Pernoud Regine: Seite 228-250
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

Peter I. wurde am 24. November 1358 in der Sophienkathedrale in Nikosia gekrönt. Im April 1360 erhielt er in der Kathedrale von Famagusta den ebenso glorreichen wie fiktiven Titel "König von Jerusalem". Gleichzeitig ließ er seine Gemahlin krönen, "ein schönes Mädchen aus Katalonien mit Namen Eleonore" schreibt ein Chronist. Sie war eine Enkelin Jakobs II. von Aragon. Diese beiden an Leidenschaftlichkeit ebenbürtigen Charaktere - im Guten wie im Schlechten - übernahmen mehr als 200 Jahre nach Fulko und Melisende die Krone Jerusalems. Die Krönung des Königspaares wurde eine Woche lang mit rauschenden Festen gefeiert, ganz im Stil des Rittertums des 14. Jahrhunderts. Die ausgelassene Fröhlichkeit in Famagusta artete in öffentlichen Aufruhr aus, gegen den mit aller Härte vorgegangen wurde. Nach den Krönungsfeierlichkeiten gelang es Peter, den Türken die Stadt Korykos in Kilikien wegzunehmen, nachdem die griechischen und armenischen Einwohner ihn zu Hilfe gerufen hatten. Noch voller Tatendrang überfiel er im August 1361 die bedeutende, im Besitz des Emirs Tekke befindliche Hafenstadt Sattalia (Adalia) an der Küste Pamphiliens. Nachdem der Emir geflohen war, beauftragte Peter einen Ritter aus seinem Gefolge, Jakob von Nores, mit der Kontrolle über den Hafen und die Stadt und kehrte nach Zypern zurück, wobei er unterwegs noch einige kleinere Plätze an der Küste einnahm. Damit gelangten wichtige Stützpunkte an dieser Küste, die bislang ganz in türkischer Hand gewesen war, in zyprischen Besitz. Doch Peter I. verfolgte ehrgeizigere Pläne; sein Traum war die Rückeroberung des Königreichs Jerusalem, dessen Titel er trug und als dessen Erbe er sich fühlte. Auf Zypern war die Hoffnung, das verlorene Königreich zurückzugewinnen, immer lebendig geblieben, zumal die ständige Bedrohung durch die Türken tagtäglich an diesen Konflikt erinnerte, der im Abendland schon fast in Vergessenheit geraten war. Peter hatte sich vorgenommen, die erloschene Kreuzzugsflamme wieder anzufachen und wollte selbst nach Europa reisen, um die Christenheit des Mittelalters aus ihrer Lethargie wachrütteln.
Am 24. Oktobert 1362 schiffte sich Peter zusammen mit einem großen Gefolge in Paphos ein. Eleonores Hemd nahm er wie einen Schatz mit. Nach einem Zwischenaufenthalt auf Rhodos landete er in Venedig, wo er den ganzen Dezember verbrachte. Von dort trat er am 2. Januar seine große Rundreise an, die er sich als junger Mann erträumt hatte: Sein Weg führte ihn nach Padua, Verona und Mailand, wo er von den VISCONTIS empfangen wurde, und schließlich nach Pavia und Genua. Guillaume de Machault, der berühmteste französische Dichter und Komponist seiner Zeit, bewunderte Peters Kühnheit und glänzende Erscheinung. In überschwenglichen Versen schildert er diese Reise, deren Höhepunkt ein Empfang bei Papst Urban V. in Avignon bildete. Überall, wohin er kam, wurde Peter I. geehrt und vom Volk bejubelt.
Er traf sich in Avignon mit dem französischen König Johann dem Guten und im Sommer weilte er in Flandern, Brabant und Deutschland. Im Oktober fuhr er über den Kanal nach England, wo er großartig empfangen wurde. Im Februar 1364 nach Frankreich zurückgekehrt, nahm Peter I. am 7. Mai an der Beisetzung König Johanns teil und etwas später in Reims an der Krönung Karls V. Den folgenden Sommer verbrachte er in Deutschland, in Bayern, Sachsen, Böhmen, Polen und Österreich, überall gefeiert und mit Geschenken überhäuft, die er mit fürstlicher Großmut erwiderte, denn Zypern, inzwischen Zentrum des Handels mit Perlen und Edelsteinen, verfügte über enorme Reichtümer.
Vermutlich im Juni 1365 schiffte sich Peter in Venedig ein und machte auf Rhodos Station, wo er zwei Monate blieb. Inzwischen hatte er einige Fürsten und Ritter für seine Sache gewinnen können, so dass er immerhin über eine Flotte von 115 Schiffen mit etwa 10.000 Mann verfügte: 1.000 Reiter sowie Bogenschützen und "Artelleristen", die die Wurfmaschinen bedienten. Auf Rhodos hatten die im Mittelmeer stets aktiven Johanniter 4 Galeeren mit 100 Kriegern und Pferden ausgerüstet. Mit dieser Streitmacht holte Peter zu einem für die ganze damalige Welt überraschenden Schlag aus. Am 9. Oktober 1365 traf seine Flotte vor Alexandria ein: "Beim Anblick des königlichen Heeres gerieten die Sarazenen in Panik. Viele ließen die Stadt im Stich und flüchteten", notiert der Chronist Machairas. Nachdem sie sich von ihrem Schreck erholt hatten, wollten sie zum Gegenangriff übergehen, in der Meinung, der König habe keine Berittenen bei sich, doch sie wurden "vom Entsetzen gepackt, als sie die Reiterei der Christen sahen", die auf Peters Anweisung bei Tagesanbruch an Land ging. Sein Kämmerer Perceval de Cologne, ein Ritter aus dem Poitou, der viele Jahre in Alexandria in Gefangenschaft verbracht hatte und sich in der Stadt gut auskannte, riet ihm, die Reiterei vom Alten Hafen aus angreifen zu lassen. Binnen kurzem war "die Stadt Alexandria eingenommen, verwüstet und gebrandschatzt", wie es bei Guillaume de Machault heißt, der die Expedition in allen Einzelheiten schildert. Der Angriff auf die stark befestigte Stadt war allerdings ein gewagtes und schwieriges Unternehmen. "Aber Gott war den Christen gnädig; als die Soldaten ihre Pferde bestiegen, näherten sich die Galeeren und fuhren in den Alten Hafen ein, während das Landheer auf die Stadt zumarschierte. 5.000 Sarazenen verteidigten die Tore, doch die Christen zündeten sie an und drangen in die Stadt ein. Unterdessen liefen die Galeeren in den Alten Hafen ein. So wurde mit Gottes Hilfe Alexandria eingenommen, die mächtigste Stadt, die die Sarazenen an der Küste besitzen. Das geschah am Freitag, dem 10. Oktober 1365 um vier Uhr."
Eine schier unglaubliche Blitzaktion: Keinem der früheren Kreuzzüge war es gelungen, Alexandria einzunehmen. Dieser glänzende Sieg blieb aber letzten Endes ohne weitreichende Folgen, abgesehen davon, dass die Teilnehmer sich durch Plünderungen bereicherten. Der König soll nobel jede Art von Beute abgelehnt haben. Seine Umgebung war sich jedoch im klaren, dass die Stadt einen unmittelbar bevorstehenden Gegenangriff der Mamluken nicht standhalten konnte. "Der König beriet sich mit dem Legaten und den Rittern, die ihm einmütig versicherten, dass sie keinen Grund sähen, länger in Alexandria zu bleiben, und lieber in ihr Land zurückkehren wollten." Kurz und gut, die Flotte segelte nach Limassol zurück, "wo alle, der König, die Ritter und die Barone, unter großem Jubel an Land gingen". Dass die Stadt gleich nach ihrer Eroberung wieder aufgegeben wurde, deutete bereits auf tiefgreifende Wandlungen der Ideale des Rittertums hin: Die Heldentat, die Peter und seine Kampfgenossen vollbracht hatten, entpuppte sich als völlig nutzlos.
Während die Reaktionen in Europa unterschiedlich ausfielen, bereitete der König eine weitere Expedition vor, diesmal nach Beirut.
Peter konnte seine Verbitterung über diesen nutzlos vergeudeten Sieg nur schwer verwinden. Trotzdem gab er die Hoffnung nicht auf, die Christenheit doch noch für die Befreiung Jerusalems zu gewinnen. Nach einigen militärischen Aktionen in Tripolis und Tortosa an der syrischen Küste und in Ayas in Kilikien entschloß er sich, noch einmal nach Europa zu reisen, um die Fürsten für einen Kreuzzug zu mobilisieren. Mittlerweile erhielt Peter die Nachricht, dass die Armenier ihn zum König ernannt hatten. Seine engen Beziehungen zu den orientalischen Christen und Peters hohes Ansehen waren der Grund für seine Ernennung nach dem Tod des armenischen Königs Livon von Lusignan, der übrigens sein Vetter gewesen war. Peter scheint keine Eile gehabt zu haben, sich krönen zu lassen, so sehr war er mit den Vorbereitungen für seine zweite Reise nach Europa beschäftigt.
Auch diesmal fiel ihm der Abschied von Eleonore schwer; sie liebten sich anscheinend immer noch leidenschaftlich, denn er vergaß auch diesmal nicht, ein Hemd von ihr mitzunehmen. Allerdings war für beide die Ehe kein Hindernis: Wie wir gleich sehen werden, war Peters Aufenthalt in Zypern nicht nur mit ehelichen Pflichten ausgefüllt gewesen.
Nach seiner Überfahrt wurde er in Rom von Papst Urban V. mit den höchsten Ehren empfangen, anschließend begrüßte man ihn in Treviso und dann in Florenz.
Nach ergebnislosen Verhandlungen trat Peter am 23. September 1368 die Heimreise nach Zypern an. Seine beiden Geliebten, von Johann von Morphu bestochen, belogen ihn über das Verhalten der Königin. Doch der Verdacht der Untreue, der auf der Königin lastete, und das Leid, das sie seiner Geliebten zugefügt hatte, depremierten ihn zutiefst. Hinzu kam seine Verbitterung über die Fürsten des Westens, die auf seine Apelle zu einem neuen Kreuzzug nicht eingegangen waren. Auf jeden Fall gab das Benehmen des Königs nach seiner Rückkehr den Seinen Anlaß zu tiefer Besorgnis. Der Zustand des Königs verschlimmerte sich zusehends. "Er vergriff sich an den Damen Nikosias, von hohem oder niederen Stand; es wäre eine große Schande, sie alle aufzuzählen." Von allen Seiten schlug ihm deshalb Haß entgegen, der beim geringsten Anlaß zum Ausbruch kam. Peter ließ sich immer öfter zu völlig unberechenbaren Ausbrüchen hinreißen. Seine Brüder machten ihm wegen seines Verhaltens heftige Vorwürfe. Peter bekam nur einen Wutanfall und beschimpfte sie. Die stolze Eleonore aber brachte er durch seine ständige Untreue immer mehr zur Raserei.
"Allmählich begann die Saat des Hasses aufzugehen", schreibt Machairas. Die Ritter schlossen sich zusammen und wandten sich an die Brüder des Königs. "Seit seiner Rückkehr aus dem Abendland ist er [der König] immer anmaßender geworden und hat aus Haß gegen uns seinen Eid gebrochen, den er uns geschworen hat." Vergeblich versuchte einer seiner Vertrauten, der Admiral Johann von Monstri, den König zur Vernunft zu bringen und die Barone zu besänftigen, die sich in der Kirche St. Georg der Lateiner versammelt hatten, um einen Mordanschlag auf den König zu planen. Nachdem sie eine Nacht beraten hatten und feststand, dass sich Peters Brüder Johann und Jakob ihrer Verschwörung anschlossen, "wurden die Ritter... verwegen, und nachdem sie sich untereinander beraten hatten, sagten sie: 'Wir haben die Brüder des Königs immer gebeten, auf ihn einzuwirken, damit er verspricht, uns ehrenhaft zu behandeln, doch wenn wir ihn nicht zügeln, wird er uns alle umbringen. Bevor er  gekrönt wurde, hat er uns sein Versprechen gegeben und sich nach diesem Eid die Krone aufgesetzt. Aber alle diese Schwüre sind vergessen, denn er verstößt gegen die Assisen und gegen Gott. Wer könnte seinen Schwüren und Versprechen in Zukunft noch Glauben schenken?" Die Verschwörung nahm Gestalt an. "Um Mitternacht zwangen sie die Brüder des Königs, ihre Pferde zu satteln und die gefangenen Ritter von ihren Ketten befreien zu lassen. So kamen Jakob und Marisavon Gibelet wieder frei."
Unterdessen wurde der Geisteszustand des Königs immer kritischer."Am Mittwoch, dem 17. Januar 1369, zu früher Stunde, begaben sich alle Ritter zusammen mit dem Fürsten [Johann von Lusignan] und seinem Bruder [Jakob] zum Palast des Königs, stiegen vor der Treppe ab und gingen mit den befreiten Gefangenen hinauf zu den Gemächern des Königs. Der Fürst klopfte vorsichtig an die Tür. Der Kammerdiener öffnete, und nach den Brüdern des Königs stürzten alle hinein. Der König hörte den Lärm, erhob sich vom seinem Bett und schrie: 'Wer sind diese Männer, die gerade hereingekommen sind?' Madame Eschiva von Scandelion, die bei ihm im Bett lag, erwiderte: 'Das können nur deine Brüder sein.' Die Dame stand auf, zog sich an, verließ das Zimmer und ging hinunter in die Kammer, wo sich Sättel für die Turniere befanden. Dann machte sie die Falltür zu."
"Als der Fürst [Johann] sah, dass Madame von Scandelion den König verlassen hatte, betrat er das Gemach und begrüßte ihn... 'Guten Tag, mein Herr.' Der König antwortete ihm: 'Guten Tag, mein lieber Bruder.' Der Fürst sagte: 'Wir haben uns die ganze Nacht bemüht, unsere Meinung schriftlich darzulegen. Wir bringen sie Dir, damit du sie lesen kannst.' Der König war nur mit einem Hemd bekleidet, und es war ihm peinlich, sich vor seinem Bruder anzukleiden. Deshalb bat er ihn: 'Mein Bruder, geh ein wenig nach draußen, damit ich mich anziehen und Euer Schreiben lesen kann.' Der Fürst zog sich zurück... Der König begann sich anzukleiden, und als er in den einen Ärmel seines Gewands schlüpfte, wandte er den Kopf, um den anderen anzuziehen. Da sah er die Ritter in seinem Zimmer und fuhr sie an: 'Ihr Feiglinge und Verräter, was wollt Ihr zu dieser Stunde in meinem Zimmer?' Die Ritter waren zu dritt: Philipp von Ibelin, Herr von Arsuf, Heinrich von Gibelet und Jakob von Gaurelle. Sie zogen blitzschnell ihre Schwerter, und jeder versetzte dem König drei oder vier Hiebe. Der König fing an zu schreien: 'Zu Hilfe, Erbarmen!' da lief Jean Gorap, der Bailli des Hofes, herbei, und als er sah, dass der König ohnmächtig war, zog er sein Messer und schnitt ihm den Kopf ab mit den Worten: 'Du wolltest mich heute enthaupten lassen, da hast Du es, ich schneide Dir den Kopf ab, und Deine Drohung fällt auf Dich zurück'" Eine grausame Szene, mögen Peters Vergehen auch noch so schwer gewesen sein, ein unerhörter Vorgang, für den es in den Annalen des Feudalismus im Okzident bis dahin kaum ein Beispiel gegeben hatte."