Al-Mansur
Qala`un
7. Sultan der Bahri-Mamelucken (1279-1290)
------------------------
1220 †
1290
Ehemaliger kiptschakischer Sklave
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 342
********************
Qalawun, Mamlukensultan 1279-1290
------------
* 1220/23, † 1290
War wie Sultan Baibars ein
gebürtiger Qipcaq-Türke.
Er wurde
- für einen Mamluken spät - erst gegen Ende des 2.
Lebensjahrzehnts nach Syrien verkauft. 1249 gelangte er in den Besitz
von Sultan as-Salih Aiyub. Unter Baibars zu
einem der ranghöchsten
Emire avanciert, zeichnete er sich mehrfach in
militärischen Unternehmungen aus und wurde einer der engsten Berater des Sultans, der
1276 seinen zum Thronerben bestimmten
Sohn Baraka Han mit Qalawuns Tochter verheiratete.
Baraka Han
trat zwar 1278 die Nachfolge seines Vaters an, wurde aber schon Mitte
1279 zur Abdankung gezwungen. Qalawun
erhielt die Vormundschaft
für dessen erst sieben Jahre alten Bruder
Salamis und auch das Amt
des Armeeoberkommandierenden (atabak). Bereits nach drei Monaten
wurde Salamis
abgesetzt und Qalawun zum Sultan ausgerufen. Qalawun mußte
sich zunächst mit dem Emir Sunqur
al-Asqar auseinandersetzen, der sich in Damaskus unabhängig
gemacht hatte und die Einheit des Reiches gefährdete. Erst nach
dessen Einlenken konnte Qalawun gegen
die erneut Syrien bedrohenden Mongolen vorgehen, denen er am
29. Okt. 1281 bei Homs eine vernichtende Niederlage bereitete.
Unter gleichzeitig regen diplomatischen Kontakten zu christlichen
Staaten und Herrschern (Genua, Kastilien, Sizilien-Aragón,
Byzanz, RUDOLF
VON HABSBURG) kämpfte Qalawun in
den nächsten Jahren erfolgreich gegen Franken und Armenier, die er
beide nachhaltig schwächte, und hatte wesentlichen Anteil an der
inneren wie äußeren Konsolidierung des Staates. Obwohl dem
mamlukischen System der »one generation nobility«
(D. Ayalon) zuwiderlaufend, verstand es Qalawun,
eine Dynastie zu gründen, die zumindest nominell bis 1382 regierte.
P. Thorau
Der
Kampf um die Macht, den Qala'un gegen die Söhne Baibars I.,
gegen die anderen Mamelucken-Beys und die Garde Baibars, die
sich mit
einigen arabischen Beduinenstämmen und den AIJUBIDEN des
syrischen
Hama verbündet hatte, führte, war charakteristisch für
die weitere Entwicklung der Mameluckenmacht. Qala'un
stärkte seine
Position durch den Aufbau spezieller Abteilungen aus tscherkessischen
Sklavensöldnern, die in der Zitadelle von Kairo ihr Quartier
hatten und aus dem später die Sultane der Burgi-Mamelucken
hervorgingen. Im Innern des Landes setzte er die straffe
Zentralisierungspolitik Baibars fort.
Angesichts eines erneut drohenden
Mongoleneinfalls schloß er einen zehnjährigen Frieden mit
den vertriebenen Kreuzfahrern. Im Jahr 1281 konnte das Mameluckenheer,
verstärkt durch syrische Truppen, Beduinenabteilungen und selbst
arabische Verbände aus dem Higaz, beim Hims den Truppen des
Il-Chans Abaka nach
wechselvollem Kampf eine schwere Niederlage
zufügen. Nach diesem Sieg zögerte Qala'un nicht,
energisch
gegen die verbliebenen Kreuzfahrerebesitzungen vorzugehen. Die letzten
Festungen fielen ebenso den Vormarsch der Mamelucken zum Opfer wie
Tyros, Ladigiya (Latakia) und Tripolis. Ägyptische
Handelsinteressen und die Abwehr der drohenden Mongolengefahr
bestimmten die freundschaftlichen Beziehungen Qala`uns zum
byzatinischen Kaiser und den Khan der Goldenen Horde. Zahlreiche
Vereinbarungen mit der Republik Genua sowie den Königen von
Sizilien, Frankreich und Kastilien förderten erheblich die Rolle
des Mamelucken-Reiches im internationalen Fernhandel.
Mayer, Hans Eberhard: Seite
249-251
*******************
"Geschichte der
Kreuzzüge"
Der Tod Baibars' verschaffte den Franken noch
einmal eine kurze
Ruhepause, denn sein Nachfolger Qalawun († 1290)
benötigte drei
Jahre, um seine Herrschaft zu festigen. Er schloß mit Roger von
San Severino einen zehnjährigen Waffenstillstand ab. 1285
fiel
auch Magrat, der Hauptstützpunkt der Johanniter, obwohl die Burg
als uneinnehmbar gegolten hatte. Qalawun nahm
keine Rücksicht mehr
auf laufende Waffenstillstandsverträge mehr. 1287 eroberte er
Latakia und 1289 Tripolis. Im Jahre 1290 rückte Qalawun gegen
Akkon vor. Sein plötzlicher Tod schien die Franken zu retten, aber
bereits im nächsten Frühjahr stand sein Sohn al-Aschraf Halil
mit einem ungeheuren Heer und etwa 100 Belagerungsmaschinen vor
der
Stadt. Am 6. April begann die Belagerung mit einem unablässigen
Trommelfeuer aus den Steinschleudern und einem endlosen Regen von
Pfeilen. Am 4. Mai kam König Heinrich aus Zypern und
brachte
nochmals Verstärkungen, aber am 15. Mai brach die
äußere Mauer. Drei Tage danach begannen die Muslime mit
einem Sturmangriff auf der gesamten Mauerlänge und drangen beim
sogenannten "Verdammten Turm" in die Stadt ein. Am Abend war alles
vorbei.
Brandes Jörg-Dieter: Seite 112-123
*****************
"Mameluken"
Nach der Absetzung des Sultans Baraka baten die
Mameluken einen der
Ihren, einen ehemaligen turkmenischen
Sklaven, Kalaun
el Alfi, einen
der bedeutendsten Generale des
ehemaligen Sultans Beybars,
die Macht zu
übernehmen.
Kalaun war jedoch ein kluger und vorsichtiger Mann;
er sah voraus, daß eine überstürzte Ernennung zum
Sultan ihm nur Neider und Feinde schaffen würde. Was er brauchte
war Zeit, um sich eine zuverlässige Machtbasis aufzubauen. Diese
mußte, wie wir bereits gesehen haben, aus einer starken
persönlichen Leibgarde bestehen. Kalaun war,
wie sein
späterer Sultansname zeigt, schon unter dem vorletzten
Aiyubiden-Sultan Salih ein Emir el Alf gewesen und
verfügte damit
bereits über ein große Leibgarde. Dieser, die er zudem
ständig vergrößerte, fügte er die Mameluken des
toten Sultans Beybars hinzu. Damit
begründete er für alle
folgenden Herrscher die Tradition, daß jeder Sultan die Mameluken
seines toten Vorgängers - auch wenn er ihn selbst beseitigt hatte
und jene gegen ihn gekämpft hatten - als seinen
rechtmäßigen Besitz übernahm. Alles in allem hatte
Kalaun schließlich 19.000 Mameluken in seiner
persönlichen
Leibgarde. Zu dem Aufbau seiner Machtbasis brauchte Kalaun allerdings
einige Monate Zeit. Er setzte deshalb durch, daß der erst
siebenjährige Bedr ed Din Selamisch,
mit dem Titel El Adil zum
Sultan gekrönt wurde. Er ließ sich zunächst nur zum
Oberbefehlshaber der Armee
ernennen, ein Amt, das unter den gegebenen
Umständen dem eines Regenten gleichkam. In dieser Position
bereitete er zielstrebig seinen Machtantritt vor, und er brauchte nur
ungefähr 100 Tage, bis er seine Gegner aus allen Machtstellungen
entfernt und seine Anhänger an die Schaltstellen des Reiches
gesetzt hatte. Nun erst erschien ihm der Griff nach dem Thron
aussichtsreich zu sein, und das Kind Selamisch wurde 1279
still und
ohne viel Aufhebens entfernt. Der neue Sultan hieß jetzt "Der
siegreiche König, Schwertklinge
des Glaubens, Kalaun der Tausender
(Sklave des Sultans) Salih".
Mit der Machtübernahme durch Kalaun
begann eine der glanzvollsten
Epochen der Mamelukenherrschaft, denn er sollte der Begründer der
einzigen Mameluken-Dynastie
werden und seine Herrschaft zeichnete sich
durch herausragende militärische Erfolge und durch die Entfaltung
der schönsten orientalischen Baukunst aus. Zunächst
mußte Kalaun
auf dem Wege zur unangefochtenen Macht jedoch noch
einige Hindernisse überwinden. Denn trotz seiner der
Machtübernahme vorausgegangenen Säuberungsmaßnahmen
gab es unter den mächtigen Emiren nochg genug Neider, die sich,
wie üblich, fragten, warum nicht sie selbst das höchste Amt
innehatten. Die Schwäche des Reiches bestand nun einmal darin,
daß zwar die Tüchtigsten und Machtbewußtesten an die
Spitze gelangen konnten, dem hemmungslosen Kampf um die Macht jedoch
keine rechtlichen oder sich aus der Überlieferung ergebenden
Grenzen gesetzt waren. Den gegen ihn opponierenden Emir Sunkur besiegte
er im (Juni 1268?) in der Schlacht bei El Dschesura, in der Nähe
von Damaskus, vernichtend.
Ähnlich wie Beybars sah Kalaun in den
persischen Mongolen die
Hauptbedrohung für sein Reich, er war aber zunächst
bemüht, sich gegenüber den syrischen und
palästinensischen Kreuzrittern den Rücken freizuhalten. Er
erneuerte 1281 den Vertrag, den Beybars mit
den Johannitern von Markab
geschlossen hatte, und schloß weitere Abkommen mit dem Grafen
von Tripolis, den Tempelherren von Tortosa (Tartus) und den Herren von
Akka.
Ende Oktober 1281 standen sich die Mameluken (50.000 Mann) und die
Armee des Ilkhans von Persien (50.000 bis 80.000 Mann unter dem
Kommando Mangutimurs,
einem Sohn Hülagüs) in der
Nähe
von Homs gegenüber. Die Schlacht war eine der härtesten
Auseinandersetzungen zwischen Mameluken und Mongolen. Denn die Mongolen
auf ihren zottigen, flinken Steppenpferden machten der
schwerfälligen Mameluken-Kavallerie sehr zu schaffen. In nicht
enden wollenden Wellen preschten die asiatischen Reiter heran, schossen
in vollem Galopp ihre Pfeile ab, wendeten, bevor sie selbst ein
lohnendes Ziel abgeben konnten, stürmten, zur Seite geneigt, in
der Deckung der Pferdeleiber davon und formierten sich zum
nächsten Angriff. Diese mongolischen Angriffstaktik, "Tulughma"
genannt, brachte den linken Flügel der ägyptisch-syrischen
Schlachtordnung bald ins Wanken, und die Soldaten des Sultans flohen
hinter die schützenden Mauern von Homs und der die Stadt
überragenden mächtigen Zitadelle. Eilig setzten ihnen die
mongolischen Reiter bis vor die Stadttore nach, wo sie jeden ihrer
Feinde, die die Stadtmauern nicht rechtzeitig erreicht hatten,
töteten und laut lärmend die Kriegsbeute verteilten.
Zu früh allerdings, die Schlacht war noch keineswegs entschieden.
Denn die Front der Sultanstruppen war nur auf dem linken Flügel
zusammengebrochen, nicht jedoch in der Mitte und auf der rechten Seite.
Dort kämpften die bewährten Truppen des Fürsten von
Hama, besonders standhafte und gutgedrillte Mameluken, und die dem
alten AIYUBIDEN-Geschlecht
treu ergebenen Beduinenkrieger. Diese
Reitergeschwader hatten dem ersten Ansturm der Mongolen standgehalten.
Der Mongolen-Fürst Mangutimur wurde dabei
verwundet, und in der
darüber bei den Mongolen eingetretenen Verwirrung formierten sich
die Moslems zum Gegenangriff. Auf dem rechten Flügel trat nun das
genaue Gegenstück zu den Geschehnissen am linken Flügel ein:
Die Mongolen wurden in die Flucht getrieben und der überraschte
Sultan, der mit seinem Gefolge hinter dem Zentrum der
ägyptisch-syrischen Schlachtordnung gehalten hatte, wurde Zeuge
zweier sich in gegenseitige Richtung entfernenden Verfolgungsschlachten.
Dabei wäre er, nur von den etwa 1.000 Mameluken seiner Leibgarde
gedeckt, selbst fast in höchste Gefahr geraten: Als die Mongolen,
die vor Homs hielten, die Flucht ihres linken Flügels gewahr
wurden, jagten sie unverzüglich zurück, um sich mit dem
geschlagenen Gros ihrer Armee zu vereinigen. Dabei mußten sie den
Hügel, auf dem sich der Sultan befand, passieren, und es wäre
ein leichtes gewesen, den Herrscher und seine kleine Streitmacht zu
überwältigen. In ihrer Hast übersahen die Mongolen
jedoch die sich ihnen bietende bietende günstige Gelegenheit; der
Sultan ließ seine Banner herunterholen, die Kriegstrommeln und
Tropeten verstummen und befahl seinen Mameluken, sich zu verstecken.
Als die Mongolen, weit über ihre Pferdehälse gebeugt,
vorübergestürmt waren, als die Staubwolke, die sie
aufgewirbelt hatten, sich verzog, setzte er ihnen nach und fiel den
Flüchtenden in den Rücken. Damit war die Niederlage der
Mongolen besiegelt, und ihre Armee stob in völliger Auflösung
nach Osten davon. Der Sultan sandte Brieftauben-Botschaften an seine
Stathalter im Euphratgebiet mit der Weisung, die
Flußübergänge und Furten zu sperren, so daß die
Mongolen nicht durch Flucht ihrer totalen Vernichtung entgehen konnten.
Zweimal schon waren sie von den Mameluken, von Kutuz und Beybars
geschlagen worden. Dies aber war ihre bisher schwerste Niederlage, von
der sie sich nicht mehr völlig erholen sollten.
In der Folgezeit ging Kalaun daran,
die zerbröckelnde Macht der
Kreuzfahrer endgültig zu zerschlagen. Bevor der Sultan Akka, die
letzte christliche Festung, zu erobern begann, starb er 1290 auf nicht
geklärte Weise im Alter von 70 Jahren.
Kalaun war
ein großer Herrscher gewesen. Er wies viele
Ähnlichkeiten mit Beybars auf,
und auch die Umstände und
Verhältnisse seiner Regierungszeit glichen denen seines
großen Vorgängers. Wie jener hatte er ein Netz von
Verträgen und Handelsbeziehungen geknüpft, die Beseitigung
der letzten Kreuzfahrerstaaten zunächst aufgeschoben und alle
Kraft darauf verwandt, die Mongolen in die Schranken zu verweisen. Er
hatte den Bestand des Reiches erhalten und wesentlich zu seiner
inneren Festigung beigetragen. Die Mamelukenarmee zeigte unter seinem
Kommando den höchsten Grad an Disziplin und Schlagkraft, und die
unter den rohen Söldnern sonst üblichen Exzesse waren
einigermaßen eingedämmt worden. Es gab unter ihm 24
"Tausender-Emire", und ein Heer von 12.000 Mameluken (Halqa), dessen
Stärke bei Bedarf schnell auf das Fünf- bis Sechsfache
erweitert werden konnte, stand stets unter Waffen. Ein Drittel der
Bahri-Mameluken war jetzt in der Zitadelle untergebracht, der Burg
(arabisch: burdsch = Turm), nach der diese Mameluken zur Unterscheidung
von den Bahri-Mameluken zukünftig "Burdschi-Mameluken" genannt
wurden.
Kalaun galt
bei seinen Zeitgenossen als tapfer, klug und gerecht. Er
verabscheute unnützes Blutvergießen und war, gemessen an den
Zeitumständen, fast milde zu nennen. Als Sultan wußte er
aber auch mit Strenge seine Autorität zu wahren. Viele illoyale
Emire und Offiziere ließ er umbringen, einsperren, vergiften oder
grausam foltern. Christen, die im Widerspruch zum Gesetz Moslemfrauen
heirateten, ließ er verbrennen, die Frauen verstümmeln. Er
war voller Vorbehalte gegenüber den Christen und ließ sie
aus allen Staatsämtern entfernen. Er war ein überzeugter
Moslem, und einige der schönsten unter seiner Herrschaft
errichteten Bauten zeugen noch heute von der tiefen
Religiösität seiner Zeit, so zum Beispiel ein von Kalaun in
Damaskus errichtetes Mausoleum für Sultan Beybars
und ein
Gebäudekomplex im Kairoer Khan el Khalili, der aus einer
Grabmoschee für den Sultan, einer Medresse und einem Muristan
(Hospital) besteht.
Von seinen vier Söhnen
hatte Kalaun
den Prinzen Ala ed Din 1280 zu
seinem Nachfolger bestimmt. Als dieser jedoch im Jahre 1288 unter
mysteriösen Umständen starb, wurde der nächste Sohn des
Sultans, Khalil,
zum Erben ernannt, obwohl sein Vater die Ernennung nie
unterzeichnete.
Kinder:
al-Asraf Khalil 8. Sultan (1290-1293)
1263 † 12.12.1293
ermordet
al-Nasir Muhammad I.
† 1341
Ala ed Din
um 1260 † 1288
Literatur:
------------
Brandes
Jörg-Dieter: Die Mameluken. Aufstieg und Fall einer
Sklavendespotie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996 Seite 112-123 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der
Kreuzzüge,
Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 249-251 - Runciman,
Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1
Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite
1101,1166,1169-1172,1174,1177,1183,1185-1192 -