KREUZZÜGE
Lexikon des Mittelalters:
Band V Spalte 1510
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Kreuzzüge
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A. Definition
I. Der Heilige Krieg im
Christentum:
Grundlage der Definition des 'hl. Krieges' waren die
verbindlichen Ausführungen des hl.
Augustinus über das Wesen des gerechten Krieges (bellum iustum), auf denen die
kanonistische Lehre des Hoch- und SpätMA (Gratian) fußte.
Drei Kriterien für einen gerechten und gottgefälligen Krieg
treten hervor:
1. Ein Krieg muß im Namen und auf Anordnung einer legitimen
Autorität - zum Beispiel Kaiser oder Papst - geführt werden,
wobei aber schon
Augustinus die Idee eines unmittelbar von
Gott autorisierten Krieges kennt, die sich im MA mit der Vorstellung
von Christus als dem König des
transzendentalen Gottesreiches verbindet; dieses
anzugreifen, kommt einer Störung des göttlichen Heilsplanes
gleich. -
2. Ein Krieg darf nur aus einem gerechten Kriegsgrund (iusta causa), hervorgerufen durch
eine Unrechtshandlung (iniuria)
eines Gegners, geführt
werden; bei Augustinus
findet sich jedoch bereits das Argument, daß ein auf
göttliche Autorität beruhender Krieg seiner Natur nach
gerecht sei,
doch gehen nur wenige ma. Apologeten so weit wie Henricus de Segusio, der einen Krieg
gegen Ungläubige allein aus der Überlegenheit des
christlichen Glaubens rechtfertigt. -
3. Dem Krieg müssen gute Absichten (rectae intentiones) zugrundeliegen,
d. h. er soll von der caritas,
der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit,
getragen sein, wobei die Apologeten der Kriege die
Liebe zu den christlichen Brüdern und Schwestern betonen, nicht
aber die den Zeitgenossen
unverständlichen Liebe zu den Feinden.
II. Der Kreuzzug:
Der Kreuzzug wurde der Christenheit nach Auffassung
der Zeitgenossen unmittelbar von Gott, durch den Mund des Papstes,
befohlen; er war Bußübung und Kriegszug zugleich. Als Werk
der Buße war er umrahmt von liturgischen Handlungen, wie sie
ähnlich das Pilgerwesen kannte, und wurde auch bevorzugt mit
Begriffen der Pilgerschaft (peregrinatio)
umschrieben. In seiner Eigenschaft als Krieg diente er zum einen der
Rückeroberung christlichen Besitzes, insbesondere Palästinas,
das durch das Leben und den Kreuzestod Christi geheiligt war und zudem
einst zum römischen Reich gehört hatte, zum andern der
Verteidigung gegen echte oder vermeintliche Glaubensfeinde innerhalb
und außerhalb der christlichen Welt (Muslime, heidnische Slaven
und Balten, Mongolen, Schismatiker wie griechische oder russische
Orthodoxe, Häretiker, aber auch politische Gegner des Papsttums).
Neben den höchstes Ansehen gewährenden Kreuzzügenen zur
Befreiung oder Verteidigung Jerusalems wurden Kreuzzüge auch in
anderen Teilen der mittelalterlichen Welt (Naher Osten,
Spanien/Reconquista, Nor-Afrika, baltische Länder, Osteuropa,
sogar in Westeuropa) durchgeführt. Bei starken regionalen
Unterschieden - die Kreuzzüge in Spanien trugen bereits
quasi-nationale Züge, die Kreuzzüge im Baltikum betonten
stark das missionarische Element - gilt für alle Kreuzzüge,
daß sie mit der Sache der gesamten Christenheit gleichgesetzt
wurden und die Kreuzzugsheere (selbst wenn sie regional zusammengesetzt
waren) als supranational galten. Von daher muß der Kreuzzug von
anderen Formen des Kriegführens (wie der Verteidigung des
lateinischen Ostens durch die dort ansässig gewordenen Christen
oder den Kämpfen der Ritterorden, deren Brüder im
übrigen kein Kreuzzugsgelübde ablegten) unterschieden werden.
Eine Wandlung des Kreuzzugs im SpätMA markieren seit dem
14. Jh. die 'Kreuzzugsligen', bestehend aus souveränen
Staaten, die nicht mehr so sehr die gesamte Christenheit, sondern sich
selbst repräsentierten.
III. Die Stellung des
Kreuzfahrers:
Die Teilnahme am Kreuzzug war populär, was im bemerkenswert
geringen Umfang der Kreuzzugskritik zum Ausdruck kommt. Bei jedem
Kreuzzug legte eine (oft große) Anzahl von Teilnehmern ein
Kreuzzugsgelübde ab, dessen sichtbares Zeichen das auf dem Gewand
angeheftete Kreuz war (Kreuznahme). Das Gelübde war
rechtsverbindlich und ging bei Nichterfüllung vom Vater auf den
Sohn über. In einer Reihe von Fällen konnte jedoch ein
Kreuzfahrer, allerdings nur durch den Papst oder seinen
Bevollmächtigten, von der unmittelbaren Erfüllung eines
Kreuzzugsgelübdes entbunden werden (Dispens); zu nennen sind:
defermentum (Aufschub),
commutatio (Umwandlung einer
Kreuzzugsteilnahme in einen anderen Bußakt),
substitutio (Entsendung eines
Ersatzmannes zum Kreuzzug),
redemptio (Dispensierung gegen
eine Geldzahlung, die theoretisch den aufzuwendenden Kosten entsprach).
Unter Papst Innozenz III. (1198-1216)
wurde die Redemption zum Instrument der Kreuzzugsfinanzierung; mit der
Aufforderung an kriegsuntaugliche Personen, das Kreuz zu nehmen und
nachträglich um Redemption zu ersuchen, wurde ein Kreuzzugfonds
geschaffen.
Das Kreuzzugsgelübde entsprach im wesentlichen dem älteren
Gelübde des Pilgers, und die Kreuzfahrer erhielten zum Teil auch
ähnliche Privilegien wie diese.
Sie umfaßten:
Rechtsschutz des Besitzes der Kreuzfahrer und ihrer Vasallen oder
Hörigen während der Abwesenheit;
Aufschub bei Lehens- und Hofdienst sowie bei Gerichtsverfahren (bzw.
auf Wunsch des betreffenden Kreuzfahrers schneller Rechtsentscheid);
Moratorium für die Rückerstattung von Schulden sowie für
die Zinszahlung bis zur Heimkehr;
Freiheit von Zöllen und Steuern;
für Kleriker das Recht zur Nutzung eines Beneficiums auch
während der kreuzzugsbedingten Abwesenheit, für Laien das
Recht, Lehen oder andere sonst unveräußerliche
Besitztümer zu verkaufen oder zu verpfänden.
Allen Kreuzfahrern wurde Ablaß gewährt; es war das
Gelübde und der aus ihm erwachsende Ablaß, der einen Mann
oder eine Frau als Kreuzfahrer auswiesen.
Eine tiefe Kluft trennte die abstrakten Darlegungen der Kanonisten und
Theologen über Gewalt und Krieg von der emotionalen Haltung der
Laienwelt. Diese Kluft zu überbrücken, war Aufgabe der
Päpste und der Kreuzzugsprediger, die die subtilen theologischen
Argumente den Laien in mitreißender Form zu vermitteln suchten
(Predigt). Ein überraschendes Resultat dieser Bemühungen war,
daß Laien vielfach den Kampf für Christus, ihren
spirituellen Vater, und die bedrängten Christen, ihre Brüder
und Schwestern, in Begriffen der Blutrache erfaßten. Das
Racheverlangen der Laien, das Mitglieder des höheren Klerus oft
erschreckte, artikulierte sich nicht zuletzt in den grausamen
Judenmorden, die mehreren K.en vorausgingen (nach: 1090,1140,1180;
Judenfeindschaft). Der stets spürbare Graben zwischen der Ebene
der kirchlichen Theologie und dem Laienverständnis scheint sich im
14. Jh., mit der Verstärkung ritterl. Vorstellungen im Denken
der Kreuzfahrer, noch vertieft zu haben.
B. Die Kreuzzüge im
Osten
I. Der 1. Kreuzzug:
Den Anlaß für den ersten der Kreuzzüge lieferten die
türkische Eroberung des byzantinischen Kleinasien und der
Hilfsappell des Kaisers Alexios I. Komnenos an den Westen. Wohl
bereits 1089 faßte Papst Urban
II. den Plan, Freiwillige zur Hilfe für Byzanz zu gewinnen;
die byzantinische Gesandtschaft erhielt auf dem Konzil von Piacenza
(1095) einen günstigen Bescheid. Der einer champagnischen Ritterfamilie entstammende
Papst durchreiste 1095-96 Frankreich; die Serie seiner
großen Kreuzpredigten begann am 27. Nov. 1095 auf dem Konzil von
Clermont. Er rief zu einem Befreiungskrieg auf, der Jerusalem und die
östliche Christenheit vom Joch der Muslime freimachen sollte. Dies
machte den geplanten Zug für die Laien zur Bußwallfahrt und
zum 'Kreuzweg'; ein Charakteristikum der frühen Kreuzpredigt war
die Übertragung monastischer Vorstellungen auf die
Aktivitäten der Laien.
Urbans Aufruf fand starken
Widerhall:
Neben kleineren Gruppen waren es vor allem drei große
Kreuzugswellen, die zwischen Frühjahr 1096 und Frühjahr 1101
in den Osten aufbrachen; die Gesamtzahl betrug wohl ca. 120.000
Männer (und Frauen), unter ihnen vermutlich weniger als 10% Adlige
und Ritter. Über die Motive der armen Kreuzfahrer wissen wir nur
wenig; für die Adligen und Ritter war die Kreuzfahrt ein
gefahrvolles und kostspieliges Unternehmen, das von vielen nur durch
Verkauf oder Verpfändung ihrer Güter durchgeführt werden
konnte. Materielle Anreize dürften eine nur geringe Rolle gespielt
haben; es waren wohl eher religiöse Motive, wobei die
Annäherung zwischen Kirche und Laiengesellschaft, die ein
Charakterzug des 11. Jh. war, nun ihre späten Früchte
trug.
Die erste Kreuzzugswelle, deren Mitglieder die Verantwortung für
die blutigen Judenverfolgungen, namentlich im Rheinland, trugen,
bestand aus vier großen undisziplinierten Heerhaufen, von denen
drei nur bis Ungarn gelangten; der vierte, unter Führung Peters des Eremiten, wurde nach der
Ankunft in Kleinasien von den Türken vernichtet. Ein gleiches
Schicksal ereilte die Kreuzfahrer der dritten Kreuzzugswelle; ihr
Scheitern gab Anlaß zu theologischen Deutungen, die ihnen
sündiges Verhalten vorwarfen. Lediglich die zweite, mittlere Welle
erreichte ihr Ziel:
Nach einem dreijährigen Zug, der zu den größten
militärischen Leistungen des MA gezählt werden muß und
in dessen Verlauf Antiocheia und Edessa eingenommen wurden,
erstürmten die Kreuzfahrer am 15. Juli 1099 Jerusalem, das sie
plünderten und verwüsteten. Da der vorangegangene Feldzug
zwar einige Erfolge zu verzeichnen hatte, ansonsten aber von
Entbehrungen, Hungersnöten und Streitereien der militärischen
Anführer überschattet gewesen war, muß die Einnahme
Jerusalems die Kreuzfahrer überrascht haben und legte den Gedanken
an ein Eingreifen Gottes nahe; in der letzten Phase des Feldzuges
hatten sich im Kreuzheer die visionären Erlebnisse gehäuft,
Gefallene waren als Märtyrer gefeiert worden.
Auch in den Perioden zwischen den »großen«, durch die
klassische Zählung hervorgehobenen Kreuzzügen fanden immer
wieder bedeutende Kreuzzugsunternehmungen statt; zu nennen sind:
der Kreuzzug des norwegischen
Königs Sigurd 'Jórsalafari' (1107-1110), der an der
Eroberung von Sidon mitwirkte;
ein Kreuzzug Bohemunds von Tarent
(1107-08), der sich - in Vorwegnahme des 4. Kreuzzuges - bereits gegen
Byzanz richtete, aber vor Dyrrachion scheiterte;
ein großangelegtes Kreuzzugsunternehmen Calixts II. (1122-26: Spanien;
Osten: Einnahme v. Tyrus);
der gegen Damaskus gerichtete Kreuzzug von 1128-29, für den unter
anderem Hugo von Payens, der erste Meister der Templer, predigte.
II. Der 2. Kreuzzug:
Nach dem Fall von Edessa (Dezember 1144) erließ Papst Eugen III. mit »Quantum
praedecessores« die erste (erhaltene) Kreuzzugsbulle für den
Osten. König Ludwig VII. von Frankreich
versprach, die Führung des Kreuzzugs zu übernehmen; Bernhard von Clairvaux predigte den
Kreuzzug und bewog König Konrad III.
zur Kreuznahme. Trotz der wohl weitgespannten Planungen (fünf
Heere im Osten, vier Heere gegen die heidnischen Wenden, vier Züge
in Spanien) erwies sich das Unternehmen, außer in Spanien, als
Fehlschlag. Das deutsche Kreuzzugsheer unter Konrad III. unterlag
im Herbst 1147 den Türken, und Ludwig VII.
war im Frühjahr 1148 genötigt, in Antalya den Großteil
des Heeres seinem Schicksal zu überlassen. Die Überlebenden
unternahmen gemeinsam mit Kräften des lateinischen Ostens im Juli
einen erfolglosen Angriff gegen Damaskus. Nach diesem Desaster wurde
die Kreuzzugsbewegung, insbesondere Bernhard
von Clairvaux, zur Zielscheibe erbitterter Kritik.
Die drei Jahrzehnte nach dem 2. Kreuzzug waren von insgesamt schwacher
Aktivität geprägt; die Aufrufe der Päpste
(1157,1165,1166,1169, wohl 1173,1181,1184) fanden nur geringes Echo;
lediglich die Kreuzfahrt des Gf.en
von Flandern, Philipp von
Elsaß (1177), war von größerer Bedeutung.
III. Der 3. Kreuzzug:
Die Nachricht von der Vernichtung des christlichen Heeres
durch Saladin
bei Hattin und die nachfolgende muslimische Eroberung Jerusalems und
großer Teile Palästinas führten zur Neubelebung der
Kreuzzugsbewegung. Dem Erlaß der Bulle »Audita
tremendi« (Okt. 1187) folgte der Aufbruch eines großen
deutschen Kreuzheeres unter Kaiser Friedrich Barbarossa. Es
durchzog in disziplinierter Weise das byzantinische Reichsgebiet, wo es
mit der Feindseligkeit Kaiser Isaaks II. Angelos
konfrontiert war, und Kleinasien. Der plötzliche Tod des Kaisers
beim Baden im Saleph (10. Juni 1190) führte zum Zerfall des
Heeres. Nur eine Abteilung traf Anfang Oktober bei der Belagerung von
Akkon ein, während die westeuropäischen Kontingente schon zur
See angereist waren.
Der Aufbruch der englischen und französischen Hauptstreitmacht
hatte sich durch politischen Konflikte zwischen den beiden
Königreichen und infolge des Todes Heinrichs II. von
England immer wieder hingezogen. Am 20. April 1191 landete Philipp II. von
Frankreich, erst am 8. Juni dagegen Richard
Löwenherz von England, der überraschend seine Fahrt
unterbrochen hatte, um Zypern zu erobern. Nach der Einnahme von Akkon
(12. Juli) kehrte Philipp II. nach Frankreich zurück; Richard, der
bis zum 9. Oktober 1192 in Palästina verblieb, konnte zwar
Jerusalem nicht zurückgewinnen, aber einige größere
Siege erringen (Arsuf, 7. September 1191; Jaffa, 31. Juli-5.
August 1192).
Ein Nachspiel des 3. Kreuzzugs war der deutsche Kreuzzug von 1197,
geplant von Heinrich
VI., der aber vor dem Aufbruch verstarb. Mit der Einnahme von
Sidon und Beirut vollendeten die Kreuzfahrer die Eroberung des
größten Teils der palästinensischen Küste, das
wichtigste Ergebnis des 3. Kreuzzugs, da es dem Königreich
Jerusalem die lebenswichtige Verbindung mit dem Westen sicherte.
IV. Der 4. Kreuzzug:
Papst Innozenz III. fügte
den Kreuzzugsgedanken in das offizielle kirchliche Lehr- und
Denkgebäude ein, dem er mit seltener Klarheit und Prägnanz
Ausdruck verlieh. Im August 1198 erließ er seinen ersten
Kreuzzugsaufruf. Trotz volkstümlicher Begeisterung zeigten Adel
und Ritter erst spät im Jahre 1199 stärkeres Interesse, wohl
weil sie die im Dezember 1199 bekanntgemachten Pläne des Papstes,
dem Klerus eine Kreuzzugssteuer aufzuerlegen, schon vorher erfahren
hatten. Die Grafen von Champagne, Blois und Flandern übernahmen
die Führung und schickten eine Delegation nach Venedig zu
Verhandlungen über den Seetransport. Da der benötigte
Schiffsraum von den Gesandten weit überschätzt wurde, waren
die Kreuzfahrer bei den Venezianern hochverschuldet und folgten - gegen
Gewährung eines Zahlungsaufschubs - der venezianischen
Aufforderung, die christliche Stadt Zadar (Zara) in Dalmatien, die der
Krone Ungarn unterstand, zu erobern. Dieses Unternehmen, das zur
Exkommunikation der Kreuzfahrer hätte führen müssen,
spaltete das Kreuzzugsheer.
Anschließend ließen sich die Kreuzfahrer zur Intervention
in Byzanz gewinnen. Hier sollte Alexios Angelos,
der Sohn des von seinem Bruder Alexios III. entthronten Isaaks II.,
eingesetzt werden; weitergehende Ziele waren die Unterstellung des
Patriarchats von Konstantinopel unter römische Oberhoheit und eine
Beteiligung der Byzantiner am Jerusalem-Kreuzzug und an dessen Kosten.
Der byzantinische Thronprätendent versprach die Summe von 200.000
Silbermark, die zu gleichen Teilen unter Venezianer und Kreuzfahrer
aufgeteilt werden sollte. Trotz ablehnender Haltung einiger Kreuzfahrer
wurde diese Vereinbarung angenommen. Unter der Führung von Bonifaz von
Montferrat erschienen die Kreuzfahrer am 5. Juli 1203 vor
Konstantinopel, erstürmten am 17. Juli die Stadt und
führten den gewünschten Thronwechsel herbei. Doch
verschlechterten sich die Beziehungen bald, ein Staatsstreich
stürzte im Januar 1204 Isaak II. und
seinen Sohn Alexios. Am 12. April
1204 brachen die Kreuzfahrer in die Stadt ein, die sie drei Tage lang
plünderten. Sie errichteten das Lateinische Kaiserreich, zu dessen
Oberhaupt Graf Balduin von Flandern
gewählt wurde, teilten die besetzten Reichsgebiete nach einem vor
der Eroberung der Stadt beschlossenen Plan und hatten bis 1205
Griechenland in ihre Hand gebracht. Die byzantinischen Kräfte, die
sich in Randzonen des Reiches zurückzogen (Epiros, Thessalonike,
Nikaia, Trapezunt), erreichten 1261 die Rückeroberung
Konstantinopels.
V. Der 5.
Kreuzzug:
Im April 1213 proklamierte Innozenz
III. einen neuen Kreuzzug im Osten (Bulle
»Quia maior«), den er, auch durch eigene Predigt, sorgsam
vorbereitete. Am 14. Dez. 1215 billigte das IV. Laterankonzil die
Konstitution »Ad liberandam«, ein klassisches Dokument der
Kreuzzugsgeschichte, durch das sich der Papst das Recht sicherte, den
Klerus
zum Zwecke des Kreuzzuges zu besteuern. Als erster traf König Andreas II. von
Ungarn in Palästina ein (Herbst 1217). Die Hauptstreitmacht
aus
dem Westen langte ab April 1218 an; seit 27. Mai 1218 rückten die
Truppen gegen Damietta in Ägypten vor, das erst am 4.-5. Novomber
1219
fiel. Das weitere Vordringen nach Ägypten wurde bis Juli 1221
verschoben, da die Kreuzfahrer - stets vergeblich - auf das Eintreffen
Friedrichs II. warteten.
Schließlich wurden sie bei Mansura zwischen
zwei Nilarmen eingeschlossen, mußten beim Sultan al-Kamil
um
Frieden nachsuchen und am 30. August dem Abzug aus Ägypten
zustimmen.
Friedrich II. hatte
erstmals 1215 den Kreuzzug gelobt, dieses Versprechen
mehrfach erneuert, es 1225 durch Heirat mit Isabella II. von
Brienne,
Erbtochter von Jerusalem,
bekräftigt, den für 1227
vorgesehenen Aufbruch aus Krankheitsgründen aber wieder
verschoben, was ihm die Exkommunikation durch Gregor IX. eintrug. Als
Gebannter schiffte er sich gegen Ende Juni 1228 ein und erreichte Akkon
am 7. September. Da die meisten Kreuzfahrer bereits wieder das Land
verlassen hatten, sah er sich nicht in der Lage, einen Krieg zu
beginnen, konnte aber die Rückgabe Jerusalems an die Christen
aushandeln (18. Februar 1229).
Angesichts des 1239 bevorstehenden Ablaufs des von Friedrich
abgeschlossenen Waffenstillstands erließ Gregor IX.
vorausschauend bereits 1234 einen Kreuzzugsaufruf. Ein starkes
französisches Kreuzheer
unter Tedbald
IV. von Champagne und Hugo IV. von Burgund landete
Anfang
September 1239 in Akkon. Am 13. November bereits wurde eine
Heeresabteilung von
den Ägyptern bei Gaza schwer geschlagen. Tedbald trat
in
Verhandlungen mit den muslimischen Mächten, Damaskus und
Ägypten,
ein. Richard
von Cornwall, der jüngere Bruder
König Heinrichs III. von
England, der sich seit dem 8. Oktober 1240 in Akkon aufhielt,
konnte diese
Verhandlungen mit einem Waffenstillstand, der den Christen umfangreiche
Territorien zurückgab, abschließen (8. Februar 1241).
VI. Die Kreuzzüge
Ludwigs des Heiligen:
Die Tatsache, daß 1244 Jerusalem und ein Teil der 1241
gewonnenen Gebiete von den Muslimen zurückerobert wurde,
könnte den Entschluß König
Ludwigs IX. 'des Heiligen' von Frankreich
zum Kreuzzug ausgelöst haben. Der von ihm durchgeführte 6.
Kreuzzug war
wohl der am sorgfältigsten vorbereitete aller Kreuzzüge. Das
Kreuzheer
verließ Frankreich im August 1248 und erreichte - nach
achtmonatigem Zwischenaufenthalt auf Zypern - am 4. Juni 1249 Damietta,
das am 6. Juni erobert wurde. Am 20. November 1249 begann der Feldzug
ins
Landesinnere, der wieder bei Mansura zum Stillstand kam. Auf dem
Rückmarsch fiel Ludwig am 6.
April 1250 in ägyptische
Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung zog er sich nach Palästina
zurück, wo er bis zum 24. April 1254 blieb und die Position der
Christen durch Waffenstillstandsverhandlungen, Ausbau der Festungen und
Etablierung einer französischen Garnison, die dort bis 1286
stationiert war, zu
sichern suchte.
Am 2. März 1267 nahm Ludwig
nochmals das Kreuz, desgleichen die
Könige von Aragón und England. Ludwig brach
am 2. Juli 1270 auf und
wandte sich zunächst nach Tunis, vielleicht in der Hoffnung auf
eine Bekehrung des dortigen Herrschers aus dem Geschlecht der Hafsiden.
Eine Seuche brach im französischen Heerlager aus, der Ludwig am
25. August 1270
erlag. Karl
von Anjou, der Bruder des
Königs, befahl daraufhin den
Rückzug. - Jakob
I., König von
Aragón, begann seinen Kreuzzug
bereits am 1. September 1269, doch kehrte er mit dem Großteil
seiner
Flotte bald wegen Sturmschäden um. Eduard, der Sohn Heinrichs
III.
von England,
zog über Nord-Afrika nach Akkon (9. Mai 1271) und
kehrte nach einigen Feldzügen am 22. September 1272 wieder nach
Europa
zurück.
Mit Gregor X. gelangte 1271
einer der eifrigsten Anhänger der
Kreuzzugsidee auf den Hl. Stuhl. Auf dem 2. Konzil von Lyon
erließ er
die »Constitutiones pro zelo fidei«. In diesem
bedeutendsten päpstlichen Kreuzzugsdokument seit »Ad
liberandam«
baute Gregor X. die
Organisation des Kreuzzugszehnten aus. Das große
Kreuzzugsunternehmen, das Rudolf von Habsburg
ab 1277 durchführen sollte,
kam mit dem Tode des Papstes (1276) zum Erliegen.
VII. Volkskreuzzüge
des 13. und 14. Jahrhunderts:
In der Zeit von 1212-30 traten religiöse Volksbewegungen
auf, die,
beflügelt wohl durch die Predigt für den Albigenserkreuzzug
(1212), zu spontanen 'Kreuzügen' wurden. Zum sogenannten
Kinderkreuzzug brachen
1212 im Rheinland Tausende von Kindern und Jugendlichen auf, aber auch
erwachsene Laien und Kleriker. 1251 entstand in Nord-Frankreich, im
Zusammenhang mit der Nachricht von der Gefangennahme Ludwigs IX.
auf
dem Kreuzzug, die gewaltsame Aufstandsbewegung der Pastorellen
(Pâtoureaux), die Züge eines (häretischen)
Volkskreuzzugs trug und
unter aanderem auch judenfeindliche Ausschreitungen beinhaltete.
Weitere spontane
'Kreuzzüge' erfolgten 1309 und 1320 (diese ebenfalls als
Pastorellenbewegung
bezeichnet).
VIII. Kreuzzüge im
Spätmittelalter:
Durch die Nachrichten vom Fall der letzten Kreuzfahrerbastionen
in Palästina und Syrien (1291) entflammte erneut der
Kreuzzugsgeist. Die
in einer Reihe von Kreuzzugstraktaten entwickelten Projekte lassen
(neben dem
Wunsch nach einer christlichen Friedensordnung in Europa) zwei
Hauptziele
erkennen:
1. die Rückeroberung Jerusalems, nebst Vernichtung des
Mamluken-Reiches (ein Schritt in diese Richtung war das bis 1344
aufrechterhaltene Embargo);
2. den Schutz des lateinischen Griechenland vor
türkischer Piraterie.
Die im frühen 14. Jh.
durchgeführten Kreuzzüge brachten nur partielle Erfolge
(unter anderem
Stärkung der Johanniter auf Rhodos). Am Hofe Philipps IV. von
Frankreich, der 1313 das Kreuz nahm, wurden dagegen
weitgespannte
Planungen betrieben. Das Kreuzzugsprojekt Peters I. von Zypern,
der
hierfür in ganz Europa warb, führte zur Eroberung von
Alexandria (10. Oktober 1365), das aber nur wenige Tage gehalten werden
konnte. Entgegen den Erwartungen der zeitgenössischen
Kreuzzugstheoretiker,
die in einem Angriff auf Ägypten den Auftakt zum nächsten
Kreuzzug
sahen, verlagerte sich die Kreuzzugsaktivität im 14. Jh.
stark auf
den Seekrieg: die erste 'Kreuzzugsliga', in der sich Venedig, die
Johanniter,
Byzanz, Frankreich und der Papst zusammenschlossen (1334), war eine
Flottenallianz, die die Seeräuberei der türkischen
Fürstentümer
(Aydïn, Mentese) bekämpfte und 1344-1402 den wichtigen Hafen
Smyrna zu behaupten vermochte. Ein Zug Humberts
II. von Viennois nach
Smyrna (1345-47) war Ausdruck des in Westeuropa wieder entflammten
Kreuzzugsfiebers.
Seit ca. 1370 bildeten die Osmanen, die sich bereits einen
Brückenkopf in Europa geschaffen hatten, eine Bedrohung, der das
religiös gespaltene Europa (Abendländ. Schisma) mit neuen
Kreuzzugsaktivitäten zu begegnen suchte. Ein von beiden
Päpsten
autorisierter Kreuzzug endete in der Katastrophe von Nikopolis (25.
September
1396); sie machte für die Osmanen den Weg ins Innere der
Balkan-Halbinsel frei. Der Westen lieferte den Türken lediglich
Seescharmützel unter Jean
Boucicaut (1399-1400,1403).
Nach der durch den Feldzug des Mongolen-Herrschers
Timur (1400-02)
erzwungenen Unterbrechung führten die Osmanen ihre
Eroberungstätigkeit bis 1440 erfolgreich weiter. Der von Eugen IV.
am 1. Januar 1443 ausgerufene Kreuzzug endete nach
anfänglichen Erfolgen in
Bulgarien mit der Vernichtung des Kreuzheeres vor Varna (10. Nov. 1444).
Konstantinopel fiel am 29. Mai 1453. Diesem Desaster folgte eine Flut
von Kreuzzugserlassen und -kongressen. Dank der Anstrengungen des hl.
Johannes von Capistrano, des
größten Kreuzzugspredigers seit
Bernhard von Clairvaux, brach
am 22. Juli 1456 ein zumeist aus Ungarn
bestehendes Kreuzheer auf, das die Türken vor Belgrad zum
Rückzug zwang. In mühevollen Verhandlungen war Pius II.
bestrebt, einen neuen Kreuzzug zustandezubringen; er starb am 15.
August 1464
in Ancona während der Musterung der Kreuzzugsflotte. Konnte 1472
eine
neue Kreuzzugsliga nochmals Antalya und Smyrna angreifen, so gilt
für
die Zeit bis 1522, daß viel über den Kreuzzüe geredet,
aber wenig
gehandelt wurde; die politische Situation in Europa und das Chaos, dem
Italien nach 1494 verfiel, machte die Verwirklichung von
Kreuzzugsplänen
nahezu unmöglich.
C. Kreuzzüge
außerhalb des Orients
I. Iberische Halbinsel:
Spanische Kreuzfahrer nahmen am 1. Kreuzzug teil, jedoch gegen
den Willen
Urbans II., der sie lieber im
eigenen Land Reconquista treiben sah. In
der Zeit, die dem 1. Kreuzzug folgte, war Spanien Hauptschauplatz von
Kreuzzugsaktivitäten (Graf
Raimund Berengar von Barcelona, 1114-16; von
Papst Gelasius II.
verkündeter Kreuzzug gegen Zaragoza, Einnahme: 19.
Dezember 1118), die aber noch stark von auswärtigen Kräften
bestritten wurden, während die Spanier wohl erst seit den Jahren
nach 1120 ihre Reconquista mit dem Kreuzzug assoziierten. Ein
Höhepunkt
war der Zug Alfons' I. von Aragón
nach al-Andalus (1125-26), von
wo aus er 10.000 mozarabische Familien in das Ebrotal umsiedelte. Die
Iberische
Halbinsel war auch in den 2. Kreuzzug involviert; Almería,
Santarem
und Lissabon fielen, in Katalonien wurden die Muslime aus ihren letzten
Stützpunkten verdrängt. Nach 1149 ließen die
Aktivitäten nach; die Christen gerieten seit 1157 gegenüber
den Almohaden
in die Defensive. Doch wurden in diesen Jahren die span.
Ritterorden gegr. 1189 konnte König
Sancho I. von Portugal mit Hilfe
zweier westeuropäischen. Kreuzzugsflotten Silva und Alvor erobern.
1210 fühlte sich Alfons VIII. von
Kastilien stark genug, um in die
Offensive zu gehen; der Verlust der dem Orden von Calatrava
gehörenden Burg Salvatierra
bewog Innozenz III. zur
Proklamation
eines neuen Kreuzzugs (es hatte bereits 1193 und 1197 Kreuzzugsaufrufe
gegeben; siehe
auch Cruzada). Ein großes Kreuzheer aus Spaniern, Portugiesen und
Franzosen schlug die Muslime bei Las Navas de Tolosa (17. Juli 1212).
Dies war die große Wende der Reconquista, obwohl der Papst nach
kurzer Zeit die Kreuzfahrerströme nach Palästina (5.
Kreuzzug)
umlenkte. Erst 1229 wurde wieder ein allgemeiner Kreuzzug mit vollem
Ablaß
für Spanien verkündet. Damit begann die größte
Ära der Reconquista-Kreuzzüge, unter Jakob I. von
Aragón
(Eroberung Mallorcas, 1229-31, des Königreiches Valencia, 1232-53)
und
Ferdinand III.
von Kastilien (Eroberung von Badajoz, 1230; Jérez,
1231; Córdoba, 1236; Sevilla, 1248). Die spanischen
Kreuzzüge unterschieden
sich insofern von allen anderen, als sie unter der Kontrolle des
Königtums
standen.
Der Rhythmus der Reconquista verlangsamte sich in den Jahren nach 1260,
bedingt durch den Aufmarsch von Truppen der Meriniden in Andalusien.
Erst 1328 begannen wieder größere Aktivitäten, an denen
sich auch auswärtige Kräfte beteiligten. Am 30. Oktober 1340
besiegte Alfons
XI. von Kastilien die Meriniden
am Rio Salado, im
März 1344 nahm er Algeciras ein und drängte so die Invasoren
über die Straße von Gibraltar ab. Nachdem Alfons XI.
1350 an
der Pest verstorben war, ruhte die Reconquista für ein
Jahrhundert. Der
Zusammenschluß von Aragón und Kastilien (1479) und der
nach
dem Fall von Konstantinopel wiederbelebte Kreuzzugsgeist führten
seit
1482 zu offensivem militärischen Vorgehen gegen das letzte
muslimische
Reich in Spanien, Granada, das am 2. Januar 1492 fiel. Damit war ein
Sprungbrett für die Invasion Nord-Afrikas geschaffen; die Spanier
eroberten bis 1510 mehrere Brückenköpfe, unter anderem das
weit
östlich gelegene Tripolis.
II. Östliches Deutschland und
Baltikum:
Schon 1108 hatte es in Sachsen einen Ansatz gegeben, die
Kämpfe
gegen die westslavischen (»wendischen«) Stämme (Elb-
und
Ostseeslaven) als Kreuzzüge zu führen. Aber erst während
des 2. Kreuzzuges
wurde, auf Wunsch deutscher Kreuzfahrer und durch Vermittlung Bernhards von
Clairvaux, offiziell der »Wendenkreuzzug«
verkündet (Bulle
»Divina dispensatione« Eugens
III., 13. April 1147);
Bernhard wie der Papst kamen in
ihrer Begründung der Idee des
Missionskrieges nahe. Der sogenannte Wendenkreuzzug bestand vor allem
in Zügen
gegen die slavischen Vororte Dobin, Demmin und Stettin (obwohl dieses
bereits christlich war). In einer späteren Phase eroberten
dänische
Kreuzfahrer pommersche Ostseeküstengebiete sowie Rügen (1168).
Im Zuge der von Deutschen, Dänen und Schweden getragenen
Expansions- und
Kolonisationstätigkeit griffen die Dänen auf den
östlichen
Ostseeraum aus (Finnland 1191,1202; Estland 1194,1197; Ösel
1206; Preußen 1210). Die Eroberung des nördlichen Estland
erfolgte
1219/20, während schwedische Kreuzfahrer ab 1240 Finnland
einnahmen.
Bedeutender noch waren die mit unerbittlicher Härte geführten
Kreuzzüge, die in Livland zur Verteidigung der Mission stattfanden
(1193,1197,1199). Sie führten unter der energischen Leitung Alberts I. von
Buxhövden, des Bischofs
von Riga, und des
Schwertbrüderordens zur
Eroberung des ganzen Landes. Ein Spezifikum war hier die
ausgeprägte Marienverehrung der deutschen Kreuzfahrer und
Ordensbrüder.
Nach 1230 wurde das westlicher gelegene Preußen zum
Hauptschauplatz; bestimmend war die Rolle des hier seit 1225
ansässigen Deutschen Ordens, der das Land seit 1234 als
päpstliches
Lehen hielt. Zur Unterwerfung und Missionierung der heidnischen
Prußen, die seit 1229 einsetzten, bewilligte Innozenz IV. 1245
als einzigartiges Privileg einen ständigen Kreuzzug, der keiner
besonderen
Proklamation mehr bedurfte. Nach 1309 richtete sich die kriegerische
Aktivität des Deutscehn. Ordens hauptsächlich gegen das
mächtig
gewordene, heidnische Litauen. Während des ganzen 14. Jh.
strömten Adlige und Ritter in das Ordensland, um auf den Winter-
und Sommerfeldzügen des Ordens (Reysen) zu kämpfen
(Preußenreise). Die polnisch-litauische Union von 1386, die die
Christianisierung Litauens beinhaltete, nahm diesen Zügen ihre
Berechtigung, so daß der Zustrom an Kreuzfahrern gegen Ende des
14. Jh. immer mehr nachließ.
III. Mongolenkreuzzüge:
Die Mongolen drangen 1241 nach Mitteleuropa vor und schlugen ein
deutsches
Heer bei Liegnitz; Gregor IX.
predigte den Kreuzzug gegen sie, der 1243
nochmals bestätigt wurde. 1245 wurde die Abwehr der Mongolen beim
1. Konzil von Lyon diskutiert; 1249 erlaubte Innozenz IV. sogar
Palästina-Kreuzfahrern, ihr Gelübde auf den Kampf gegen die
Mongolen bzw. Tataren zu übertragen. Während des 14. Jh.
wurde eine ganze Reihe von Kreuzzugsprivilegien erteilt, namentlich an
Polen,
Ungarn, Genua und Venedig, die durch ihre Niederlassungen im
Schwarzmeerraum (Krim) Nachbarn der Tataren (Goldene Horde) waren.
IV. Kreuzzüge gegen Christen:
[1] Allgemein:
Kreuzzüge dieses Typs wurden zwar gelegentlich
kritisiert, waren aber aus zeitgenössisch theologischer Sicht
nicht schwer
zu rechtfertigen. Die Kreuzzugsbewegung war in einem gewissen
Maße aus
dem sogenannten Investiturstreit hervorgegangen (es gab schon bald nach
dem 1.
Kreuzzug Ansätze, dies theoretisch zu untermauern); Gewalt gegen
Häretiker war schon seit ca. 400 als Norm anerkannt, und in den
Augen der kirchlichen Denker wie Petrus
Venerabilis im 12. und Henricus
de
Segusio im 13. Jh. war gewaltsames Vorgehen gegen
abtrünnige
Christen in manchen Fällen gerechter als dasjenige gegen Heiden.
[2] Kreuzzüge gegen politische Gegner des
Papsttums:
Ein
Dekret des Konzils von Pisa (Mai 1135) sah für Kämpfer gegen
papstfeindliche Kräfte, in diesem Fall die süditalienischen
Normannen, den
gleichen Ablaß vor wie für die Teilnehmer des 1. Kreuzzugs.
Dies
ist ein Bindeglied zwischen den Auseinandersetzungen des 11. Jh.
und
den 'politischen Kreuzzügen' des 13. Jh., deren erster 1199
von Innozenz III.
gegen den staufischen Reichsministerialen
Markward von Annweiler gepredigt
wurde, doch noch ohne größeres Echo blieb.
Der erste Kreuzzug gegen den Staufer Friedrich
II. wurde in Italien, Deutschlamnd und
Ungarn 1239-41 gepredigt. Er wurde 1244 erneuert; nach Friedrichs
Absetzung (1245) ergoß sich ein Strom päpstlicher
Kreuzugsbriefe ins
Reich; das Heer, das im Oktober 1248 Aachen für den Gegen-König Wilhelm
von Holland in Besitz nahm, hatte zahlreiche Kreuzfahrer
in seinen
Reihen. Nach 1250 wurden die Kreuzzugsaufrufe gegen Friedrichs Nachfolger
und
ihre Anhänger erneuert; seit 1255 trafen sie den Staufer-Erben
Manfred. Die Kriege Karls von Anjou
gegen ihn (Schlacht von Benevent; 26.
Februar 1266) wie gegen Konradin
(Schlacht von Tagliacozzo, 23. August 1268)
wurden als Kreuzzüge geführt. Mit der Übergabe der
letzten
Staufer-Festung
Lucera an die Angiovinen
im August 1269 war diese erste
Phase beendet.
Die zweite Phase begann mit dem anti-angiovinischen
Aufstand der Sizilianischen Vesper
(30. März 1282) zugunsten Peters III. von
Aragón, des
Schwiegersohnes von Manfred. Der
folgende Krieg der Angiovinen gegen
Aragón wurde mit dem päpstlichen Kreuzzugszehnten
finanziert; er
endete erst mit dem Frieden von Caltabellotta (1302). 1285 führte
Frankreich einen Kreuzzug unmittelbar gegen Aragón
(Aragón,
Kreuzzug von), der scheiterte (Rückzug und Tod Philipps III.).
In Italien wurden K.e regelmäßig gegen die Ghibellinen
gepredigt; sie erhielten durch das avign. Exil der Päpste neue
Impulse. So wurden K.e verkündet gegen: Venedig (1309), Ferrara
(1321), Mantua (1324), die Besetzung Roms durch Ludwig d. Bayern
(1328), fast ununterbrochen in den Jahren nach 1350/60 zur
Wiedergewinnung des Kirchenstaates.
[3] Kreuzzüge gegen Häretiker:
1208 predigte
Innozenz III. den Kreuzzug
gegen die Albigenser. Die Kreuzfahrer, die aus
Teilen West-Europas und aus Frankreich (trotz der Vorbehalte des
Königs von
Frankreich gegen diesen Kreuzzug) kamen, erhielten Ablaß für
40
Tage. Sie vermochten den Oberbefehlshaber, Simon de Montfort, bei der
Sicherung der von ihm gegen den Grafen von Toulouse mit Mühe
gehaltenen Landesteile zu unterstützen. Allerdings wurde das
militärische Vorgehen dadurch geschwächt, daß Innozenz III.
1213 den Albigenserkreuzzug zugunsten des 5. Kreuzzugs aussetzte; der
Frieden kam
erst 1229. Der Kreuzzug trug kaum zur Zerschlagung der Häresie
bei; dies
vollbrachte erst die 1233 in Toulouse eingerichtete Inquisition.
Kreuzzüge gegen Ketzer waren kaum je erfolgreich, und es wurden
vergleichsweise wenige durchgeführt: 1227 und 1234 gegen die
häretische Bosnische Kirche; ein Kreuzzug gegen die
bäuerliche Landesgemeinde
der Stedinger, den der Erzbischof von Hamburg-Bremen 1232 erwirkte und
1234
durchführte; ein Kreuzzug in Piemont gegen Fra Dolcino, 1306-07; ein
Katharerkreuzzug in Ungarn, der 1327 proklamiert, aber wieder
abgeblasen
wurde, da die Inquisition hierin eine unbefugte Einmischung sah; ein
Ketzerkreuzzug in Böhmen, 1340; schließlich die
Hussitenkriege
(Hussiten), die auf einem Reichstag zu Breslau im März 1420
proklamiert wurden und auch der Verwirklichung der böhmischen
Thronansprüche Siegmunds von
Luxemburg dienen sollten. Trotz
Beteiligung von Kreuzfahrern aus dem gesamten Europa schlugen alle
fünf Feldzüge fehl und riefen im Gegenzug Einfälle
hussitischer Heere in das Reichsgebiet hervor.
[4] Kreuzzüge gegen Schismatiker:
Seit der Eroberung
Konstantinopels im 4. Kreuzzug wurde das Instrument des Kreuzzugs auch
gegen die
byzantinischen »Nachfolgestaaten« (wie Epiros, Nikaia) und
das
gleichfalls orthodoxe Bulgarien angewandt, da diese Reiche die
(katholische)
Christenheit bedrohten (1231,1239). Auch wurde nach der byzantinischen
Rückeroberung Konstantinopels ein Kreuzzug zur Wiedergewinnung
proklamiert (1306-07). Der Kreuzzug Amadeus' VI. von Savoyen (1366) galt
nicht nur den Türken (Gallipoli), sondern im zweiten Zug auch den
Bulgaren, diesmal jedoch im Einvernehmen mit dem Byzantinischen Reich.
Im Ostseeraum wurden Kreuzzüge gegen Russen geführt. Neben
den Rejsen,
die nach der Christianisierung Litauens (1386) noch einige Zeit gegen
Russen fortgeführt wurden, sind mehrere skandinavische
Kreuzzugsunternehmungen
im ungesicherten Grenzraum Finnlands (Karelien) gegen das orthodoxe
Novgorod zu nennen (1323 von Papst
Johannes XXII. verkündeter Kreuzug;
1348,1350,1351 Kreuzzüge des Königs
Magnus' von Schweden-Norwegen,
der unter
Einfluß der hl. Birgitta,
seiner Base, stand).
Das Abendländische Schisma brachte im übrigen zwei
Kreuzzüge hervor,
die, beide in England entstanden, den römischen Papst stützen
sollten: der Kreuzzug des Henry
Despenser, Bischofs von Norwich,
gegen die
'Clementisten' in Flandern (Mai-Aug. 1383) und der erfolglose Kreuzzug Johns
of Gaunt gegen Kastilien (1386-87).
[5] Ausklang:
Die Kreuzzugsbewegung überlebte das Ende des
MA. Gegen die Reformation, das abtrünnige England, war die
Armada Philipps
II. von Spanien gerichtet (1588), und die Muslime wurden
noch wiederholt im 16. Jh. von Kreuzzugsligen bekämpft (unter
anderem
Lepanto, 1571). Die letzte dieser Ligen bestand 1684-99 unter
Führung des kreuzzugsbegeisterten Papstes
Innozenz XI. (zeitweise
Rückeroberung der Peloponnes). Bis 1798 behaupteten die Johanniter
ihren Ordensstaat auf Malta.
J. Riley-Smith
Feudale Eroberungszüge, die ursprünglich
gegen
die nichtchristliche Bevölkerung in Europa, gegen spanische Araber
(Araber-Kreuzzüge) und im Orient gegen Syrer und Juden gerichtet
waren; später auch auf "Ketzer " und politische Feinde der Kurie
ausgedehnt
(Albingenser-Kreuzzüge). Im Ergebnis der Feudalisierung und
Militarisierung
der Weltkirche kam die Lösung des Kampfes "gegen die
Ungläubigen"
und der "Befreiung des Heiligen Grabes" auf, hinter der sich das
Streben
christlicher Feudalmächte nach Ausdehnung ihrer Machtbereiche und
Steigerung ihres moralischen Ansehens verbarg. Die Initiative ging vom
Papsttum aus, das seine weltliche und geistige Einflußsphäre
durch die Kreuzzüge auszudehnen hoffte. Dem sollte auch der
Versuch
der Wiedervereinigung mit der 1054 von Rom getrennten Ostkirche dienen.
Der aus rein politischen Motiven - die westliche Kreuzzugsidee ist der
Ostkirche immer fremd geblieben - abgegebene Hilferuf des
byzantinischen
Kaisers Alexios
I. Komnenos an den Papst um Hilfstruppen gegen die
Türken,
fiel daher auf günstigen Boden. 1095 wandte sich Papst Urban II.
in
Clermont mit einem Aufruf zum 1. Kreuzzug nach dem Orient (1096/ 99) an
die französische Ritterschaft. Ihm folgte ein Massenaufgebot des
französischen Adels und bäuerlicher Schichten. Der durch
innerfeudale
Kämpfe und weitgehende Erbteilung geschwächte
französische
Adel trachtete nach auskömmlichen Leben und den Schätzen des
Orients, die breite Schicht ritterlicher Vasallen zum Teil unfreier
Herkunft
außerdem nach kirchlicher Legitimation ihres Standes innerhalb
der
herrschenden Feusdalklasse. Die Bauern hofften der feudalen
Bedrückung
zu entgehen. Eine starke Triebkraft für die Kreuzzüge ging
von
den italienischen Seerepubliken aus, die den Handel mit dem
östlichen
Mittelmeer an sich zu reißen strebten. Zuerst brachen 1096 die
Bauern
auf (Bauernkreuzzug). Es folgten die französischen und
normannischen
Ritter (Kreuzritter) unter Führung Gottfrieds von
Bouillon. Sie
schlugen
1097 bei Doryläum und Nikäa die Seldschuken, eroberten 1098
Antiochia
und Edessa und 1099 Jerusalem, wo um 1100 Balduin, der Bruder
Gottfrieds,
zum ersten König von Jerusalem
gekrönt wurde. In Syrien und
Palästina entstanden Kreuzfahrerestaaten. Ihre schwache Position
beruhte
auf der geringen staatlichen Konzentration und dem Fehlen einer
soliden
wirtschaftlichen Grundlage (breite bäuerliche Siedlung und starkes
bodenständiges Bürgertum). Sie erforderte immer neue
Kreuzzüge
(1147/49,1189/90,1202/04, 1228/29,1248/54,1270). Es gelang jedoch
nicht,
die Kreuzfahrerstaaten nachhaltig zu festigen, und so fielen sie
nacheinander
(Antiochia 1268, Tripolis 1289) in die Hände der Türken. -
Obwohl
die Expansion des westeuropäischen Feudalismus nach Syrien und
Palästina
scheiterte, zeitigten die Kreuzzüge bedeutende Ergebnisse
für
Europa: Sicherung der kommerziellen Vorherrschaft der italienischen,
südfranzösischen
und katalanischen Seestädte im Mittelmeerhandel (Levantehandel)
und
enge Berührung der Westeuropäer mit der hochentwickelten
Kultur
des Orients, deren Einflüsse von nun an auf technischem,
philosophischem
und künstlerischem Gebiet spürbar wurden. Negative Folgen der
Kreuzzüge waren die Zerstörung wertvoller Kulturwerte,
besonders
in Konstantinopel, und die Unterdrückung der Bevölkerung der
umstrittenen Gebiete.