KINDERKREUZZUG
Lexikon des Mittelalters:
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Kinderkreuzzug
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Als Folge der Kreuzzugsbewegung und -begeisterung brachen 1212 einige
Tausend 'Kinder' unter Führung eines Kölner Knaben Nikolaus zu einem
eigenen Kreuzzug ins Hl. Land auf. Er hatte seinen Ursprung in den
Rheinlanden und in Nieder-Lothringen und sollte nach Überquerung
der Alpen von Genua aus auf dem Schiffsweg nach Palästina
führen, endete jedoch für jenen Teil, der nicht im Herbst
1212 nach Hause zurückkehrte, zumeist auf mediterranen
Sklavenmärkten. Neben Kindern und Jugendlichen nahmen auch Gruppen
von Erwachsenen und Klerikern an dem unbewaffneten, schlecht
organisierten und auch vom Papsttum nicht unterstützten Zug teil.
Der französische König vermochte eine Gruppe unter
Führung eines Knaben Stephan
aus dem Vendômois, der sich auf eine Erscheinung Christi als
armer Pilger und einen Himmelsbrief berief, in St-Denis
aufzulösen. Die neuere Forschung tendiert - wenn auch durch die
Terminologie der zeitgenössischen Quellen kaum gestützt -
dazu, als Teilnehmer des Kinderkreuzzugs
eher Arme und Randständige der mittelalterlichen ländlichen
Gesellschaft anzunehmen, die in göttlichem Auftrag das Scheitern
der offiziellen Kreuzzüge wettzumachen suchten.
Weitere 'Kinderkreuzzüge'
hat es im späteren Mittelalter in Gestalt von Kinderwallfahrten
gegeben: So brachen 1456-1459 viele hundert Kinder aus der Schweiz, aus
Mittel- und West-Deutschland nach dem Mont Saint-Michel auf. In diesem
Zusammenhang wäre auch an die Sage des Auszugs der Hämelschen
Kinder zu denken.
K. Arnold