ASSASSINEN


Lexikon des Mittelalters:
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Assassinen
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in der westlichen Literatur gebräuchliche Bezeichnung für eine von der ismailitischen Sia (Islam) abgespaltene Sekte. Ihr Gründer, Hasan ben as-Sabbah (geboren um 1050), brach mit den FATIMIDEN und war somit nicht nur mit den Sunniten, sondern auch mit den Hauptrichtungen der Sia verfeindet. 1090 sicherte er sich Alamut im Elburs-Gebirge als religiöses und politisches Zentrum. Von dieser Hochburg aus erweiterte die Sekte ihren Einfluß, vergrößerte ihren Landbesitz in Persien und sandte Missionare nach Indien. Um 1140 etablierte sie sich im Ansariyya-Gebirge in Syrien. Ihren größten Einfluß erlangten die A
ssassinen unter ihrem Großmeister Rasidaddin Sinan (genannt »Der Alte vom Berge«, 1163-93). Die Stärke der Assassinen lag im Besitz verteidigungsfähiger Stützpunkte und im bedingungslosen Gehorsam ihrer Anhänger. Ihre Schwäche bestand in den verhältnismäßig geringen Mitteln und ihrer begrenzten Anziehungskraft auf die islamische Gesellschaft. Ihr Dogma beruhte auf direkter Übertragung göttlicher Autorität. Einzelheiten religiöser Vorstellungen und Praktiken sind unbekannt, da den Anhängern in Zeiten der Gefahr die Verheimlichung ihres Glaubens gestattet wurde. Wieweit der Genuß von Haschisch, der sich möglicherweise in der Bezeichnung Assassinen (von hassasun 'Haschischraucher') ausdrückt, bei den Assassinen tatsächlich eine Rolle spielte, ist ungeklärt.
Die Kriegführung der A
ssassinen war weitgehend auf den Kampf um feste Plätze ausgerichtet. Durch handstreichartige Überfälle brachten sie Stützpunkte in ihre Gewalt, in denen sie sich dann mit viel Geschick behaupteten. Ob sie selber Burgen errichtet haben, ist nicht ganz sicher. Erfolge verzeichneten sie auch im Kleinkrieg, dank dem sie zeitweise ganze Landstriche beherrschten.
Ihre Politik war durch wechselndes Paktieren mit Kreuzfahrerstaaten, Ritterorden und dem AYYUBIDEN Saladin gekennzeichnet. Ein wichtiges Instrument der A
ssassinen war der organisierte Mord an politischen und religiösen Gegnern, ausgeführt durch fanatisierte Elitegruppen (fidaiyyun; vgl. frz. assassin, it. assassino, 'Mörder'). So hätten zwei assassinische Mordanschläge auf Saladin bei Gelingen zu unabsehbaren historischen Konsequenzen führen können,
Als größte Leistung der A
ssassinen muß zweifellos ihr Überleben in einer feindlichen Umwelt gewertet werden. Ihre Machtstellung wurde in Persien durch die Mongolen, die 1256 Alamut eroberten, im Westen 1270 durch Baibars gebrochen. Reste der Gemeinde haben sich als friedliche Bauern und Hirten in Syrien bis heute erhalten.

M. C. Lyons (mit W. Meyer)