit Bohemunds III. zunutze,
doch ließ sie es dabei nicht bewenden. Bohemund war für
sie anscheinend aufgrund der Niederlagen, die ihm
Saladin zugefügt hatte, nicht mehr interessant genug, so
dass sie sich ausgerechnet den Armeniern zuwandte, mit denen er ihretwegen
im Streit lag. 1194 gelang es ihr, Leo II. von
Kilikien mit dem Beinamen der Große zu verführen.
Sie scheute sich nicht, mit ihm ein Mordkomplott gegen ihren Mann zu schmieden.
Bei einem Ausritt mit einigen seiner Barone wurde Bohemund von dem
armenischen Fürsten gefangengenommen. Das Angebot, sich durch Auslieferung
der Stadt Antiochia freizukaufen, lehnte er ab. Nach einem Aufstand der
Bevölkerung Antiochias und einer Intervention Heinrichs
von der Champagne, des neuen Königs von Jerusalem, wurde
die Angelegenheit durch einige Gebietsabtretungen und die Vermählung
der Nichte Leos II. mit Bohemunds
Sohn bereinigt. Dies geschah 1195, acht Jahre nach der Katastrophe von
Hattin.
Dass Bohemund mit seinen drei Ehefrauen in seinem
Privatleben von den muslimischen Sitten beeinflußt war, ist offensichtlich;
dass seine Partnerin in Saladin verliebt
war oder zumindest in seine großzügigen Geschenke ist wahrscheinlich.
1168/70
1. oo Orgillosa von Harenc
- nach 1175
1175/77
2. oo 1. Theodora Komnena, Tochter des Sebastos
Johannes
- 1180
- nach 1182
1181
3. oo Sibylle
-
1199
4. oo Isabella
- um 1216
Kinder:
1. Ehe
Raimund II. Graf von Tripolis
um 1170- 5./6.1199
Bohemund IV. der Einäugige
um 1172- 3.1233
2. Ehe
Manuel
1176-27.6.1211
3. Ehe
Alice
-
1204
oo Guido I. Embriaco von Dschebail
- 1233
Bohemund Herr von Boutron
- 1244
oo N.N. Erbin von Boutrun
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Literatur:
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Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig
1880 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag
W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 107,110,111,119,122 - Norwich John
Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag
GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 150,167 - Pernoud
Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau
1995 Seite 128-130 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge,
Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 545-912
- Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur
europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs-
und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994
Tafel 173,174 - Zöllner Walter: Geschichte der Kreuzzüge.
VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977 Seite 115 -