Maria Komnena                             Königin von Jerusalem
--------------------                            Herrin von Nablus
um 1150/55 um 1217
 

Älteste Tochter des Sebastos Johannes Komnenos und der N. Taronitites, Tochter von Michael II., Großnichte des Kaisers Manuel I. Komnenos von Byzanz
 

Thiele, Andreas: Tafel 202
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

MARIA, zu Nauplia
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    um 1217

Tochter des Johannes Dukas Komnenos (1176) und der N. Taronites, Tochter des Michael II. Taronites

  1.) oo AMALRICH I. D'ANJOU, König von Jerusalem
                   1174

  2.) BALIAN IBELIN, Graf von Nablus
               1193


Runciman, Steven: Seite 680,706,708,740-741,762,802,912
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Während den Ritterorden mithin die Führung in der Reichsverteidigung zufiel, bemühte sich Amalrich gleichzeitig um ein engeres Bündnis mit Byzanz. Im August 1167, als er eben aus Ägypten zurückgekehrt war, erreichte ihn die Nachricht, dass seine Botschafter in Konstantinopel, der Erzbischof von Cäsarea und der Mundschenk Odo, mit Maria Komnene, des Kaisers liebreizender junger Großnichte, in Tyros an Land gegangen waren. Er eilte ihnen entgegen, und ihre Eheschließung wurde mit großem Gepräge am 29. August 1167 vom Patriarchen Amalrich in der Kathedrale von Tyros vollzogen. Die Königin erhielt den Nablus und sein Gebiet als Leibgedinge.
König Amalrichs Tod (11. Juli 1174) hatte die Franken ohnmächtig zurückgelassen. Der einzige verbliebene Prinz des Königshauses war der 13-jährige Aussätzige Balduin. Seine Stiefmutter, Königin Maria Komnene, hatte nur Töchter zur Welt gebracht, von denen die eine gestorben, die andere, Isabella, erst zwei Jahre alt war.
Königin Maria Komnene hatte sich bald wieder verheiratet, und zwar mit Hugo von Ibelins Bruder Balian, dem sie ihr Leibgedinge, das Lehen Nablus, in die Ehe brachte. Diese Ehe war glücklich, und die Königin-Mutter spielte in der Partei ihres Gatten eine große Rolle.
Die Zeit war gekommen, um die jetzt 11-jährige Isabella mit dem 17-jährigen Humfried von Toron zu verheiraten: Rainald beschloß, die Hochzeit mit allem Gepränge, das er aufbieten konnte, auf seiner Burg Kerak, deren Erbe der Bräutigam war, zu feiern. Im Lauf des November begannen die Hochzeitsgäste auf der Burg einzutreffen. Viele von ihnen, wie die Mutter der Braut, Königin Maria Komnene, waren Rainalds persönliche Feinde, aber sie kamen dennoch, um einen letzten Versuch zu machen, den Bruch zwischen den sich befehdenden Parteien zu heilen. Isabellas Schwiegermutter verbot ihr auf Rainalds Geheiß, ihre Mutter aufzusuchen; und ihre Mutter, tief in die Parteiintrigen verstrickt, die ihrem griechischen Geblüt so teuer waren, betrachtete sie halb und halb als eine Verräterin.
Balian von Ibelin, der sich bei den fränkischen Flüchtlingen in Tyros befand, schickte einen Boten zu Saladin, um sicheres Geleit für sich nach Jerusalem zu erbitten. Seine Gattin, Königin Maria, hatte sich mit ihren Kindern aus Nablus dorthin zurückgezogen, und er wollte sie zu sich nach Tyros holen. Saladin verhielt sich gegenüber einem Feind, den er achtete, stets entgegenkommend. Er verzieh nicht nur Balian, sondern schickte selbst eine Geleittruppe, um Königin Maria, ihre Kinder, ihren Hofstaat und ihre gesamte Habe hinab nach Tyros zu befördern.
Die Barone überließen die Angelegenheit den fähigen Händen ihrer Mutter, der Königin Maria Komnene, Balians Gattin. Sie setzte ihre mütterliche Autorität ein, um die zögernde Prinzessin zu nötigen, Humfried aufzugeben. Sodann erklärte sie vor den versammelten Bischöfen, ihre Tochter sei durch ihren Onkel Balduin IV. in die Ehe gezwungen worden und zur Zeit ihres Verlöbnisses erst acht Jahre alt gewesen. In Anbetracht ihrer großen Jugend und Humfrieds allbekannter Weibischkeit solle die Ehe für ungültig erklärt werden.
König Hugo von Zypern hatte gemäß der Übereinkunft, die von ihren beiden Vätern getroffen worden war, seine Stiefschwester Alice von Jerusalem geheiratet. Die Verhandlungen über die tatsächliche Eheschließung wurden von der Großmutter der Braut, Königin Maria Komnene, geführt, und die Mitgift wurde von Blanche von Navarra, der Gräfin von Champagne und Witwe des Onkels der Braut, zur Verfügung gestellt.

Mayer, Hans Eberhard: Seite 111,118
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Da der geldgierige Amalrich den skandalumwitterten Andronikos Komnenos, nachherigen Kaiser Andronikos I., in seinem Reich aufgenommen und ihn mit Beirut belehnt hatte, setzte er die große Mitgift, ja die ganze Ehe aufs Spiel, die überhastet in Tyrus vollzogen wurde. Nicht nur die ungewöhnliche Wahl des Hochzeitsortes zeigt, dass es um eine delikate Angelegenheit ging, sondern auch der Umstand, dass Maria entgegen allem Herkommen zuerst gekrönt und dann getraut wurde. Anscheinend bestand die byzantinische Regierung auf dieser Abfolge, die allein sicherstellte, dass Maria überhaupt gekrönt wurde. Durch ihre 1177 geschlossene zweite Ehe, die das Ende von Marias Stellung als ehemaliger Königin bedeutete, wurde sie vom Hofe entfernt und verlor jeglichen Einfluß.

Pernoud Regine: Seite 114,138
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"

König Amalrich schickte eine Gesandtschaft nach Konstantinopel, doch die Verhandlungen zogen sich zwei Jahre hin und konnten erst 1167 erfolgreich beendet werden. Die beiden Abgesandten kamen mit Prinzessin Maria Komnena zurück, der Tochter Johannes Komnenos' und Großnichte Kaiser Manuels. Ihre Hochzeit mit Amalrich wurde am 29. August 1167 in Tyrus gefeiert, wo sie mit großem Pomp gekrönt wurde; nach dem Chronisten Ernoul "herrschte im ganzen Land eitel Freude". Der König setzte somit die von seinem Bruder eingeleitete Bündnispolitik mit den Byzantinern fort - zweifellos für das Königreich Jerusalem eine Überlebensgarantie ebenso wie für das Kaiserreich. Aus ihrer Ehe ging eine Tochter namens Isabella hervor, deren Liebesgeschichten und zahlreiche Ehen die Geschicke des fränkischen Syrien nachhaltig beeinflussen sollten.
Maria Komnena war in zweiter Ehe mit Balian von Ibelin verheiratet, der unter den Baronen eine dominierende Rolle spielte. Sie nutzte in Wirklichkeit die Gelegenheit, um sich an Stephanie von Milly zu rächen. Humfrieds Mutter, auf die sie seit eh und je eifersüchtig war, weil sie die junge Isabella ständig gegen sie aufgehetzt hatte. Durch ihren Protest gegen die Bedingungen, unter denen ihre Tochter etwa 10 Jahre zuvor in der Festung Kerak verheiratet worden war, gewann Maria Komnena ein Stück mütterliche Autorität zurück. Sie fand Rückhalt bei dem päpstlichen Legaten, der sich ihren Argumenten beflissen anschloß: Isabella war verheiratet worden, obwohl sie noch minderjährig war, denn Mädchen galten damals mit 12 Jahren als volljährig.

Jones Terry/Ereira Alan: Seite 150,155,158,161
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"Die Kreuzzüge"

Die beiden großen Parteien scharten sich in gewissem Maße um die beiden Frauen, die der Vater Balduins IV., König Amalric, geheiratet hatte. Er hatte sich gezwungen gesehen, seine Ehe mit seiner ersten Frau, der ausschweifenden Agnes de Courtenay, zu annullieren, doch war es unter der Bedingung geschehen, daß ihre beiden Kinder in der Thronfolge ganz oben rangierten. Dies wurde natürlich von Amalrics zweiter Frau, der wunderschönen Griechin Maria Comnena, abgelehnt, die selbst ein Kind mit ihm hatte - Isabella. Selbstverständlich haßten sich die beiden Frauen.
Agnes Partei, zu der der Kommandant der Templerritter gehörte, bestand vor allem aus Männern, die sie attraktiv fand, wie Eraclius, der Patriarch von Jerusalem, und Guy de Lusignan, den sie mit ihrer Tochter Sibylla verheiratete, sowie ihrem Bruder Joscelin, den mächtigen Seneschall von Jerusalem.
Maria, nun Königin-Mutter und eine mächtige Frau, heiratete Balian von Ibelin, der den ehrgeizigen Grafen Raimund von Tripolis unterstützte.
Eine Hochzeit fand statt. Reynalds Stiefsohn, der siebzehnjährige Humphrey von Toron, heiratete die Prinzessin Isabella. Es war eine Hochzeit, die den Riß im Königreich flicken sollte; Isabella war die Tochter von Reynalds Busenfeindin, Königin Maria Comnena. Tatsächlich bot der Anlaß Maria und ihren Anhängern, geführt von Raimund von Tripolis und der Familie IBELIN, die Möglichkeit, Guy zu entmachten. Während der Vater und die Freunde des Bräutigams sich in Kerak versammelten, war die Familie der Braut nach Jerusalem geeilt und hatte den kranken König gedrängt, Guy seines Amtes zu entheben. Raimund von Tripolis wurde an dessen Statt zum Regenten, und Balian von Ibelin trug das Kind von Guy und Sibylle, das zum künftigen Balduin V. gekrönt werden sollte Marias Partei hatte gesiegt.
Ende August 1186 starb der Kind-König. Agnes' Partei reagierte schnell. Ihr Bruder Joscelin führte Truppen nach Beirut und Tyros und ließ Sibylla als Königin ausrufen. Raimund von Tripolis versammelte eilig alle Freiherren am Hof von Nablus, wo Balian von Ibelin, seine Frau Maria und Isabella warteten. Sie waren entschlossen, Isabella und Humphrey auf den Thron zu setzen.
Bevor Saladin angriff, erlaubte er Balian von Ibelin, Jerusalem zu betreten, um seine Frau, die einstige Königin Maria, und ihre Kinder zu befreien. Saladin schickte eine Eskorte, um Balians Frau und Kinder nach Tyros zu bringen.
 
 
 
 

 29.8.1167
  1. oo 2. Amalrich I. König von Jerusalem
              1137 11.7.1174

    1177
  2. oo Balian II. Ibelin Graf von Nablus
           um 1131 1193
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Isabella I. Königin von Jerusalem
  1171 1205

2. Ehe

  Johann I. Ibelin Graf von Beirut
  1177/78 1236

  Philipp Ibelin
  um 1180 1227

  Heloise
  vor 1180 1216

  oo 2. Reinhold Herr von Sidon
              

  Margarete
  um 1185 nach 1240

  1. oo Hugo Herr von Tiberias
               

  2. oo Walter Herr von Caesarea
               
 
 
 
 

Literatur:
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Heilig, Konrad Josef: Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum 1156 und das Bündnis zwischen Byzanz und dem Westreich, in Kaisertum und Herzogsgewalt im Zeitalter Friedrichs I. Studien zur politischen und Verfassungsgeschichte des hohen Mittelalters, Anton Hiersemann Stuttgart 1944 Seite 116,119,175,229,263 - Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 150,155,158,161 - Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig 1880 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 111,118 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 227 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 114,138 - Röhricht, Reinhold: Geschichte des Königreichs Jerusalem (1100-1291). Verlag der Wagnerschen Universitäts-Buchhandlung 1898 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 596,680, 681,706,708,724,740-741,746,753,762,802-803,880, 912,916 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 202 -