MONTFERRAT MARKGRAFEN VON
 

STAMMTAFELN ZUR GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN Band II Tafel 136-137
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 790
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Mon(t)ferrat, Markgrafen von
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Stammen über Wilhelm III. (1085), Wilhelm II. (1059), Wilhelm I. (991-1031) und Oddo (961) von Aleram ab (der zwischen 958 und 961 als Markgraf bezeichnet wird); von einem anderen Sohn Alerams, Anselm, leiten sich die markgräflichen Familien DEL BOSCO, DI PONZONE und DEL VASTO (später DEL CARRETTO genannt) ab. Das umfangreiche Patrimomium an Ländereien und Rechten, das der Spitzenahn im Gebiet zwischen Po und Ligurischer Küste zusammengetragen hatte, blieb bis gegen 1080 vereinigt. Bei seiner Teilung fiel an die "Oddonische" Linie das Gebiet zwischen dem Vercellese und dem ligurischen Apennin, das in der Folge unter den eigentlichen Montferrat und der Nebenlinie di Occimiano aufgeteilt wurde.
Die Bezeichnung Markgraf "von Montferrat"wird erstmals Rainer (1100-1135) beigelegt, der im Gefolge HEINRICHS V. begegnet und die Zisterzienserabtei S. Maria di Lucedio mit Stiftungen ausstattete; oo Gisela von Burgund, die Witwe Humberts III. von Savoyen und Schwester Papst Calixtus' II. Ihr Sohn Wilhelm IV. oder V. der Ältere, mit Ludwig VI. von Frankreich verschwägert, wurde durch seine Heirat mit Judith, Tochter Leopolds III. von Österreich und der SALIERIN Agnes zum Onkel Kaiser FRIEDRICHS I. BARBAROSSA. Dieser hochadligen Verwandtschaft verdankte Wilhelm zweifellos zum Großteil sein Ansehen unter den zeitgenössischen Fürsten Italiens und seine politischen Erfolge, so dass er zu den wenigen gehörte - wie Otto von Freising bemerkt -, die der Macht der städtischen Kommunen standhielten. Er trachtete die Vorrangstellung über die anderen Zweige der ALERAMIDEN zu gewinnen, spielte eine aktive Rolle in der Italienpolitik der Zeit BARBAROSSAS - immer kaisertreu - und erhielt 1164 von seinem kaiserlichen Neffen die Bestätigung seiner Besitzungen. In den Jahren 1147-1149 nahm er im Gefolge Ludwigs VII. von Frankreich und KONRADS III. am 2. Kreuzzug teil; 1183-11186 zog er wieder nach Palästina, wo er wahrscheinlich den Tod fand.
Auf den Spuren des Vater richteten zumindest drei seiner fünf Söhne ihr Interessen auf den Orient. Der Erstgeborene, Wilhelm, genannt "Langschwert" (Lungaspada), oo 1176 Sibylla, die Schwester Balduins IV., König von Jerusalem, starb aber kurz darauf, wahrscheinlich durch Gift. Konrad heiratete 1190 in 3. Ehe eine andere Schwester Balduins IV., Isabella, verteidigte Tyrus gegen Saladin und fiel 1192 einem Anschlag zum Opfer. Der 3. Sohn Wilhelms IV. (V.), Bonifaz I., trat die Nachfolge seines Vaters an und verteidigte die Markgrafschaft gegen die Expansionsbestrebungen der Kommunen Asti und Vercelli. Sein Hof war eine Anziehungspunkt für provencalische Dichter, deren bekanntester, Raimbert de Vaqueiras, ihn auf den 4. Kreuzzug begleitete, zu dessen Führer Bonifaz 1200 gewählt worden war. Nach der Eroberung von Konstantinopel erhielt Bonifaz das Königreich Thessalien, bei dessen Verteidigung gegen die Bulgaren er 1207 fiel. Die Markgrafschaft, die unter dem ständigen Druck der Nachbarmächte stand, wurde in dieser Zeit von seinem Sohn Wilhelm VI. verwaltet, der 1224 seinerseits einen Kreuzzug leitete, um das verlorene Königreich seines Vaters wiederzugewinnen. Zu diesem Zweck verpfändete er Kaiser FRIEDRICH II. für 9.000 Mark all seine Gebiete. Das Unternehmen scheiterte jedoch, und Wilhelm fand dabei den Tod.
Von diesem Zeitpunkt an verzichteten dieMarkgrafen von Montferrat darauf, ihr Glück im Orient zu suchen. Bonifaz II. (1235-1253) konnte infolge einer skrupellosen Schaukelpolitik zwischen Kaiser FRIEDRICH II. und seinen Gegnern die Markgrafschaft wiederherstellen und konsolidieren. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm VII. (1254-1292) war eine der herausragendsten Figuren im Italien seiner Zeit, in der sich infolge der Krise der Kommunen die ersten Formen von Signorien, die mehrere Städte umfaßten, bildeten: als Signore und "Capitano di guerra" dehnte Wilhelm VII. seine Herrschaft auf Alessandria, Acqui, Ivrea, Tortona, Vercelli, Casale Monferrato, Turin und Mailand aus,  bis er schließlich von den aufständischen Alessandrinern gefangengenommen wurde und sein gesamtes politisches Gebäude in sich zusammenfiel. Er starb 1292 im Kerker. Mit dem erbenlosen frühen Tod seines - von Karl II. von Anjou bei dem Versuch, die Markgrafschaft zu reorganisieren, unterstützten - Sohnes Johann I. (1305) erlosch die ALERAMIDEN-Dynastie von Montferrat im Mannesstamm. Ihr Erbe trat der Sohn von Johanns Schwester Irene an, die mit dem Kaiser von Byzanz, Andronikos II. Palaiologos, vermählt war.
Der 15-jährige Theodor I. Palaiologos (1305-1338), der erste Vertreter der neuen Dynastie, der von der Mutter nach Italien gesandt worden war, konnte sich dank der Unterstützung Kaiser HEINRICHS VII. und vor allen seines Schwiegervaters, Opizzino Spinola von Genua, gegen die Erbansprüche der ALERAMIDEN VON SALUZZO behaupten. Als seine Hoffnungen auf die Nachfolge auf den Kaiserthron von Konstantinopel fehlschlugen, mußte er sich schließlich mit dem instabilen Prinzipat Montferrat begnügen; er ließ eigene Münzen prägen und reorganisierte das Heer. Im Griechischen und Lateinischen bewandert, verfaßte er eine interessante Lehrschrift, vor allem über Kriegstechnik, die in französisicher Übersetzung ("Enseignements") erhalten ist.
Sein Sohn Johann II. (1337-1372) kämpfte er mit den benachbarten, mächtigen Signorien der SAVOYER und der VISCONTI um die Vorherrschaft im westlichen Oberitalien; nachdem er beinahe sein ganzes Leben lang Krieg geführt hatte und kurze Zeit über Asti, Vercelli und Novara geherrscht hatte, mußte er sich damit begnügen, nicht die Hegemonie erringen zu können. Sein gewalttätiger und cholerischer Sohn Secundus Otto (Secundotto) regierte unter der Vormundschaft Ottos IV.; er wurde 1378 in Laghirano (Parma) von einem Stallknecht ermordet. Sein Bruder Johann III., der ihm nachfolgte, fiel im Gefolge Ottos IV. bei Neapel im Kampf. Die Regierung ging daher auf den 3. Bruder, Theodor II. (1381-1418), über. Politisch an die VISCONTI von Mailand gebunden, spielte er eine wichtige Rolle in den Kämpfen mit den SAVOYERN um die Vorherrschaft über die Markgrafschaft, in denen er sich nicht zuletzt dank der militärischen Erfolge des Condottiere Facino Cane (nominell sein Untertan) behaupten konnte. 1412 wurde er für kurze Zeit Signore von Genua.
In politischer Hinsicht weniger bedeutend war sein Sohn Johann Jakob (Giangiacomo) (1418-1445); von den mächtigen Herzogtümern Savoyen und Mailand in die Zange genommen, konnte er seine Herrschaft nur durch die Unterstützung Venedigs erhalten, die er um den Preis zahlreicher Ländereien und Rechte erkaufte. Von geringerer Bedeutung war auch die Regierung Johanns VI. (1445-1464), der von seinem tatkräftigeren Bruder Wilhelm VIII. (1464-1483) abgelöst wurde. Vorher ein geschätzter Söldnerführer im Dienst der SFORZA, trachtete er danach, der Markgrafschaft ihr altes Ansehen wiederzugeben, worin er von seinem Bruder Theodor (Kardinal seit 1466) unterstützt wurde. Unter ihm wurde Casale, von Papst Sixtus zum Bistum erhoben, Sitz eines Hofes, der sich nach Mailänder Vorbild zu einem Anziehungspunkt für Intellektuelle und bedeutende Künstler entwickelte. Trotz dreier Ehen starb er erbenlos. Seine Nachfolger wurden sein Bruder Bonifaz V. (1483-1494) und dessen Sohn Johann Georg (Giangiorgio), mit dessen Tod 1533 die Dynastie der PALÄOLOGEN VON MONTFERRAT erlosch. Das Territorium fiel an die GONZAGA und wurde zum Herzogtum erhoben; 1713 kam es durch den Vertrag von Utrecht an das Königreich Sardinen.


TrillmichWerner: Seite 351
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Die nach salischem Recht lebenden ALEDRAMIDEN [Stammtafel 53] dürften ebenfalls mit König Hugo nach Italien gekommen sein. Vorwiegend östlich von den Turinern, häufig aber auch in Gemengelage mit deren Gütern, besaßen sie Allodien am Ligurischen Meer in der Grafschaft Vado-Savona, an der Bormida um Acqui und nördlich vom Tanaro im Bereich der Hügelkette rechts des Po. Das Grafenamt übten sie in Montferrat aus, ferner rings um Savona, doch wahrten sich dort die aufstrebende Kommune und der Bischof Immunität. Ehrgeizig wie die Turiner, doch wirtschaftlich schwächer und ärmer an Vasallen, standen die ALEDRAMIDEN, deren genealogisch Verzweigungen nur schwer faßbar sind, lange unter dem Einfluß der Mark Ivrea. Aledram ( nach 976), der als erster den Titel Markgraf führte, heiratete König Berengars Tochter Gerberga. Zu selbständiger Bedeutung gelangte die Familie wohl erst durch ihre Beteiligung am Wiederaufbau der Lombardei nach Fraxinetums Zerstörung. Die Frauen von Aledrams Sohn und seinem gleichnamigen Enkel entstammten dem Geschlecht der OTBERTINER-ESTE. Wie fast alle hochadligen Herren der Lombardei unterstützten die Markgrafen von Montferrat König Arduin gegen die Deutschen. Auch an der Ausstattung von dessen Familienkloster Fruttuaria waren sie beteiligt. 1022 begegnet Markgraf Wilhelm zum erstenmal am Hofe Kaiser HEINRICHS, doch nach dessen Tode half er dem aufständischen Pavia gegen KONRAD II. Erst nachdem der König seine Burg Orba eingenommen hatte, lenkte er ein. Teto ( vor 1064), der Gemahl Berthas von Turin, wurde zum Ahnherrn der Markgrafen von Vasto. Das stattliche Heiratsgut seiner Frau verschaffte den ALEDRAMIDEN Besitzungen in der Grafschaft Albenga, um Saluzzo und Busca in der Grafschaft Auriate, sowie um Loreto in der Grafschaft Alba. Gutes Einvernehmen  mit den stärkeren Nachbarn sollte ihnen bald weitere Vorteile verschaffen. In Acqui residierte als Bischof seit 1034 der ALEDRAMIDE Guido, dessen Bruder Opizo später in der Kapelle HEINRICHS III. zum Italien-Kanzler und Bischof von Lodi aufstieg. Die politische Macht des weitverzweigten Hauses wuchs indessen nur geringfügig, weil es sich durch Seitenlinien immer wieder selbst schwächte.

Bresslau, Harry: Band 1 Seite 391-393
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"Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II."

Das Haus der Aledramiden

§ 6. Die Linie der Markgrafen von Montferrat

Den Titel Markgraf von Montferrat finden wir zum ersten Mal in einer Urkunde von 1040 gebraucht: "una cum notitia domini Ottonis marchionis et comitis suprascripti comitatus et marchio Montisferatensis" vollzog in diesem Jahre Olderich von Romagnano seine große oben besprochene Schenkung für das Kloster San Silano. Dieser Otto wird sonst nie wieder erwähnt und ein alle Zweifel ausschließender Beweis für seine Zugehörighkeit zu dem Aledramidischen Haus läßt sich also nicht führen. Wohl aber läßt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit dieser Annahme dartun. Denn nicht nur die Haustradition der Markgrafen von Montferrat, wie sie bei Jacopo d'Acqui und anderen Autoren des späteren Mittelalters aufgezeichnet ist, leitet das Geschlecht derselben von Aledram ab, sondern wir haben auch ältere und gewichtigere Zeugnisse für diesen Zusammenhang. Schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts redet der Genueser Notar Urso, der die Siege seiner Vaterstadt über die kaiserliche Flotte besang, den Markgrafen von Montferrat, der ihr Bundesgenosse war, mit den Versen an:
                Stirpis Vastensis lux et generosa propago Nominis excelsi.

Nachdem sodann im Jahr 1305 die männliche Linie des Hauses MONTFERRAT ausgestorben war, fand am Hof HEINRICHS VII. VON LUXEMBURG eine gemeinsame Untersuchung über die Ansprüche der beiden Prätendenten (Theodor Paläologos, als Sohn einer Schwester des letzten Markgrafen, und Manfred III. von Saluzzo, als Haupt der männlichen Linie) statt, bei der die Verwandtschaft der Häuser von SALUZZO und MONTFERRAT ausdrücklich anerkannt wurde. Nicolaus von Butrinto berichtet darüber: in illo loco (Asti) diligenti et maturo consilio habito de Marchionatu Montisferrati, cujus esset, invenit quod marchio Saluciarum nullum jus habebat. Licet autem inter ambos marchiones, qui ejusdem domus fuerant, fuerit ordinatum per testamenta eorum, quod si unum contingret mori sine herede, alius succederet, et marchio Montisferrati mortuus fuerit sine herede, habens unam sororem, unde iste natus est, qui jam marchio est [PALAEOLOGUS], ratione cujus dicebat se habere jus scilicet matris, quae fuit soro ultimi marchionis ...; quia tanem in tam nobilibus feodis sororem non succedunt, nec ordinatio potest fieri aliqua sine consensu superioris, declaratum fuit ibi regem, quod neuter eorum habebat jus et quod marchionatus devenerat ad manus dicti regis. Danach wurde also weder die gemeinschaftliche Abstammung der beiden Häuser von MONTFERRAT und SALUZZO, noch die Existenz eines Erbvertrages zwischen ihnen, sondern nur die Gültigkeit des letzteren bestritten, weil er ohne Genehmigung des Lehnsherren geschlossen sei. Endlich - und wegen seines Alters verdient dies Zeugnis besondere Beachtung - als 1156 Markgraf Wilhelm von Montferrat Kloster Grassano beschenkt, daß, wie wir sahen 961 durch Aledram begründet war, heißt es in seiner Urkunde darüber: refutationem facimus monasterio, constructo in castro quod vocatur Gracianum, ... de omnibus rebus illis, quae ab Aleramo, primero antecessore nostro in marchia, seu a quolibet alio antecessore nostro de ejusdem Aledrami stirpe descendente, in jam dicto monasterio collata sunt.
Kommt nun zu diesen drei positiven Angaben hinzu
a) die Tatsache, daß das Haus MONTFERRAT nach salischen Recht lebt
b) der Umstand, daß die MONTFERRATENSER im Besitz von Gütern sind, die sich bei den älteren ALEDRAMIDEN nachweisen lassen
c) die Wiederkehr der alt-aledramidischen Namen Otto und Wilhelm im Hause von MONTFERRAT, so reichen diese Momente aus, um es zu rechtfertigen, wenn wir die Abstammung der MONTFERRATENSER von Aledram als ausreichend bewiesen ansehen.
Den Markgrafen Otto von 1040 reiht man dann - darin sind alle neueren einig - am besten so in die Stammtafel ein, daß man ihn als einen Sohn Wilhelms III., der, wie oben gezeigt, vor 1042 gestorben sein muß, betrachtet; sein Bruder war danach Heinrich, der zweite Gemahl Adelheids von Turin (siehe oben Seite 377) und er selbst, der den Namen des Großvaters führt, muß nach des Bruders kinderlosen Tode das gesamte väterliche Erbe erhalten haben.
Erst etwa ein Jahrhundert nach der Zeit des ersten Markgrafen, der den Titel von Montferrat führt, wird diese Bezeichnung allgemein üblich; der erste, den sie wieder beigelegt wird, ist Markgraf Rainer, der Gründer des Klosters von Locedio. Er selbst nennt sich zwar in der Dotationsurkunde desselben von 1133 nur "marchio Ragnerius (Raynerius?) filius quondam Willielmi" ohne weiteren Titel; aber alle Zweifel schließt die Konfirmationsbulle Innocenz' II. von 1140 aus, die diesem Kloster bestätigt "quod illustris memoriae Reinerius marchio Montisferrati ... respectu piae devotionis donavit". Jene Dotationsurkunde von 1133 enthält dann weitere wertvolle genealogische Angaben; wir entnehmen ihr, daß Reiners Gemahlin Gisla filia quondam Vialii war, sein Sohn ist Willielmus, vermählt mit Jutta filia Lupaldi; außerdem wird als Mitgründer erwähnt Ardazonius marchio filius quondam item Ardezonii. Noch einen anderen Fundator Bernardus filius quondam Henrici neben Rainer und Ardezonius nennt eine andere Urkunde von 1126. Bei der Gründung dieses Klosters stehen die Markgrafen von Montferrat, wie die angezogenen Dokumente lehren, in engen Beziehungen zu dem Bischof von Vercelli; um so unbedenklicher dürfen wir für unsere Stammtafel eine Schenkungsurkunde von 1101 für Vercelli verwerten. Es heißt in derselben: nos Wilielmus et Reinerius fratres et marchiones filli quondam item Wilielmi marchionis de Ravenna seu Otta comitissa mater et filii et filia quondam Tebaldi de Agldo (I. Agledo) et reliccta jam dicta (I. dicti) quondam Wilielmi marchionis quondam vir meus, quo professi sumus ex natione nostra legen vivere Salica; ipsa namque filiis meis Wilielmo Inforsado et Rainerio mihi consentientibus ... duximus (I. duximus). Dem entsprechend lauten die Unterschriften: Signum manum suprascriptorum Wilielmus Inforsado et Rainerium germani marchiones seu Otta comitissa mater et filii, qui hanc cartam offersionis fieri rogaverunt pro anima quondam item Wilielmi marchionis de Ravenna mariti et genitoris nostri mercede. Geschenkt werden Güter in loco et fundo Cornale et in Matasco.
Nach diesen Angaben hatte Rainers Vater Wilhelm aus unbekannter Veranlassung den Beinamen von Ravenna und war mit einer Otta, der Tiochter eines nicht näher nachweisbaren Tebald vermählt; er war 1101 nicht mehr am Leben. Sein älterer Sohn und Rainers Bruder nannte sich Wilhelm Inforsado; da er bei der Gründung des Klosters Locedio nicht mehr erwähnt wird, und Rainer bei dieser Gelegenheit unzweifelhaft als das Haupt des Geschlechtes erscheint, muß Wilhelm Inforsado zwischen 1101 und 1122 gestorben sein. Sein Todestag ergibt sich aus dem Necrolog. Vercellense: 12. Kal. Decembr obiit prudentissimus marchio Gulielmus, qui dedit canonica S. Eusebii mansum unum in Cornale cum omni integritate etc.
Weiteres läßt sich nicht mit Sicherheit über die ersten MONTFERRATENSER ermitteln. Doch hat es viel Wahrscheinlichkeit, daß Wilhelm von Ravenna oder Wilhelm Inforsado mit dem Wilelmus identisch ist, der 1093 bei HEINRICH IV. für Breme interveniert, und auch der Hypothese, daß der erstere unter dem marchio Willielmus zu verstehen ist, der 1059, der letztere unter dem marchio Guillielmus, der 1085 den Savonesen das übliche Versprechen ihre Privilegien zu beobachten abgibt, kann man die Berechtigung nicht absprechen. Nimmt man dann an, daß er ein Sohn des 1040 auftretenden Ottos sei - und der Name sowohl wie die Zeitumstände sind dieser Annahme günstig - so ist die Kontinuität des Montferratensischen Stammbaumes ohne künstliche Kombination auf einfache Weise hergestellt. Wie die im Anfang des 12. Jahrhunderts auftretenden Markgrafen Ardizzo, Sohn Ardizzos, und Bernhard, Sohn Heinrichs, in denselben einzureihen seien, bleibt zweifelhaft; auch die beiden von Moriondi angezogenen Urkunden von 1198 nd 1228 beweisen nur ihre Zugehörigkeit zu der MontferratensischenLinie. Auf eine Verfolgung derselben über Wilhelm, den Sohn Rainers, hinaus verzichte ich: alles Wesentliche steht da ohnehin völlig fest.

Stammtafel
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   Wilhelm I.
 

  Aledram oo Gerberga, Tochter König Berengars II.
 

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   Wilhelm II.     Anselm I.          Oddo I.
                                                         vor 991

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                                        Wilhelm III.                    Riprand
                                               vor 1042

                                        oo Waza
 

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                    Heinrich I.                                      Otto II. (I.) von Montferrat 1040

                   oo Adelheid von Turin
 

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                                                                          Wilhelm IV. von Ravanna oo Otta
 
 

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                                            Rainer                                   Wilhelm V. Inforsado
                                                                                               vor 1122

                                           oo Gisla
 

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                                        Wilhelm VI. oo Julitta, Tochter Leopolds III. von Österreich