ILCHANE


Lexikon des Mittealters:
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Ilchane ('Landesfürsten', aus der Sicht des Großchans)
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Mongolische Herrscher Irans, des Zweistromlandes, Kaukasiens, von Teilen Kleinasiens und Randgebieten Innerasiens (1256-1354) seit der Eroberung durch Hülägü († 1265), einem Enkel Dschingis Chans;
Residenz: Aserbajdzan (Maragä und Täbriz), seit 1307 in Soltanijä bei Qazvin.
Nach Wirren unter den SELGUQEN (bis 1194) und den Chorezm-Schahs (bis 1218) gelangte das Land unter den I
lchanen zu einer gewissen Ruhe und wirtschaftlichen Wohlstand. Doch gab es mancherlei Kämpfe, besonders in den suzeränen Staaten Süd- und Ost-Irans; auch sorgten zeitweise hoher Steuerdruck und der Versuch, 1294 Papiergeld nach chinesischem Muster einzuführen, für Unruhe.
Die Beseitigung des Kalifats in Bagdad 1258 und die Oberherrschaft buddhistischer I
lchane über islamsches Land schien den Bewohnern unerträglich, die sich auch gegenüber den Christen zurückgesetzt fühlten. Der Übertritt Gazans (1295-1304) und seines Bruders Ölgäitü (bis 1316; seit 1310 Schiit) zum Islam führte zur Abkühlung der Beziehungen zum buddhistischen Groß-Chan in China. Den Brüdern stand der konvertierte jüdische Arzt Rasid ad-Din (hingerichtet 1318), Verfasser einer Wèltgeschichte, die Europa einschloß, als Wesir zur Seite; seine Reformen in Wirtschaft und Verwaltung waren zumeist nicht von Dauer. Die Konversion der Mongolen führte zu ihrer Verschmelzung mit den ansässigen Türken.
Die I
lchane gerieten bald in Gegensatz zur nomadisch geprägten Goldenen Horde, gewannen dabei Kaukasien, doch wurden ihre Kräfte dadurch stark beansprucht (bis 1357), so daß die dauernde Besetzung Syriens und die Eroberung Ägyptens nicht gelang (Niederlage an der Goliathsquelle 1260). Die Mamluken wurden zu Bundesgenossen der Goldenen Horde; ein Ausgleich mit den Ilchanen erfolgte erst 1323. Die Ilchane standen in lebhaften politschen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Mittelmeerraum (venezianische Niederlassung in Täbriz), wie auch zu China und Indien. Diese Verbindungen begünstigten eine lebhafte politische und missionarische Tätigkeit der Päpste und Ludwigs IX. des Heiligen, die die zum Teil nestorianische Mongolen zu Katholiken und Gegnern der Muslime (damit zu Helfern der Kreuzfahrer) zu machen hofften; sie galten längere Zeit als die Kämpfer des Priesters Johannes. Mehrere Herrscherinnen und einige Ilchane waren (wenigstens in ihrer Jugend) Nestorianer, die unter ihrem Katholikos Jaballaha III. (1281-1317), einem Osttürken, großen Einfluß am Hofe gewannen. Nach seinem Tode setzte sich der Islam endgültig durch. Zu den byzantinischen Kaisern bestanden Heiratsverbindungen (orthodoxe Kirche in Täbriz).
Seit 1335 zerfiel der Staat unter endlosen Bürgerkriegen zahlreicher Prätendenten. 1354 endete die mongolische Herrschaft; es setzten sich verschiedene sunnitische und schiitische Teildynastien durch. Eine Reihe von Fremdwörtern im Persischen zeugt sprachlich noch von der mongolischen Herrschaft; durch die Annahme des Islam erfolgte die Festigung türkischer Einsprengsel.

B. Spuler

BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 354
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Ilchane
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Mongolische Dynastie in Persien und im Irak (1256-1335), anfangs buddhistisch; gegründet von Hülägü, einem Enkel Tschingis-Chans, vielfach im Kampf mit der Goldenen Horde und den Mamluken in Ägypten und Syrien. Die Dynastie verschaffte Iran eine Zeitspanne verhältnismäßiger Ruhe. Der Reformer Ghazan Chan (1295-1304) nahm den Islam an. Nach 1335 rieb sich die Dynastie in Bürgerkriegen auf.

Die Herrscher des 1255 durch Chulagu-Chan gegründeten und bis 1353 bestehenden mongolischen Reiches, das Iran, Afghanistan, die Länder Transkaukasiens, Iraks und den östlichen Teil Kleinasiens umfaßte; Sitz Täbris. Seit den 60-er Jahren des 13. Jahrhunderts führten die Il-Chane eine selbständige Politik gegenüber dem mongolischen Stammland. Der letzte Herrscher aus dem Geschlecht Chulagu-Chans war Togai-Timur ( 1353).


Chulagu [Enkel Tschingis-Chans]
1256-1265
Abaqa 
[Sohn] 
1265-1282
Ahmad
[Bruder] 
1282-1284
Arghun [Sohn Abaqas]     
1284-1291
Gaichatu [Bruder] 
1291-1295
Baidu
[Enkel Chulagus]  
  1295
Gazan
[Sohn Arghuns]    
1295-1304
Öljeitü [Bruder] 
1304-1316
Abu Sa`id [Sohn]  
1316-1335
Arpa
[6. in direkter Linie von Tschingis-Chan] 1335-1336
Musa 
[Enkel Baidus]
1336-1337
Muhammad 
[5. in direkter Linie von Chulagu] 1336-1338
Sati Beg
[Tochter Öljeitüs]  
1338-1339
Gahan Temür 
[Enkel Gaichatus; abgesetzt]  1339-1340
Sulaiman 
[4. in direkter Linie von Chulagu] 1339-1343 
         


Aufsplitterung des Staates der Il-Chane in kleine Königreiche