MAMELUCKEN


Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 181
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Mamluken
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[1] Definition

Das arabische Wort mamluk (‚eigen‘, ‚in Besitz genommen‘) bezeichnet den weißen, zu Kriegsdienst herangezogenen Sklaven meist türkischer, aber auch tscherkessischer, slavischer und anderer Herkunft. Die Verwendung von Mamluken geht vor allem auf den abbasidischen Kalifen al-Mutasim (833-842) zurück. Ihr Kauf erfolgte möglichst kurz vor oder während der Pubertät, wenn sich ihre kriegerischen Vorzüge bereits zu entwickeln begonnen hatten, sie aber noch formbar genug waren, um sie zu gläubigen Muslimen und treuen Gefolgsleuten ihres Herren heranzubilden. Nach ihrer mehrjährigen intensiven militärischen Ausbildung und religiösen Unterweisung wurden sie feierlich freigelassen. Zum Nachteil des Systems ging man im Spätmittelalter dazu über, auch Erwachsene in ihre Reihen aufzunehmen, darunter christliche Renegaten, was dazu führte, dass das über das italienische mammalucco auch in die deutsche Sprache eingedrungene Wort ‚Mameluck‘ negativ besetzt wurde („abtrünnig, heimtückisch“).

[2] Reich und Dynastie

In Ägypten wurden die Mamluken erstmals unter dem letzten wichtigen AYYUBIDEN-Sultan as-Salih zahlenmäßig und damit militärisch sowie politisch bedeutsam. In der Krise, die sein Tod angesichts der Invasion König Ludwigs IX. von Frankreich auslöste, waren es vor allem seine Bahri-Mamluken (so benannt nach ihren Kasernen auf der Nil [=Strom, arabisch bahr]-Insel Roda), die die Kreuzfahrer schlugen. Da ihre Treue - ein Kontinuum in der Geschichte der Mamluken - nicht dem Staat oder der Dynastie galt, sondern allein ihrem Herrn, der sie gekauft und gefördert hatte, ermordeten sie seinen Sohn Turansah im Mai 1250, der sie durch seine Günstlingswirtschaft brüskiert hatte. Aus den blutigen Wirren der nächsten Jahre ging 1259 der Mamluken-Emir Qutuz als Sultan hervor. Am 3. September 1260 schlug er an der Goliathsquelle die Mongolen, die 1258 Bagdad erobert und das abbasidische Kalifat ausgelöscht hatten. Mit diesem Sieg haben die Mamluken nicht nur ein zweites Mal Ägypten vor der Eroberung bewahrt, sondern auch den sunnitischen Islam gerettet, was erheblich zu ihrer Legitimation beitrug. Als Sultan Qutuz kurz darauf einer Verschwörung zum Opfer fiel, wurde der Emir Baibars, der eigtliche Begründer des Mamluken-Reiches, zum Sultan (1260-77) ausgerufen. Indem er zur weiteren Rechtfertigung der mamlukischen Herrschaft einen abbasidischen Abkömmling in Kairo als Kalif einsetzte, wurde Ägypten bis 1517 zum Hort des rechtgläubigen Islam. Unter Verknüpfung ayyubidischer und türkische Herrschaftsformen schuf er als fähiger Feldherr und kluger Staatsmann mit diplomatischem Geschick ein durchorganisiertes, Ägypten und Syrien umfassendes und zentralistisch regiertes Großreich, das dem der mongolischen Ilhane ebenbürtig zur Seite trat. Mit seinen erfolgreichen Feldzügen sorgte er dafür, daß seine Nachfolger, die Sultane Qalawun (1279-1290) und al-Asraf Halil (1290-1293), mit der von ihm aufgebauten Armee die Kreuzfahrer aus Syrien (Fall Akkons 1291) vertreiben konnten. Den europäischen Mächten war das Mamluken-Reich nicht nur für lange Zeit ein gefährlicher Gegner, sondern auch der wichtigste Handelspartner in der Levante, da über seine Häfen der bedeutsame Indienhandel abgewickelt wurde. Unter strikter Beibehaltung des Brauchs, junge Sklaven zu importieren, konsolidierten Baibars und seine Nachfolger die Herrschaft der Mamluken, denen allein alle wichtigen Hof- und Staatsämter vorbehalten waren und die die militärische Elite stellten. Da die in Freiheit geborenen Mamluken in strengem Sinne keine Mamluken mehr waren, blieb diesen theoretisch der m. cursus honorum versagt. Es mußte daher von außen zu einer ständigen Auffrischung der »one generation nobility« (D. Ayalon) kommen, der zu ihrem Unterhalt vom Sultan eine Landübertragung (iqta) gemacht wurde. Trotz der völligen Militarisierung des Staates erlebte das Mamluken-Reich in seiner ersten Phase weitgehend eine Zeit wirtschaftlicher Prosperität und innerer Stabilität - zu der auch noch die äußere Sicherheit trat, als Sultan an-Nasir Muhammad während seiner dritten Regierung (1310-41) im Jahre 1322/23 mit den Ilhanen Frieden schloß - und eine einzigartige kulturelle Blütezeit. Unter den Bürgi-Mamluken (so genannt nach ihren Kasernen auf der Zitadelle, arabisch burg), 1382-1517, schwächten zunehmend Fraktionskämpfe innerhalb der mamlukischen Militäroligarchie, die keine verbindliche Thronfolgeregelung kannte, das Reich, das nach dem Tod Sultan Barquqs (1382-1389, 1390-1399) durch die Feldzüge Timurs nach Syrien und die damit einhergehenden Verwüstungen schwer erschüttert wurde. Zwar konnte Barsbay (1422-1437) das Regime noch einmal stabilisieren und 1426 Zypern abhängig machen, doch beging er den Fehler, weite Wirtschaftszweige zu monopolisieren, wodurch langfristig das Handelsvolumen schrumpfte. Hohe Steuern, Konfiskationen und Münzverschlechterungen ruinierten die Wirtschaft und machten Ägypten abhängig von der europäischen Goldwährung, was zu einer zunehmenden politischen Schwächung führte. Das Vordringen der Portugiesen 1497 in den Indischen Ozean brachte den lebenswichtigen Indienhandel zum Erliegen. Hinzu kamen die schweren Pestepidemien, die Ägypten seit 1347 immer wieder entvölkerten. 1516/17 unterlagen die Mamluken der moderner kämpfenden türkischen Armee Sultan Selims I.; Ägypten und Syrien gingen im Osman. Reich auf.

P. Thorau

Meist türkische, auch kaukasische Kriegsgefangene. Sie wurden zur Zeit der AIJUBIDEN-Herrschaft in großer Zahl gekauft und in der Armee verwendet. Bald stiegen sie zu großem Einfluß empor und bekleideten die wichtigsten Ämter im Staate. Nach der Ermordung des letzten AIJUBIDEN-Herrschers in Ägypten (2.5.1250), waren sie die wirklichen Herren des Landes. Nach dem Standort der herrschenden Mameluckenkorps unterscheidet man die Herrschaft der Bahritischen Mamelucken (1250-1382; al-Bahriyya-Fußleute) und die Herrschaft der Burdschidischen Mamelucken (1382-1517; al-Bardschiyya-Turmleute).

Brandes Jörg-Dieter: Seite 199
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"Mameluken"

Ein neuer Zeitabschnitt hatte in der Geschichte der Mameluken begonnen, denn mit der Wiedereinsetzung Barkuks als Sultan begann die Herrschaft der Burdschi-Mameluken. Die Bahri-Mameluken und deren Nachkommen sollten nach der Absetzung von Hadschi nie mehr den Herrscherthron besetzen; sie hatten ihren einstmals beherrschenden Einfluß endgültig verloren.
Aber auch die Stellung der Sultane änderte sich unter den Burdschis, und zwar mit tiefgreifenden Folgen für Gesellschaft und Staat. Die Burdschi-Sultane unterschieden sich von den Bahri-Herrschern vor allem durch ihre Herkunft. Sie waren, wie das Mamelukenregiment, dem sie entstammten, fast ausschließlich Tscherkessen, außer zweien, Khuschkhadam und Timurbugha, die griechischer Abstammmung waren. Keinem von ihnen, außer Barkuk, gelang es, seinen Nachkommen die Thronfolge zu sichern. Sie waren eher Präsidenten auf Lebenszeit als Monarchen im strengen Sinne der Orients. Der typische Burdschi-Sultan konnte sich nur als "primus inter pares" verstehen, der von seinen Anhängern gewählt worden war und der während seiner Herrschaftsdauer auf sein Geschick vertrauen mußte, sich die Militäroligarchien von Ägypten und Syrien gewogen und fügsam zu halten. Denn die Kaste der Emire stellte unter den Burdschi-Sultanen mehr noch als bisher die wahre Autorität im Reich dar. Erfolg und Mißerfolg des Herrschers standen in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Fähigkeit, die verschiedenen Fraktionen der Mameluken gegeneinander auszuspielen, und mit seiner Bereitschaft, Übergriffe der Mächtigen unter den Mameluken mit Geduld und Nachsicht hinzunehmen.
Behielt ein Sultan den Thron bis zu seinem Tode, folgte ihm normalerweise einer seiner Söhne nach, in der Regel jedoch nur für einige Monate und nicht etwa in Anerkennung eines Erbanspruches, sondern nur, um während der auf den Herrschertod folgenden unausbleiblichen Machtkämpfe als Puffer zwischen den Parteien zu dienen und während der Übergangszeit, gewissermaßen als Reichsverweser, den Thron zu verwalten. Der Sultanssohn saß ohne wirkliche Herrscherrechte auf dem Thron, während die Großen des Reiches um die Nachfolge stritten und kämpften. Hatte sich schließlich einer der Emire als der Stärkste durchgesetzt, wurde der Prinz entfernt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, brachte man ihn dann nicht mehr, wie früher üblich, um. Er wurde in irgendeine Stadt verbannt und dort in einer Art lebenslänglicher Ehrenhaft gehalten.
Von den 23 Burdschi-Herrschern, die in den nächsten 134 Jahren die Macht in den Händen hielten, erstreckte sich die Regierungszeit von neun Sultanen, nämlich von Barkuk, Farradsch, Scheykhu, Bars-Bey, Dschakmak, Inal, Kuschkhadam, Kait-Bey und Kansuh el Ghuri, auf über 125 Jahre. Dies bedeutet, daß für die restlichen 14 Herrscher insgesamt nur neun Jahre blieben. Diese neun Sultane drückten ihrer Zeit den Stempel auf. Sie waren, überwiegend im negativen Sinne, herausragende Persönlichkeiten, was allein schon daraus hervorgeht, daß sich einige von ihnen 8, 16, sogar 27 Jahre als Herrscher behaupten konnten.


























BAHRITISCHE MAMELUCKEN
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Aibek                                             1250-1257
al-Mansur Ali            [Sohn; abgesetzt]        1257-1259
al-Muzaffar Qutuz                                 1259-1260
al-Zahir Baibars I.                               1260-1277
al-Said Baraka Khan      [Sohn; abgesetzt]        1277-1279
al-Adil Salamis          [Bruder; abgesetzt]         1279
al-Mansur Qala`un                                 1279-1290
al-Asraf Khalil          [Sohn]                   1290-1293
al-Nasir Muhammad I.     [Bruder; abgesetzt]      1293-1294
al-Adil Kitbugha         [abgesetzt; + 1303]      1294-1296
al-Mansur Lagin                                   1296-1299
al-Nasir Muhammad I.                              1299-1309
al-Muzaffar Baibars II.                           1309-1310
al-Nasir Muhammad I.                              1310-1341
al-Mansur Abu Bakr       [Sohn]                      1341
al-Asraf Kuguk           [Bruder]                 1341-1342  
al-Nasir Ahmad I.        [Bruder; + 1344]            1342
al-Salih Ismail          [Bruder]                 1342-1345
al-Kamil Sa'ban          [Bruder]                 1345-1346
al-Muzaffar Hagi I.      [Bruder]                 1346-1347
al-Nasir al-Hasan        [Bruder]                 1347-1351
al-Salih Salih           [Bruder]                 1351-1354
al-Nasir al-Hasan                                 1354-1361
al-Mansur Muhammad II.   [Sohn Hagis I.]          1361-1363
al-Asraf Sa`ban II.      [Enkel Muhammads I.]     1363-1377
al-Mansur Ali II.        [Sohn]                   1377-1381
al-Salih Hagi II.        [Bruder]                 1381-1382
al-Zahir Burquq                                   1382-1389
al-Muzaffar Hagi II.     [ + 1412]                1389-1390


BURDSCHIDISCHE MAMELUCKEN
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al-Zahir Barquq          [wiedereingesetzt]       1390-1399      
al-Nasir Farag           [Sohn; abgesetzt]        1399-1405     
al-Mansur Abd al-Aziz    [Bruder; + 1406]            1405
al-Nasir Farag           [wiedereingesetzt]       1405-1412
al-Adil al-Mustain       [ + 1430]                   1412
al-Muayyad Saykh                                  1412-1421
al-Muzaffar Ahmad II.    [Sohn; + 1430]              1421
al-Zahir Tatar                                       1421
al-Salih Muhammad III.   [Sohn; + 1430]           1421-1422
al-Asraf Barsbay                                  1422-1438
al-Aziz Yusuf            [Sohn; abgesetzt]           1438    
al-Zahir Gaqmaq                                   1438-1453
al-Mansur Uthman         [Sohn; abgesetzt]           1453
al-Asraf Inal                                     1453-1461
al-Muayyad Ahmad III.    [Sohn; abgesetzt]           1461
al-Zahir Khusqadam                                1461-1467
al-Zahir Bilbay          [abgesetzt; + 1468]         1467
al-Zahir Timurbugha      [abgesetzt; + 1475]      1467-1468
al-Asraf Qa´itbay                                 1468-1496
al-Nasir Muhammad IV.    [Sohn]                   1496-1498
al-Zahir Qansuh I.       [abgesetzt]              1498-1500
al-Asraf Ganbalat        [abgesetzt; + 1510]      1500-1501
al-Adil Tumanbay I.      [abgesetzt]                 1501
al-Asraf Qansuh II., al Ghawri                    1501-1516
al-Asraf Tumanbay II.    [abgesetzt; + 1517]      1516-1517