KREUZZÜGE

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1510
********************
Kreuzzüge
-------------

A. Definition

I. Der Heilige Krieg im Christentum:

Grundlage der Definition des 'hl. Krieges' waren die verbindlichen Ausführungen des hl. Augustinus über das Wesen des gerechten Krieges (bellum iustum), auf denen die kanonistische Lehre des Hoch- und SpätMA (Gratian) fußte. Drei Kriterien für einen gerechten und gottgefälligen Krieg treten hervor:
1. Ein Krieg muß im Namen und auf Anordnung einer legitimen Autorität - zum Beispiel Kaiser oder Papst - geführt werden, wobei aber schon
    Augustinus
die Idee eines unmittelbar von Gott autorisierten Krieges kennt, die sich im MA mit der Vorstellung von Christus als dem König des
    transzendentalen Gottesreiches verbindet; dieses anzugreifen, kommt einer Störung des göttlichen Heilsplanes gleich. -
2. Ein Krieg darf nur aus einem gerechten Kriegsgrund (iusta causa), hervorgerufen durch eine Unrechtshandlung (iniuria) eines Gegners, geführt
    werden; bei Augustinus findet sich jedoch bereits das Argument, daß ein auf göttliche Autorität beruhender Krieg seiner Natur nach gerecht sei,
    doch gehen nur wenige ma. Apologeten so weit wie Henricus de Segusio, der einen Krieg gegen Ungläubige allein aus der Überlegenheit des
    christlichen Glaubens rechtfertigt. -
3. Dem Krieg müssen gute Absichten (rectae intentiones) zugrundeliegen, d. h. er soll von der caritas, der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit,
    getragen sein, wobei die Apologeten der Kriege die Liebe zu den christlichen Brüdern und Schwestern betonen, nicht aber die den Zeitgenossen
    unverständlichen Liebe zu den Feinden.

II. Der Kreuzzug:

Der Kreuzzug wurde der Christenheit nach Auffassung der Zeitgenossen unmittelbar von Gott, durch den Mund des Papstes, befohlen; er war Bußübung und Kriegszug zugleich. Als Werk der Buße war er umrahmt von liturgischen Handlungen, wie sie ähnlich das Pilgerwesen kannte, und wurde auch bevorzugt mit Begriffen der Pilgerschaft (peregrinatio) umschrieben. In seiner Eigenschaft als Krieg diente er zum einen der Rückeroberung christlichen Besitzes, insbesondere Palästinas, das durch das Leben und den Kreuzestod Christi geheiligt war und zudem einst zum römischen Reich gehört hatte, zum andern der Verteidigung gegen echte oder vermeintliche Glaubensfeinde innerhalb und außerhalb der christlichen Welt (Muslime, heidnische Slaven und Balten, Mongolen, Schismatiker wie griechische oder russische Orthodoxe, Häretiker, aber auch politische Gegner des Papsttums). Neben den höchstes Ansehen gewährenden Kreuzzügenen zur Befreiung oder Verteidigung Jerusalems wurden Kreuzzüge auch in anderen Teilen der mittelalterlichen Welt (Naher Osten, Spanien/Reconquista, Nor-Afrika, baltische Länder, Osteuropa, sogar in Westeuropa) durchgeführt. Bei starken regionalen Unterschieden - die Kreuzzüge in Spanien trugen bereits quasi-nationale Züge, die Kreuzzüge im Baltikum betonten stark das missionarische Element - gilt für alle Kreuzzüge, daß sie mit der Sache der gesamten Christenheit gleichgesetzt wurden und die Kreuzzugsheere (selbst wenn sie regional zusammengesetzt waren) als supranational galten. Von daher muß der Kreuzzug von anderen Formen des Kriegführens (wie der Verteidigung des lateinischen Ostens durch die dort ansässig gewordenen Christen oder den Kämpfen der Ritterorden, deren Brüder im übrigen kein Kreuzzugsgelübde ablegten) unterschieden werden. Eine Wandlung des Kreuzzugs im SpätMA markieren seit dem 14. Jh. die 'Kreuzzugsligen', bestehend aus souveränen Staaten, die nicht mehr so sehr die gesamte Christenheit, sondern sich selbst repräsentierten.

III. Die Stellung des Kreuzfahrers:

Die Teilnahme am Kreuzzug war populär, was im bemerkenswert geringen Umfang der Kreuzzugskritik zum Ausdruck kommt. Bei jedem Kreuzzug legte eine (oft große) Anzahl von Teilnehmern ein Kreuzzugsgelübde ab, dessen sichtbares Zeichen das auf dem Gewand angeheftete Kreuz war (Kreuznahme). Das Gelübde war rechtsverbindlich und ging bei Nichterfüllung vom Vater auf den Sohn über. In einer Reihe von Fällen konnte jedoch ein Kreuzfahrer, allerdings nur durch den Papst oder seinen Bevollmächtigten, von der unmittelbaren Erfüllung eines Kreuzzugsgelübdes entbunden werden (Dispens); zu nennen sind:
defermentum (Aufschub),
commutatio (Umwandlung einer Kreuzzugsteilnahme in einen anderen Bußakt),
substitutio (Entsendung eines Ersatzmannes zum Kreuzzug),
redemptio (Dispensierung gegen eine Geldzahlung, die theoretisch den aufzuwendenden Kosten entsprach).
Unter Papst Innozenz III. (1198-1216) wurde die Redemption zum Instrument der Kreuzzugsfinanzierung; mit der Aufforderung an kriegsuntaugliche Personen, das Kreuz zu nehmen und nachträglich um Redemption zu ersuchen, wurde ein Kreuzzugfonds geschaffen.
Das Kreuzzugsgelübde entsprach im wesentlichen dem älteren Gelübde des Pilgers, und die Kreuzfahrer erhielten zum Teil auch ähnliche Privilegien wie diese.
Sie umfaßten:
Rechtsschutz des Besitzes der Kreuzfahrer und ihrer Vasallen oder Hörigen während der Abwesenheit;
Aufschub bei Lehens- und Hofdienst sowie bei Gerichtsverfahren (bzw. auf Wunsch des betreffenden Kreuzfahrers schneller Rechtsentscheid); Moratorium für die Rückerstattung von Schulden sowie für die Zinszahlung bis zur Heimkehr;
Freiheit von Zöllen und Steuern;
für Kleriker das Recht zur Nutzung eines Beneficiums auch während der kreuzzugsbedingten Abwesenheit, für Laien das Recht, Lehen oder andere sonst unveräußerliche Besitztümer zu verkaufen oder zu verpfänden.
Allen Kreuzfahrern wurde Ablaß gewährt; es war das Gelübde und der aus ihm erwachsende Ablaß, der einen Mann oder eine Frau als Kreuzfahrer auswiesen.
Eine tiefe Kluft trennte die abstrakten Darlegungen der Kanonisten und Theologen über Gewalt und Krieg von der emotionalen Haltung der Laienwelt. Diese Kluft zu überbrücken, war Aufgabe der Päpste und der Kreuzzugsprediger, die die subtilen theologischen Argumente den Laien in mitreißender Form zu vermitteln suchten (Predigt). Ein überraschendes Resultat dieser Bemühungen war, daß Laien vielfach den Kampf für Christus, ihren spirituellen Vater, und die bedrängten Christen, ihre Brüder und Schwestern, in Begriffen der Blutrache erfaßten. Das Racheverlangen der Laien, das Mitglieder des höheren Klerus oft erschreckte, artikulierte sich nicht zuletzt in den grausamen Judenmorden, die mehreren K.en vorausgingen (nach: 1090,1140,1180; Judenfeindschaft). Der stets spürbare Graben zwischen der Ebene der kirchlichen Theologie und dem Laienverständnis scheint sich im 14. Jh., mit der Verstärkung ritterl. Vorstellungen im Denken der Kreuzfahrer, noch vertieft zu haben.

B. Die Kreuzzüge im Osten

I. Der 1. Kreuzzug:

Den Anlaß für den ersten der Kreuzzüge lieferten die türkische Eroberung des byzantinischen Kleinasien und der Hilfsappell des Kaisers Alexios I. Komnenos an den Westen. Wohl bereits 1089 faßte Papst Urban II. den Plan, Freiwillige zur Hilfe für Byzanz zu gewinnen; die byzantinische Gesandtschaft erhielt auf dem Konzil von Piacenza (1095) einen günstigen Bescheid. Der einer champagnischen Ritterfamilie entstammende Papst durchreiste 1095-96 Frankreich; die Serie seiner großen Kreuzpredigten begann am 27. Nov. 1095 auf dem Konzil von Clermont. Er rief zu einem Befreiungskrieg auf, der Jerusalem und die östliche Christenheit vom Joch der Muslime freimachen sollte. Dies machte den geplanten Zug für die Laien zur Bußwallfahrt und zum 'Kreuzweg'; ein Charakteristikum der frühen Kreuzpredigt war die Übertragung monastischer Vorstellungen auf die Aktivitäten der Laien.
Urbans Aufruf fand starken Widerhall:
Neben kleineren Gruppen waren es vor allem drei große Kreuzugswellen, die zwischen Frühjahr 1096 und Frühjahr 1101 in den Osten aufbrachen; die Gesamtzahl betrug wohl ca. 120.000 Männer (und Frauen), unter ihnen vermutlich weniger als 10% Adlige und Ritter. Über die Motive der armen Kreuzfahrer wissen wir nur wenig; für die Adligen und Ritter war die Kreuzfahrt ein gefahrvolles und kostspieliges Unternehmen, das von vielen nur durch Verkauf oder Verpfändung ihrer Güter durchgeführt werden konnte. Materielle Anreize dürften eine nur geringe Rolle gespielt haben; es waren wohl eher religiöse Motive, wobei die Annäherung zwischen Kirche und Laiengesellschaft, die ein Charakterzug des 11. Jh. war, nun ihre späten Früchte trug.
Die erste Kreuzzugswelle, deren Mitglieder die Verantwortung für die blutigen Judenverfolgungen, namentlich im Rheinland, trugen, bestand aus vier großen undisziplinierten Heerhaufen, von denen drei nur bis Ungarn gelangten; der vierte, unter Führung Peters des Eremiten, wurde nach der Ankunft in Kleinasien von den Türken vernichtet. Ein gleiches Schicksal ereilte die Kreuzfahrer der dritten Kreuzzugswelle; ihr Scheitern gab Anlaß zu theologischen Deutungen, die ihnen sündiges Verhalten vorwarfen. Lediglich die zweite, mittlere Welle erreichte ihr Ziel:
Nach einem dreijährigen Zug, der zu den größten militärischen Leistungen des MA gezählt werden muß und in dessen Verlauf Antiocheia und Edessa eingenommen wurden, erstürmten die Kreuzfahrer am 15. Juli 1099 Jerusalem, das sie plünderten und verwüsteten. Da der vorangegangene Feldzug zwar einige Erfolge zu verzeichnen hatte, ansonsten aber von Entbehrungen, Hungersnöten und Streitereien der militärischen Anführer überschattet gewesen war, muß die Einnahme Jerusalems die Kreuzfahrer überrascht haben und legte den Gedanken an ein Eingreifen Gottes nahe; in der letzten Phase des Feldzuges hatten sich im Kreuzheer die visionären Erlebnisse gehäuft, Gefallene waren als Märtyrer gefeiert worden.
Auch in den Perioden zwischen den »großen«, durch die klassische Zählung hervorgehobenen Kreuzzügen fanden immer wieder bedeutende Kreuzzugsunternehmungen statt; zu nennen sind:
der Kreuzzug des norwegischen Königs Sigurd 'Jórsalafari' (1107-1110), der an der Eroberung von Sidon mitwirkte;
ein Kreuzzug Bohemunds von Tarent (1107-08), der sich - in Vorwegnahme des 4. Kreuzzuges - bereits gegen Byzanz richtete, aber vor Dyrrachion scheiterte;
ein großangelegtes Kreuzzugsunternehmen Calixts II. (1122-26: Spanien; Osten: Einnahme v. Tyrus);
der gegen Damaskus gerichtete Kreuzzug von 1128-29, für den unter anderem Hugo von Payens, der erste Meister der Templer, predigte.

 
II. Der 2. Kreuzzug:

Nach dem Fall von Edessa (Dezember 1144) erließ Papst Eugen III. mit »Quantum praedecessores« die erste (erhaltene) Kreuzzugsbulle für den Osten. König Ludwig VII. von Frankreich versprach, die Führung des Kreuzzugs zu übernehmen; Bernhard von Clairvaux predigte den Kreuzzug und bewog König Konrad III. zur Kreuznahme. Trotz der wohl weitgespannten Planungen (fünf Heere im Osten, vier Heere gegen die heidnischen Wenden, vier Züge in Spanien) erwies sich das Unternehmen, außer in Spanien, als Fehlschlag. Das deutsche Kreuzzugsheer unter Konrad III. unterlag im Herbst 1147 den Türken, und Ludwig VII. war im Frühjahr 1148 genötigt, in Antalya den Großteil des Heeres seinem Schicksal zu überlassen. Die Überlebenden unternahmen gemeinsam mit Kräften des lateinischen Ostens im Juli einen erfolglosen Angriff gegen Damaskus. Nach diesem Desaster wurde die Kreuzzugsbewegung, insbesondere Bernhard von Clairvaux, zur Zielscheibe erbitterter Kritik.
Die drei Jahrzehnte nach dem 2. Kreuzzug waren von insgesamt schwacher Aktivität geprägt; die Aufrufe der Päpste (1157,1165,1166,1169, wohl 1173,1181,1184) fanden nur geringes Echo; lediglich die Kreuzfahrt des Gf.en von Flandern, Philipp von Elsaß (1177), war von größerer Bedeutung.

III. Der 3. Kreuzzug:

Die Nachricht von der Vernichtung des christlichen Heeres durch Saladin bei Hattin und die nachfolgende muslimische Eroberung Jerusalems und großer Teile Palästinas führten zur Neubelebung der Kreuzzugsbewegung. Dem Erlaß der Bulle »Audita tremendi« (Okt. 1187) folgte der Aufbruch eines großen deutschen Kreuzheeres unter Kaiser Friedrich Barbarossa. Es durchzog in disziplinierter Weise das byzantinische Reichsgebiet, wo es mit der Feindseligkeit Kaiser Isaaks II. Angelos konfrontiert war, und Kleinasien. Der plötzliche Tod des Kaisers beim Baden im Saleph (10. Juni 1190) führte zum Zerfall des Heeres. Nur eine Abteilung traf Anfang Oktober bei der Belagerung von Akkon ein, während die westeuropäischen Kontingente schon zur See angereist waren.
Der Aufbruch der englischen und französischen Hauptstreitmacht hatte sich durch politischen Konflikte zwischen den beiden Königreichen und infolge des Todes Heinrichs II. von England immer wieder hingezogen. Am 20. April 1191 landete Philipp II. von Frankreich, erst am 8. Juni dagegen Richard Löwenherz von England, der überraschend seine Fahrt unterbrochen hatte, um Zypern zu erobern. Nach der Einnahme von Akkon (12. Juli) kehrte Philipp II. nach Frankreich zurück; Richard, der bis zum 9. Oktober 1192 in Palästina verblieb, konnte zwar Jerusalem nicht zurückgewinnen, aber einige größere Siege erringen (Arsuf, 7. September 1191; Jaffa, 31. Juli-5. August 1192).
Ein Nachspiel des 3. Kreuzzugs war der deutsche Kreuzzug von 1197, geplant von Heinrich VI., der aber vor dem Aufbruch verstarb. Mit der Einnahme von Sidon und Beirut vollendeten die Kreuzfahrer die Eroberung des größten Teils der palästinensischen Küste, das wichtigste Ergebnis des 3. Kreuzzugs, da es dem Königreich Jerusalem die lebenswichtige Verbindung mit dem Westen sicherte.
 

IV. Der 4. Kreuzzug:

Papst Innozenz III. fügte den Kreuzzugsgedanken in das offizielle kirchliche Lehr- und Denkgebäude ein, dem er mit seltener Klarheit und Prägnanz Ausdruck verlieh. Im August 1198 erließ er seinen ersten Kreuzzugsaufruf. Trotz volkstümlicher Begeisterung zeigten Adel und Ritter erst spät im Jahre 1199 stärkeres Interesse, wohl weil sie die im Dezember 1199 bekanntgemachten Pläne des Papstes, dem Klerus eine Kreuzzugssteuer aufzuerlegen, schon vorher erfahren hatten. Die Grafen von Champagne, Blois und Flandern übernahmen die Führung und schickten eine Delegation nach Venedig zu Verhandlungen über den Seetransport. Da der benötigte Schiffsraum von den Gesandten weit überschätzt wurde, waren die Kreuzfahrer bei den Venezianern hochverschuldet und folgten - gegen Gewährung eines Zahlungsaufschubs - der venezianischen Aufforderung, die christliche Stadt Zadar (Zara) in Dalmatien, die der Krone Ungarn unterstand, zu erobern. Dieses Unternehmen, das zur Exkommunikation der Kreuzfahrer hätte führen müssen, spaltete das Kreuzzugsheer.
Anschließend ließen sich die Kreuzfahrer zur Intervention in Byzanz gewinnen. Hier sollte Alexios Angelos, der Sohn des von seinem Bruder Alexios III. entthronten Isaaks II., eingesetzt werden; weitergehende Ziele waren die Unterstellung des Patriarchats von Konstantinopel unter römische Oberhoheit und eine Beteiligung der Byzantiner am Jerusalem-Kreuzzug und an dessen Kosten. Der byzantinische Thronprätendent versprach die Summe von 200.000 Silbermark, die zu gleichen Teilen unter Venezianer und Kreuzfahrer aufgeteilt werden sollte. Trotz ablehnender Haltung einiger Kreuzfahrer wurde diese Vereinbarung angenommen. Unter der Führung von Bonifaz von Montferrat erschienen die Kreuzfahrer am 5. Juli 1203 vor Konstantinopel, erstürmten am 17. Juli die Stadt und führten den gewünschten Thronwechsel herbei. Doch verschlechterten sich die Beziehungen bald, ein Staatsstreich stürzte im Januar 1204 Isaak II. und seinen Sohn Alexios. Am 12. April 1204 brachen die Kreuzfahrer in die Stadt ein, die sie drei Tage lang plünderten. Sie errichteten das Lateinische Kaiserreich, zu dessen Oberhaupt Graf Balduin von Flandern gewählt wurde, teilten die besetzten Reichsgebiete nach einem vor der Eroberung der Stadt beschlossenen Plan und hatten bis 1205 Griechenland in ihre Hand gebracht. Die byzantinischen Kräfte, die sich in Randzonen des Reiches zurückzogen (Epiros, Thessalonike, Nikaia, Trapezunt), erreichten 1261 die Rückeroberung Konstantinopels.

V. Der 5. Kreuzzug:

Im April 1213 proklamierte Innozenz III. einen neuen Kreuzzug im Osten (Bulle »Quia maior«), den er, auch durch eigene Predigt, sorgsam vorbereitete. Am 14. Dez. 1215 billigte das IV. Laterankonzil die Konstitution »Ad liberandam«, ein klassisches Dokument der Kreuzzugsgeschichte, durch das sich der Papst das Recht sicherte, den Klerus zum Zwecke des Kreuzzuges zu besteuern. Als erster traf König Andreas II. von Ungarn in Palästina ein (Herbst 1217). Die Hauptstreitmacht aus dem Westen langte ab April 1218 an; seit 27. Mai 1218 rückten die Truppen gegen Damietta in Ägypten vor, das erst am 4.-5. Novomber 1219 fiel. Das weitere Vordringen nach Ägypten wurde bis Juli 1221 verschoben, da die Kreuzfahrer - stets vergeblich - auf das Eintreffen Friedrichs II. warteten. Schließlich wurden sie bei Mansura zwischen zwei Nilarmen eingeschlossen, mußten beim Sultan al-Kamil um Frieden nachsuchen und am 30. August dem Abzug aus Ägypten zustimmen.
Friedrich II. hatte erstmals 1215 den Kreuzzug gelobt, dieses Versprechen mehrfach erneuert, es 1225 durch Heirat mit Isabella II. von Brienne, Erbtochter von Jerusalem, bekräftigt, den für 1227 vorgesehenen Aufbruch aus Krankheitsgründen aber wieder verschoben, was ihm die Exkommunikation durch Gregor IX. eintrug. Als Gebannter schiffte er sich gegen Ende Juni 1228 ein und erreichte Akkon am 7. September. Da die meisten Kreuzfahrer bereits wieder das Land verlassen hatten, sah er sich nicht in der Lage, einen Krieg zu beginnen, konnte aber die Rückgabe Jerusalems an die Christen aushandeln (18. Februar 1229).
Angesichts des 1239 bevorstehenden Ablaufs des von Friedrich abgeschlossenen Waffenstillstands erließ Gregor IX. vorausschauend bereits 1234 einen Kreuzzugsaufruf. Ein starkes französisches Kreuzheer unter Tedbald IV. von Champagne und Hugo IV. von Burgund landete Anfang September 1239 in Akkon. Am 13. November bereits wurde eine Heeresabteilung von den Ägyptern bei Gaza schwer geschlagen. Tedbald trat in Verhandlungen mit den muslimischen Mächten, Damaskus und Ägypten, ein. Richard von Cornwall, der jüngere Bruder König Heinrichs III. von England, der sich seit dem 8. Oktober 1240 in Akkon aufhielt, konnte diese Verhandlungen mit einem Waffenstillstand, der den Christen umfangreiche Territorien zurückgab, abschließen (8. Februar 1241).

VI. Die Kreuzzüge Ludwigs des Heiligen:

Die Tatsache, daß 1244 Jerusalem und ein Teil der 1241 gewonnenen Gebiete von den Muslimen zurückerobert wurde, könnte den Entschluß König Ludwigs IX. 'des Heiligen' von Frankreich zum Kreuzzug ausgelöst haben. Der von ihm durchgeführte 6. Kreuzzug war wohl der am sorgfältigsten vorbereitete aller Kreuzzüge. Das Kreuzheer verließ Frankreich im August 1248 und erreichte - nach achtmonatigem Zwischenaufenthalt auf Zypern - am 4. Juni 1249 Damietta, das am 6. Juni erobert wurde. Am 20. November 1249 begann der Feldzug ins Landesinnere, der wieder bei Mansura zum Stillstand kam. Auf dem Rückmarsch fiel Ludwig am 6. April 1250 in ägyptische Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung zog er sich nach Palästina zurück, wo er bis zum 24. April 1254 blieb und die Position der Christen durch Waffenstillstandsverhandlungen, Ausbau der Festungen und Etablierung einer französischen Garnison, die dort bis 1286 stationiert war, zu sichern suchte.
Am 2. März 1267 nahm Ludwig nochmals das Kreuz, desgleichen die Könige von Aragón und England. Ludwig brach am 2. Juli 1270 auf und wandte sich zunächst nach Tunis, vielleicht in der Hoffnung auf eine Bekehrung des dortigen Herrschers aus dem Geschlecht der Hafsiden. Eine Seuche brach im französischen Heerlager aus, der Ludwig am 25. August 1270 erlag. Karl von Anjou, der Bruder des Königs, befahl daraufhin den Rückzug. - Jakob I., König von Aragón, begann seinen Kreuzzug bereits am 1. September 1269, doch kehrte er mit dem Großteil seiner Flotte bald wegen Sturmschäden um. Eduard, der Sohn Heinrichs III. von England, zog über Nord-Afrika nach Akkon (9. Mai 1271) und kehrte nach einigen Feldzügen am 22. September 1272 wieder nach Europa zurück.
Mit Gregor X. gelangte 1271 einer der eifrigsten Anhänger der Kreuzzugsidee auf den Hl. Stuhl. Auf dem 2. Konzil von Lyon erließ er die »Constitutiones pro zelo fidei«. In diesem bedeutendsten päpstlichen Kreuzzugsdokument seit »Ad liberandam« baute Gregor X. die Organisation des Kreuzzugszehnten aus. Das große Kreuzzugsunternehmen, das Rudolf von Habsburg ab 1277 durchführen sollte, kam mit dem Tode des Papstes (1276) zum Erliegen.

VII. Volkskreuzzüge des 13. und 14. Jahrhunderts:

In der Zeit von 1212-30 traten religiöse Volksbewegungen auf, die, beflügelt wohl durch die Predigt für den Albigenserkreuzzug (1212), zu spontanen 'Kreuzügen' wurden. Zum sogenannten Kinderkreuzzug brachen 1212 im Rheinland Tausende von Kindern und Jugendlichen auf, aber auch erwachsene Laien und Kleriker. 1251 entstand in Nord-Frankreich, im Zusammenhang mit der Nachricht von der Gefangennahme Ludwigs IX. auf dem Kreuzzug, die gewaltsame Aufstandsbewegung der Pastorellen (Pâtoureaux), die Züge eines (häretischen) Volkskreuzzugs trug und unter aanderem auch judenfeindliche Ausschreitungen beinhaltete. Weitere spontane 'Kreuzzüge' erfolgten 1309 und 1320 (diese ebenfalls als Pastorellenbewegung bezeichnet). 

VIII. Kreuzzüge im Spätmittelalter:

Durch die Nachrichten vom Fall der letzten Kreuzfahrerbastionen in Palästina und Syrien (1291) entflammte erneut der Kreuzzugsgeist. Die in einer Reihe von Kreuzzugstraktaten entwickelten Projekte lassen (neben dem Wunsch nach einer christlichen Friedensordnung in Europa) zwei Hauptziele erkennen:
 1. die Rückeroberung Jerusalems, nebst Vernichtung des Mamluken-Reiches (ein Schritt in diese Richtung war das bis 1344 aufrechterhaltene Embargo);
2. den Schutz des lateinischen Griechenland vor türkischer Piraterie.
Die im frühen 14. Jh. durchgeführten Kreuzzüge brachten nur partielle Erfolge (unter anderem Stärkung der Johanniter auf Rhodos). Am Hofe Philipps IV. von Frankreich, der 1313 das Kreuz nahm, wurden dagegen weitgespannte Planungen betrieben. Das Kreuzzugsprojekt Peters I. von Zypern, der hierfür in ganz Europa warb, führte zur Eroberung von Alexandria (10. Oktober 1365), das aber nur wenige Tage gehalten werden konnte. Entgegen den Erwartungen der zeitgenössischen Kreuzzugstheoretiker, die in einem Angriff auf Ägypten den Auftakt zum nächsten Kreuzzug sahen, verlagerte sich die Kreuzzugsaktivität im 14. Jh. stark auf den Seekrieg: die erste 'Kreuzzugsliga', in der sich Venedig, die Johanniter, Byzanz, Frankreich und der Papst zusammenschlossen (1334), war eine Flottenallianz, die die Seeräuberei der türkischen Fürstentümer (Aydïn, Mentese) bekämpfte und 1344-1402 den wichtigen Hafen Smyrna zu behaupten vermochte. Ein Zug Humberts II. von Viennois nach Smyrna (1345-47) war Ausdruck des in Westeuropa wieder entflammten Kreuzzugsfiebers.
Seit ca. 1370 bildeten die Osmanen, die sich bereits einen Brückenkopf in Europa geschaffen hatten, eine Bedrohung, der das religiös gespaltene Europa (Abendländ. Schisma) mit neuen Kreuzzugsaktivitäten zu begegnen suchte. Ein von beiden Päpsten autorisierter Kreuzzug endete in der Katastrophe von Nikopolis (25. September 1396); sie machte für die Osmanen den Weg ins Innere der Balkan-Halbinsel frei. Der Westen lieferte den Türken lediglich Seescharmützel unter Jean Boucicaut (1399-1400,1403).
Nach der durch den Feldzug des Mongolen-Herrschers Timur (1400-02) erzwungenen Unterbrechung führten die Osmanen ihre Eroberungstätigkeit bis 1440 erfolgreich weiter. Der von Eugen IV. am 1. Januar 1443 ausgerufene Kreuzzug endete nach anfänglichen Erfolgen in Bulgarien mit der Vernichtung des Kreuzheeres vor Varna (10. Nov. 1444).
Konstantinopel fiel am 29. Mai 1453. Diesem Desaster folgte eine Flut von Kreuzzugserlassen und -kongressen. Dank der Anstrengungen des hl. Johannes von Capistrano, des größten Kreuzzugspredigers seit Bernhard von Clairvaux, brach am 22. Juli 1456 ein zumeist aus Ungarn bestehendes Kreuzheer auf, das die Türken vor Belgrad zum Rückzug zwang. In mühevollen Verhandlungen war Pius II. bestrebt, einen neuen Kreuzzug zustandezubringen; er starb am 15. August 1464 in Ancona während der Musterung der Kreuzzugsflotte. Konnte 1472 eine neue Kreuzzugsliga nochmals Antalya und Smyrna angreifen, so gilt für die Zeit bis 1522, daß viel über den Kreuzzüe geredet, aber wenig gehandelt wurde; die politische Situation in Europa und das Chaos, dem Italien nach 1494 verfiel, machte die Verwirklichung von Kreuzzugsplänen nahezu unmöglich.
 

C. Kreuzzüge außerhalb des Orients
 

I. Iberische Halbinsel:

Spanische Kreuzfahrer nahmen am 1. Kreuzzug teil, jedoch gegen den Willen Urbans II., der sie lieber im eigenen Land Reconquista treiben sah. In der Zeit, die dem 1. Kreuzzug folgte, war Spanien Hauptschauplatz von Kreuzzugsaktivitäten (Graf Raimund Berengar von Barcelona, 1114-16; von Papst Gelasius II. verkündeter Kreuzzug gegen Zaragoza, Einnahme: 19. Dezember 1118), die aber noch stark von auswärtigen Kräften bestritten wurden, während die Spanier wohl erst seit den Jahren nach 1120 ihre Reconquista mit dem Kreuzzug assoziierten. Ein Höhepunkt war der Zug Alfons' I. von Aragón nach al-Andalus (1125-26), von wo aus er 10.000 mozarabische Familien in das Ebrotal umsiedelte. Die Iberische Halbinsel war auch in den 2. Kreuzzug involviert; Almería, Santarem und Lissabon fielen, in Katalonien wurden die Muslime aus ihren letzten Stützpunkten verdrängt. Nach 1149 ließen die Aktivitäten nach; die Christen gerieten seit 1157 gegenüber den Almohaden in die Defensive. Doch wurden in diesen Jahren die span. Ritterorden gegr. 1189 konnte König Sancho I. von Portugal mit Hilfe zweier westeuropäischen. Kreuzzugsflotten Silva und Alvor erobern.
1210 fühlte sich Alfons VIII. von Kastilien stark genug, um in die Offensive zu gehen; der Verlust der dem Orden von Calatrava gehörenden Burg Salvatierra bewog Innozenz III. zur Proklamation eines neuen Kreuzzugs (es hatte bereits 1193 und 1197 Kreuzzugsaufrufe gegeben; siehe auch Cruzada). Ein großes Kreuzheer aus Spaniern, Portugiesen und Franzosen schlug die Muslime bei Las Navas de Tolosa (17. Juli 1212). Dies war die große Wende der Reconquista, obwohl der Papst nach kurzer Zeit die Kreuzfahrerströme nach Palästina (5. Kreuzzug) umlenkte. Erst 1229 wurde wieder ein allgemeiner Kreuzzug mit vollem Ablaß für Spanien verkündet. Damit begann die größte Ära der Reconquista-Kreuzzüge, unter Jakob I. von Aragón (Eroberung Mallorcas, 1229-31, des Königreiches Valencia, 1232-53) und Ferdinand III. von Kastilien (Eroberung von Badajoz, 1230; Jérez, 1231; Córdoba, 1236; Sevilla, 1248). Die spanischen Kreuzzüge unterschieden sich insofern von allen anderen, als sie unter der Kontrolle des Königtums standen.
Der Rhythmus der Reconquista verlangsamte sich in den Jahren nach 1260, bedingt durch den Aufmarsch von Truppen der Meriniden in Andalusien. Erst 1328 begannen wieder größere Aktivitäten, an denen sich auch auswärtige Kräfte beteiligten. Am 30. Oktober 1340 besiegte Alfons XI. von Kastilien die Meriniden am Rio Salado, im März 1344 nahm er Algeciras ein und drängte so die Invasoren über die Straße von Gibraltar ab. Nachdem Alfons XI. 1350 an der Pest verstorben war, ruhte die Reconquista für ein Jahrhundert. Der Zusammenschluß von Aragón und Kastilien (1479) und der nach dem Fall von Konstantinopel wiederbelebte Kreuzzugsgeist führten seit 1482 zu offensivem militärischen Vorgehen gegen das letzte muslimische Reich in Spanien, Granada, das am 2. Januar 1492 fiel. Damit war ein Sprungbrett für die Invasion Nord-Afrikas geschaffen; die Spanier eroberten bis 1510 mehrere Brückenköpfe, unter anderem das weit östlich gelegene Tripolis.

II. Östliches Deutschland und Baltikum:

Schon 1108 hatte es in Sachsen einen Ansatz gegeben, die Kämpfe gegen die westslavischen (»wendischen«) Stämme (Elb- und Ostseeslaven) als Kreuzzüge zu führen. Aber erst während des 2. Kreuzzuges wurde, auf Wunsch deutscher Kreuzfahrer und durch Vermittlung Bernhards von Clairvaux, offiziell der »Wendenkreuzzug« verkündet (Bulle »Divina dispensatione« Eugens III., 13. April 1147); Bernhard wie der Papst kamen in ihrer Begründung der Idee des Missionskrieges nahe. Der sogenannte Wendenkreuzzug bestand vor allem in Zügen gegen die slavischen Vororte Dobin, Demmin und Stettin (obwohl dieses bereits christlich war). In einer späteren Phase eroberten dänische Kreuzfahrer pommersche Ostseeküstengebiete sowie Rügen (1168).
Im Zuge der von Deutschen, Dänen und Schweden getragenen Expansions- und Kolonisationstätigkeit griffen die Dänen auf den östlichen Ostseeraum aus (Finnland 1191,1202; Estland 1194,1197; Ösel 1206; Preußen 1210). Die Eroberung des nördlichen Estland erfolgte 1219/20, während schwedische Kreuzfahrer ab 1240 Finnland einnahmen. Bedeutender noch waren die mit unerbittlicher Härte geführten Kreuzzüge, die in Livland zur Verteidigung der Mission stattfanden (1193,1197,1199). Sie führten unter der energischen Leitung Alberts I. von Buxhövden, des Bischofs von Riga, und des Schwertbrüderordens zur Eroberung des ganzen Landes. Ein Spezifikum war hier die ausgeprägte Marienverehrung der deutschen Kreuzfahrer und Ordensbrüder.
Nach 1230 wurde das westlicher gelegene Preußen zum Hauptschauplatz; bestimmend war die Rolle des hier seit 1225 ansässigen Deutschen Ordens, der das Land seit 1234 als päpstliches Lehen hielt. Zur Unterwerfung und Missionierung der heidnischen Prußen, die seit 1229 einsetzten, bewilligte Innozenz IV. 1245 als einzigartiges Privileg einen ständigen Kreuzzug, der keiner besonderen Proklamation mehr bedurfte. Nach 1309 richtete sich die kriegerische Aktivität des Deutscehn. Ordens hauptsächlich gegen das mächtig gewordene, heidnische Litauen. Während des ganzen 14. Jh. strömten Adlige und Ritter in das Ordensland, um auf den Winter- und Sommerfeldzügen des Ordens (Reysen) zu kämpfen (Preußenreise). Die polnisch-litauische Union von 1386, die die Christianisierung Litauens beinhaltete, nahm diesen Zügen ihre Berechtigung, so daß der Zustrom an Kreuzfahrern gegen Ende des 14. Jh. immer mehr nachließ.

III. Mongolenkreuzzüge:

Die Mongolen drangen 1241 nach Mitteleuropa vor und schlugen ein deutsches Heer bei Liegnitz; Gregor IX. predigte den Kreuzzug gegen sie, der 1243 nochmals bestätigt wurde. 1245 wurde die Abwehr der Mongolen beim 1. Konzil von Lyon diskutiert; 1249 erlaubte Innozenz IV. sogar Palästina-Kreuzfahrern, ihr Gelübde auf den Kampf gegen die Mongolen bzw. Tataren zu übertragen. Während des 14. Jh. wurde eine ganze Reihe von Kreuzzugsprivilegien erteilt, namentlich an Polen, Ungarn, Genua und Venedig, die durch ihre Niederlassungen im Schwarzmeerraum (Krim) Nachbarn der Tataren (Goldene Horde) waren.

IV. Kreuzzüge gegen Christen:

[1] Allgemein:

Kreuzzüge dieses Typs wurden zwar gelegentlich kritisiert, waren aber aus zeitgenössisch theologischer Sicht nicht schwer zu rechtfertigen. Die Kreuzzugsbewegung war in einem gewissen Maße aus dem sogenannten Investiturstreit hervorgegangen (es gab schon bald nach dem 1. Kreuzzug Ansätze, dies theoretisch zu untermauern); Gewalt gegen Häretiker war schon seit ca. 400 als Norm anerkannt, und in den Augen der kirchlichen Denker wie Petrus Venerabilis im 12. und Henricus de Segusio im 13. Jh. war gewaltsames Vorgehen gegen abtrünnige Christen in manchen Fällen gerechter als dasjenige gegen Heiden.

[2] Kreuzzüge gegen politische Gegner des Papsttums:

Ein Dekret des Konzils von Pisa (Mai 1135) sah für Kämpfer gegen papstfeindliche Kräfte, in diesem Fall die süditalienischen Normannen, den gleichen Ablaß vor wie für die Teilnehmer des 1. Kreuzzugs. Dies ist ein Bindeglied zwischen den Auseinandersetzungen des 11. Jh. und den 'politischen Kreuzzügen' des 13. Jh., deren erster 1199 von Innozenz III. gegen den staufischen Reichsministerialen Markward von Annweiler gepredigt wurde, doch noch ohne größeres Echo blieb.
Der erste Kreuzzug gegen den Staufer Friedrich II. wurde in Italien, Deutschlamnd und Ungarn 1239-41 gepredigt. Er wurde 1244 erneuert; nach Friedrichs Absetzung (1245) ergoß sich ein Strom päpstlicher Kreuzugsbriefe ins Reich; das Heer, das im Oktober 1248 Aachen für den Gegen-König Wilhelm von Holland in Besitz nahm, hatte zahlreiche Kreuzfahrer in seinen Reihen. Nach 1250 wurden die Kreuzzugsaufrufe gegen Friedrichs Nachfolger und ihre Anhänger erneuert; seit 1255 trafen sie den Staufer-Erben Manfred. Die Kriege Karls von Anjou gegen ihn (Schlacht von Benevent; 26. Februar 1266) wie gegen Konradin (Schlacht von Tagliacozzo, 23. August 1268) wurden als Kreuzzüge geführt. Mit der Übergabe der letzten Staufer-Festung Lucera an die Angiovinen im August 1269 war diese erste Phase beendet.
Die zweite Phase begann mit dem anti-angiovinischen Aufstand der Sizilianischen Vesper (30. März 1282) zugunsten Peters III. von Aragón, des Schwiegersohnes von Manfred. Der folgende Krieg der Angiovinen gegen Aragón wurde mit dem päpstlichen Kreuzzugszehnten finanziert; er endete erst mit dem Frieden von Caltabellotta (1302). 1285 führte Frankreich einen Kreuzzug unmittelbar gegen Aragón (Aragón, Kreuzzug von), der scheiterte (Rückzug und Tod Philipps III.).
In Italien wurden K.e regelmäßig gegen die Ghibellinen gepredigt; sie erhielten durch das avign. Exil der Päpste neue Impulse. So wurden K.e verkündet gegen: Venedig (1309), Ferrara (1321), Mantua (1324), die Besetzung Roms durch Ludwig d. Bayern (1328), fast ununterbrochen in den Jahren nach 1350/60 zur Wiedergewinnung des Kirchenstaates.

[3] Kreuzzüge gegen Häretiker:

1208 predigte Innozenz III. den Kreuzzug gegen die Albigenser. Die Kreuzfahrer, die aus Teilen West-Europas und aus Frankreich (trotz der Vorbehalte des Königs von Frankreich gegen diesen Kreuzzug) kamen, erhielten Ablaß für 40 Tage. Sie vermochten den Oberbefehlshaber, Simon de Montfort, bei der Sicherung der von ihm gegen den Grafen von Toulouse mit Mühe gehaltenen Landesteile zu unterstützen. Allerdings wurde das militärische Vorgehen dadurch geschwächt, daß Innozenz III. 1213 den Albigenserkreuzzug zugunsten des 5. Kreuzzugs aussetzte; der Frieden kam erst 1229. Der Kreuzzug trug kaum zur Zerschlagung der Häresie bei; dies vollbrachte erst die 1233 in Toulouse eingerichtete Inquisition.
Kreuzzüge gegen Ketzer waren kaum je erfolgreich, und es wurden vergleichsweise wenige durchgeführt: 1227 und 1234 gegen die häretische Bosnische Kirche; ein Kreuzzug gegen die bäuerliche Landesgemeinde der Stedinger, den der Erzbischof von Hamburg-Bremen 1232 erwirkte und 1234 durchführte; ein Kreuzzug in Piemont gegen Fra Dolcino, 1306-07; ein Katharerkreuzzug in Ungarn, der 1327 proklamiert, aber wieder abgeblasen wurde, da die Inquisition hierin eine unbefugte Einmischung sah; ein Ketzerkreuzzug in Böhmen, 1340; schließlich die Hussitenkriege (Hussiten), die auf einem Reichstag zu Breslau im März 1420 proklamiert wurden und auch der Verwirklichung der böhmischen Thronansprüche Siegmunds von Luxemburg dienen sollten. Trotz Beteiligung von Kreuzfahrern aus dem gesamten Europa schlugen alle fünf Feldzüge fehl und riefen im Gegenzug Einfälle hussitischer Heere in das Reichsgebiet hervor.

[4] Kreuzzüge gegen Schismatiker:

Seit der Eroberung Konstantinopels im 4. Kreuzzug wurde das Instrument des Kreuzzugs auch gegen die byzantinischen »Nachfolgestaaten« (wie Epiros, Nikaia) und das gleichfalls orthodoxe Bulgarien angewandt, da diese Reiche die (katholische) Christenheit bedrohten (1231,1239). Auch wurde nach der byzantinischen Rückeroberung Konstantinopels ein Kreuzzug zur Wiedergewinnung proklamiert (1306-07). Der Kreuzzug Amadeus' VI. von Savoyen (1366) galt nicht nur den Türken (Gallipoli), sondern im zweiten Zug auch den Bulgaren, diesmal jedoch im Einvernehmen mit dem Byzantinischen Reich.
Im Ostseeraum wurden Kreuzzüge gegen Russen geführt. Neben den Rejsen, die nach der Christianisierung Litauens (1386) noch einige Zeit gegen Russen fortgeführt wurden, sind mehrere skandinavische Kreuzzugsunternehmungen im ungesicherten Grenzraum Finnlands (Karelien) gegen das orthodoxe Novgorod zu nennen (1323 von Papst Johannes XXII. verkündeter Kreuzug; 1348,1350,1351 Kreuzzüge des Königs Magnus' von Schweden-Norwegen, der unter Einfluß der hl. Birgitta, seiner Base, stand).
Das Abendländische Schisma brachte im übrigen zwei Kreuzzüge hervor, die, beide in England entstanden, den römischen Papst stützen sollten: der Kreuzzug des Henry Despenser, Bischofs von Norwich, gegen die 'Clementisten' in Flandern (Mai-Aug. 1383) und der erfolglose Kreuzzug Johns of Gaunt gegen Kastilien (1386-87).

[5] Ausklang:

Die Kreuzzugsbewegung überlebte das Ende des MA. Gegen die Reformation, das abtrünnige England, war die Armada Philipps II. von Spanien gerichtet (1588), und die Muslime wurden noch wiederholt im 16. Jh. von Kreuzzugsligen bekämpft (unter anderem Lepanto, 1571). Die letzte dieser Ligen bestand 1684-99 unter Führung des kreuzzugsbegeisterten Papstes Innozenz XI. (zeitweise Rückeroberung der Peloponnes). Bis 1798 behaupteten die Johanniter ihren Ordensstaat auf Malta.

J. Riley-Smith


Feudale Eroberungszüge, die ursprünglich gegen die nichtchristliche Bevölkerung in Europa, gegen spanische Araber (Araber-Kreuzzüge) und im Orient gegen Syrer und Juden gerichtet waren; später auch auf "Ketzer " und politische Feinde der Kurie ausgedehnt (Albingenser-Kreuzzüge). Im Ergebnis der Feudalisierung und Militarisierung der Weltkirche kam die Lösung des Kampfes "gegen die Ungläubigen"  und der "Befreiung des Heiligen Grabes" auf, hinter der sich das Streben christlicher Feudalmächte nach Ausdehnung ihrer Machtbereiche und Steigerung ihres moralischen Ansehens verbarg. Die Initiative ging vom Papsttum aus, das seine weltliche und geistige Einflußsphäre durch die Kreuzzüge auszudehnen hoffte. Dem sollte auch der Versuch der Wiedervereinigung mit der 1054 von Rom getrennten Ostkirche dienen. Der aus rein politischen Motiven - die westliche Kreuzzugsidee ist der Ostkirche immer fremd geblieben - abgegebene Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos an den Papst um Hilfstruppen gegen die Türken, fiel daher auf günstigen Boden. 1095 wandte sich Papst Urban II. in Clermont mit einem Aufruf zum 1. Kreuzzug nach dem Orient (1096/ 99) an die französische Ritterschaft. Ihm folgte ein Massenaufgebot des französischen Adels und bäuerlicher Schichten. Der durch innerfeudale Kämpfe und weitgehende Erbteilung geschwächte französische Adel trachtete nach auskömmlichen Leben und den Schätzen des Orients, die breite Schicht ritterlicher Vasallen zum Teil unfreier Herkunft außerdem nach kirchlicher Legitimation ihres Standes innerhalb der herrschenden Feusdalklasse. Die Bauern hofften der feudalen Bedrückung zu entgehen. Eine starke Triebkraft für die Kreuzzüge ging von den italienischen Seerepubliken aus, die den Handel mit dem östlichen Mittelmeer an sich zu reißen strebten. Zuerst brachen 1096 die Bauern auf (Bauernkreuzzug). Es folgten die französischen und normannischen Ritter (Kreuzritter) unter Führung Gottfrieds von Bouillon. Sie schlugen 1097 bei Doryläum und Nikäa die Seldschuken, eroberten 1098 Antiochia und Edessa und 1099 Jerusalem, wo um 1100 Balduin, der Bruder Gottfrieds, zum ersten König von Jerusalem gekrönt wurde. In Syrien und Palästina entstanden Kreuzfahrerestaaten. Ihre schwache Position beruhte auf der geringen staatlichen Konzentration und dem Fehlen einer soliden wirtschaftlichen Grundlage (breite bäuerliche Siedlung und starkes bodenständiges Bürgertum). Sie erforderte immer neue Kreuzzüge (1147/49,1189/90,1202/04, 1228/29,1248/54,1270). Es gelang jedoch nicht, die Kreuzfahrerstaaten nachhaltig zu festigen, und so fielen sie nacheinander (Antiochia 1268, Tripolis 1289) in die Hände der Türken. - Obwohl die Expansion des westeuropäischen Feudalismus nach Syrien und Palästina scheiterte, zeitigten die Kreuzzüge bedeutende Ergebnisse für Europa: Sicherung der kommerziellen Vorherrschaft der italienischen, südfranzösischen und katalanischen Seestädte im Mittelmeerhandel (Levantehandel) und enge Berührung der Westeuropäer mit der hochentwickelten Kultur des Orients, deren Einflüsse von nun an auf technischem, philosophischem und künstlerischem Gebiet spürbar wurden. Negative Folgen der Kreuzzüge waren die Zerstörung wertvoller Kulturwerte, besonders in Konstantinopel, und die Unterdrückung der Bevölkerung der umstrittenen Gebiete.