KONYA/IKONION
Lexikon des Mittelalters:
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Konya/Ikonion (Iconium)
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Stadt und Bistum in Kleinasien (Lykaonien) im zentralanatolischen
Hochland
I. Byzantinische Periode:
Konya, seit klassisch-griechischer Zeit (Xenophon) bekannt, lag in
römischer, byzantinischer und osmanischer Zeit an einer wichtigen
Diagonalverbindung durch Kleinasien nach Kilikien und Syrien.
Gehörte bis zur diokletianischen Provinzialreform zur
römischen Provinz Galatien. Missionierung durch den Apostel
Paulus. Spätestens seit Beginn des 3. Jh. Bistum, wurde Konya etwa
370 n. Chr. Hauptstadt der neuen Provinz Lykaonien und Sitz eines
Metropoliten. In mittelbyzantinischer Zeit zusammen mit der auf einem
Berg 11 km nordwestlich gelegenen Festung Kabala wichtiges Bollwerk
gegen arabische Einfälle im Thema Anatolikon. 723 von den Arabern
erobert, 906 vom Emir von Tarsus niedergebrannt. Einer ersten
Plünderung durch die Türken 1069 folgte die endgültige
Eroberung noch unter Süleiman
vor 1084. Von den drei Rückeroberungsversuchen der KOMNENEN
scheiterten zwei (1116,1176) bereits auf dem Anmarsch, einer (1146)
vor den Mauern der Stadt. Konya wurde vom Heer des 1. Kreuzzuges 1097
und den »Nachzüglern« 1101 berührt, von FRIEDRICH BARBAROSSA
(3. Kreuzzug) 1190 (mit Ausnahme der Zitadelle) erstürmt, aber
sofort nach Abschluß eines Vertrages mit Qiliç Arslan wieder
geräumt. - Nach Zerstörung dreier Kirchen (1. Hälfte des
20. Jh.) sind nur noch wenige Baureste (unter anderem Kapitelle) des
byzantinischen Konya erhalten.
K. Belke
II. Unter türkischer Herrschaft:
Die erste Einnahme Konyas durch türkische Heere (1069) war nur
vorübergehend. Erst nach der Eroberung durch Mas'ud und
seiner Thronbesteigung 1116 sollte Quniya die wichtigste Residenz der
anatolischen SELDSCHUKEN
werden. In der langen Friedensperiode nach der Schlacht von
Alasehir/Philadelphia (1211) entwickelte sich eine rege
Bautätigkeit:
Ausbau der Moschee von Alaaddin Kaikobad,
Errichtung zahlreicher, überwiegend von hohen Amtsträgern
gestifteter Bethäuser und Medresen (Sams as-Din Altun Aba, Mu'in
al-Din »Pervane«, Fahr ad-Din genannt Sahib Ata, Qaratay u.
a.). Die Stadtmauer (erste Renovierungsinschrift von 1203/04) erhielt
über 100 Türme und einen Graben, der auch zur Ableitung
periodischer Hochwässer diente. Die Herrscher bewohnten
Palastbauten auf dem Stadthügel (Kiosk des Oïlïç
Arslan II [1155-1192]). Der extra muros
gestiftete Konvent des großen Mystikers Galaluddin-i Rumi
entstand 1273/74 und erreichte bald überregionale Bedeutung als
Zentrum der Mevleviye-Bruderschaft. Konya mit seiner kosmopolitischen
Bevölkerung und einem offenen religiösen Klima spielte eine
erhebliche Rolle bei der Islamisierung des spätmittelalterlichen
Anatolien. Die zeitweise Besetzung (1277/78), schließlich
definitive Annexion (1313) durch die turkmenischen
Karamanlï-Fürsten (Karaman) bedeutete das Ende der Glanzzeit,
in der Konya seine mittelanatolischen Rivalen (Sivas, Tokat)
übertraf. In osmanischer
Zeit (1520-1530) zählte Konya ca.
6.000 Einwohner. Entsprechend müssen hohe Bevölkerungszahlen
für das Mittelalter korrigiert werden.
K. Kreiser