2. Sohn des Markgrafen Wilhelm der Alte von Montferrat
und der Judith von Österreich, Tochter von Markgraf Leopold
III.; Urenkel von Kaiser HEINRICH IV.
Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1342
********************
Konrad von Montferrat, König von Jerusalem
-----------------------------
* um 1146, + 28. April 1192
Tyrus
Jüngerer Sohn Markgraf Wilhelms V. von Montferrat
und der Judith von Österreich, Onkel König
Balduins V. von Jerusalem, Vetter Kaiser
FRIEDRICHS I. und des
französischen
Königs Ludwig VII.
1. oo N.N.
-
Frühjahr 1187
2. oo Theodora, Schwester des byzantinischen Kaisers
Isaak II.
-
noch 1187 verlassen
24.11.1190
3. oo Isabella, Tochter König Amalrichs I.
von Jerusalem
1171- nach 1.4.1205
Tochter aus 3. Ehe:
-----------------------
Königin Maria von Jerusalem
Nach Teilhabe an der bewegten Geschichte Reichsitaliens
und Zwischenspielen in Konstantinopel landete Konrad
kurz nach der Katastrophe von Hattin in Tyrus, wo er, das Kommando über
die Stadt übernehmend, zwei Belagerungen Saladins
abwehrte.
In Rivalität zu König Guido
baute Konrad Tyrus zu seiner Machtbasis
aus. Nach dem Tod der Königin Sibylle
und ihrer Töchter 1190 (Erlöschen der rechtlichen Legitimation
der Königswürde
Guidos) setzten
die Gegner des LUSIGNAN die Vermählung
Konrads
mit Sibyllas Stiefschwester und Erbin
Isabella
durch.
Im Mai 1191 bezeichnete sich Konrad
als
rex electus. Nach dem Fall Akkons setzte König
Richard I. Löwenherz durch, dass
Guido als König, Isabella
und Konrad als Thronfolger anerkannt
wurden. Richards Entschluß zur
Rückkehr nach England ermöglichte im April 1192 die Entscheidung
der Barone, allein Konrad als König
zu akzeptieren, doch wurde er wenig später von Assassinen ermordet.
XIII. 273. KONRAD, Markgraf von Montferrat
1183, Gegen-König von Jerusalem
--------------------------
* ca. 1146, + 1192 28. IV.
Gemahlinnen: a) vor 1179 N.N.
b) 1187 Theodora, Schwester des Kaisers Isaak II. Angelos von Byzanz, verlassen 1187
c) 1190 24. XI. Isabelle, Tochter Amalrichs I. von Anjou, Königs von
Jerusalem
+ ca. 1208
(siehe XIV, 59)
ISABELLA D'ANJOU
------------------------------
* 1172, + 1206
1190
oo KONRAD, Markgraf von Montferrat
+ 1192 ermordet durch den "Alten vom Berge"
Byzantinischer Cäsar,
Fürst von Tyros,
das er gegen Sultan Saladin behauptet;
Onkel des Königs Balduin V. von Jerusalem
Schroffer Gegner seines Schwagers König
Guido I. de Lusignan von Jerusalem, anerkannte ihn formal 1190,
bekommt Sidon und Beirut dazu; unterstützt letztlich auch König
Richard I. Löwenherz, war vorher Parteigänger von
König
Philipp II. von Frankreich; wird 1191/92 durch einen Kompromißfrieden
König
von Jerusalem, während Guido
auf Cypern beschränkt wird. Beherrscht als König nur etliche
Küstenplätze, unter anderem Jaffa, Haifa, Sidon, Tyros, Cäsarea,
Beirut und Akkon als Residenz.
KONRAD
--------------
* um 1146, + 1192 ermordet
Konrad wurde Gegner von Kaiser BARBAROSSA, stellte sich deshalb den lombardischen Städten zur Verfügung, nahm mit dem Vater das Kreuz und war zeitweise Regent von Montferrat. Er ging zuerst in byzantinische Dienste, besiegte 1186 den Gegen-Kaiser Alexios Branas und wurde Cäsar, machte 1187 die Schlacht bei Hittin gegen Saladin mit und rettete vor diesem Tyros. Er wurde dessen Fürst und stützte sich auf König Philipp II. von Frankreich gegen seinen königlichen Schwager Guido von Lusignan. Er wurde 1191 durch einen Kompromißfrieden König von Jerusalem, nahm Beziehungen zu Saladin auf gegen König Guido, der auf Zypern beschränkt wurde. Er wurde durch den "Alten vom Berge", dem Haupt der Assassinen, ermordet.
1187
oo Theodora Angelina von Byzanz
+ nach 1195 als Nonne
1187 wieder verstoßen
Tochter des kaiserlichen Generals Andronikos Dukas-Angelos, Schwester des Kaiser
1190
oo Isabella d'Anjou von Jerusalem, Tochter und
Erbin des Königs Amalrich I.
+ 1206
Goez, Werner: Seite 331-341
************
"Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen
Salier und Staufer."
Markgraf Konrad von Montferrat (+ 28.4.1192)
Ums Jahr 1146 wurde Konrad von
Montferrat geboren, der zweite Sohn des Markgrafen Wilhelm
des Alten, und der Judith von Österreich, einer
Enkel-Tochter Kaiser HEINRICHS IV.
Sowohl Kaiser FRIEDRICH BARBAROSSA
wie König Ludwig VII. von Frankreich
waren Vettern Konrads. Urkundlich ist
der Markgrafensohn zuerst 1160 bezeugt, nicht etwa in Ober-Italien, sondern
in Deutschland, in der Umgebung eines Mutterbruders, des namengleichen
Bischofs von Passau aus dem Geschlecht der BABENBERGER, vermutlich
seines Taufpaten, denn "Konrad" war bei den MONTFERRAT bislang
nicht gebräuchlich gewesen. Der junge Prinz dürfte beim Oheim
die Landessprache gelernt haben. Er war dafür begabt; wie später
versichert wurde, beherrschte er außer dem heimischen Italienisch
und dem Deutschen das Französische, Provencalische, Griechsische und
zuletzt wohl auch die Grundlagen des Arabischen.
Der Vater war ehrgeizig; 1166 und 1168 verhandelte er
wegen der Vermählung zweier Söhne mit Heinrich
II. von England und Wilhelm von Schottland.
Es scheint nichts daraus geworden zu sein; aber 1176 heitratete sein Ältester,
Wilhelm
V., genannt "Langschwert", Sibylle,
die Tochter des Königs Amalrich von Jerusalem,
drei Jahre später der Jüngste, Rainer, eine Tochter Kaiser
Manuels von Byzanz, und
1204 Bonifaz, der Drittgeborene, in
zweiter Ehe eine Tochter des Königs Bela
von Ungarn.
Im Zusammenhang mit den Kriegen FRIEDRICHS
I. gegen Alexander III. und die oberitaliensiche Städteliga
begegnet seit 1171/72 der Name Konrads von Montferrat
wiederholt in den Quellen. Er ist wie der Vater ein Parteigänger BARBAROSSAS
und
bewährt sich sowohl im Kriegsgeschäft wie in Politik und Reichsverwaltung.
Von 1176 an erscheint Konrads
Name neunmal in den Zeugenreihen kaiserlicher Diplome, zunächst ohne
Titel, später als Markgraf zusammen mit seinem Bruder Bonifaz,
nachdem Wilhelm Langschwert in Palästina angekommen
und der Vater ihm nachgereist war. 1177 ist Konrad
in Venedig beim Friedensschluß zwischen Kaiser und Papst anwesend;
er vertritt am 22. August seine Schwester Agnes, als sie nach dem
Scheitern der Ehe mit dem toskanischen Grafen Guido Guerra von diesem eine
stattliche Abfindung erhält, die vom Kaiser beurkundet wird
Bald nach 1186 reist er mit seinem Bruder Bonifaz
nach
Byzanz. Kaiser Isaak Angelos II.
will
Bonifaz
sogleich
seine eigen Schwester
Theodora zur Frau geben; aber das erweist
sich als unmöglich, weil der Markgraf bereits verheiratet ist. So
wird die Prinzessin eben
Konrad angetraut,
der (angeblich oder wirklich) gerade Witwer ist. Er nimmt bald eine hohe
Stellung bei Hofe ein, wird schließlich sogar Caesar, "der
Zweite nach dem Kaiser".
Aber gerade wegen der Rolle, die Konrad
beim Sieg über den Empörer Branas spielt und anschließend
wohl auch auskostet, und wegen des Eifers, mit welchem er in der Öffentlichkeit
die Sache der Kaisers zu fördern sucht, so daß man im Volk bald
mehr von ihm als vom Herrscher selbst spricht, komt es zwischen ihm und
Isaak
Angelos zur Entfremdung und schließlich zu erbitterter
Feindschaft. Der Markgraf muß einsehen, daß es nicht nur unsinnig
wäre, sondern für ihn zunehmend immer gefährlicher wird,
in Konstantinopel zu bleiben. Er rüstet ein Schiff aus, heimlich,
wie die abendländischen Quellen wissen wollen, und verläßt
das byzantinische Reich. Alles bleibt hinter ihm zurück: die Gemahlin
Theodora,
die hohe Stellung bei Hofe, Geld und ein reicher Besitz. Statt dessen segelt
er faktisch mittellos in die Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land.
Die Epidemie verändert die Lage noch in anderer
Hinsicht: Sie fordert das Leben von Königin
Sibylle. Entsprechend dem Erbrecht der Kreuzfahrerstaaten trägt
Guido
die Krone von Jerusalem nur auf Grund seiner Ehe mit der älteren Tochter
König
Amalrichs I. Das Didem käme jetzt eigentlich dem Gatten
von Isabella zu, ihrer jüngeren
Schwester. Und wie von selbst wird der Gedanke laut: Wenn Konrad
sich
mit Isabella vermählte, würde
anstelll des sieglosen Guido der siegreich
Markgraf von Montferrat König von Jerusalem!
Freilich hat dieser elegante Vorschlag einen kleinen
Schönheitsfehler: Beide sind seit langem verheiratet; ihre Ehen müßten
erst einmal von der kirchlichen Autorität für ungültig erklärt
werden. Das geschieht; bezüglich Isabellas
dient
als Argument dafür, daß sie zum Zeitpunkt der Hochzeit erst
acht Jahre alt war und daher der notwenige eigene Konsens nicht vorlag.
Zwar protestiert der anwesende Erzbischof von Canterbury in Vertretung
für den erkrankten Patriarchen von Jerusalem, weil die Ehe doch schon
jahrelang bestehe. Aber der Erzbischof von Pisa erklärt als päpstlicher
Legat die Aufhebung der Ehe für rechtens, zumal Humfried von Toron,
Isabellas
bisheriger Gatte, gar nichts dagegen hat. Schwieriger verhält es sich
mit Konrad, denn in Byzanz lebt ja
noch seine ordnungsgemäß angetraute Gemahlin
Theodora.
Aber Konstantinopel ist weit entferrnt und mit den Griechen besteht nun
eimal seit 1054 keine Glaubenseinheit. Der Markgraf besitzt Ehrgeiz und
die nötige Skrupellosigkeit. So geht man über die beiderseitigen
Ehen hinweg: Am 24. November 1190 heiratet Konrad
von Montferrat in aller Form Isabella,
die Erbin des Königreiches Jerusalem.
Runciman Steven: Seite 838
***************
"Geschichte der Kreuzzüge"
Konrads Tod war ein schwerer Schlag für das wiedererstehende Königreich. Hart, ehrgeizig und bedenkenlos wie er war, genoß er doch das Vertrauen und die Bewunderung des einheimischen fränkischen Adels und wäre ein starker und verschlagener König gewesen. Und doch brachte sein Verschwinden einen entschädigenden Ausgleich.
Mayer Hans Eberhard: Seite 69,125,130-135,169,205,218,220,242
******************
"Geschichte der Kreuzzüge"
Nach der Niederlage bei Hattin (1187) krallten sich die
Christen in 3 Küstenstädten fest, die Saladin
nicht bezwingen konnte. Tripolis und Antiochia wurden gerettet durch das
rechtzeitige Eintreffen einer sizilianischen Hilfsflotte, Tyrus hielt einer
zweimonatigen Belagerung Saladins stand.
Die Stadt war unter dem Kommando des kurz nach der Katastrophe eingetroffenen
Markgrafen
Konrad von Montferrat, dessen unbeugsame Energie bei der Verteidigung
zu einem im Abendland weithin gerühmten, leuchtenden Beispiel wurde.
Konrad,
der Mann der Stunde, sah sofort, dass sich ihm hier die Chance seines Lebens
bot. Als er vor Tyrus einen glänzenden Seesieg gegen die Ägypter
erfochten hatte, erzwangen
Saladins Emire
am 1. Januar 1188 die Aufhebung der Belagerung.
Als König Guido von Lusignan
aus der Gefangenschaft entlassen wurde und mit einer Handvoll Ritter nach
Tyrus marschierte, dachte Konrad nicht
daran, aus der von ihm verteidigten Stadt, die Kronbesitz war, zu weichen,
da er Guido nicht mehr als König
anerkannte. Der nun ausbrechende Machtkampf zwischen Guido
und Konrad sah bis 1190 eine beispiellose
Verschleuderung des ohnehin dezimierten Krongutes, von der vor allem die
italienischen und französischen Seestädte profitierten. Konrad
von Montferrat hatte seine Unterstützung Guidos
bei der Belagerung Akkons mittlerweile eingestellt. Im Herbst warenKönigin
Sibylle und ihre beiden Töchter gestorben, und Konrad
strebte
nunmehr selbst nach der Krone. Guido
hatte
nur als Gemahl
Sibylles regiert. Da
Nachkommen nicht vorhanden waren, fiel die Erbfolge an Isabella,
die jüngere Tochter König Amalrichs,
die mit Humfred IV. von Toron verheiratet war. Konrad
ließ durchsickern, dass Isabella geheiratet
habe, ehe sie das vorgeschriebene Alter erreicht hatte. Geschickt verknüpfte
er dieses juristische, wahrscheinlich unzutreffende Argument mit der politischen
Opposition der Barone gegen den jungen Humfred, der 1186 sich sofort Guido
angeschlossen
hatte. In einer Justizkomödie wurde Isabella
von Humfred geschieden und anschließend mit Konrad
getraut
(24. November 1190), obwohl dieser bereits verheiratet war. Der Erzbischof
von Canterbury starb aus Gram über die von ihm bekämpfte Heirat,
aber die Kurie fand sich, wenn auch zögernd, mit der Biganie ab. Der
Winter 1190/91 brachte den Belagerern eine große Hungersnot, für
die man im Feldlager den Markgrafen von Montferrat verantwortlich machte,
der sich nach Tyrus zurückgezogen hatte. Nach der Ankunft des englischen
und französischen Kreuzzugsheeres wurde
Konrad
von Philipp II. August und dem Herzog
von Österreich als neuer Führer der Deutschen gestützt.
Nach der Eroberung Akkons durch die Kreuzfahrer wurde die Regierung des
Landes nun als Kompromiß geregelt: Guido
wurde als König bestätigt, Konrad sollte
sein Erbe sein. Der Kompromiß hatte sich nicht bewährt und auf
Drängen der Barone ließ Richard I.
von England vor seiner Abreise Guido
fallen
und der energische Konrad von Montferrat wurde
zum König gewählt, wie es auch dem geltenden Geblütsrecht
entsprach.
Als am Abend des 28. April 1192 seine Frau Isabella
zu
lange im Bade blieb und daher das Essen nicht beginnen konnte (so will
es der Chronist Ernoul), begab sich Konrad
zum Bischof von Beauvais, um dort zu speisen. Da dessen Mahl aber schon
vorbei war, lief er langsam wieder seinem tyrischem Palast zu. Als er um
die Ecke bog, wurde er von zwei Assassinen erstochen. Die öffentliche
Meinung beschuldigte Richard der Anstiftung.
Der wahre Verantwortliche ist nicht zu erkennen. Nach wenigen Tagen heiratete
Konrads
Witwe den Grafen Heinrich von der Champagne.
Cardini Franco: Seite 246
************
"Friedrich I. Barbarossa"
In jener finsteren Stunde scheint nur ein Krieger, ein
Abenteurer, der aus dem nebligen N-Italien ausgezogen war, um das sagenumsponnene
Vorderasien zu erobern, noch des Namens des christlichen Rittertums würdig
zu sein: Konrad von Montferrat, Mitglied
eines Hauses, das, so scheint es, in der Tat den Weg des Abenteurers gewählt
hat.
Wenige Tage später, Mitte Juli 1187, traf im Hafen
von Tyrus, der einzigen großen Küstenstadt des Königreiches,
die noch in den Händen der Kreuzritter war, der zweite geborene Sohn
des alten Markgrafen ein: Konrad.
Der um 1140 geborene Konrad
war damals im Vollbesitz seiner Kräfte. Zwischen 1177 und 1179 hatte
er, wie wir bereits wissen, sein Glück in Mittelitalien versucht,
wo er auch gegen Christian von Mainz gekämpft hatte. 1183 starb sein
Bruder Rainer, der sich in Konstantinopel mit derbyzantinischen
Prinzessin Maria vermählt hatte, unter mysteriösen
Umständen; und zwei Jahre später - nachdem ein normannischer
Angriffsversuch auf Byzanz fehlgeschlagen war - brach Konrad
seinerseits
in das Neue Rom am Bosporus auf, wo der Basileus
Isaak Angelos ihm seine Schwester Theodora
zur Frau bestimmt hatte. In Konstantinopel hatte er sich heldenhaft gebärdet,
indem er unter anderem den Thron des Schwagers vor einer Revolte rettete;
dieser aber hatte ihm das - da er nur zu gut wußte, wie ungern die
Lateiner in seiner Hauptstadt gesehen waren, und vielleicht auch weil er
Verdacht gegen ihn geschöpft hatte und eifersüchtig war - sehr
unfreundlich vergolten, indem er sich darauf beschränkte, ihm den
Ehrentitel Kaisar (Caesar) zu verleihen.
Da hatte Konrad, der vielleicht um
sein Leben fürchtete, von seinen Schuhen eines rauhen abendländischen
Kriegers den Goldstaub Konstantinopels geschüttelt und sich auf einem
genuesischen oder pisanischen Schiff ins Heilige Land begeben. Dort mußte
er erfahren, dass sich sein Vater in Gefangenschaft befand und die gesamte
Situation verzweifelt war; und von Tyrus aus hatte er den energischen Gegenschlag
geführt. Nach seinen Herrschaftshandlungen zu urteilen, würde
man sagen, dass er sich bereits als Nachfolger seines Schwagers
Balduin IV. und jenes
Balduin V.,
dessen Onkel er war, betrachtet hat. Dieser piemontesische Edelmann, der
bereits byzantinischer Caesar war, wollte also König von Jerusalem
werden (und das sollte ihn für kurze Zeit, 1191 bis 1192, auch gelingen).
Saladin
belagerte
wiederholt Tyrus, aber Konrad vermochte
ihm mit der Tatkraft und Genialität des mutigen Ritters und des großen
Strategen, der in Italien und in Konstantinopel solide Erfahrung gesammelt
hatte, standzuhalten; Konrad
scheint
auch Kriegslisten angewandt zu haben, die er dem von Cornelius Nepos und
von Frontius erzählten Leben des Themistokles entnommen hatte. Es
heißt sogar, Saladin habe mit
ihm zu verhandeln versucht und ihm im Tausch für Tyrus das Leben und
die Freiheit seines alten Vaters angeboten. Aber Konrad
habe verächtlich geantwortet, dass er für den Vater niemals auch
nur das unbedeutendste Steinchen von Tyrus preisgeben würde, ja, dass
es ihn auch nicht beeindrucken würde, wenn sich der Greis unter der
Mauer einfände, denn er habe lange genug gelebt. Der Kurdenführer
seinerseits war zu großherzig und klug, um sich mit einem nutzlosen
Verbrechen zu beflecken: Allem Anschein nach hat er den alten Markgrafen
freigelassen, der 1188 friedlich in Italien starb.
An Konrad war es
auch, die psychologische Propaganda für den neuen Kreuzzug zu organisieren.
Er ließ ein Tafelbild malen, auf dem ein grimmiger sarazenischer
Krieger dargestellt war, der sich auf das Grab Christi stürzte, während
sein Pferd das ehrwürdige Heiligtum entweihte, indem es sich darüber
entleerte. Erzbischof Josse von Tyrus wurde beauftragt, mit dem Bild durch
Europa zu reisen, um in den Herzen Erschütterung und Entrüstung
zu erregen. Außerdem schrieb Konrad
an die Genuesen, an die Pisaner, an den Kaiser, an den König von England
und an den König von Ungarn. Und tatsächlich erleben wir bereits
in den ersten Februartagen 1188 in den Städten Italiens die Vorbereitungen
für den Aufbruch der Kreuzzugskontingente.
Csendes, Peter: Seite 120,121,122
*************
"Heinrich VI."
Während der Zeit seiner Gefangenschaft erwuchs Guido
im Kreis der Kreuzritter in Konrad von Montferrat,
der Tyrus und einige andere Stützpunkte nahe der Küste retten
konnte, ein Konkurrent um die Königskrone.
Richard stellte sich in diesem zwist sofort voll auf die Seite
der LUSIGNANS, die alte Lehensleute
der PLANTAGENETS waren. Guido
vermochte dabei allerdings zusätzlich darauf bauen, daß Konrad
unterdessen die Unterstützung König
Philipps gefunden hatte.
Die zurückbleibenden Kreuzfahrer konnten sich jedoch
Guido
nicht mehr als militärischen Anführer vorstellen. So wurde Konrad
von Montferrat zum König gewählt. Doch noch ehe er
gekrönt war, fiel er am 28. April 1192 einem Mordanschlag zum
Opfer. Der Auftrag dazu ging von dem legendenumwobenen Alten vom Berg aus,
dem Führer der syrischen Assassinensekte. Es verbreitete sich aber
schnell das Gerücht,
Richard hätte
hinter dem Anschlag gestenden.
1. oo N.N. (Italienerin)
-
1187
2. oo Theodora Angelina von Byzanz, Tochter des
Andronikos Dukas-Angelos
- nach 1195
Schwester des Kaisers Isaak II.
24.9.1190
3. oo 2. Isabella I. Königin von Jerusalem
1171- 1205
Kinder:
3. Ehe
Maria I. la Marquise
nach 15.6.1191- 1212
14.9.1210
oo Johann Graf von Brienne
um 1150-21.3.1237
Literatur:
-----------
Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen
Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite
73-75,78,81 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 19 Seite 39 -
Cardini,
Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria
Graz 1990, Seite 224,226,246,255 - Csendes, Peter: Heinrich VI.,
Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 120,121,122,123,126
- Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die
Macht. Primus Verlag 2003 Seite 132 - Goez, Werner: Lebensbilder
aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag
Darmstadt 1998, Seite 331-341 - Großer Bildatlas der Kreuzzüge.
Sechs Jahrhunderte abendländischer Kultur- und Glaubensgeschichte.
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1992 Seite 62 - Jones Terry/Ereira
Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 163,178,180,187,193,200
- Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig
1880 - Lechner, Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von
Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992,
Seite 185,367 A 80 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer
Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite 300,304,307,309 - Le
Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 485
- Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W.
Kohlhammer GmbH 1995 Seite 69,125,130-135,149,205,218,220.242 - Payne
Robert: Die Kreuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab.
Albatros Verlag Düsseldorf 2001 Seite 221,269 - Pohl,
Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von
Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 189,197, 204,207,209 - Runciman,
Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C.
Beck München 1978, Seite 744-839 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband
2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II
Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 459 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 172 - Toeche,
Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
1965, Seite 109,252,253,254,256,258,267, 337 - Zöllner Walter:
Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften
Berlin 1977 Seite 118,125,228 -