Sohn des Grafen Hugo IX. de le Marche aus dem Hause
LUSIGNAN aus seiner 1. Ehe mit der Agathe von Preuilly,
Tochter von Sire Pierre II. von Montrabel
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 17
********************
Lusigan (Sires de Lusignan)
---------------------------------
Hugo IX., Enkel Hugos VIII., heiratete Mathide,
die einzige Tochter des Grafen Vulgrin von Angouleme; beider Sohn Hugo
X. wurde verlobt mit Isabella,
der Erbtochter des Grafen Aimar, der als Nachfolger seines Bruders Vulgrin
die Grafschaft Angouleme regierte. Doch entführte König
Johann ‚Ohneland‘ 1199 die junge Gräfin und heiratete sie,
was einen Aufstand der LUSIGNAN auslöste, der erst 1214 mit
einem Ausgleich seinen Abschluß fand. Erst nach dem Tode des Vaters
bei Damietta (1219) heiratete Hugo X. seine frühere Verlobte
Isabella,
deren königlicher Gemahl 1216 gestorben war. Verbündet mit König
Heinrich III., dem Sohn von Isabella,
stand Hugo X. an der Spitze einer mächtigen Adelsrevolte gegen
Alfons,
den neuen Grafen von Poitiers. Das von König
Ludwig IX. dem Heiligen geführte Heer zwang den Empörern
jedoch den Vertrag von Ponss (1242) auf, der einen Schlußpunkt unter
die Auseinandersetzungen zwischen den LUSIGNAN und den Grafen von
Poitou setzte.
Seit der 2. Hälfte des 11. Jh. waren die LUSIGNAN
eng mit den Kreuzzügen verbunden. Hugo IX. nahm am 3. Kreuzzug
teil (1190), Hugo X. starb 1248 bei Damietta.
Wilhelm von Valence, Sohn von Hugo X.,
war Ahnherr der Grafen von Pembroke. 1177 verkaufte Graf Audebert
IV. von der Marche seine Grafschaft an König
Heinrich II. von England, trotz aller Ansprüche der LUSIGNAN
aufgrund
ihrer Abstammung von Aumode (Almodis). Nach dem Tode von Richard
Löwenherz (1199) erzwang
Hugo IX. durch Gefangennahme
der Königin-Mutter Eleonore die
Herausgabe der Marche; König Johann akzeptierte
Hugos
Lehnseid
1200, nahm aber 1202 die Grafschaft ein, um sie jedoch 1214 wieder an Hugo
IX. zurückzugeben; 1262 fügte Hugo XII.
der March
die Vizegrafschaft Aubusson hinzu. Durch Heirat mit
Isabella wurde
Hugo X. 1220 Graf von Angouleme;
er teilte Cognac zugunsten des Sohnes Gui
von der Grafschaft ab
(1248). Nach seiner Niederlage von 1242 verlor
Hugo X. ein Drittel
seiner poitevinischen Güter.
HUGO X. "der Braune"
-------------------------------
+ 1249
Hugo X. der Braune de Lusignan war gleichen Stammes wie das Königshaus JERUSALEM-ZYPERN, folgte 1219 dem Vater als Graf de la Marche, Seigneur de Chateau-Larcher, Sire de Lusignan, de Montreuil-Bonin und de la Mothe-St-Heray und wurde 1220 auch Graf d'Angouleme. Er gründete die Abtei Valence, war wie die Vorfahren auch ein eifriger Kreuzfahrer und starb im Heiligen Land.
1220
oo Isabella d'Angeloume und de la Marche
+
Tochter und Erbin des Grafen Aymar III. Taillefer und
der Alex de Courtenay, Cousine König Philipps II. August von Frankreich;
Witwe König Johanns von England
Insgesamt 12 Kinder
Am 12. August 1248 verließ König Ludwig Paris und am 25. August schiffte er sich von Aigues-Mortes nach Zypern ein In seiner Begleitung befanden sich die Königin und zwei seiner Brüder. Ihm folgten seine Vettern, Herzog Hugo von Burgund und Graf Peter von Bretagne, der Graf von La Marche, Hugo X. von Lusignan, der Stiefvater König Heinrichs III., der als junger Mann am Fünften Kreuzzug teilgenommen hatte.
Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Seite 162,172,179
********************************************
"Die französischen Könige des Mittelalters.
Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."
Im Sommer 1200 hatte Johann Isabella
von Angouleme geheiratet und damit einen heftigen Streit ausgelöst,
denn die Erbin der Grafschaft war Hugo von Lusignan versprochen,
Repräsentant der vornehmsten Familie des Poitous und Vasall
Johanns. Die LUSIGNAN klagten
wegen Entführung der Braut und schöpften den Rechtsgang aus,
indems ie sich an den von Johann soeben anerkannten Oberlehnsherrn wandten.
Es gelang Ludwig VIII.,
den mächtigsten Herrn dieser Region, Hugo von Lusignan, der
mit der Witwe Johanns ohne Land verheiratet
war, auf seine Seite zu ziehen und von ihm das Homagium für die Grafschaften
La Marche und Angouleme zu erhalten. Gottfried von Lusignan,
Vizegraf
von Chatellaerault, schloß sich an und gewährte dem
König, eine Garnision auf seiner strategisch wichtigen Burg Vouvant
zu halten.
Ein unter der Führung Hugos von Lusignan
ausgesandtes Heer erzeilte jedoch nur geringe Erfolge, scheiterte vor allem
am Widerstand von Bordeaux, und Ludwig
zog sich nach Paris zurück.
Amgesichts solcher Voraussetzungen kann es nicht verwundern,
daß sich schon bald nach der Krönung Ludwigs
IX. eine Koalition jener Fürsten zusammenfand, die von
einer starken Monarchie auf die Dauer eine Einbuße ihrer herausragenden
Stellung zu erwarten hatten. Dazu gehörten der ehrgeizige, aber wenig
geschätzte Graf Theobald IV. von der Champagne,
dem Blanche am Krönungstag den
Zugang nach Reims verweigert hatte, Hugo von Lusignan, Graf von
der Marche, den seine Gattin Isabella,
als Witwe Johanns Ohneland ehemalige
Königin von England und Mutter Heinrichs
III., zur Opposition trieb, und Pierre
Mauclerc, der als Graf von der Bretagne nach dem Tod seiner
Gemahlin nur noch Statthalter für seinen unmündigen Sohn war
und eine eigene Herrschaft suchte - alle drei hatten schon
Ludwig VIII. vor seinem Tod verlassen und zählten auf die
Unterstützung des englischen Königs, der Hugo von Lusignan
die Insel Oleron und die Saintionge, Pierre
Mauclerc die Restitutiond er Grafschaft Richmond und eine Eheschließung
mit der Grafentochter in Aussicht stellte.
Le Goff Jacques: Seite 64,81,128-130,132-133
**************
"Ludwig der Heilige"
Hinzu kam, daß einige mächtige Barone, Vasallen
des Königs, jüngst bei den Albigenserkreuzzug wenig Begeisterung
gezeigt hatten, ihrem Herrn zu dienen. Die Grafen
Theobald von der Champagne, Peter Mauclerc
von der Bretagne und Hugo von Lusignan, Graf der Marche,
hatten ihre Lehnskontingente Ende Juli, gleich nach Erfüllung der
pflichtgemäßen vierzig Tage Heerfolge, von den königlichen
Truppen abgezogen, ohne auch nur das Ende der Belagerung Avignons abzuwarten.
Der nächste Schritt der neuen Regierung galt den
unruhigsten der großen Lehnsherren, dem Grafen der Bretagne und Hugo
von Lusignan, dem Grafen der Marche, auch Hugo der Braune
genannt, die, beide auf ihren eigenen Vorteil bedacht und allzeit zu einem
Wechselspiel zwischen den Königen von Frankreich und England bereit,
das königliche Heeresaufgebot im Sommer 1226 noch während der
Belagerung Avignons verlassen hatten. Bei den gleichen Verhandlungen im
Frühjahr 1227 in Vendome verpflichtet sich Hugo von Lusignan,
eine seiner Töchter mit Alfons
zu vermählen, dem künftigen Alfons von
Poitiers und dritten Bruder Ludwigs
IX., geboren 1220, während er einen seiner Söhne der
1225 geborenen Schwester des Königs, Isabella,
angelobt. Im gleichen Zuge gibt Hugo Ludwig IX.
bestimmte
Güter zurück, die dessen Vater, Ludwig
VIII., ihm gegeneine auf zehn Jahre befristete Rente von 10.000
livres
tournois überlassen hatte, verbürgt mit Saint-Jean-d'Angely
und einem Teil des Aunis.
Der Bruch wurde durch einen der traditionellen Hauptdarsteller
des politischen Theaters in W-Frankreich ausgelöst, Hugo X. von
Lusignan, Hugo der Braune genannt, Graf der Marche, der
sich seit 1238 mit Alfons von Poitiers
konfrontiert sah. Als es Blanka von Kastilien
und ihren Ratgebern 1227 gelungen war, den Grafen der Marche zu neutraliseren,
hatten sie ein Abkommen getroffen, das die Vermählung einer Tochter
Hugos
X. mit einem der Brüder Ludwigs IX.,
nämlich Alfons, vorsah. Doch 1229
wurde Alfons im Rahmen des Vertrags
von Meaux-Paris mit Johanna, der Tochter des Grafen von Toulouse, verlobt.
Zur Entschädigung sollte die Schwester des Königs, Isabella
- darauf einigte man sich 1230 bei der Erneuerung des Abkommens zwischen
Ludwig
IX. und dem Grafen der Marche - Hugo, den ältesten Sohn
und Erben Hugos X., heiraten. Aber der junge Hugo von Lusignan
nahm 1238 eine andere zur Frau, Yolande, die Tochter des Grafen
Peter Mauclerc.
Die Marche lag nun eingeengt zwischen den Gebieten des
neuen Grafen und vor allem mußte Hugo X., bislang Vasall des
Königs von Frankreich, einen sehr ehrenwerten Lehnsherrn, seinen Eid
auf einen geringeren Herrn, Alfons von Poitiers,
übertragen. Immerhin tur er nach den Festlichkeiten von Saumur seine
Pflicht, indem er Alfons huldigt. Doch sowenig Hugo diese Situation behagt,
so sehr mißfällt sie seiner Gemahlin Isabella
von Angouleme, der Witwe von Johann
Ohneland, die doch ihren Rang als Königin gewahrt wissen
möchte. Und so kommt es dann zum Bruch: Ludwig
IX. hatte 1230 anläßlich des Heiratsversprechens,
das seine Schwester Isabella mit dem
jungen Hugo von Lusignan verbinden sollte, das Aunis und Saint-Jean-d'Angely
erneut als Pfand an Hugo X. gegeben. Der König verlangt unter
Berufung auf die nicht stattgefundene Heirat die Rückgabe der Pfänder
an Alfons von Poitiers.
Zum Äußersten entschlossen, läßt
Hugo
X. - ein symbolischer Akt - das Haus abreißen, das er in Poitiers
besitzt, um daselbst seinem Lehnsherrn Treue und Gefolgschaft zu schwören,
und während der feierlichen Versammlung des Vasallen des Grafen von
Poitou an Weihnachten 1241 kündigt er öffentlich seinen Lehnseid
auf. Ludwig IX., der sich vergeblich
bemüht hat, den Grafen von Marche zur Umkehr zu bewegen, unterbreitet
seinen Fall dem Pairsgericht von Frankreich, das die Konfiskation der Lehen
des Rebellen anordnet.
Unterdessen hat Hugo, ohne länger abzuwarten,
bereits ein Bündnis gegen den König von Frankreich angeregt,
dem die Mehrheit der poitevinischen Barone, der Seneschall von Guyenne,
die Städte Bordeaux, Bayonne, La Reole und Saint-Emilion, Graf Raimund
VII. von Toulouse und die meisten Barone des Languedoc beigetreten sind.
Nach der Lehnsenthebung des Grafen Hugo von der Marche beschloß
der König von England, der Koalition beizutreten, um seine Rechte
in Frankreich geltend zu machen.
Am 26. Juli 1242 ergibt sich Hugo von Lusignan.
Die Unterwerfung Hugos X. gerät zu einem
spektakulären Akt. Zu Kreuze kriechend kommt er mit seiner Gemahlin
und seinen drei Söhnen - die beiden jüngsten sind gerade von
Heinrich
III. in den Ritterstand erhoben worden - fällt weinend
und seufzend vor dem König von Frankreich auf die Knie und fleht mit
lauter Stimme um Vergebung. Ludwig
heißt
ihn aufstehen und verzeiht ihm unter der Bedingung, daß er Alfons
alle Burgen zurückgibt, die er ihm genommen hat, und ihm selbst drei
Burgen als Pfand überläßt. Das Ansehen Hugos X.
ist dahin, zumal sich eine weitere entwürdigende Szene abspielt, als
ihm ein jüngere, ob seiner Tüchtigkeit hochgerühmter Ritter
den Handschuh vor die Füße wirft, um ihn zum Zweikampf zu fordern,
die Gefolgseute Hugos des Braunen aber in der Befürchtung,
ihr Herr möchte bei diesem Kampf sein Leben lassen, den König
von Frankreich um Vermittlung bitten. Ludwig
erbarmt sich des Rebellen abermals, indem er den Herausforderer bewegt,
auf den Zweikampf zu verzichten.
1220
oo 2. Isabella d'Angouleme und de la Marche, Erb-Tochter
des Grafen Aymar III. Taillefer
1186- 6.1246
und der Alix de Courtenay
Isabella war schon
früh mit Hugo verlobt worden, wurde dann jedoch von König
Johann Ohneland (24.12.1167-19.10.1216) gezwungen, zuerst diesen
am 24.8.1200 zu heiraten.
Kinder:
Hugo XI. Graf von Angouleme
um 1221- 1250
Ademar (Aymar) Bischof von Winchester (1249-1260)
- 1260
Wilhelm III. de Lusignan
- 1296 gefallen
Geoffrey Seigneur de Jarnac
-
Literatur:
-----------
Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 162,172,179
- Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000
Seite 64,81,86,112,128-130,132-133,387,642 - Runciman, Steven: Geschichte
der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München
1978 Seite 1034 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 176 -